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Wir haben recht und alle anderen liegen falsch. Oder?

Meine subjektiven Erfahrungen mit den Freikirchen

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Ich bin einem freichristlichen Elternhaus aufgewachsen und wir besuchten als Familie regelmäßig freikirchliche Gemeinden. Meine Kindheit und Jugend verbrachte ich in wechselnden Gemeinden, mit verschiedenen freikirchlichen Glaubensansätzen.

Die einen legten mehr Wert auf dieses, die anderen mehr Wert auf jenes, was mir dann auch in Folge zu doof wurde, weil die Einen immer gegen die Anderen gehetzt haben und den Anspruch von einer Exklusivität des Bibelverständnisses für sich beanspruchten. Aber als Kind war mir das erst einmal gleichgültig. Theologische Auseinandersetzungen waren mir ziemlich lange schnurz piep egal. Je älter ich jedoch wurde, desto merkwürdigere Dinge bekam ich jedoch von anderen mit.

Die einen sagen, Mädels müssen Röcke und Kleider tragen und dürfen keine kurzen Haare haben, die anderen behaupten, dass es die Geistesgaben nicht mehr gäbe, wieder andere legen ein zu hohen Wert auf die Geistesgaben. Die einen verurteilen moderne Musik, die anderen praktizieren moderne Musik im Gottesdienst. Und alle meinen, sie haben mit ihrer Bibelauslegung recht.

Das wurde mir irgendwann zu doof und ich ging in gar keine Gemeinde/ Kirche mehr. Ich hatte keine Lust auf dieser oder jener Seite zu stehen, vor allem da ich mit Menschen aus verschiedenen christlichen Gruppen befreundet war und mich nicht in eine Ecke stellen lassen wollte. Wie das so ist, sobald man sich zu einer Gruppe zugehörig fühlt, wird man mit bestimmten Attributen belegt, wie man scheinbar ist und das mochte ich noch nie. Ich bin ich und ich bin individuell und möchte mich nicht in eine Schublade stecken lassen! Die Schublade Christentum, reicht mir schon mehr als aus.

Die Frage hasse ich heute noch: In welche Gemeinde gehst du? Ich sag immer und immer wieder, in gar keine und ich höre fast schon wie die Augenbrauen hochgezogen werden. Denn… Wer in keine Gemeinde geht ist laut der Auffassung vieler Gläubiger nicht richtig gläubig… Stimmt nicht liebe Gemeindegänger!

Der persönliche Glaube findet zu Hause im stillen Kämmerlein statt und nicht in aller Öffentlichkeit. Dort sieht man dann nur die Früchte des Glaubens!

Auch heute noch besuche ich nicht regelmäßig eine christliche Gemeinschaft, unter anderem wegen den angeführten Gründen und die Vereinnahmung der Gemeinschaften. Ehe man sich versieht, bestimmen diese das ganze Leben, die Freizeit, die Familie. Das ist weder der Sinn des Lebens von mir, noch von meinem Mann. Wir denken in diesen Dingen Gott sei Dank gleich.

Sobald Menschen Regeln diktieren, wie der einzelne Gläubige sich zu verhalten hat, spricht man laut mir von Religion.

Und mit Religion kann ich nichts anfangen.

Anni Side

Mit ihrer Auffassung, dass man als Gläubiger eine Gemeinschaft besuchen sollte, haben die meisten Pastoren und Leiter schon recht, denn in einer Gruppe hat man es viel leichter.

Mit Menschen, die dasselbe Glauben, dasselbe Denken und dieselbe Auffassung vom Leben haben, läuft das (Glaubens-)Leben leichter. Steht auch irgendwie so sinngemäß in der Bibel. Allerdings steht auch drin, dass zwei oder drei auch schon eine Gruppe sind und mein Mann und ich sind zwei! Nein, ich will mich jetzt hier nicht rechtfertigen, aber aufzeigen, dass man nicht zwangsläufig in eine Kirche/ Gemeinde gehen muss um “richtig” zu glauben. Es kann auch schon reichen, wenn man ein bis zwei Freunde hat, die glaubenstechnisch auf derselben Wellenlänge sind und man sich mit diesen regelmäßig zum Bibellesen, zum Austausch, zum Gebet, trifft.
Aber natürlich ist es kein Fehler eine größere christliche Gemeinschaft zu besuchen! Das kann in vielen Fällen sogar sehr gut für die geistliche Entwicklung sein! Besonders für Neubekehrte, denen noch das Basiswissen fehlt. Als Ermutigung und Stütze.

Zudem fand ich die Christen aus meiner Kindheit und Jugend oft ziemlich eingebildet. Sie sahen sich als was Besseres an. Die sogenannten Ungläubigen standen unter ihnen, da sie nicht errettet waren. Das störte mich maßlos, denn zumeist waren es die sogenannten Ungläubigen, mit denen ich später und in Folge, dann den besten Umgang im Leben hatte. Die hatten den sogenannten “gesunden Menschenverstand”, den ich so schätze. Mit Menschen, die den Glauben ablehnten oder kritisch beäugten hatte ich immer schon die besten Gespräche. Ich mag Diskussionen nicht, die nur von christlichen Phrasen geprägt sind. Gut, eigentlich mag ich gar keine Diskussionen, aber wenn es dazu kommt, dann könnte ich aus der Haut fahren, wenn nur christliche Standardsätze fallen. Das klingt für mich immer wie einstudiert. Unmündig. Und so ist das Christentum nicht! Finde ich jedenfalls. Der Glaube fordert auch intellektuell heraus.

Ich glaube, dass nur in Jesus allein das Heil liegt. Nur er allein kann die Welt und die Menschheit retten und nur wer sich bewusst für ihn entschieden hat, wird gerettet! Trotz allem darf ich deswegen nicht höchnäsig sein und werden. Wie in der Bibel, kurz vor dem Tod Jesu, erzählt wird, bückte Jesus sich und wusch all seinen Jüngern die Füße. Das war niederste Arbeit, eine Arbeit der Diener. Er hätte sich auch breit hinsetzen können und verlangen: “Wascht mir die Füße, ich bin euer König!” Nein, er setzte sich selbst immer an unterste Stelle. Das fasziniert mich.

Anderen helfen und für sie da sein und sich selbst nicht erheben und zu wichtig nehmen.

Wenn es allerdings darum ging, die ach so gescheiten und auch hochnäsigen, eingebildeten Fragen der Schriftgelehrten und Pharisäer zu beantworten, heute würde man wahrscheinlich ungläubige Theologen, Atheisten und anti-christliche Wissenschaftler dazu sagen, war Jesus immer sehr direkt und präzise. Er nahm kein Blatt vor den Mund, antwortete aber auch immer so weise und eindrücklich, dass gar nichts anderes mehr zur Diskussion stand. Dies wurde dann in Folge sein Verhängnis, da er sich den Zorn der Schriftgelehrten und Pharisäer zuzog und diese seinen Tod forderten.

Wie wir aus der Bibel wissen, war der Tod nicht sein Ende und sogar geplant, Jesus wusste, dass er sterben muss. Er hatte so sehr Angst davor, dass er laut der biblischen Überlieferung in der Nacht vor seinem Tod Blut schwitzte. Klar, wer stirbt schon gern und dann noch so einen grausamen Tod am Kreuz? Dies war dazumal eine gängige Tötungsmethode für Schwerverbrecher. Leiden lassen. Langsames und qualvolles sterben. Da könnte man sich fragen: Warum? Warum um Himmels willen hat er sich das angetan? Er hätte ruhig sein Leben leben können. heiraten, Kinder bekommen, seinem Handwerk nachgehen und irgendwann alt und zufrieden sterben. Er hätte nur seine Klappe halten müssen. Er ist jedoch der Sohn Gottes und hatte den Auftrag durch seinen Tod die Menschen zu retten, damit diese selbst keine Opfer mehr erbringen müssen und der Weg zu Gott für jeden Menschen frei wird, nicht nur für die Juden.

Klar, der Tod allein wäre es gewesen, aber am dritten Tag nach seinem Tod ist er auferstanden, hat sich seinen Jüngern gezeigt und ist dann in Folge mit seinem Leib in den Himmel aufgestiegen. So erzählt es die Bibel. Und später kam dann der Geist Gottes in Form einer Taube vom Himmel, um bei den Gläubigen zu sein. Wer jetzt verwirrt ist, das nennt man die Dreifaltigkeit: Gott, Sohn, Heiliger Geist. Aber wenn ich das jetzt erklären müsste, wäre ich überfordert.

Und genau das (!!!) ist die Kernaussage des Christentums. Das Opfer des Sohnes, damit jeder von uns frei und ohne Anstrengung zu Gott kommen kann. Das Einzige was wir Menschen tun müssen, ist zu ihm zu beten und ihn bitten in unser Herz zu kommen, damit er uns frei macht. Alles andere ist zwar auch wichtig, jedoch nebensächlich im großen Ganzen.

Meine Meinung.

Wenn wir das nun wissen, kann ich es immer noch absolut nicht verstehen, warum es so viele unterschiedliche Bibelauslegungen gibt und vor allem, was das Schlimmste ist, dass die Christen sich untereinander nicht grün sind und sich bekämpfen. Wir sind alle Gottes Kinder! Anstatt uns darüber aufzuregen, dass dieser oder jener nicht richtig glauben würde, lieber füreinander einstehen und miteinander gegen den Rest der Welt! Ein Team. Eine Einheit. Eine Gemeinschaft.

Ich sage nichts gegen die verschiedenen Vorlieben: Die einen mögen eher gediegene Musik, die anderen gerne Popmusik. Die einen legen eher Wert auf Äußeres, die anderen mehr Wert auf Innere Werte. Das soll jeder so handhaben, wie er das möchte und kann! Aber seine Sichtweise anhand der Bibel “beweisen” zu wollen und sagen, die anderen lägen falsch, sich in theologischen Debatten übers Kreuz kriegen, das ist der komplett falsche Weg und zelebriert keine Einheit sondern Gespaltenheit nach außen.

Kein Wunder, dass sich immer mehr Menschen vom christlichen Glauben abwenden. Sie haben keine Lust mehr auf diese Machenschaften. Dies ist nämlich genau das Zeil des Gegenspielers: Streit und Uneinigkeit. Derzeit erzeugt die Haltung gegen die homosexuellen Ehe unfassbar “negative Schwingungen”, ebenso die Haltung gegen Abtreibung. Diesen Kampf können wir rein menschlich gesehen nicht gewinnen! Dies sind die unsichtbaren Machtkämpfe zwischen Himmel und Hölle und der Mensch ist nur das Instrument bei diesen Machtkampf. Anstatt sich rückzubesinnen, was in der Bibel steht und im Gebet kämpft, wird dieser ganzen Kampf öffentlich ausgetragen. Und genau das ist das Ziel des Gegenspielers: Durch Uneinigkeit Zerstörung hervorrufen. Lassen wir das nicht zu!

Ich finde es schwer, die protestantische Religionsgemeinschaft ernst zu nehmen: Es gibt über 40 000 Sekten, die sich von den Protestanten abgespalten haben und untereinander zerstritten sind.

ale_ks_an_dr_a : Katholikin (Instagram)

Sie meinte dann auf Nachfrage die Evangelikalen. Und… Sie hat recht! Es gibt so viele verschiedene Richtungen, dass es komplett verwirrend ist. Allerdings ist der Begriff Sekte unter den Katholiken sehr schnell gebräuchlich, wenn es um andere Glaubensauslegungen, als die ihre geht. Das ist nicht böse gemeint, sondern Tatsache. Die Katholiken meinen, sie seien die einzig wahre Kirche und alles andere sind Abspaltungen. Gut, die Evangelischen sind mittlerweile auch anerkannt, wenn auch oft noch kritisch beäugt. ABER dazu mache ich vielleicht demnächst mal noch einen separaten Blogpost. Denn das Thema Sekten ist auch sehr interessant! Ist nur im Moment nicht in meinem Fokus.

Was mich an der katholischen Kirche fasziniert: Sie bleiben klar. Sie haben ihre Überzeugungen und drehen sich nicht wie ein Fähnchen im Wind, der gesellschaftlichen Veränderungen. Im Gegensatz zu einigen Protestanten. Stichwort: EKD… Das was die humanistische Gesellschaft für gut und richtig befindet, ist für Gott noch lange nicht richtig… Ich denke, dass sich die Differenzen in den nächsten Jahren sogar noch verschärfen werden. Aber auch das kommt für mich nicht überraschend, wenn man die Entwicklungen in den letzten Jahren beobachtet hat.

So… Ihr habt bis hierher gelesen? Gut! Jetzt kommt nämlich ihr dran: Erzählt mir eure Geschichte! Entweder kurz in den Kommentaren oder lang per Mail, welche ich dann veröffentliche. Wie ist deine eigene, persönliche Erfahrung mit evangelikalen Freikirchen? Ich möchte jetzt hier keine Jubelschreie oder nur wüste Beschimpfungen lesen oder hören, sondern einfach eine Beschreibung der Tatsachen, der erlebten Tatsachen.

E-Mail an: kontakt@andererseits.at oder mit unten stehendem Formular:

2 Replies to “Wir haben recht und alle anderen liegen falsch. Oder?”

  1. Für mich ist Religion zwar Privat- aber keine Geheimsache. Ich drücke niemanden meine Anschauung auf und auch unseren Kindern keine Zwänge. Denn nur mit Liebe und positiven Erfahrungen kann Gott im Herzen wachsen und fest verwurzeln. Ich richte auch keine Religion ab, denn das steht mir nicht zu. Jeder entscheidet für sich und muss sich dann vor seinem Schöpfer verantworten für seine Taten

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