Wie wichtig ist die Vater- Tochter- Beziehung?

Der Vater ist für eine Mädchen enorm wichtig. Oft entscheidet die Beziehung zum Vater über die zukünftige Beziehung des Mädchens mit einem Mann. Wenn man den Partner und den Vater vergleicht, ergeben sich sehr oft Parallelen, positive sowie negative. Natürlich ist auch die Mutter wichtig für ein Mädchen, wir legen unser Hauptaugenmerk hier jetzt jedoch auf die Vater- Tochter- Beziehung.
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An ihrem Vater lernt eine Tochter, wie ein Mann ist.

Ist der Vater ein gutes Vorbild, wird die Tochter auch später eine gesunde Beziehung zu einem Mann haben. Ist diese Beziehung gestört, wird es in weiterer Folge oft Probleme mit der Beziehung zu einem Mann geben. Daraus schlussfolgernd könnte man annehmen, dass viele junge Frauen heute keine gute Beziehung mehr zu ihrem Vater haben bzw hatten, wenn man die Beziehungen im Umfeld beobachtet.
Natürlich liegt es immer noch an der Tochter selbst, wie sie dies in ihrem Leben handhabt. Ist sie sich dem enormen Einfluss ihres Vaters bewusst, kann sie sich natürlich auch bewusst für oder gegen einen Mann entscheiden, der ähnliche Züge- Charakterzüge, Wesenszüge- wie ihr Vater hat.

Wenn jedoch etwas im Argen liegt, müsste man erst einmal mit der Beziehung zu seinen Eltern aufarbeiten und sich damit auseinandersetzen, bevor man sich in eine Beziehung mit einem Partner stürzt.

Im Idealfall, in einer liebevollen Familie, helfen die Eltern bei der Partnerwahl. In beratender sowie unterstützender Weise. Ist die Beziehung zu den Eltern jedoch gestört, wird es sehr oft Probleme zwischen dem Partner und den Eltern/ dem Vater geben.

Wie komme ich auf das Thema?

Ich habe eine sehr schlechte Beziehung zu meinem Vater. Er war einst ein guter Vater, in meiner frühen Kindheit und ich weiß, er liebt mich. Allerdings hatte er immer schon eine sehr merkwürdige Art und Weise seine Liebe zu zeigen. Meistens fühlte ich mich verletzt und angegriffen. Nicht wertgeschätzt. Ich hatte ständig das Gefühl, mich vor ihm beweisen zu müssen, damit er mich liebt und so akzeptiert wie ich bin. Meine Mutter meinte, er sei ein Narzist. Ob dies stimmt, kann ich aus meiner Tochter-Sicht nicht vollständig beurteilen.
In weiterer Folge entfernte er sich immer mehr von seiner Familie, die Scheidung folgte, bis zu vollständigen Kontaktabbruch meiner- und seinerseits. Ich konnte ihn nicht mehr ertragen. Er war wie eine Fessel in meinem Leben. Ständig das Gefühl zu haben, ihm alles recht machen zu wollen. Die Liebe zu ihm durch Leistung erkaufen. Ich musste immer beweisen, wie gut ich war. Guter Schulabschluss bzw Besuch einer höheren Schule, Fußballverein, Altenpflege Ausbildung. Alles nur ihm zuliebe. Meine Leidenschaften waren das nie. Ich wäre viel lieber auf der Hauptschule geblieben und hätte mich meinen Büchern und meiner Liebe zum Schreiben hingegeben. Meinen Träumen. Kein Abrackern für nichts.
Ich sah meinen Vater zuletzt vor neun Jahren. Ich besuchte ihn. Dachte, ich könne dies ruhig angehen. Äußerlich gesehen war ich ruhig, innerlich komplett aufgewühlt und zittrig.

Es war eine Hassliebe. Ja, ich liebe meinen Vater! Er ist mein Vater. Aber ich musste mich von ihm lösen, um frei Leben zu können.

Heute empfinde ich keinen Hass mehr für ihn. Ich durfte ihm vergeben. Dabei hat mir mein Glauben an den Gott der Bibel geholfen. Wenn Gott mir alles vergibt, wie kann dann ich nicht vergeben? Es gibt jedoch einen Unterschied zwischen vergeben und vergessen. Vergessen hab ich nicht, nein. Aber ich denke nicht mehr mit Abneigung und Hass an ihn. Es ist vielmehr Gleichgültigkeit. Er gehört nicht mehr zu meinem Leben. Es ist ein Mann, der irgendwo sein Leben lebt und ich hier meines. Mittlerweile würde ich mich sogar über einen Kontakt freuen. Etwa einmal im Jahr kontaktiert er mich auch, immer mit dem Versprechen, dass wir uns mal wieder treffen. Inzwischen setze ich kein Vertrauen mehr in seine Worte. Leere Worte und Versprechungen.
Mein ältester Sohn fragte vor zwei Tagen, ob ich auch einen Papa habe und wo der sei. Das lässt mich grad nicht los. Daher setze ich mich wohl mit diesem Thema nun auseinander. Ich sagte ihm, ich habe eine Papa, den ich jedoch schon lange nicht mehr gesehen habe. Er hat sich mit dieser Antwort zufrieden gegeben- noch. Es wird der Tag kommen, an dem ich alles erzählen muss und möchte. Es gehört dazu.

Was hat dies jedoch jetzt mit meinem Mann zu tun?

Mein Mann ist Handwerker aus Leidenschaft. Mein Vater war Handwerker. Ob aus Leidenschaft, kann ich nicht sagen, aber er hat viel selbst gemacht und dies hat mir schon immer imponiert. Ich wurde auch dazu erzogen, möglichst viel handwerklich selbst zu machen. Mein Vater hat mir viel handwerkliches gezeigt und ich machte es gerne. Vielleicht deswegen, weil ich dann lobende Worte der Anerkennung von ihm bekam. Nun ist es eigentlich logisch, dass ich mir auch einen Handwerker als Ehemann auserkoren habe. Noch dazu einen sehr Geschickten!
Bei den Charaktermerkmalen achtete ich indessen sehr gut darauf, nicht denselben Mann wie meinen Vater zu “erwischen”. Mein Vater ist ein vorlauter, umtriebiger, launenhafter Schwätzer, der andere Menschen immer niedermachen musste um sich gut zu fühlen. Mein Mann ist ein in sich ruhender, ausgeglichener Mensch mit viel Empathie.
Er tut mir gut! Einen besseren Mann konnte ich für mich nicht “ergattern”!
Hätte ich die Beziehung zu meinem Vater nicht aufgearbeitet, wäre ich ziemlich wahrscheinlich an genauso einen Mann geraten, auf den die Beschreibung meines Vater zutrifft. Ich hatte diese Ambitionen! Ich war immer von den lauten Männern fasziniert. Die immer im Mittelpunkt standen, immer der Clown bei jeder Veranstaltung spielten, die zu allem eine Meinung hatten, die immer alles besser wussten. Gott sei Dank, ja Gott sei Dank band ich mich nicht früher an einen Mann. Ich hatte mit Mitte 20 eine echte Sinnkrise, warum ich noch keine Freund hatte. Ich lernte Männer kennen, oh ja, aber mehr als ein Date oder reine Freundschaft wurde es nie. Ich war frustriert! Dachte schon, ich wäre bindungsunfähig.

Wie sind die Parallelen zur Gesellschaft?

Die Mütter

Ich las öfter schon berichte über dieses Thema und fast immer kamen in den Kommentaren beleidigende Kommentare von alleinerziehenden Müttern, die kein gutes Verhältnis zu ihrem Ex hatten und auch ihr Kind kein gutes Verhältnis zum Vater.
Ist die Trennung zum Kindsvater unschön verlaufen, neigen viele Mütter dazu, vor ihrem Kind auch negativ über den Vater zu reden. Tut das nicht!!! Nur weil die Eltern die Beziehung vergeigt haben, muss das Kind nicht darunter leiden!
Es ist der Vater des Kindes und der Vater wird immer wichtig für ein Kind bleiben! Egal, wie dieser sich verhält oder verhalten hat.
Ist das Kind alt genug, kann es sich selbst ein Bild machen und entscheiden, wie es die Beziehung zum Vater im weiteren Leben gestalten möchte.
Außer natürlich, der Vater wandte Gewalt an, dann muss das Kind logischerweise vor seiner Nähe geschützt werden, aber trotzdem ist es der Vater! Der Vater bleibt der Vater, ein Leben lang. Das Kind sollte entscheiden dürfen, ob fortan Hass oder Liebe über der Beziehung zum Vater schwebt. Hass zerstört. Liebe schenkt Möglichkeiten.

Liebe heißt nicht alles zu akzeptieren und zu tolerieren, aber Liebe schützt einen selbst vor psychischen Belastungen. Ich weiß wovon ich rede.

Was sind die Möglichkeiten für ein Kind, wenn die Vaterfigur fehlt?

Eine liebevolle Ersatz Vaterfigur suchen! Dies kann der neue Partner der Mutter sein, der hoffentlich so lange bleibt, bis das Kind/ das Mädchen soweit ist und einen gefestigten Charakter besitzt. Ständig wechselnde Partnerschaften der Mutter sind in dem Zusammenhang nicht besonders förderlich…
Es kann der Opa sein. Es kann ein Onkel sein. Es kann ein Nachbar sein. Es kann vielleicht sogar ein langjähriger, engagierter Lehrer, oder Trainer sein, wer weiß. Egal wer, ist er ein guter Mann und meint es gut mit dem Kind, kann er zu einer Ersatz Vaterfigur werden.
Wichtig wäre jedoch, darauf zu achten, dass diese Beziehung nicht so schnell in die Brüche geht. Beziehungen die immer wieder aufgelöst werden, hinterlassen innerliche Narben und diese schleppt man ein Leben lang mit sich herum.

Mein Ratschlag an alle Väter:

Geht liebevoll mit euren Töchtern um! Ihr seid ein Vorbild! Wenn ihr nicht wollt, dass eure Tochter eines Tages denselben Mann “anschleppt”, der dir ähnlich ist: Änder dich!
Warst du ein guter Vater und hast eine liebevolle, herzliche, ehrliche Beziehung zu deiner Tochter, brauchst du auch später keine Sorge haben bzgl der Partnerwahl deiner Tochter. Sie wird richtig wählen!
Stehe deiner Tochter bei! Ermutige sie, gebe ihr das Gefühl, das schönste und tollste Mädchen auf der ganzen Welt zu sein und dass sie es Wert ist, geliebt zu werden, so wie sie ist. Sie muss sich nicht für einen Mann verbiegen, sie muss nichts tun, damit die Männer sie mögen. Nein, sie ist gut, wie sie ist. Ohne wenn und aber. Wenn der Richtige kommt, dann merkt sie es.
Lasse nicht zu, dass sie sich in späterer Folge gegen die auflehnt, indem sie einen Partner wählt, der dich verärgern soll. Damit tut sie sich selbst mehr weh, als dir.
Dies benötigt jedoch gute, liebevolle Vorarbeit in der Kindheit. Ohne Beziehung hast du keinen positiven Einfluss auf sie und wenn du dann etwas sagst oder tust, was sie an einer Beziehung hindern soll, verstärkt dies ihre Wut auf dich und ihr entzweit euch nur noch mehr. Hilf ihr! Stehe ihr bei, ohne sie zu verurteilen. Du verurteilst dich im Grunde selbst.
Natürlich ist die Beziehung zum Sohn ebenso wichtig. Aber da ich kein Sohn bin, kann ich dies nicht beurteilen.

Familie

In zerrütteten Familien entstehen viele Verletzungen, die vor allem die Kinder ein Leben lang mit sich herumschleppen. Es liegt in der Verantwortung der Eltern, ihre Kinder vor diesen Verletzungen zu bewahren. Es ist nicht immer möglich, richtig. Aber man kann versuchen, es so minimal wie möglich zu halten.

Moderne Gesellschaft

Vater und Mutter sind enorm wichtig für die positive Entwicklung eines Kindes. Leider wird dies unter “modernen” Menschen immer mehr zurückgedrängt, da alternative Partnerformen gefördert werden sollen, die auch “gemeinsame” Kinder haben möchten und sollen. Das jeweils andere Geschlecht soll in seiner Bedeutung für eine positive Kindesentwicklung herabgesetzt werden. Geschlechter an sich sollen individuell austauschbar sein. Welch irre Welt, in der wir leben… Je weiter entwickelt eine Gesellschaft, desto mehr Freiheit der Mensch bekommt, umso dümmer und realitätsferner wird dieser scheinbar… “Freiheit” wird so zur Pein für unsere Kinder.
Gleichgeschlechtliche Beziehungen resultieren laut mir oft auf der Enttäuschung bzw fehlenden Beziehung zum jeweils andersgeschlechtlichen Elternteil und anstatt dieses aufzuarbeiten, sucht man sich jemand, der scheinbar diese Leere ausfüllen kann. Dies geschieht in heterosexuellen Beziehungen ebenso. Kann man beobachten, wenn ein Mann eine viel ältere Frau wählt oder eine Frau einen viel älteren Mann. Ist natürlich nicht immer so, aber es ergibt in den meisten Fällen, bei genauerem hinsehen, Sinn.
 

Bild mit freundlicher Genehmigung von Anni Side | andererseits.at

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