Durch die verschiedenen Foren und Gruppen in den sozialen Netzwerken und speziellen Blogs zu dem Thema, bekommt man viel über Stoffwindeln mit, wenn man sich dafür interessiert.

In diesem Beitrag: Werbung!

Ein wichtiger Punkt ist bei Vielen: Wohin mit dem Kacka? (In Folge mit dem Fachbegriff Stuhlgang benannt) Hier gibt es eine Lösung: Windelvlies. In der Theorie sollte der Stuhlgang schön mittig auf dem Windelvlies platziert sein, um diese beiden Komponenten dann zusammen in der Toilette zu verwerfen. Wie gesagt, in der Theorie.

In der Praxis sieht es leider anders aus: Meistens ist der Stuhlgang überall, weil der Stuhlgang dünn (Stillstuhlgang), oder weil das Windelvlies verrutscht ist. Aber egal, Hauptsache der Großteil ist auf dem Windelvlies gelandet, welches nun entsorgt werden muss. Nur mit Urin verschmutzt können die meisten Windelvliese ohne Probleme mitgewaschen und dann nochmals verwendet werden.

Nun melden sich jedoch die Wasseraufbereitungsunternehmen zu Wort und sagen: Feuchttücher dürfen nicht in die Toilette, weil diese das Kanalsystem verstopfen und dadurch viel Mehrarbeit und Chemie für die Reinigung vonnöten ist.

Doch, gilt das auch für Windelvlies?

Ja, melden sich da die meisten Stoffwindelexperten zu Wort: Windelvlies darf nicht in der Toilette entsorgt werden, sondern muss, wie jedes Feuchttuch auch, in den Restmülleimer, weil es sich nicht auflöst! Verwirrend. Vor allem, weil auch einige Windelvlieshersteller explizit die Entsorgung über die Toilette auf den Etiketten bewerben. Zudem ist Windelvlies kompostierbar, es besteht aus Zellstoff, einem natürlichen Rohstoff.

Gibt es Unterschiede bei den Herstellern? Ja. Die ersten Unterschiede kann man in der Haptik erleben. Es gibt dünne und dicke Windelvliese. Dünne sind eher für festen Stuhlgang geeignet, während Dicke für Stillstuhlgang geeignet sind und zudem noch dafür sorgen, dass Babys Popo länger trocken bleibt.

Nun interessiert es mich schon länger: Gibt es wirklich ein Windelvlies, welches sich nach einiger Zeit auflöst?

Um dies zu untersuchen, machte ich auf Facebook, in zwei Stoffwindelgruppen, einen Aufruf und fragte, ob jemand bereit wäre, an einem Experiment teilzunehmen. Es meldeten sich erfreulicherweise einige.

Aufgabenstellung Experiment:

“Ein Blatt Windelvlies eine Woche lang, sprich sieben Tage, in ein Behältnis mit Wasser einlegen und jeden Tag nachsehen, ob sich etwas tut. Am Ende der sieben Tage wird nachgesehen, ob Veränderungen erkennbar sind. Um es noch ein bisschen spannender zu machen, simulieren einige Urin, mit einer 0,9% Kochsalzlösung, nach, welche ganz einfach herzustellen ist: 1 TL Salz auf 500ml Wasser.”

Alle Versuchsteilnehmer werden mit Namen und verwendeter Windelvliesmarke aufgelistet.

Hier die Ergebnisse:

Alle Bilder wurden von den Versuchsteilnehmerinnen selbst gemacht. Es gab keine standardisierten Regelungen für die Fotos. Manche haben mehr gemacht, andere weniger. Um den Beitrag jedoch in Grenzen zu halten, wählte ich nur ein paar aus.

Diese Windelvliese sind in Reihenfolge dabei:


Grünspecht Windelvlies

Ich nutze regelmäßig das Windelvlies von Grünspecht. Ich legte es, wie meine Aufgabenstellung besagt, sieben Tage (sogar noch länger) in ein Glas Wasser ein

Es ist ein sehr reißfestes und dickes, wenn auch angenehm weiches Windelvlies. Ich kann es mehrere Male mit der Stoffwindelwäsche auf 60°C mitwaschen.

Was ist passiert? Nichts. Das Windelvlies ist weder dünner, noch porös geworden.


Pusblu Windelvlies

Sandra Sanii aus der Facebook Stoffwindelgruppe: Stoffwindel Mamis- und Papis aus Österreich, legte das Pusblu Windelvlies von DM für sieben Tage in normales Wasser und in Salzwasser ein.

Das leicht Rosafarbene ist mit Salz, das Weiße ist nur mit Wasser.

Auch hier dasselbe Ergebnis: Es ist nichts geschehen.

Ich hab nicht jeden Tag ein Foto gemacht, einfach weil sich absolut nichts getan hat.


Sandra Sanii

Ich habe jetzt nur die Bilder vom letzten Tag genommen. Sie war ganz fleißig und hat von fast jedem Versuchstag ein Bild gemacht, was jedoch für das Ergebnis schlussendlich nicht relevant war. Danke trotzdem liebe Sandra!


Windelvlies Popli

Julia Elisabeth Huttmann, ebenfalls aus der Facebook Stoffwindelgruppe: Stoffwindelmamis- und Papis aus Österreich, legte das Popli Windelvlies für sieben Tage in Salzwasser ein.

Gleiches Ergebnis: Es hat sich nichts getan!

Ich hab das Popolini Vlies nun eine gute Woche im Kübel mit Wasser und Salz lassen, aber es hat sich nichts getan, es hat sich weder aufgelöst noch ist es zerfallen etc…

Julia Elisabeth Huttmann

TotsBots Windelvlies

Das Totsbots Windelvlies wurde von Julia Hahn getestet. Sie ist ebenfalls Mitglied der Facebook Stoffwindelgruppe: Stoffwindelmamis- und Papis aus Österreich und betreibt einen eigenen Stoffwindelblog auf ihrer Webseite: Pipipopo. Dort bietet sie neben ihrem Blog einen Shop für selbstgemachte Stoffwindeln und eine Stoffwindelberatung an.

Dieser Beitrag wird auch auf ihrem Blog erscheinen. Ob gleich oder textlich abgeändert, bleibt ihr überlassen.

Bei ihr hat sich ebenfalls nach sieben Tagen nichts getan. Das Windelvlies war weder porös, noch hat es sich aufgelöst!

Es ist jetzt schon mehr als 7 Tage im Wasser, null Veränderung. Nicht mal wenn ich wollte könnte ich es zerreißen…

Julia Hahn

Bamboolik Windelvlies

Christl Harrer, auch aus der Facebook Gruppe Stoffwindelmamis- und Papis aus Österreich, testete das Bamboolik Windelvlies. Sie hatte zwei verschiedene. Einmal “normal” und einmal “Deluxe”.

Links ist ein Blatt Bamboolik Deluxe, rechts ein normales Bamboolik, welches sie schon seit Herbst (!!!) immer wieder mitwäscht.

Auch sie legte das Windelvlies Bamboolik Deluxe sieben Tage ein und… es geschah nichts.

Versuchsende ohne Ergebnis

Sie wusch dann zusätzlich alles nochmals in der Waschmaschine durch, um auch diese Situation zu testen. Ebenfalls ohne Ergebnis:

Versuch Ende

Fazit

Was soll man nun dazu sagen? Es ist das eingetroffen, was im Grunde eigentlich schon jeder wusste: Windelvlies zersetzt sich nicht einfach so!

Natürlich war dies nun nur eine kleine Auswahl an Windelvlies Marken.

Du hast ein anderen Windelvlies zu Hause und möchtest das Experiment in Eigenregie nachstellen und bekommst ein anderes Ergebnis? Das würde mich interessieren! Teile es mir per Mail samt deinem Namen und den benötigten Bildern mit! Ich werde es dann noch in diesen Beitrag mit einfügen.

kontakt@andererseits.at

Meine letzte Teilnehmerin, Christl Harrer, sandte mir zuletzt noch ein interessantes Bild vom Totsbots Windelvlies zu. Es beeinhaltet die Stadien nach den Waschgängen in der Waschmaschine! Ob man daraus erschließen kann, dass das Vlies sich auflöst… Bleibt wohl jedem selbst überlassen.

Totsbots Windelvlies neu und nach fünf Waschgängen. Von rechts oben beginnend abwärts. Links unten das letzte Blatt.

Vielleicht war das Experiment realitätsfern? Denn… Ob in der Waschmaschine oder in den Abwasserkanälen, es wird ständig durch bewegt, mit anderen Feststoffen und Reinigungsmitteln. Benötigt es diese Kombinationen für einen Zersetzungsprozess?

Danksagung

Vielen herzlichen Dank an alle Teilnehmer! Danke, dass ihr eure Zeit dafür investiert habt!

Liebe Grüße,
eure Anni Side

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Weiterführende Links:

Facebook Stoffwindelgruppe: https://www.facebook.com/groups/stoffwindelmamisundpapisausoesterreich/


2 thoughts on “Das Windelvlies Experiment”

  1. Hallo!

    Auf den ersten Blick macht das Sinn. Cellulose löst sich im Wasser nicht auf. Das tut sie aber nie. Denn Cellulose ist nicht wasserlöslich. Auch die Cellulose im Toilettenpapier löst sich nie auf. Doch da Toilettenpapier aus sehr kurzen Cellulosefasern besteht, fällt es bei Wasserkontakt in sich zusammen. Windelvlies, dass aus langen Fasern besteht, behält seine Form. Was für seinen Zweck ja auch notwendig ist.

    Warum sagen die Herstellen dann, dass Windelvlies sich auflöst? Da es sich in der Kanalisation auflöst. In der Natur sind es größtenteils Bakterien, welche die von der Flora produzierte Cellulose wieder klein manchen. Selbst Tiere wie Kühe, die große Mengen Cellulose in Form von Gras zu sich nehmen, können diese nur mit Hilfe von Bakterien verdauen.

    Aus dem Wikipedia Artikel zu Cellulose: Viele Bakterien, Pilze und Flagellaten können über ihre Cellulasen die Cellulose nur bis zum Glucosedimer Cellobiose zersetzen. … Die Grünalge Chlamydomonas reinhardtii kann Cellulose spalten und zur Energiegewinnung nutzen. Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Cellulose

    Es ist also nicht das Wasser, sondern die im Wasser der Kanalisation und Kläranlage enthaltenen Mikroorganismen, die das Windelvlies zersetzen. Die verschiedenen Stufen einer Kläranlage setzten unterschiedliche Bakterienstämme ein um die verschiedenen Verunreinigungen im Wasser zu beseitigen. Quelle https://de.wikipedia.org/wiki/Kl%C3%A4ranlage

    Wenn das Windelvlies bei seiner Ankunft in einer Kläranlage jedoch noch zu groß sein sollte, wird es im so genannten Rechen aufgefangen. Die dort abgefangen Feststoffe werden anschließend gepresst und einer Müllverbrennung oder einer Kompostieranlage zugeführt. So gibt es zumindest aus Sicht einer gut funktionierenden Kläranlage keinen Grund auf Windelvlies zu verzichten.

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