Mehrkindfamilien und die Gesellschaft

Vergangenen Sommer durfte ich mich kurz mit einem Sechs-Kind-Papa unterhalten. Ich war grad mit meiner Tochter schwanger, und fragte ihn, wie das mit so vielen Kindern so ist. Er meinte: “Anstrengend” und lachte, machte jedoch keinen gestressten Eindruck auf mich, ich steckte ihn in die Kategorie: Gemütlicher Papa-Bär.

Er spielte gerade mit zwei seiner Kinder vor dem Haus und unterhielt sich entspannt mit mir. Im weiteren Verlauf des Gespräches meinte er noch zu mir, dass die Gesellschaft ihm am meisten zusetzt. Sie werden oft gefragt, ob sie in irgendeiner Sekte seien und/ oder ob sie keine Verhütungsmittel kennen würden. Ich war schockiert! Die Familie machte absolut keinen ärmlichen, heruntergekommen Eindruck auf mich. Die Kinder sahen glücklich aus und ein VW Bus stand vor dem Haus. Wie kann man nur so etwas zu jemand sagen, der die “Bürde” auf sich nimmt, viele Kinder in die Welt zu setzen? Frech! Unverschämt!

Pixabay

Einmal unterhielt ich mich in einem Nähforum mit einer Mutter mit sage und schreibe 9 (!!!) Kindern, die gerade an dem 10. Kind arbeitet, wie sie grinsend (mit Smiley) bekannt gab. Ich fragte sie, wie sie das nervlich aushalte- sie meinte, sie habe Nerven wie Drahtseil, wenn sie ruhig wird, wissen die Kinder jetzt müssen sie in ihren Zimmer verschwinden. Nebenbei unterhält sie noch einen Nähblog und verkauft wohl auch selbst genähtes- nur die Kinder alleine würden ihr nicht reichen. Verständlich! Ihr erzählte ich die oben erwähnte Geschichte von dem Vater und sie meinte: “Kein Wunder, wenn man im TV sieht, wie Mehrkindfamilien hingestellt werden!” Sie hätte einen großen Mercedes vor dem Haus stehen und nochmals ein Auto, zudem zwei Häuser (Erbe) und trotzdem werden sie schief angesehen…

Auf Instagram “lernte” ich dann lustigerweise auch noch einige Mütter mit 5+ Kindern kennen, die das wirklich aus Liebe und Leidenschaft tun und nebenbei noch aktiv ihren Hobbies nachgehen und manche machen ihre Hobbies auch erfolgreich zu Geld. Ganz nebenbei. Natürlich sind alle Aktivitäten dem Familienleben angepasst worden, sonst würde die ganze Kleingesellschaft Familie nicht funktionieren.

Also, gibt es sie doch noch, diese Familien, die einfach Kinder in die Welt setzen, weil sie finden, dass (viele) Kinder einfach was tolles sind. Es ist anstrengend mit Kindern, ja! Aber das ist kein Manko, sondern normal. Kinder sind Menschen und wo Menschen aufeinander treffen, mit verschiedenen Bedürfnissen, kommt es zu Reibereien. Das ist normal.

Ich denke, unsere Gesellschaft hat oft verlernt wie es ist, selbst mal Kompromisse einzugehen oder mal zurückzustecken (mein großes Thema übrigens, da ich das auch noch nicht voll und ganz gelernt habe). Das klingt alles immer so negativ. Warum kann man aber nicht mal aufgrund eines geliebten Menschen einfach etwas tun, was einem vielleicht grad nicht in Kram passt, nur um einfach dem geliebten Menschen damit eine Freude zu machen? Wenn es dieser Mensch wirklich wert war, dann kommt auch was zurück! Oder?
Geld ist wichtig zum Leben und Kinder kosten Geld ja. Aber ich bin der Meinung, man kann es sich richten, wenn man nur will.

Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg!

Photo by Annie Spratt on Unsplash

Interessante Fakten zu dem Thema Mehrkindfamilien:

Studie: Welche Familien haben mehr als zwei Kinder?


Schlechte Bildung, viele Kinder – lange wurden solche Zusammenhänge hergestellt, das hat zu Stigmatisierungen geführt. Inzwischen wird Kinderreichtum mehr und mehr ein Mittelschichtenphänomen.

https://www.spiegel.de/karriere/kinderreiche-familien-mehr-als-zwei-kindern-gelten-als-asozial-a-1274370.html

Wie hat dir dieser Beitrag gefallen?

Um es zu bewerten, klicke auf einen Stern!

Teile uns deine Meinung über diesen Post unten im Kommentarfeld mit!

Wenn du meinst, dass dieser Post wertvoll war...

Folge uns in den Sozialen Netzwerken!

Das könnte Dich auch interessieren …

4 Antworten

  1. muttianne sagt:

    Hallo nach Österreich!
    Ich hatte schon letztens einen Kommentar verfasst, der nach dem Einloggen aber verschwunden war. Deshalb hier der zweite versuch.
    Wie du weisst, haben wir ja 6 Kinder (weitere nicht ausgeschlossen) und es geht uns gut.
    Hier im Ort ist man mit 6 Kindern zwar immer noch eine große Familie, aber viele Kinder sind nicht ungewöhnlich (unser Dorf hat mit dem eingemeindeten Nachbardorf ca. 4300 Einwohner)
    In Noas Kindergartengruppe (das ist allerdings schon 6 Jahre her) gab es nur ein Einzelkind und , soweit ich mich erinnere, nur 2 Kinder, die ein Geschwisterkind hatten. Alle anderen der insgesamt 18 Kinder hatten 2 oder mehr Geschwister.
    Außerdem gibt es hier alles, was Familie braucht bzw. brauchen könnte: Kinderkrippe und Kindergarten, Grundschule und private Oberschule, 2 Arztpraxen (von denen eine auch Kinder behandelt), Zahnarzt, Einkaufsmöglichkeiten, Radweg, Spielplätze, Vereine… In der Schulzeit fahren auch regelmäßig Busse in die Kreistadt Annaberg.
    Obwohl ich gerade kein Geld verdiene und “nur” Kindergeld bekomme, reicht es aus, auch wenn man natürlich schon etwas rechnen muss.
    Aber ich kann mich nicht beklagen, weder bei den Reaktionen durch andere Leute, die eher bewundernd ausfallen, noch bei der staatlichen Unterstützung.
    Langsam bekomme ich Lust, noch was neben den Kindern zu machen, aber was genau, kann ich nicht sagen.
    Das ergibt sich dann irgendwann.
    Was du allerdings schaffst mit deinen dreien – Hut ab, das wäre mir gerade zu stressig.
    Lieben Gruß
    Annegret aus Crottendorf

    • Anna sagt:

      Hmmm… Merkwürdig mit deinem Kommentar. Aber dieser hat geklappt! 🙂
      Schön, dass es bei euch kein Problem ist mit den vielen Kindern! Toll! <3
      Ich versuche alles in den Alltag zu integrieren. Im Moment lieg ich mit dem Laptop am Boden auf dem Krabbelteppich, neben mir meiner spielende Tochter 😀
      Sonst würde ich das nicht schaffen. Wenn jemand schreit oder Hilfe braucht, ist natürlich erst das Kind dran, bevor ich am PC oder Handy weitermache.
      Ja, eine gute Infrastruktur ist toll! Das haben wir hier Gott sei Dank auch!
      Finde ich auch toll, wie ihr das macht! Wenn magst kannst mir per Mail mal deine Handynummer zukommen lassen. Im Sommer sind wir in eurer Nähe- auf einer Hochzeit von einem Freund. Vielleicht könnte man ja was arrangieren! 🙂

  2. muttianne sagt:

    Also bei diesem Thema muss ich einfach (mal wieder) einen Kommentar hinterlassen 😉
    Ich bewundere dich, wie du mit drei Kinder noch einen Blog unterhalten und noch nähen kannst!
    Mir ist es manchmal schon zuviel, deine ganzen Beiträge zu lesen.
    Ich nähe auch gern, aber irgendwie habe ich in letzter Zeit dieses Hobby vernachlässigt.
    Jetzt schweife ich aber ab, denn ich wollte ja über meine (unsere) 6 Kinder schreiben.
    Hier bei uns im Ort ist es fast normal, nicht nur zwei Kinder zu haben.
    In Noas Kindergartengruppe (vor 6 Jahren) mit 18 Kindern gab es nur ein Einzelkind und (soweit ich mich erinnere) nur 2 Kinder mit einem Geschwisterkind. Alle anderen hatten mindestens 2 oder sogar mehr Geschwister. Man wird nicht schief angesehen, vor allem auch, weil unsere Kinder in der Öffentlichkeit ziemlich nett (wenn auch nicht immer leise) sind (Zuhause ist es noch etwas anderes 😉 )
    Allerdings stecke ich meine Interessen oft zurück (z.B. das Nähen), weil Jörg ja selbständig ist und demzufolge keine festen Arbeitszeiten hat. D.h. manchmal kommt es vor, dass er nur kurz wegmuss, aber dann Büroarbeiten erledigt, und das andere Extrem ist halt, dass er bis abends arbeitet, wenn etwas fertig werden muss. Die Kinder fallen also in meinen Zuständigkeitsbereich, nicht ausschließlich natürlich, aber gerade die Hausaufgaben, das Üben der Instrumente und die meisten Fahrdienste und Arztbesuche gehören zum Mamajob.
    Ich habe letztens zu einer Mama gesagt, die mich bewunderte, dass nicht die Arbeit das schwierige ist (auf die eine Maschine Wäsche kommt es nicht drauf an und auch nicht, ob 4 oder 10 Personen am Mittagstisch sitzen), dass ich es aber herausfordernd finde, jedem Kind mit seinem eigenen Charakter gerecht zu werden.
    Ich wünsche dir viel Kraft weiterhin mit deinen drei trubeligen Kindern.
    Annegret

    • Anna sagt:

      Ich hab diesen deinen letzten Kommentar gefunden! Er ist irgendwie im Spam-Ordner gelandet. Keine Ahnung warum…
      Ja, ich frag ich auch manchmal, wie ich das alles unter einen Hut bekomme 😀 Aber ich bin ab und zu schon ganzschön fertig… 😉 Das mit dem schreiben ist für mich wie reden… Wenn ich mich hinsetze ist so ein Text oft in ein paar Minuten runter geschrieben. Das geht ratz fatz. Daher ist das jetzt nicht unbedingt ein Einschnitt im Alltag.
      Was das nähen angeht- da brauch ich Ruhe und Zeit, das mach ich meistens nur dann, wenn mein Mann da ist. Also am Wochenende und Abend. Sonst könnte ich mich da nicht konzentrieren…
      Aber… Irgendwie ist das halt mein Ausgleich zum Alltag. Aber du hast schon recht, man steckt einfach zwischendurch was zurück. Es gibt Zeiten da mach mich mehr dies und Zeiten da mach ich mehr jenes. Die Abwechslung machts! 🙂
      Das mit jedem Kind gerecht werden, ja… Das ist wirklich die größte Herausforderung. Wenn alle am Tisch sitzen und alle wollen erzählen… oder alle wollen gleichzeitig zu einem…. Wobei du da ja schon ne Ecke mehr zu tun hast!
      Finde toll, dass ihr euch für so viele Kinder entschieden habt! Wenn bei uns ein paar Dinge anders gelaufen wären, würden wir auch noch mehr Kinder bekommen. Aber… Es soll wohl nicht sein- haben wir den Eindruck. 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

%d Bloggern gefällt das: