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Die Befreiung aus einer christlichen Sekte und rein in ein erfülltes Glaubensleben

Heute darf ich euch ein persönliches Glaubenszeugnis einer großartigen Frau vorstellen. Sie schrieb mich aufgrund meines Aufrufes bezüglich Erfahrungen über freie christliche Gemeinden an und fragte, ob sie ihre Geschichte hier veröffentlichen darf. Liebend gerne!

Kopfschmuck statt Asche

Er hat mich gesandt, um es den Trauernden zu ermöglichen, dass ihnen ein Kopfschmuck anstelle von Asche, Freudenöl anstelle von Trauerkleidern, und Lobgesang anstelle eines betrübten Geistes gegeben werde; und dass man sie »Eichen der Gerechtigkeit« und »Pflanzung zur Verherrlichung des Herrn« nennen kann.

Jesaja 61,3

Mit diesem Vers möchte ich mein Zeugnis einleiten, denn er passt einfach perfekt.

Ich möchte euch mitnehmen auf eine kleine Zeitreise durch mein Leben. 1984 wurde ich als erstes und einziges Kind meiner Eltern geboren. Sie lebten ein ganz normales weltliches Leben fern von Gott. Es wurde viel gestritten, meine Eltern hatten regelmäßig heftige Krisen und ich bekam das alles mit… Man kann sich vorstellen, dass es nicht schön ist für eine Kinderseele, wenn es in einer Atmosphäre voller Streit aufwächst.

An einem Abend stritten meine Eltern wieder sehr heftig und meine Mutter ging mit mir zu Freunden, um etwas zur Ruhe zu kommen. Als wir dann spät wieder nach Hause kamen, war mein Vater verschwunden. Keiner wusste wo er war. Außer ich, ich war mir sicher, dass mein Vater in der Kirche war. Meine Mutter konnte mir nicht glauben, aber sie erinnerte sich, dass eine Evangelisation in unserer großen Stadtkirche angekündigt war, genau an diesem Abend. Da ich keine Ruhe gab, ging meine Mutter mit mir in die Kirche und dort saß mein Vater. Er bekehrte sich an diesem Abend und gab sein Leben Jesus. Das war übrigens eine Veranstaltung von dem leider schon verstorbenen, aber unglaublich segenbringenden Billy Graham. Mein Vater hatte sich also bekehrt und meine Mutter erinnerte sich, dass sie sich mit 13 Jahren ebenfalls schon bekehrt hatte, aber dann den Glauben von Ihrem Vater verboten bekommen hatte. Also erneuerte auch sie an diesem Abend ihre Entscheidung für Jesus. Erstmal kam Frieden in unsere Familie und auch ich übergab mein Herz an Jesus. Wir besuchten eine Baptistengemeinde und meine Eltern wurden getauft.

Und dann wurde es ziemlich spannend, wir besuchten nach der Baptistengemeinde unglaublich viele verschiedene Gemeinden. Wir waren in einer freien Christengemeinde, dort wurde ich dann auch getauft, damals war ich 10 Jahre alt. Wir besuchten Charismatiker, Pfingstler und verschiedene Brüdergemeinden. Und irgendwie blieben meine Eltern in einer strengen Brüdergemeinde hängen. Ich trug Röcke bis zum Boden, wir trugen keinen Schmuck, hatten die Haare immer zu einem Zopf oder Dutt zusammen. Schmuck und Schminke waren verboten. Ich war zu der Zeit 13-15 Jahre und es war keine einfache Zeit, ich wurde in der Schule ausgeschlossen und gehänselt. Aber ich verspürte nie den Drang wegzulaufen. Ich verstehe bis heute nicht, warum ich nicht einfach in die Welt gegangen bin. Aber ich weiß, dass Gottes Vaterherz mich immer an sich gezogen hat.

Von dort aus gingen wir in eine weitere Glaubensgemeinschaft. Dort schien erstmal alles sehr frei zu sein, wir konnten uns kleiden, wie wir wollten, Schmuck und Schminke waren kein Problem. Erstmal fühlte ich mich unglaublich befreit und erlöst von diesen strengen Äußerlichkeiten. Ich war mit meinen Eltern 12 Jahre in dieser Gemeinschaft (meine Eltern gehören nach wie vor dazu) und es liegt mir ferne negativ darüber zu sprechen, oder Namen zu nennen. Ich möchte einfach ein Zeugnis sein. Ich war also 12 Jahre dort, es war immer festgelegt, an welchem Tag wir was zu tun hatten und wann die Treffen stattfanden. Jeder hatte Dienstbereiche und Aufgaben, die er erledigen musste. Alles war gut geplant und „Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes“ galt. Ich machte alles mit und war „zufrieden“, ich wollte aber auch einfach nicht auffallen um nicht ermahnt oder angesprochen zu werden.

In der Sekte

Zu Beginn als ich in diese Glaubensgemeinschaft kam, war ich leicht Übergewichtig. „Übergewicht ist ein Zeichen für Unenthaltsamkeit und das ist Sünde“. Phoo, dass war hart, also riss ich mich zusammen und nahm innerhalb kürzester Zeit sehr stark ab, denn ich wollte ja auf keinen Fall in der Sünde leben, wer will das schon freiwillig?! So fing das Thema immer mehr an, mein Leben zu bestimmen, immer mit dem Gewicht und dem Abnehmen beschäftigt. Es belastete mich sehr aber ich beugte mich, denn sonst wäre ich eigenwillig und stolz, hatte man mir gesagt… In der Zeit war das für mich einfach selbstverständlich, dass ich mich dem beuge, denn ich wollte ja Gottes Willen tun. Und es wurde immer so argumentiert, dass der Friede Gottes eben auf einer Sache läge oder eben nicht, und wenn die Leiter keinen Frieden hatten, dann war man eben nicht unter dem Willen Gottes. All das erlebte ich in den Situationen nicht als schlimm, ich beugte mich und wuchs im Glauben. Rückwirkend betrachtet, war es natürlich nicht schön und auch nicht leicht. Gott hat sehr viel im Bezug auf meinen Körper und mein Körperbild geheilt. Ich ernähre mich gesund, aber hasse meinen Körper nicht mehr und möchte einfach gut für meinen Körper = Gottes Tempel sorgen.

Ich wurde älter und als ich 27 Jahre alt war lernte ich einen Mann kennen, gläubig, aber nicht Teil der Glaubensgemeinschaft. Alle signalisierten mir, dass keine Frieden darauf läge, wenn ich mit diesem Mann zusammen wäre und ich sollte mich trennen. Ich konnte nicht mehr… ich brach zusammen und verließ diese Gemeinschaft. Man versuchte mir klar zu machen, dass ich im Eigenwillen und fern von Gott lebe und das doch alle nur mein Bestes möchte und ich deswegen auf den Frieden Gottes und ihren Rat hören sollte, den Mann zu verlassen… und nein ich wollte es einfach nicht, ich wollte mich nicht trennen. Ich wollte mit diesem Mann zusammen sein und ihn meinen Freund nennen. Und ich wollte mir da auch nicht reinreden lassen, wen ich lieben darf und wen nicht! Also gab ich bekannt, dass ich austreten würde…

Mein Leben nach dem Austritt

Und dann war ich plötzlich ganz alleine… Ich hatte niemanden an meiner Seite, denn alle Menschen mit denen ich ständig Kontakt hatte, waren Teil dieser Gemeinschaft und ich war „draußen“. Meine Eltern brachen den Kontakt zu mir ab und sagten: „Du bist nicht mehr unsere Tochter, weil du nicht Gottes Willen tust“… meine Welt brach zusammen… meine Eltern brechen den Kontakt zu mir ab… ich hatte keine Freunde… war alleine… hatte nur meinen Freund, meine Arbeit und Kollegen… Ich sag euch, dass war eine sehr dunkle Zeit für mich… ich hatte keine Gemeinde… und fühlte mich verlassen… niemand aus der Gemeinschaft hatte weiter Kontakt zu mir, denn ich war ja auf dem falschen Weg. Mein damaliger Freund verließ mich nach 6 Monaten und man könnte meinen „siehst du sie hatten Recht, es war falsch mit ihm zusammen zu sein“. Aber diese Gedanken hatte ich nie, ich bin dankbar für die Zeit, die wir gemeinsam hatten.

Die Aufarbeitung

Ich brauchte eine Weile um alles zu sortieren in mir… ich suchte mir Hilfe bei einer christlichen  Therapeutin und es tat gut, einfach mal über alles sprechen zu können. Das war 2012, wirklich verarbeitet hatte ich diese ganzen Dinge aber nie. Ich habe sie einfach hinter mir gelassen.

Ende 2018 und Anfang 2019 legte Gott seinen Finger wieder auf diese Wunde und sagte mir, dass er da noch etwas heilen möchte. Ich fragte mich, was ich wohl jetzt tun müsse, wo soll ich hingehen? Zur Seelsorge oder doch nochmal zu einem christlichen Therapeuten? Es war soviel verletzt in mir, so viel Enttäuschung, Verwirrung, ich hatte das Gefühl um meine Jugend beraubt worden zu sein.

Und dann saß ich in einem Gottesdienst in meiner neuen Gemeinde und der Herr sprach zu mir „Siehe, das Alte ist vergangen, ich mache ALLES NEU“. Diesen Vers trug ich in mir… und ein paar Wochen später, als ich auf der Suche nach einem Seelsorger war, aber keinen in der Nähe finden konnte, spürte ich wieder wie Gott zu mir spricht: „Isabel, such doch nicht im Außen, ich habe dich geheilt, ich habe dich befreit und deine Vergangenheit liegt vor meinem Thron. Geh nach vorne, blicke in die Zukunft, ich bin da und ich habe dir all diese Jahre erstattet. Du bist mein Kind, ich habe dich erlöst!“ Ich gab Zeugnis in meiner Gemeinde und ich spürte wie der Herr mich erfüllt, heilt, erneuert und zu einer starken Kämpferin im Glauben erweckt. Heute kann ich sagen, dass ich keinen Mangel mehr habe, wenn ich an meine Vergangenheit denke.  

Egal, wie schwer unsere Vergangenheit ist und all das was wir erlebt haben, wir dürfen immer wissen, dass GOTT größer als ALLES ist!

Gott hat immer die Oberhand und er hält uns fest an seinem Vaterherzen, dass wir seinen Herzschlag hören können. Ich liebe die Verse aus Joel 2,25-27 „Der Herr spricht: »Ich will euch zurückgeben, was die Heuschrecken, die Grashüpfer, die Raupen und Käfer gefressen haben. Ich selbst habe euch dieses große Heer geschickt. Ihr sollt wieder essen und satt werden und ihr werdet den Herrn, euren Gott, der diese Wunder für euch tut, loben. Nie mehr soll mein Volk sich schämen müssen. Dann werdet ihr erkennen, dass ich mitten unter meinem Volk Israel wohne und dass ich allein der Herr, euer Gott, bin. Nie wieder soll mein Volk sich schämen müssen.“ Er erstattet uns, was die Heuschrecke (die Vergangenheit) gefressen hat und Er ist immer unser Gott und größer als alles! Bei ihm können wir zur Ruhe kommen und Frieden und Heilung finden. Ich möchte dich ermutigen, geh mit deiner Vergangenheit zu Gott, er heilt dich und manchmal kann es auch hilfreich sein, sich Hilfe in Form von Seelsorge zu holen. Aber lass niemals zu, dass der Teufel dich in der Vergangenheit festhält und dich mit dem was du erlebt hast quälst.

Frage nie „Warum musste ich das erleben?“ Frage Gott lieber: „Herr, wozu war es gut, dass ich das erlebt habe?“

Vergiss nie, Gott ist größer als alles! Und Gott sorgt immer für uns.

Heute

Ich habe übrigens in der Zwischenzeit meinen Mann gefunden und geheiratet und wir haben zwei wundervolle Töchter und Gott hat uns eine wunderbare Gemeinde geschenkt, in der wir geistig wachsen dürfen und wunderbare Gemeinschaft mit Gläubigen haben. Meine Eltern und ich haben nach 6 Monaten ohne Kontakt wieder miteinander Kontakt aufgenommen und haben Frieden miteinander geschlossen.

Zum Abschluss meines Zeugnisses möchte ich noch einmal den Vers vom Anfang zitieren, denn er drückt alles aus, was Gott mir geschenkt hat.

Er hat mich gesandt, um es den Trauernden zu ermöglichen, dass ihnen ein Kopfschmuck anstelle von Asche, Freudenöl anstelle von Trauerkleidern, und Lobgesang anstelle eines betrübten Geistes gegeben werde; und dass man sie »Eichen der Gerechtigkeit« und »Pflanzung zur Verherrlichung des Herrn« nennen kann.“


Jesaja 61,3

Sei von Herzen gesegnet!

Deine Isabel

Isabel Henseler

Isabel Henseler ist Ehefrau, Mama und selbstständige Kindernaturheilkundeberaterin


Vielen herzlichen Dank liebe Isabel, dass du uns dein Glaubenszeugnis erzählt hast! Ich fand es sehr ermutigend und werde es mit Freuden an viele, viele Personen aus meinem Umkreis weiterleiten. Solche Geschichten braucht das Land!

Ihr könnt Isabel über ihre Homepage erreichen. Sie ist bei Natur Gesund Family als selbstständige Kinderkrankenschwester tätig und berät Eltern rund um die Kindernaturheilkunde: www.naturgesund.family


Möchtest DU auch deine Geschichte erzählen? Kontaktiere mich in den sozialen Netzwerken oder per Mail: kontakt@andererseits.at

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