Anni Side | andererseits.at

Christliche Kindererziehung

Vielen wird allein der Titel dieses Beitrages schon sauer aufstoßen. Christliche Kindererziehung erzeugt bei vielen ein ganz negativen Beigeschmack. Sie assoziieren dies mit schlagen, prügeln, strenge Gesetze und Regeln, keine Freiräume, Manipulation, Lieblosigkeit, usw.

War bestimmt zu früheren Zeiten auch so, als der strenge Prediger von der Kanzel noch auf die Kindererziehung Einfluss nahm. Kinder waren die Untergebenen der Erwachsenen und mussten sich allem fügen, ohne wenn und aber. Gegenwind wurde hart bestraft.
Leider sind einige in meiner Generation noch so aufgewachsen, besonders in den ganz konservativen Gemeinden, die fast schon sektiererische Züge hatten. Die Eltern, die streng waren wurden als gut dargestellt. Die Eltern, die auf ihre Kinder eingegangen sind, denen wurde übles prophezeit im Bezug auf ihre Kinder, wenn diese mal erwachsen seien.

Ich kann nun das Gegenteil erzählen: Die Kinder aus den strengen Familien haben sich oft irgendwann im Teenager- oder Jugendalter von dem Glauben ihrer Eltern abgewandt und versuchten ihr Glück in der Welt. Ein paar wenige haben, auf ihre Art und Weise, den Weg zu Gott wieder zurückgefunden, wieder andere lehnen den Glauben bis heute noch ab.
Die Familien, in denen die Liebe Gottes tatsächlich auch gelebt wurde, deren Kinder sind häufig bis heute noch fest mit dem Glauben an Gott verbunden. Das sagt eigentlich schon alles aus.

Was ist christliche Kinderziehung überhaupt?

Wir kennen einige Familien, die sich im freikirchlichen Bereich zu Hause fühlen und zu keinen von denen passt die Beschreibung der strengen Eltern. Es sind alles ganz liebe und nette Familien, in denen die Eltern alles tun, um ihren Kindern ein liebevolles, fürsorgliches und geborgenes Zuhause bieten zu können!

Vor kurzem verfasste ich auf Facebook, auf meinem privaten Account, einen provokanten Beitrag über Kindererziehung im Bezug auf Gemeinde und Predigt. Eine Bekannte antwortet mir mit super Worten darauf:

Ich denke, du hast den Finger auf den korrekten Punkt gelegt. Das Wort “Züchtigung” mit körperlicher Bestrafung gleichzusetzen ist meines Erachtens ein Irrtum.
Des weiteren erklären Predigten in meinem Verständnis in erster Linie einen Bibeltext – und es gibt in dem Sinn keinen zum Thema Kindererziehung. Es gibt sehr wohl Anweisungen an die Eltern, nach welchen Werten sie ihre Kinder erziehen sollen. Es gibt auch ein paar Aufforderungen, wie Kinder sich ihren Eltern gegenüber verhalten sollen. Es gibt viele Prinzipien, wie diese Erziehung in Gottes Augen aussehen soll – aber die Anwendung dieser Prinzipien kann sich je nach individuellen Umständen sehr unterschiedlich gestalten, meine ich.

Mir hat am meisten geholfen, wie jemand mal in Bezug auf Bibel und Kindererziehung gesagt hat: Kinder sind auch Menschen. Deshalb gelten alle Aussagen, die über den Umgang mit unseren Mitmenschen gemacht werden, auch für unsere Kinder (und sei es in unseren schlechtesten Momenten: “liebe deine Feinde” ;)). Tada – schon kannst du die ganze Bibel als Buch über Kindererziehung lesen, man wird als Eltern ganz schnell ganz demütig und betet dann gern um Weisheit von Gott und viiiiiiel Gnade für alle Beteiligten.

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Anni Side | andererseits.at

Dies ist der vollkommen richtige Ansatz: Kinder sind Menschen! So wie man selbst behandelt werden möchte, so sollte man auch (seine) Kinder behandeln!
Klar, Gott gibt seinen Kindern schon ein paar Instruktionen, wie er sich die Sache mit der Kindererziehung wünscht. Diese Vorgaben gelten aber gleichermaßen, je nach Bibelvers oder Bibelstelle, für Kinder und Eltern! Auch hier gilt der Grundsatz: Nicht nur einen Vers heraus picken und den als Gesetz nehmen, sondern den Vers immer im Kontext lesen!

Hand in Hand den Weg gemeinsam gehen. 

Nicht umsonst bin ich von der Erziehungsform: Bedürfnisorientierte Erziehung so begeistert. Dies beschreibt für mich persönlich zumeist* genau das, was ich mir unter einer liebevollen Erziehung vorstelle.
Nebenbei darf man jedoch nie vergessen: Wir sind alle in erster Linie Menschen. Menschen sind mal genervt, mal fröhlich, mal ausgelassen, mal liebevoll, mal traurig, mal wütend, mal besorgt… usw. All das trifft natürlich auch auf unsere Kinder auch zu! Jeder Mensch hat auch mal das Recht, sich daneben benehmen zu dürfen, ohne Strafe dafür befürchten zu müssen- solange man niemand dabei schadet.

Wie handhaben wir es mit der christlichen Erziehung?

Vielleicht interessiert es euch noch, wie wir es handhaben:
Wir beten vor jedem Essen, die Kinder dürfen mit beten, wenn sie möchten. Zwischendurch, bei besonderen Gegebenheiten erwähnen wir beiläufig, sie dürfen Jesus danken, dass dies oder jenes passiert ist oder wenn sie z.B. ein Geschenk erhalten haben. Wir vertreten den Grundgedanken, dass alles was wir haben, ein Geschenk von Gott an uns ist.
Am Abend wird ab und an aus der Kinderbibel vorgelesen oder sie hören zum einschlafen ein Hörspiel mit einer biblisch-christlichen Geschichte. Mehr tun wir eigentlich nicht. Manchmal denken wir, dass es zu wenig ist, aber uns fällt nicht mehr ein, was wir tun können.
Unsere Philosophie ist, wenn wir als Eltern gut miteinander klar kommen und unseren Kinder Liebe vorleben, ihnen ein geborgenes und fürsorgliches Zuhause geben, ist dies eigentlich für unsere Kinder erst einmal das beste Vorbild.
Wie können Kinder Gottes Liebe begreifen, wenn sie diese ansatzweise nie auf dieser Welt erlebt haben?
Wir sind jetzt nicht so hochnäsig zu behaupten, unsere Liebe ist die von Gott gleich. Gottes Liebe für die Menschen, seine Geschöpfe ist so unglaublich hoch, das kann glaub ein Mensch gar nie wirklich begreifen…

Fragen bezüglich Gott und Jesus kommen ganz automatisch und diese werden dann ganz offen und ehrlich beantwortet. Unser Großer fragt in der letzten Zeit häufiger nach und man merkt, langsam kommen die ersten richtigen Fragen auf. Wir geben unser bestes gute Antworten darauf zu geben und gut ist.
Ich denke, die kritische Auseinandersetzung mit Gott und der Bibel kommt erst ab dem Teenageralter, wenn der Verstand so weit ist, alles kritisch betrachten zu wollen.
Was jedoch tun, wenn die Kinder doch mal aus dem Ruder laufen? Wenn die Jungs z.B. so heftig streiten, dass sie sich gegenseitig weh tun? Dann muss man natürlich vehement dazwischen gehen. Alles andere wäre Vernachlässigung oder Ignoranz. Bei fehlender Einsicht müssen meiner Meinung nach auch Konsequenzen folgen. Die da u.a. bei uns wären: Ins Zimmer schicken und erst wieder kommen, wenn man sich beruhigt hat… Mit dem Kind über sein Verhalten reden…
Dabei gilt immer: Vergebung leben! Keiner ist perfekt. Fehler dürfen wiederholt werden!

Liebt uns Gott so sehr, dass er immer alles durchgehen lässt?

Ich denke nicht, dass Gott immer alles durchgehen lässt. Das ist keine Liebe. Er formt den Menschen und wenn dieser auf dem falschen Weg ist, dann unternimmt er alles um sein Kind wieder auf den rechten Weg zu bringen. Manchmal tut es weh, manchmal geht es einfach. Manchmal dauert es länger, manchmal geht es ganz schnell. Je nachdem, wie sehr der Mensch sich gegen Gottes Korrektur wehrt.
Was sind eure Gedanken zu dem Thema? Gerne in den Kommentaren.


*Warum zumeist? Ich sehe bei dieser Erziehungsform die Gefahr, dass viele Eltern dazu neigen, ihren Kindern immer die Entscheidungen zu überlassen. Die Eltern entscheiden! Die Eltern haben die Verantwortung für ihre Kinder! Allerdings können Entscheidungen liebevoll, gemeinsam mit den Kindern getroffen und ihre Standpunkte auch mit berücksichtigt werden.

2 Replies to “Christliche Kindererziehung”

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