Narzissmus und Hochsensibilität

Ist Narzissmus mit einer Hochsensibilität kompatibel und könnte es eine Folge von einer Unterdrückung in der Kindheit sein?

Vor einigen Tagen stellte ich eine Frage, im Zuge einer übergeordneten Frage (erzähle ich am Ende dieses Beitrages), in einem Facebook Forum in dem es um hochsensible Familien geht: Ob es Parallelen von Hochsensibilität und Narzissmus gäbe? Mein Vater sei Narzisst und einiges was ich über Narzissmus gelesen habe, deckt sich in Zügen mit der Hochsensibilität.
Eine andere Frau schrieb, dass sie sich das auch schon fragte:

Ich kenne auch jemanden, der auf der einen Seite viel von Hochsensibilität hat und auf der anderen Seite narzisstische Züge. Ich habe mir jetzt schon oft Gedanken darüber gemacht und irgendwie führen diese Gedanken immer wieder zu dem Ergebnis, dass ich das Gefühl habe, dass narzisstische Züge (auch) entstehen können, wenn die Hochsensibilität immer unterdrückt wurde. Gerade Jungs haben früher oft gehört, Männer zeigen keine Gefühle, das ist eine Schwäche, man muss stark sein, darf nicht zu viel Rücksicht nehmen, ein Indianer kennt kein Schmerz, Jungs kuscheln nicht, spielen nicht mit Puppen, und v.a. dürfen sie nicht weinen!
Was macht das mit einem Kind, wenn man voll von Gefühlen ist, die anderen so stark wahrnimmt, jemanden bräuchte, der einen durchführt, aber immer nur hört, dass man so nicht sein darf? Man zieht sich zurück, wird eventuell depressiv oder man versucht seine vermeintliche Schwäche so einzusetzen, dass sie akzeptiert wird und narzisstische Züge (hauptsächlich Manipulation) werden definitiv von der Gesellschaft mehr akzeptiert als gefühlvolle Rücksichtnahme.

Klingt durchaus schlüssig und interessant! Nur leider weiß ich nicht wirklich, wie die Kindheit meines Vaters verlaufen ist. Er hatte wohl keine besonders gute Beziehung zu seinem Vater, da dieser ein Trinker war. Noch dazu ist er Nachkriegsgeneration, die waren noch nicht so “zimperlich” mit den Kindern. Es wäre durchaus eine Möglichkeit. Nur leider kann ich daran nichts ändern. Wenn dies wirklich so wäre, müsste mein Vater dies in Eigenregie aufarbeiten und bereinigen.

Eine andere Frau schrieb wiederum:

Also ich würde sagen, dass das zwei komplett unterschiedliche Dinge sind, die auch gleichzeitig auftreten können, aber grundsätzlich keinen Zusammenhang haben. Narzismus ist eine Störung des Selbstwertgefühls, die sich allerdings nach außen hin eher in einem übersteigerten Selbstwert zeigt und die meisten Handlungen dazu dienen gut da zu stehen. Tief innen drin versteckt sind Selbstzweifel da. Das würde die Person aber nie zugeben/fühlen. Mangelnde Empathie entsteht da durch die starke Ich-Bezogenheit und Konzentration auf das Selbst. Vielleicht geht dadurch die Gabe der Empathie, falls Hochsensibilität vorhanden ist, verloren.
Narzissten haben oftmals in der Kindheit den Gegensatz von Überfürsorge und Abwertung erlebt. Z.B. Sehr liebevolle Mutter die versucht den distanzierten und abwertenden Vater auszugleichen. Dadurch entsteht dieser innere Konflikt beim Narzissten. Das heißt natürlich nicht dass das immer der Fall ist.

Ich hatte dann keine Zeit mehr für ein weiteres Gespräch, bedankte mir für die Inputs und verließ das Gespräch. Sehr interessant!

Beide Frauen kommen jedoch auf denselben Punkt: Es hat etwas mit der Kindheit zu tun. Mit Unterdrückung von Gefühlen.

Dem Wikipedia Eintrag zu Narzissmus kann man entnehmen, dass jeder narzisstische Züge haben kann, dies ist jedoch auch nicht weiter tragisch. Narzissmus selbst ist allerdings krankhaft.

Nachtrag aus einem anderen Gespräch, da ich Gewissheit haben wollte:

HS und Narzissmus schließen sich gegenseitig aus. Narzissten empfinden viel, aber eben nur für sich selbst. Sie fühlen sich stets in der Opferrolle, auch dort, wo sie der Täter sind. Sie fühlen sich selbst, indem sie andere erhöhen oder erniedrigen. Das Gefühl von Macht und Ohnmacht lässt sie sich lebendig fühlen. Es gibt ein sehr gutes Buch über Narzissmus, das es im Internet sogar als PDF-Datei zu lesen gibt. Vielleicht findest Du darin hilfreiche Antworten. Mein Ex-Mann ist Narzisst. Hier könnte nur ein Psychologe, der sich mit Narzissmus UND HS auskennt, für Klarheit sorgen. Allerdings sagte mir mal jemand, in dem Moment, wo man Angst hat, ein Narzisst zu sein, ist man keiner, denn Narzissten haben diese Ängste nicht. Ob das stimmt, kann ich jedoch nicht beurteilen. Allerdings ist mir aufgefallen, dass extrem viele HS’ler und Narzissten sich anziehen. Vielleicht gerade, weil man oft im anderen das liebt, was einem selbst fehlt. Dem Narzissten die Empathiefähigkeit und dem HS’ler die Fähigkeit, sich so gut abgrenzen zu können.
http://www.irwish.de/PDF/Hirigoyen-Masken_Niedertracht.pdf

Weitere Gesichtspunkte

Dieser Gesprächsabschnitt kam zustande, da ich in die Runde fragte, ob andere Verhaltensmuster oder Krankheiten mit der Hochsensibilität verwandt seien. Laut einer Statistik seien 15 bis 20 Prozent der Bevölkerung hochsensibel und laut mir seien viele Menschen in meinem direkten Umfeld und Familie hochsensibel. Dies fand ich merkwürdig.
Antworten waren:

Was ich jetzt gelesen habe, ist, dass man schon von einer genetischen Veranlagung ausgeht.
Ich glaube, man findet sich aber auch. Ich habe z.B. auch im Freundeskreis viele Frauen, die hochsensibel sind.

Also das ist definitiv vererbbar, hinzu kommt, dass man sich mit “ähnlichen Menschen” umgibt..

Ein weiter guter Einwand, der mich überlegen lassen hat: Ist es ein “Mode- Ding”?

Ich glaube an Genetik. Mein Papa ist hochsensibel, aber erst im Alter kam es zum Vorschein… dann kam ich, hochsensibel… mein Bruder nicht… und dann kam mein mittlerer Hochsensibel… 😉 bei uns hat es immer eine Generation übersprungen. Aber ja… ich glaube an Genetik. Aber leider hab ich im Moment auch eher das Gefühl, dass es zum Modeding wird und mit einem Schild durch die Straßen rennt. 🙄 ICH BIN HOCHSENSIBEL. Das finde ich eher schade.

Im Antwortenverlauf ein weiter wichtiger Punkt:

Hochsensibilität ist ja keine Krankheit, deswegen wird es ja nicht als Diagnose gestellt. 😊 Nur manche fühlen sich verloren in ihrem Dasein… und somit wird dann genau, nach der Ursache gesucht… Depressionen, Angst und Panikstörungen… das kann durch sowas ausgelöst werden… 😊

Nächste gute Antwort:

Ich frag mich auch öfter was das mit dem HS genau auf sich hat. Mir hat mein wingwave Coach gesagt ich sei hs. Mich hat das nicht so überzeugt, dass ich so anders sein soll. Klar in einen Dingen bin ich langsamer als andere, hab mehr bedenken, brauche mehr Zeit. Dafür hab ich einen Master in Elektrotechnik, was bestimmt nicht
jede(r) schafft. Ich bin immer gut durchs Leben gekommen. Auch wenn ich früher sehr sehr schüchtern war. Klar bin ich irgendwie anders als andere, aber sind wir das nicht alle?
Ich hab einige online Tests gemacht, alle ergaben ich sei hs und mein Söhnlein auch. Ich hab auch meinen Partner gebeten den einen online Test zu machen. Er kam ziemlich genau auf die mindest Punktzahl für hs. Der Auswärtungstext dort: “Er ist vermutlich hs, aber unterdrückt es, weil er versucht normal zu sein, oder er hat die Fragen falsch verstanden”
Hmm weiss ich jetzt mehr, über mich und meine Familie?
Ehrlich gesagt: “nein”
Ich bin einfach ich und das ist gut so.

Diese Frau hat einen guten Satz gesagt: “Ich bin ich und das ist gut so.” Ganz wichtig! Man muss sich in sich selbst wohl fühlen, sonst wird das ganze Leben zum Kampf.

Daraufhin fiel mir etwas ein:
Vor kurzem hatte ich online ein nettes Gespräch mit einem Herrn. Im Laufe des Gespräches sind wir auch auf das Thema Hochsensibilität gekommen, da es gerade zur Thematik passte. Er zeigte Verhaltensmuster davon. Er meinte, er sei sich nicht sicher, ob bei ihm auch noch eine Form von Autismus vor läge, die sei in vielem der Hochsensibilität ähnlich. Autisten sind ja häufig in ein paar Dingen herausragend, während andere Dinge massiv leiden, da dem Menschen unmöglich…

Seine Antwort:

Das hatte ich mich früher auch schon gefragt ob bei mir eine schwache Form von Autismus vorliege. Ich traue mich zb immer noch kaum meinem gegenüber beim Gespräch in die Augen zu sehen. Einige Leute sagen mir deswegen ich sei unhöflich. Darum versuche ich es jetzt gelegentlich doch. Aber mögen das die Leute überhaupt? Keine Ahnung…
So einseitig begabt fühle ich mich aber auch wieder nicht. Immerhin schreibe ich auch Gedichte und spiele Theater. Ich hab aber einige Mühe mit Koordination, darum tanze ich zb lieber frei als einen vorgegeben Tanz. Singen kann ich auch gar nicht, ich hörs nicht mal wenn ich falsch singe.. anscheinend mach ich das aber ständig… trotzdem singe ich gern.

Mein Sohn ist Autist und dieses Wahrnehmen von Reizen deckt sich ganz gut mit HS, ich habe auch das Gefühl, dass da bei ihm noch mehr ist, Richtung HS, Kristallkind und je älter er wird, um so ähnlicher wird er mir…
Ich habe letztens mal Tests gemacht für uns 3 wegen HS und Kristallkind – ich soll beides sein, meine Tochter HS mit Tendenz zum Kristallkind, dazu ist sie noch recht gefühlsstark, mein Sohn hat neben dem Autismus auch Tendenzen zu HS und Kristallkind…ich frag mich da gerade, ob es auch Mischformen gibt oder ob sich das Ganze dann durch Prägungen in eine Richtung entwickelt…

Es war ein sehr interessantes Gespräch! Nun muss ich nur noch herausfinden, was dies mit dem Kristallkind auf sich hat. Den Begriff hörte ich noch nie.
Nachtrag zu Kristallkind: Dieser Begriff kommt aus der Esoterik.

Mich würde eure Meinung interessieren. Habt ihr euch schon mit der Thematik Narzissmus und Hochsensibilität oder Hochsensibilität allgemein auseinander gesetzt? Wie seht ihr das? Kennt ihr jemand, der so agiert? Wie empfindet ihr das?

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