Oft, wenn meine Mutter auf Besuch da war, oder wir uns trafen, überkam mich danach eine innere Unruhe. Ich war komplett aufgewühlt und wusste nicht wohin mit mir.

Ich konnte es mir nur so erklären, dass zwischen uns viele Dinge noch nicht ausgesprochen und verarbeitet worden sind und ich das Gefühl hatte, ihr sei es nicht so wichtig wir mir, wirklich über Gefühle und Empfindungen zu sprechen…

Heute weiß ich jedoch, dass vieles an meiner Hochsensibilität liegt. Ich empfinde wohl einfach viel stärker als sie.

Ich komme aus einer Scheidungsfamilie. Die Scheidung wurde zwar erst vollzogen, als ich schon fast volljährig war, einer Scheidung geht jedoch oft jahrelanger, zwischenmenschlicher Kampf voraus, den ich hautnah miterleben musste.
Mein Vater führte sich lange Zeit auf, wie der letzte Trottel und er hat für alles die Schuld bekommen, vor allem von meiner Mutter. Umgekehrt natürlich auch, meine Mutter war aus seiner Sicht an allem Schuld. Aber dass jeder von beiden mal reflektiert in sich gegangen wäre und vor sich selbst und vor anderen seine eigenen Fehler zugegeben hätte; Das war meines Wissens nie wirklich der Fall und wird, nach heutigem Stand, wohl auch länger nicht der Fall sein.

Anni Side | andererseits.at

Ich wurde von beiden oft als Psychiater missbraucht. Meine Vater motzte vor mir über meine Mutter und meine Mutter erzählte mir, wie schlecht mein Vater sei. Dazumal fühlte ich mich toll: “Meine Eltern erzählen mir wichtige Dinge!” Im nachhinein war es einfach Missbrauch. Ein Kind sollte niemals in die Probleme der Beziehung seiner Eltern mit hineingezogen werden! Lange Zeit war ich der Meinung, nein! Ich werde ganz sicher niemals heiraten und Kinder bekommen, denn… es ist ja sowieso alles Kacke…

Sich selbst seine Fehler einzugestehen ist harte Arbeit! Ich knabbere oft selbst dran, vor allem, wenn andere Menschen zu mir kommen und mir meine Fehler aufzeigen. Es ist harter Tobak! Erster Schutzinstinkt: Abwehr!

Inzwischen sehe ich alles differenzierter. Ich bin immer noch in vielem innerlich verletzt. Vieles schlummert noch in mir. Was nun dadurch, dass ich selbst Mutter geworden bin verstärkt immer wieder hoch kommt. Mutter-Sein ist ein hoch-emotionaler Job. Und ja, inzwischen gebe ich auch in einigen Dingen meiner Mutter die Schuld! Sie mag das allerdings nicht hören:

Wenn ich so denke und so fühle, muss ich mit mir selbst ins Reine kommen und Gott um Hilfe bitten, dass er mein Innerstes heilt.

Da hat sie selbstverständlich Recht! Jedoch so gar keine Gesprächsbereitschaft im Bezug auf ihre eigenen Fehler? Von einer Person die gefühlt ständig, anderen ihre Fehler aufzeigt? Die ständig über andere abmotzt, die ihr Leben, in ihren Augen, nicht auf die Reihe bekommen?

Sie kommt überhaupt nicht damit klar wie ich, aus meiner Tochter- Kind- Sicht, unsere Vergangenheit sehe. Und sie kommt, glaube, nicht damit klar, dass ich nun endlich mal (kritisch) ihr gegenüber rede. Also wirklich rede und schreibe. Sonst nahm ich immer den zuhörenden Part ein, sagte nie etwas dagegen und redete eher nach dem Mund, da ich ein unglaubliches Harmoniebedürfnis besitze. Einzig und allein, wenn ich etwas Negatives über meinen Vater sprach, pflichtete sie mir bei- logisch.

Trotzdem liebe ich meine Mutter über alles! Sie ist meine Mutter!

Ja, sie hat bestimmt früher alles nach bestem Wissen und Gewissen gemacht! Ich hatte auch eine wirklich schöne Kindheit, bis zur Pubertät. Das werfe ich ihr auch gar nicht vor, aber Empathie besitzt sie nicht wirklich. Wenn ich mit meinen persönlichen Gefühlen und Problemen zu ihr gekommen bin rollte sie oft genervt mit den Augen- von wegen ich soll mich nicht so haben.

Allgemein ein Ansatz, der mich bei anderen Menschen auf die Palme bringt:
“Wenn du ein Problem hast, musst du selbst damit klar kommen. Ich hab selbst genügend eigene Probleme und keine Nerven für dich/ für deine Probleme.”. Diese empathielose Grundhaltung: “Hauptsache mir geht es gut.”, “Wie es dem anderen geht ist mir im Grunde schnuppe. Der soll selbst mit seinen Problemen fertig werden.”, “Ich muss schauen, wie ich mit mir selbst klar komme. Was andere tun, sagen oder fühlen geht mir im Grunde sonst wo vorbei…”

Nein, ich will jetzt nicht sagen, dass sie so ist, dies ist jetzt wirklich nur allgemein gehalten.

Leider muss ich sagen. Empathie fehlt mir auch. Mittlerweile kann ich sagen: Fehlte mir. Durch die vielen negativen Erlebnisse im Laufe meines Lebens, kann ich mich nun besser in andere Menschen hineinversetzen. Alles hat also doch irgendwie seinen Grund! 🙂

Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, denen, die nach seinem Ratschluss berufen sind.


Römer 8,28

Klar ist es schwierig sich seine eigenen Fehler einzugestehen und dann auch noch vor anderen. Denn damit müssten wir uns in vielen Dingen selbst belasten. Mir geht es damit nicht anders. Fehler vor sich selbst und vor anderen zuzugeben ist wie durch die eigene innere Hölle gehen. Man will unantastbar bleiben- perfekt vor sich und vor anderen.

Vielleicht deswegen das Bestreben nach ständigem Perfektionismus? Figur, Haushalt, Kinder, Ehe… Vielleicht deswegen die ständigen Versuche, sich vor der Umwelt gut dastehen zu lassen, indem man versucht den Mitmenschen aufzuzeigen, wie gut man selbst ist, indem man andere schlecht redet? Einfaches Beispiel: Ich sitze im Freibad, bin mit meiner Figur unzufrieden. Automatisch geht mein Blick durch die Runde und ich suche bewusst nach Frauen, die noch mehr auf den Rippen haben als ich, damit ich mir selbst beweisen kann: Meine Figur ist doch gar nicht so schlimm, andere sind noch dicker als ich…

Ich höre immer wieder von anderen Frauen, wie sie über ihre eigenen Mütter motzen, was die alles falsch gemacht haben. Die Beziehung zwischen Mutter und Tochter scheint also oft sehr problembehaftet zu sein.

Weiterführende Links und Infos: Sehr interessante Beiträge!

https://www.medizinpopulaer.at/archiv/gesellschaft-familie/details/article/muetter-toechter-warum-die-beziehung-so-schwierig-ist.html

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