Close
Social profiles

Während meiner Altenpflegeausbildung lernte ich eine Mitauszubildende kennen, die in demselben Heim wie ich ihre praktische Ausbildung absolvierte. Wir pflegten eine sehr nette Freundschaft während unserer Ausbildung und verbrachten außerhalb Schule und Arbeit sehr viel Zeit miteinander. Nennen wir sie hier Nora. 

Im nachhinein gesehen war Nora dazumal für kurze Zeit mein Halt, mein menschlicher Halt. Sie machte einen starken Eindruck- redete überzeugt von sich und so war ich von ihr fasziniert. Die Ehe meiner Eltern war in die Brüche gegangen, ich hatte kein Zuhause mehr und ich wusste nicht wohin mit mir. Dazu die Ausbildung zur Altenpflegerin, welche nie meinem Wunschberuf entsprach und ich diese nur durchzog, weil ich nicht aufgeben wollte. Besser gesagt, nicht versagen wollte. Aufgeben setzte ich mit Versagen gleich. 

Nora knüpfte Kontakte zur örtlichen Metalszene und fühlte sich dort relativ schnell zuhause. Später führte sich mich auch dort ein. Ich war immer schon ein Fan von härterer Rockmusik und sie eröffnete mir eine Welt, in der ich mich musikalisch sehr wohlfühlte. An den ganz harten Sachen hatte ich zu Beginn keine Freude, aber man gewöhnte sich mit der Zeit daran und mochte es sogar dann irgendwie.
Natürlich machte ich mir Gedanken darum, ob dies mit meinem Glauben an Gott kompatibel war und ich besänftigte mein schlechtes Gewissen, indem ich einfach von meinem Glauben erzählte. Überraschend für mich war, dass mich niemand verurteilte. Im Gegenteil, alle fanden es gut und toll, dass ich Überzeugungen habe und zu diesen auch stehe. Zwar kam immer die Standardaussage: „Ich kann damit zwar nichts anfangen, aber wenn du das so siehst, deine Sache!“.Ich konnte also nie behaupten, aufgrund meines Glaubens in dieser Szene abwertend wahrgenommen zu werden. Ich fand das toll!
Allgemein die Menschen in der Metalszene waren sehr freundlich und zuvorkommend. Alles hatte seinen Platz- auch die menschlichen Abgründe wurden toleriert: Sex, drugs and rock n’roll. Dies war dazumal Balsam auf meine geschundene Seele. Keiner verurteilte mich, ich durfte sein wie ich will und wie ich bin. Nichts war falsch. Nichts wurde angekreidet.
Im nachhinein gesehen war ich den Menschen jedoch wohl ziemlich egal. Sie mir eigentlich auch. Es war nichts handfestes was mich dort mit jemanden verband. 
Aber nein, ich bereue diese Zeit nicht, auch wenn ich weiß, dass in dieser Szene ganz sicher nicht Gott das Sagen hat… Man muss sich nur mal diverse Texte näher zu Gemüte führen, dann weiß man ganz genau, von woher der Wind weht… Aber nun gut. Anderes Thema. 

Abtreibung

Irgendwann erzählte Nora mir, dass sie kurz bevor sie die Ausbildung zur Altenpflegerin antrat, eine Abtreibung hat machen lassen. Sie wurde unerwünscht schwanger und wenn sie das Kind bekommen hätte, wäre sie jetzt nicht hier. Sie kam ursprünglich aus Ostdeutschland und wir waren im Allgäu. Eine ganz schön weite Strecke! 

Dieses Geständnis war ein harter Brocken für mich! Ich weiß gar nicht mehr, was ich zu ihr sagte, aber wohl nicht viel. Was hätte ich auch sagen sollen? Geschehen ist geschehen und nie wieder rückgängig zu machen. Schuldzuweisungen wären fehl am Platz gewesen. 

Während unserer Ausbildung hatte sie immer mal wieder männliche Bekanntschaften, die mal länger blieben, mal nur für eine Nacht- auch ab und an gegen Cash. In einer längeren Beziehung wurde sie wieder schwanger. Sie kam zu mir und erzählte, dass sie schwanger sei und sie sich für eine weitere Abtreibung entschieden hätte.

Ich war fassungslos! Vor allem, da sie ganz genau wusste, wie ich zu Abtreibungen stehe. Ihr damaliger „Freund“ meinte, sie solle selbst entscheiden- er würde ihr aber das Geld für eine Abtreibung geben. Ich konnte den Kerl schon nicht ausstehen, als sie ihn mir vorstellte, danach hatte er mein Ansehen ganz verloren. Ein Allgäuer Drogen- Weichei- Lulatsch, der nur eine Frau zum pimpern wollte und keine Lust auf Verantwortung hatte. 

Ach wie hab ich mit ihr gerungen… Ich versuchte, mit allen mir möglichen Mitteln, sie von ihrem Vorhaben abzubringen auch indem ich ihr vorschlug und anbot, das Kind nach der Geburt zu mir zu nehmen. Hauptsache sie würde nicht wieder abtreiben! Keine Chance. Sie entschied sich dafür. Ich war noch sehr lange innerlich fertig deswegen und konnte (und kann es heute auch noch nicht) verstehen, warum sie dies tat. 

Wenig später ging alles wieder seinen gewohnten Gang. Wir beendeten die Ausbildung, gingen auseinander. Trafen uns danach noch sporadisch ein paar Mal, aber eng wurde es nie wieder. Einige Zeit später zog sie weg und der Kontakt brach vollständig ab. 

Vor kurzem „trafen“ wir uns auf Facebook wieder. Es war ein freudiges „Wiedersehen“. Sie wohnt inzwischen irgendwo mitten in Deutschland und hat eine kleinen Sohn. Wohnt allerdings nicht mehr mit dem Kindsvater zusammen. Von diesem hat sie sich getrennt, da der sie missbraucht hat (in welchem Umfang weiß ich nicht). Sie hat nun einen neuen Lebensgefährten, der auch als Vater für ihr Kind fungiert und alles sei wunderbar. Es sei ein toller Mann, der ein guter Vater für ihren Sohn sei. Ich dachte mir nur bei mir: Hoffentlich! Es wäre ihr zu wünschen, dass sie endlich mal Glück im Leben hat! 

Alles in allem ist das Leben dieser Frau ein einziger Misthaufen und mir kann keiner erzählen, dass die beiden Abtreibungen sie nicht in ihrem Innersten belasten und fertig machen…

Ich möchte nun auch gar nicht viel mehr auf ihr herumreiten, ich mag sie immer noch sehr gerne, da wir eine wirklich nette Zeit miteinander verbrachten. Im Grunde wünsche ich mir nur für sie, dass sie erkennen darf, dass ihre einzige Rettung in Jesus allein liegt. 

Nächste Berührung mit dem Thema

Diese Story hörte ich von der betroffenen Frau nicht persönlich. Jemand trug mir diese Geschichte vor ein paar Jahren zu. Ich möchte die Person gar nicht näher beschreiben, damit keine Verbindung hergestellt werden kann, das wäre ihr peinlich. Es war schockierend für mich, dies über diese Person zu erfahren.

Die Person um die es geht ist eine entfernte Verwandte von mir. Sie ist langjährig mit ihrem Mann zusammen und haben zwei gemeinsame Kinder, die inzwischen erwachsen sind.
Leider hatten wir nie viel Kontakt und daher kenne ich sie kaum bis gar nicht. Ich fand sie immer nett. Man hört immer mal dieses oder jenes voneinander- meistens die schlimmen Dinge. Gute Dinge werden ja eher seltenst herum getratscht…!
Ihr Sohn war lange Zeit auf Abwegen: „Lustigerweise“ auch in der Metalszene. Spielte sogar in einer Hardcore (oder Black) Metalband. Leider hatte er wohl arge Probleme mit Drogen und Alkohol. Daher freute es mich, als ich vor einiger Zeit hörte, er habe einen Entzug gemacht und sein Leben radikal geändert. Über die Tochter weiß ich sonst nicht viel. Sie hat wohl studiert und lebt irgendwo ihr Leben. 

Eben diese Frau suchte wohl vor einigen Jahren den Kontakt zu derjenigen, die mir die folgende Geschichte zutrug und erzählte ihr, dass sie vor etlichen Jahren ihr ersten Kind abgetrieben hat und sie dies belasten würde.

Es hätte damals einfach nicht in ihr Leben gepasst und so habe sie sich für eine Abtreibung entschieden, obwohl dazumal schon in einer festen Beziehung mit ihrem jetzigen Mann. 
Das Kind wäre wohl jetzt ungefähr so alt wie ich selbst. Sie meinte, dass sie sich oft Gedanken darum machen würde, wie alt das Kind wohl jetzt wäre, wie es aussehen würde,…
Zudem spielte der Glaube an Gott eine Rolle und Vergebung. Es ging ihr wohl gar nicht gut. Warum sonst hätte sie Kontakt zu jemanden suchen sollen, mit der sie sonst nie was zu tun hat? Anscheinend war sie so fertig deswegen, dass sie jemand zum reden gesucht hat, der scheinbar eine Lösung für ihr Problem anbieten kann: Den Glauben an den Gott der Bibel und ein offenes Ohr. 

Wie es ihr heute geht: keine Ahnung. Ich hörte danach nie wieder etwas von ihr. Aber diese Erzählung hat mir verdeutlicht, dass eine Abtreibung eben nicht einfach so abzuhaken ist und viele Frauen noch Jahrzehnte später damit zu kämpfen haben. Später recherchierte ich ein bisschen dazu und fand heraus, dass diese Frau wohl kein Einzelfall ist. 

Tami beschrieb in einem ihrer Artikel über Abtreibung das sogenannte 
„Post-Abortion-Syndrom“:

Das „Post-Abortion-Syndrom“ wird von der Wissenschaft leider nicht anerkannt. Bedenkt man, dass Abtreibungen öffentlich weitestgehend als etwas Positives und eine Errungenschaft des Feminismus dargestellt werden, ist es nicht verwunderlich, dass betroffene Frauen aus Angst vor Verurteilung und negativen Reaktionen nicht darüber sprechen, wenn sie ihren SSA bereuen. Die Dunkelziffer dürfte sehr hoch sein. Eine wissenschaftlich anerkannte Statistik hierzu fehlt leider noch.

https://andererseits.at/2018/03/04/abtreibung/

Dies ändert sich wohl derzeit gerade in Deutschland, wie ich hörte. Die Union überprüfte den Vorschlag über die Streichung des Paragrafen 218 und 219a und möchte eine Studie ins Leben rufen, die eben dieses Syndrom wissenschaftlich untersuchen soll. Endlich!

Wie zu erwarten sind die Abtreibungsbefürworter über diesen Vorschlag nicht sehr erfreut. Milde ausgedrückt. Logischerweise möchte man nichts gegen seine Überzeugungen hören. Leben und leben lassen ist die Devise. Ist auch toll, hab ich nichts dagegen. Sobald jedoch ein möglicher Schaden verschwiegen wird ist es eine Mogelpackung, die bewusst nicht aufgedeckt wird um die Mission nicht zu gefährden. Verschleierung. Straftat. Damit eine Frau sich umfassend informieren kann, ist es zwingend notwendig, dass sie auch die eventuell zu erwartenden Spätfolgen kennt. 

Teil 2 ➡

4 thoughts on “Wie ich mit dem Thema Abtreibung in Berührung kam. #1”

  1. Mutig, mutig! Ich glaub ich würde mich nicht getrauen, meine Meinung in diesem Forum zu äußern. Meine Meinung deckt sich in großen Teilen mit Ihrer. Ich befürchte, dass dieses Thema so stark durch die feministische Bewegung vereinnahmt wurde, dass man sofort als Frauenfeindin diffamiert wird, wenn man Abtreibungen ablehnt. Ich halte Vieles, was die Frauenbewegung vertritt und für uns erreicht hat für sehr wichtig und gut. Ich betrachte mich auch als Feministin, nur halt mit eigener Meinung. Ich glaube, dass es niemandem Glück bringt, wenn er oder sie tötet. Die Verantwortung für die Tat muss die Person tragen. Töte nicht heißt es im 5. Gebot. Und die Menschen wußten schon seit langer Zeit, dass die Gebote wichtige Wegweiser für ein gelingendes Zusammenleben sind. Diese Handlungsanweisungen gehen weit über das Christentum hinaus. Alles Gute wünsche ich Euch Allen und gesegnete Weihnachten!

    1. Danke! So mutig finde ich mich mittlerweile nicht mehr. Zu Beginn war es hart, meine Thesen zu äußern, nun ist es quasi fast Tagesgeschäft.
      Ich merke immer wieder, wie du sagst, dass man als Frau und Feministin keine eigene Meinung mehr haben darf und daher nenne ich mich nicht mehr Feministin.
      Die Grundidee war sehr gut, hat jedoch ziemlich schnell arg gelitten.

  2. Danke für diese guten und einfühlsamen Worte. Wenn man es ganz kurz und knapp und zu direktauf den Punkt bringen wollte, könnte man auch sagen, daß Mörder niemals glücklich werden. Es sei denn, der Mensch kehrt um und findet Vergebung in Jesus.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

%d Bloggern gefällt das: