Eine Mama mit viel Herz und Leidenschaft für Wiederherstellung.

Rahel P. kannte ich vom sehen her schon länger. Sie machte auf mich schon immer einen sehr sympathischen Eindruck. Desto mehr freute ich mich, als sie mich aufgrund eines Facebook- Stoffwindel- Beitrages von mir anschrieb und anfragte, ob ich ihr die Sache mit den Stoffwindeln erklären würde. Natürlich sagte ich mit Freuden zu! Ihr positives Feedback war dann in Folge für mich die treibende Kraft für meine ehrenamtliche Stoffwindelberatung.

Nun fragte ich sie, ob sie bereit wäre hier bei meiner Serie Frauen für Frauen mitzumachen und mehr über sich, ihr Leben als Mama und ihrer Leidenschaft als seelsorgerliche Beraterin zu erzählen. Sie sagte ganz zu meiner Freude zu.

Rahel mit ihrem Sohn

INTERVIEW

Hallo liebe Rahel! Schön, dass du bereit bist, ein bisschen von dir und über dich zu erzählen! Magst du dich zuerst kurz vorstellen? Wer du bist, wo du herkommst und was du machst.

Servus Anna. Danke für dein Interesse und die Gelegenheit, ein bisschen aus dem Nähkästchen des Ehefrau-, Beraterin- und seit kurzem Mutteralltags zu berichten. Damit habe ich schon ein bisschen was von mir Preis gegeben – doch nun alles der Reihe nach…

Eigentlich hätte bis vor kurzem da nicht „Servus“ sondern etwa „Tschou“ oder im Höflichkeitsfall „Grüessech“ gestanden; beides berndeutsche Begrüssungen. Denn genau, ich bin eine originale, bisweilen auch mal originelle, jedoch nicht immer organisierte Bernerin. Aufgewachsen in einem 298-Seelen Dorf (je nach Familienzuwachs wurde die 300-Grenze auch mal geknackt) im grünen Berner Mittelland. Wer Herr der Ringe kennt, kann sich eine Region ähnlich dem verschlafenen Auenland vorstellen. Mit 20 Jahren für die Ausbildung zur Facility Managerin (https://fm-die-moeglichmacher.de/facilitymanagement/) den Kanton gewechselt und mit 34 dann auch noch das Land, allerdings nicht mehr der Weiterentwicklung, sondern – richtig geraten – der Liebe wegen. Das ist nun schon fast 3 Jahre her. Seitdem, als ich in einem mit all meinen Habseligkeiten vollgestopften Kastenwagen über den Rhein fuhr und die Heimat endgültig verließ, hat sich vieles getan: Statt Strategieprozesse, Gebäudemanagementkonzepte und Personalführung beschäftigen mich nun Fragen wie „Pampers oder Stoffwindeln? (Anna, unser Treffen war dabei ein echter Schlüsselmoment)“, „wann und wie mach ich den ersten Brei?“ und „ist Stilldemenz nur ein Mythos oder warum erinnere ich mich nicht mehr was ich gestern gelesen habe?“, sowie weitere Themen einer Erstlings-Mama. 

Du bist seit kurzem Mutter und ganz zu meiner Freude auch eine Stoffwindelmama geworden. Wie war die Umstellung zur Mutter für dich? Hat sich dein Leben sehr verändert? Hattest du davor Vorstellungen und wurden diese erfüllt?

Ja diese Umstellung. Gewaltig. Natürlich waren es nicht nur die oben genannten Fragen, die auf einmal ganz neu waren und zu denen ich durch Löchern von gestandenen Müttern, durchforsten von Büchern und mich zwischendurch auch online schlau machen Antworten finden musste, sondern auch eine „Umkrempelung“ des bisherigen Lebensentwurf, welcher von beruflichen und freizeitlichen Aktivitäten, welche ich über Jahre grösstenteils frei wählen und wechseln konnte geprägt war. Und nun ist da dieses kleine Geschöpf in meinem Leben angekommen – erst einmal einfach hilflos und bedürftig und das 24 Stunden am Tag. Was für eine Veränderung! Geplant und doch nicht vorbereitbar, erwartet und doch plötzlich, in Gedanken ausgemalt und doch ganz anders.  Obwohl das jetzt vielleicht ein bisschen dramatisch daher gekommen ist:

Mama- und Familie-Werden ist etwas vom Schönsten, das ich bis jetzt erleben durfte!

Dass der nächtliche Schlaf noch mehrmals unterbrochen wird, die Erledigung der anstehenden Pendenzen nicht mehr so gut planbar ist (das heißt, planen kann man schon, ob man’s auch dann ausführen kann ist eher die Frage – die Mama’s unter den Leserinnen wissen was ich meine :-)) und man in den übrig bleibenden Momenten der Stille im Haus jeweils gefordert ist, im Bedürfnisdreieck „Haushalt besorgen, Sozialleben pflegen und selber schlafen“ Prioritäten zu setzten, sind zwar aktuell auch mal taffe Herausforderungen, aber: die Erfüllung und die tiefen Freuden diese neue Rolle als Mama in mein Leben gebracht hat, sind bei weitem überwiegend.

Du bist gläubige Christin und ihr besucht als Familie eine freie Kirche in der Schweiz. Wie wichtig ist dir dein Glaube an den Gott der Bibel im Alltag?

Ja, dieser Gott der Bibel! Wo würde ich ohne ihn stehen?! In einem nicht an Jesus als persönlicher Erlöser glaubenden Elternhaus aufgewachsen, waren Gottes Liebe und seine das Leben fördernden Werte keine direkt erfahrbaren Realitäten, die Kindheit, insbesondere auch die Schulzeit waren für mich nicht einfache Lebensphasen. Bis zu meiner Bekehrung mit 19 Jahren, hatte ich in genug Schwieriges erlebt, dass in meinem Innern viel Ablehnung, Selbstzweifel und destruktive Lebensmuster eingenistet waren.

Doch dann kam Gott. Als Erlöser und Wiederhersteller. Über mehrere Jahre hinweg hat er mich durch Prozesse genommen in denen ich wahr werden, Schmerz zulassen und Heilung erfahren konnte. Ich durfte lebensbejahende Sicht- und Handlungsweisen entwickeln und gesunde, gleichwertige Beziehungen leben lernen, mit anderen aber auch mit mir selber. Aus dieser Perspektive heraus ist der Glaube an Gott und das Wissen um seine Möglichkeiten in meinem Alltag zentral und auch eine wichtige Grundlage in meiner beratenden Tätigkeit. Inzwischen liebe ich es, das Leben aktiv und mit Gott zusammen zu gestalten.

Anderes Thema: Ehe und Beziehung. Für wie wichtig definierst du den Grundsatz, dass ein gläubiger Mensch auch einen Partner haben sollte, der dieselben Werte und Lebenseinstellungen und Ziele vertritt?

Spannende Frage. Ich denke, es gibt grundsätzlich auch glückliche Ehen ohne Übereinstimmung in diesen Punkten, aber dass es sicher ein großer Vorteil für so etwas intensives und intimes wie eine Ehebeziehung ist, wenn übereinstimmende Werte und Lebenseinstellungen vorhanden sind, respektive die Bereitschaft da ist, diese zusammen zu definieren. Auch auf der Ziel-Ebene werden andere Dinge möglich sein, wenn man sich gemeinsam nach Gottes Plänen ausstrecken kann.

Gläubig zu sein ist allerdings noch keinen Garant für eine gelingende Beziehung, wie die Realität (leider) immer wieder zeigt.

Beispiel: Er ist Erstgeborener und hat einen strengen Vater erlebt, bei dem nur die Leistung zählt, darum versucht er seine Frau immer wieder auf dieser Ebene zu beeindrucken oder erwartet auch von ihr Höchstleistung. Sie war das Küken der 5-köpfigen Familie und ist sich gewohnt, dass die Arbeit schon erledigt ist und sie für ein entsprechendes Lächeln die volle Aufmerksamkeit bekommt.

Zugegeben, ein vielleicht extremes Beispiel. Wir können jedoch leicht erahnen, welche Reibungsfläche so unterschiedliche Vorzeichen mit sich bringen können. Und obwohl es sich beide anders wünschen, sprechen solche frühkindlichen Prägungsgeschichten manchmal eine lautere Sprache als die guten Absichten, nach gemeinsamen Werten zu leben. Da kann es sich auch mal lohnen, einzeln oder als Paar genau hinzuschauen, welche Lebensüberzeugungen und Dressate dahinter stecken.

Du hast mir erzählt, dass du eine Ausbildung zur Seelsorgerin gemacht hast. Was hat dich dazu bewogen?

Genau, seit November 2017 darf ich mich Individualpsychologische Beraterin und Seelsorgerin nennen – ein Abschluss, der durch diverse Seminare (christlich fundiert und mit wertvollen Methoden aus der Psychologie bereichert), Supervision, Eigenreflexion und einer dreiteiligen Prüfung zu Stande gekommen ist. Die einfachste Antwort auf deine Frage wäre wohl, dass ich ursprünglich da irgendwie reingerutscht bin, weil es in meinem damaligen Umfeld einige Leute gab, die diese Seminare für sich besuchten und es für mich spannend tönte. Etwas erweitert geantwortet kann ich sagen, dass mich der Mensch und sein Innenleben schon immer fasziniert hat und ich Freude daran habe, diese Leidenschaft in Form von Beratungs-, Seelsorge- und Coaching-Gesprächen nun auch qualifiziert ausleben zu dürfen. Schlussendlich war wohl vor allem auch die Aufarbeitung meiner eigenen Geschichte und das zugehörige Erleben von Gottes Sehnsucht nach Wiederherstellung die treibende Kraft, mich in diese Richtung zu entwickeln.

Die Sache mit der Seelsorge interessiert mich eigentlich ziemlich. Ich war noch nie bei einer Seelsorgerin. Wie kann man sich den Ablauf vorstellen? Gibt es überhaupt einen festen Ablauf? Was ist der Vorteil, wenn man zur Seelsorge geht?

Am besten du wählst dir mal ein klitzekleines Problemchen oder eine Herausforderung, mit der du dich konfrontiert siehst aus und gönnst dir ein Beratungsgespräch, ich biete seit kurzem wieder Gespräche an… ;-).

Danke für das Angebot, nehme ich vielleicht gerne mal an! 🙂

Spass bei Seite – es ist tatsächlich eine gewisse Hemmschwelle sich bei einer Drittperson Unterstützung zu holen, wenn man (oder frau) Not hat.

Gedanken wie „ich muss das doch selber schaffen, ich hab’s im Griff“, „was denken dann die anderen?“ oder „das vergeht schon wieder, Augen zu und durch“ können dabei blockierend wirken.

Manchmal ist auch der Leidensdruck einfach zu gering; gerade Paare holen sich oft erst Hilfe, wenn das Feuer unter dem Dach schon ziemlich am Lodern ist, respektive es schon fast zu spät ist.

Mit einer bestimmten Fragestellung in eine Beratung zu gehen heißt für mich grundsätzlich, ich gestehe mir ein, dass ich gerade anstehe und ein Gegenüber brauche, welches mit einer anderen Brille als der meinen auf meine Situation schaut, also nicht in der gleichen Gedanken-, Gefühls- und Umstandswelt „gefangen“ ist. Während Seelsorge oft mit der Gottesbeziehung, respektive mit Gebet zu tun hat, verfolgt Beratung, wie ich sie praktiziere noch einen weiteren Schwerpunkt: Wir schauen unter verschiedenen Lebensaspekten an, was im aktuellen Problem drin unter der Oberfläche, anders gesagt, unbewusst, abgeht. Verhaltens-, Durchsetzungs- und Vermeidungsmuster werden wie schon erwähnt, früh in der Kindheit anhand des Erlebten und der eigenen Deutung davon gebildet; was relativ unbewusst entsteht, steuert uns oft ein Leben lang.

Erlebe ich mich zum Beispiel immer wieder mal wie ein Versager, wenn die Chefin meine Arbeit kritisch begutachtet weil sie mich an die autoritäre Mutter erinnert? Was glaube ich, wie sie mich sieht? Was für ein Ziel versuche ich eigentlich zu erreichen, wenn mein Partner anderer Meinung ist und wir streiten? Habe ich vielleicht bei Mama abgeschaut, wie man durch Beleidigt-Sein zum Ziel kommt? Welchen Preis zahle ich für mein Durchsetzungsmuster? Wie könnte ein neuer, gleichwertiger Ansatz aussehen? Wie setze ich den konkret um? Welchen positiven Einfluss hätte dies auf meine momentan gestörte Beziehung? Solche und ähnliche Fragestellungen tragen dazu bei, dass bisher unbewusst Gelebtes erkannt, und neue, leb-bare Lösungswege erarbeitet werden können. Altes kann losgelassen und Neues mit frischem Mut ausprobiert werden…  

So, bevor ich in Gefahr laufe, die Leserschaft zu langweilen, mache ich hier mal einen Punkt. Um doch noch auf deine eigentliche Frage einzugehen: Es gibt schon einen bestimmten Ablauf, respektive Gesprächsrahmen bei so einem Beratungsgespräch (z.B. dauert es immer zirka 1.5h und beginnt immer mit dem Thema, der Ausgangslage der Person, die kommt) – der Inhalt kann jedoch ganz unterschiedlich aussehen, je nach Auftrag und Ziel der ratsuchenden Person, respektive je nach des von mir als Beraterin gewählten Werkzeuges (ich benutze z.B. auch mal Figuren oder Malstifte), um ans Thema heran zu gehen…
Es muss denn auch nicht immer ein krasses Problem vorliegen – sich selber besser kennen lernen wollen, z.B. anhand eines Charaktertests oder einer Bootsgeschichte sind genauso legitime Gründe, sich eine Beratung zu gönnen wie die Auseinandersetzung mit der mühsamen Nachbarin oder z.B. die Schwierigkeit, sich nicht entscheiden zu können…

Gibt es etwas, was du schon lange Mal loswerden wolltest?

Hm, wenn ich das Gesagte so nachklingen lasse, könnte mein Schlussstatement etwa wie folgt sein:

Ich glaube, je heiler unser Herz, je gesünder unsere Beziehungsfähigkeit und je näher unsere Identität an dem ist, wie Gott uns ursprünglich geschaffen hat, desto mehr können wir das Potential, das er in uns hinein gelegt hat, entfalten und in Bezug auf unsere Begabungen und Fähigkeiten aus dem Vollen schöpfen. Das hat Sprengkraft und macht Spass :-). 

Danke

Danke liebe Rahel, dass du bereit warst etwas von dir zu erzählen! Hat mich sehr gefreut.

Kontakt: reitschel@hotmail.com

2 thoughts on “Von der unerwarteten Freude, das Leben aktiv zu gestalten”

  1. Ein schönes Schlusswort! So soll es sein! Wie schön ist es, immer mehr in einem heilen Selbst zu wohnen! Ich kann es nur empfehlen, Fragen, die einen beschäftigen, mit einer Drittperson zu bewegen.

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