Über das Leben als Vollzeitmama, Lehrerin und Theologin.

Verena L. lernte ich als Frau von einem langjährigen Kollegen (auf Deutsch: Kumpel) meines Mannes kennen. Das klingt kompliziert als es ist… 😉

Wir wollten uns über die Jahre hinweg immer mal wieder besuchen, aber irgendwie kam es nie dazu. Das Leben beschäftigte einen. Erst seitdem sie ihren Sohn hat, sieht man sich verhältnismäßig häufiger. Zudem wohnen wir seit ein paar Jahren nicht weit weg voneinander, eigentlich sollte man sich noch häufiger “über den Weg laufen”.

Anni Side | andererseits.at Verena mit ihre Ehemann Hannes und Sohn Jonas.

Als ich erfuhr, wie für sie die Dinge in ihrer ersten Schwangerschaft standen und was es für sie und ihren Ehemann bedeutete, kam so etwas wie mitfühlende Empathie für sie auf: Mir liefen zu Hause die Tränen, als man uns die Geschichte zutrug.
Nicht dass ich dasselbe erlebt hätte, aber ich glaube, sobald man selbst mal ein Kind bekommen hat und nicht alles bilderbuchmäßig bei der Geburt etc abgelaufen ist, kann man mit anderen Frauen mitfühlen, die ähnliches erlebt haben.
Ich sage jetzt nicht, dass unsere Geschichten gleich sind, absolut nicht, aber ich denke, der Gefühlskampf war und ist ähnlich. Aber darauf möchte sie hier nun gar nicht eingehen. Sie meinte, diese Geschichte solle ihr Sohn selbst mal erzählen, wenn er alt genug ist. Was natürlich vollkommen legitim ist.

Ich durfte ihr ein paar Fragen stellen, die sie in Eigenregie beantwortet und bearbeitet hat. Danke Verena! Es ist sehr interessant geworden, wie ich finde.

Viel Spaß beim lesen!

INTERVIEW

Hallo Verena, schön, dass du bereit bist, etwas aus deinem Leben mit uns zu teilen. Stelle dich doch bitte kurz vor: Wer bist du?

Ich heiße Verena, bin 29 Jahre alt und verheiratet.Im Moment bin ich Vollzeitmama bzw. in Karenz. Unser Sohn wird im Jänner 1,5 Jahre alt. Im nächsten Jahr erwarten wir unser zweites Kind.

Ich habe einige Jahre als Volksschullehrerin gearbeitet. Dies war eine anstrengende, schöne und herausfordernde Zeit. Ich habe viel über mich gelernt. Die Arbeit mit Kindern ist intensiv. Sie fordern alles von dir. Ich ziehe den Hut vor jedem der mit Kindern arbeitet! Als Klassenlehrerin hast du bis zu 25 Kinder in der Klasse. Da musst du ständig den Überblick haben und du kannst dich leider nicht auf jedes einzelne Kind fokussieren. Im Rückblick habe ich erkannt, dass diese große Anzahl an Kindern nicht meine Stärke ist. Ich kann mich super auf einzelne Kinder einlassen bzw. ihre Bedürfnisse erkennen etc. Wenn ich wieder als Lehrerin arbeiten würde, dann in einer Form, wo ich mit einzelnen bzw. kleineren Gruppen von Kindern arbeiten kann.

In dem Jahr bevor Jonas auf die Welt kam, war ein besonderes Jahr. Ich habe Theologie berufsbegleitend studiert, ein Praktikum in einer Freikirche absolviert und einen Tag pro Woche als Lehrerin gearbeitet. Was viele nicht wissen, ich habe in diesem Jahr auch Geigenunterricht genommen. Ein kleiner Traum wurde damit war! 😊 Jemand hat mich mal als unkonventionell beschrieben. Das passt sehr gut.

Mit welchem Wort würdest du dein Leben umschreiben?

Das Wort das die vergangenen Jahre meines Lebens beschreiben, ist Veränderung: Wir sind vom Oberland ins Unterland gezogen, was für Vorarlberger ein riesen Schritt ist – 😊 von Vollzeitlehrerin, zu Theologiestudent, zu Vollzeitmama. Meine Jobbeschreibungen haben sich gewandelt. Wir sind aufgrund des Praktikums meines Mannes seit zwei Jahre in einer anderen Kirchen(gemeinde). Veränderung ist bei uns so beständig, dass es zu einer Gewohnheit geworden ist.

Wie würdest du dich als Mama beschreiben?

Ich wollte lange nicht Mama werden, weil ich immer nur das Negative gesehen und von anderen Müttern gehört habe.

Das hat sich nach ein paar Jahren geändert. Dann kam unser Sohn. Ich war ganz überrascht, wie gut es mir gefällt, Mama zu sein. Ich genieße die Vorzüge. Ich darf mich auf ein Kind fokussieren. Es lieben, knuddeln und erziehen, wie ich es für richtig halten. Ich darf mit ihm blödeln und spielen. Ich kann meinen Tag gestalten, wie ich möchte. Mama sein bringt viel Abwechslung mit sich, gleichzeitig auch viel Routine. Es macht sehr viel Spaß. Mein Lieblingsjob ist Mama sein. 😊

Durch meinen Sohn habe ich auch Möglichkeit neue Kontakte zu knüpfen. Über das Kangatraining habe ich eine andere Mama kennen gelernt. Wir treffen uns regelmäßig. Wir sind Freundinnen geworden. Mein Anliegen ist es auch, außerhalb des Kirchenkreises Kontakte zu knüpfen. Das ist als Mama sehr leicht. Über die schwierigen Momente muss ich glaub nicht reden, die kennt jeder.

Du bist verheiratet: Dein Mann macht gerade ein Studium in der Theologie. Wie sehr beeinflusst dies eure Ehe?

Mein Mann studiert im letzten Jahr Theologie und macht zurzeit ein Praktikum im ICF Vorarlberg. Diese Entscheidung haben wir gemeinsam bewusst getroffen.

Wir haben überlegt, welche Vision wir für unsere Ehe haben. Wir haben entschieden, dass wir unsere Zeit und unser Geld Gott zur Verfügung stellen wollen. Unsere Vision ist – Menschen für Jesus zu begeistern.

Wir wollen für eine Kirchengemeinde oder ein missionarisches Werk arbeiten. Deshalb haben wir uns beide ausbilden lassen. Der Umkehrschluss ist, dass wir wahrscheinlich nie materiell reich sein werden. Wir werden vielleicht nie ein Haus bauen; oder auch schon. Aber das ist okay, wir tun, dass was uns wichtig ist. Wir merken wie Gott uns versorgt!

Gibt es etwas, was dir ganz besonders wichtig ist? Eine Lebenseinstellung, oder ein Projekt?

Ich habe noch einige Ideen, was ich mit meinem Leben anfangen möchte: Ich sage immer, bevor Hannes seinen Master in Theologie macht, mach ich meinen Bachelor in Theologie fertig. Ich habe sehr gerne Theologie studiert und würde das gerne irgendwann fortfahren.

Außerdem möchte ich bevor ich alt und tattrig bin, einmal als Straßenmusikerin auftreten. Ich habe ein 2-3 Lieder geschrieben, die ich mal vor Publikum singen würde und wenn ich damit Geld verdienen könnte, weil es den Leuten gefällt, wäre das der Hammer. Geigenunterricht fortsetzen, und, und, und…

Zu guter letzt: Gibt es etwas, was dir in der letzten Zeit wichtig geworden ist?

Da ich im nächsten Jahr zweifache Mama werde und Hannes seine Ausbildung abschließt und hoffentlich einen neuen Job beginnt, stehen neue Aufgaben und Rollen vor mir. Das hat mich ins fragen gebracht. Wer bin ich? Ändere ich mich? Bin ich jemand anderes mit diesen neuen Rollen? Plötzlich war ich meiner Identität nicht sicher. Da ist mir folgendes klar geworden: Stell dir vor du hättest keine Kinder, kein Job, wärst schwer krank und könntest nur im Bett liegen und andere müssten sich um dich kümmern. Wer wärst du dann?

Wenn du dich darüber identifizierst, was du tust, wärst du ein Niemand.


Abschlussworte

Vielen herzlichen Dank, dass du bereit warst, etwas aus deinem Leben zu erzählen! Es hat mich sehr berührt und gefreut, mehr über dich zu erfahren! 

One thought on “Prioritäten ändern sich”

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