Berufung entdecken

Wie findet man seine Berufung? Ein spannendes Thema, für Jung und Alt. Viele leben nicht ihre Berufung und kommen im Laufe ihres Lebens darauf, dass irgendetwas nicht stimmt. Der Beruf sollte, meiner Meinung nach, idealerweise die Berufung sein, um diesen mit voller Leidenschaft und Kraft ausführen zu können.

Nur, mit vielen Leidenschaften lässt sich häufig nicht genügend Geld verdienen, damit es zum Leben reicht. Entweder mit weniger Geld klar kommen, seine Bedürfnisse herunter schrauben, oder sich einen anderen Beruf für das Finanzielle suchen. Klar ist, dass man den dann nicht mit voller Inbrunst ausführt. So erging es mir mit der Altenpflege. Auf den ersten Blick eine sehr vernünftige Berufswahl, im Hinblick auf die Zukunft und den Demografiewandel, auf den zweiten Blick jedoch einfach nichts für mich. Ich war gelangweilt und überfordert zugleich.

Ich behaupte jetzt einfach mal, ohne irgendwelche Beweise dafür vorliegen zu haben, dass Überforderung und eine darauf folgende hohe psychische Belastung die zum Ausscheiden aus dem Beruf führt (Burnout), darauf zurückzuführen ist, dass man nicht das tut, wofür man bestimmt ist.

Wenn man das tut, wofür man bestimmt ist, hat das Wort Freizeit= freie Zeit zur Ausübung seiner Hobbies, keine allzu große Relevanz mehr. Dann steckt man sein ganzes Sein und Tun in seinen Beruf, besser gesagt Berufung.

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Wie findet man seine Berufung?

Kurz vor dem Schulabschluss wird jeder Schüler damit konfrontiert, sich Gedanken um seine Berufswahl machen zu müssen und darüber nachzudenken, wie es denn mit dem Leben nach der Schule weitergeht. Was kann ich gut? Was möchte ich später mal tun? Was macht mir Freude? Ideal ist es, wenn der Beruf auch seine Berufung im Leben ist. Aber sind wir mal ehrlich, wer wusste dazumal schon, was er will?

Ich mal nicht. Ich war komplett überfordert von dem Überangebot an Berufen und konnte mich nicht entscheiden, nicht mal heute könnte ich sagen, diesen oder jenen Beruf will ich erlernen.

Daher war ich froh, als mein Vater meinte: “Gehe doch in die Altenpflege, das ist ein Beruf mit Zukunft! Altenpfleger wird man immer brauchen!” Recht hatte er, trotzdem war es nie meine Berufung und folglich war ich auch nie mit vollem Herzblut dabei. Für mich war mein Beruf einfach ein Mittel zum Zweck, um Geld zu verdienen. In der Pflegebranche ist es jedoch schwer, diese Einstellung auf Dauer beizubehalten, da es von einem enorm viel fordert und abverlangt. Es wird voller Einsatz verlangt. Flexibilität. Den Job an erste Stelle stellen, vor Familie und Freunden.
Wenn ein Anruf kommt, ob man einspringen kann, weil mal wieder jemand ausgefallen ist, ist es quasi eine Pflicht ja zu sagen. Kollegen, die nein sagen, werden im Team nicht gerne gesehen. Mindestens fünf Minuten vor Schichtbeginn anwesend sein, nach Schichtende gegebenenfalls noch seine liegen gebliebene Dokumentation fertig stellen. Natürlich alles ohne Aufschreiben der Überstunden. Betriebsinteresse! Oh, wie ich dieses Wort hasse… Nein! Ich habe kein Interesse an dem Betrieb! Ich bin nur hier, damit ich am Monatsende genügend Geld auf dem Konto habe, um mir davon ein schönes Leben leisten zu können!

Nun ich denke, mit solchen Gedankengängen bin ich bei Weitem nicht die Einzige. Zum Glück bin ich seit nun über fünf Jahren nicht mehr in der Pflege tätig, sondern darf mich zu Hause um Haus und Kinder kümmern und meiner Leidenschaft, dem Schreiben, nachgehen. Mein Mann liebt Gott sei Dank seinen Beruf und geht gerne zum arbeiten, auch wenn er seine wahre Leidenschaft auch noch nicht vollständig ausleben darf. Aber… Wir sind dran!

Wie findet man seine Berufung? Indem man ehrlich zu sich selbst ist und es niemand versucht recht zu machen. Was sind deine Leidenschaften? Deine Gaben? Deine Talente? Daraus ergibt sich deine Berufung.

Ideal wäre es nun folglich, wenn der Beruf auch die Berufung ist, damit man seinen Beruf mit voller Liebe und Leidenschaft ausüben kann. Blöd natürlich nur, wenn die Berufung nicht zum Geldverdienen geeignet ist und man auf etwas anderes ausweichen muss und dies einen komplett ausfüllt, sodass man seine wahre Berufung nicht mehr ausüben kann.

Bild mit freundlicher Genehmigung von Anni Side | andererseits.at

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