Anni Side | andererseits.at

Es menschelt überall

Ob wir Christen es wahrhaben wollen oder nicht, wir leben mitten in dieser Welt und müssen uns tagtäglich mit allem normal- menschlichem herumschlagen. Wir sind in erster Linie Menschen! Auch wenn wir die Verheißung haben, eines Tages bei Jesus im Paradies sein zu dürfen und daher an so eine Art Unsterblichkeit glauben.

Die Mitmenschen

Ich kenne einige Menschen, nette Menschen, höfliche Menschen, liebe Menschen, die nie absichtlich etwas Böses tun würden, auch wenn sie sich nicht zu dem Glauben an den Gott der Bibel bekennen.

Daneben natürlich diejenigen, die auch sagen, dass ihnen der Glaube an den Gott der Bibel ebenfalls sehr wichtig ist und ein Leben führen, das sich an den Vorgaben der Bibel orientiert.

Beide Personengruppen gibt es in meinem Leben und alle versuchen das Beste aus ihrem Leben zu machen und gut zu anderen zu sein.

Doch, was geschieht, wenn wirklich mal Not am Mann ist? Krankheit, Nöte, Sorgen. Wer hilft dann einem ganz praktisch im Alltag?

Niemand, ohne dass man bitten und betteln müsste und selbst dann, hat niemand Zeit, weil alle mit ihrem eigenen Leben mehr als beschäftigt sind. Denn solche Arbeiten sind meistens nicht mit öffentlichem Ruhm belegt. Die sieht niemand. Die hört niemand. Und vielleicht bekommt man nicht mal ein offensichtliches Dankeschön.

Wenn das Leben einem wirklich mal übel mitspielt, wobei übel relativ ist, den Einen wirft mehr aus der Bahn als den Anderen und Hilfe benötigt für kurze oder längere Zeit, dann erkennt man, wer wirklich für einen da ist.

Dabei musste ich leider schon sehr oft die Erfahrung machen: Hilf dir selbst, sonst hilft dir keiner.

Andersherum war es allerdings auch schon mal, das darf ich auch nicht vergessen. Mir haben liebe Freunde und Verwandte schon häufig ganz ohne Aufforderung etwas Gutes getan. Daran denke ich jedesmal, wenn wieder etwas negativ ist, voller Freude daran zurück.

Trotz allem steht man mit seinen regulären Alltagsproblemen alleine da. Als Christ kann, darf und sollte sogar beten, dass Gott einem hilft und einen mit der notwendigen Kraft ausstattet alles zu bewältigen. Tun muss man es allerdings dennoch selbst. Klingt pessimistisch, ich weiß. Es gibt durchaus Christen, die beten, dass Gott auch tatkräftige Hilfe sendet und optimistisch erwarten, dass Gott hilft. Sollte ich vielleicht auch mal probieren, aber irgendwie schafft man es dann doch meistens. Bei mir wechseln sich, je nach Situation, Optimismus und Pessimismus ab.

Es gibt diese Personen, die laut rufen, wenn sie Hilfe benötigen, vor allem wenn es um finanzielle Hilfe geht. Aber wo sind die Helfer, wenn man ganz praktische Hilfe benötigt? Kinder hüten, Haushalt, Termine, Krankheitsvertretung. Wenn man in so einem Fall jemand um Hilfe bittet, um tatkräftige Hilfe ohne Entlohnung, sind auf einmal die Meisten taub und blind und entschuldigen sich: “Keine Zeit!” Es verlangt auch viel von einem ab, sich mit seinem ganzen Sein für eine andere Person zu investieren. Geld überweisen geht schneller. Aber Geld allein macht halt auch nicht glücklich und hilft auch bei praktischen Problemen nicht.

Nein, das soll jetzt kein Angriff auf mein Umfeld sein. Denn, jeder tut und macht und macht und tut und alle haben das Gefühl, sie sind am Anschlag und können nicht mehr tun, als eben machen. Ich hätte derzeit auch keinen Kopf jemand anders ausgiebig zu helfen. Ich bin mit Kindern und Blog mehr als ausgelastet. Ich bräuchte selber jemand, der mir unter tags z.B. mit den Kindern zur Hand geht, einfach aus Nächstenliebe. Doch woher nehmen, wenn nicht stehlen?

Die Tage hatte ich eine Anfrage von einer Freundin, die wiederum für eine Freundin Leute sucht, für Menschen in Konfliktsituationen, als Hilfe. Eine Bekannte von ihr wäre langsam überfordert, da sie enorm viele Frauen zu betreuen hätte. Was genau mein Aufgabenfeld gewesen und ob ich bezahlt worden wäre, weiß ich eigentlich gar nicht, da gleich abgesagt. Aber es ging im Groben um Frauen die bezüglich einer Schwangerschaft mit sich in Konflikt sind. Das hätte mich wirklich brennend interessiert! Vor allem, da ich mich mit dem Thema, hier auf dem Blog, zeitweise intensiv auseinandersetze. Ich wüsste jedoch derzeit nicht, woher ich die Zeitressourcen nehmen sollte. Dafür bräuchte ich wieder jemand anderen, der derweil ehrenamtlich und gerne auf meine Kinder aufpasst. Doch woher nehmen, wenn nicht stehlen?

Und so dreht sich das Rad immer weiter.

Mein Nachbarsmädel würde gerne Blockflöte spielen lernen. Ihre Mutter ist alleinerziehend und finanziell nicht gut aufgestellt. Sie hat für ihre Tochter keinen Platz mehr im Musikunterricht in der Schule bekommen und die Musikschule ist ihr zu teuer. Nun hat die Mutter mich die Tage beiläufig gefragt, ob ich zufällig Blockflöte spielen könne und war ganz begeistert, als ich bejahte und fragte gleich, ob ich das ihrer Tochter beibringen würde. Ich sagte ihr zu, sehr zur Freude der Tochter, und sie fragte gleich, was ich denn verlange würde. Da ich etwas gegen Schwarzarbeit habe, sagte ich: “Nichts! Wir regeln das dann schon irgendwie…” Wir sind dann so verblieben, dass sie einfach geben darf, was sie meint, oder wir es mit anderen Dienstleistungen, wie z.B. “mal auf die Kinder aufpassen”, regeln. Tauschgeschäfte.

Und genau das wäre meine Wunschvorstellung einer perfekten Gesellschaft. Jeder bekommt das was er benötigt und alle helfen zusammen.

Pixabay

Wie ihr merkt, mir wird nie langweilig. Ich finde ständig neue Aufgabenfelder, oder diese finden mich.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.