Anni Side | andererseits.at

Ich würde gerne einfach aus allem raus

Nein, ich meine nicht meine Ehe und meine Familie. Ich meine aus dem System in dem wir leben, denn es ist einfach menschenfeindlich. Klingt hart, ist aber so.

Es geht im Grunde nur darum, Geld zu verdienen, um sich Haus, Auto, Essen und Luxusgüter kaufen zu können. Beziehungen haben dabei keinen hohen Stellenwert, obwohl diese jeder Mensch dringend benötigt: Nähe und Liebe. Der Mensch ist kein Einzelgänger, sondern ein Rudeltier. Vereinsamung ist heute ein großen Thema, welches besonders in den Gebieten mit hohem Siedlungsanteil ein weit verbreitetes Problem ist. Eigentlich völliger Irrsinn, dass in einer Stadt, mit tausenden Menschen Tür an Tür die meisten Menschen einsam sind.

Ich lebe in einer Stadt, wenn auch einem Stadtteil mit eher dörflichem Charakter, welcher jedoch nun leider immer mehr in die Prämisse kommt. Der Bauboom ist hat nun auch in unserem Stadtteil Einzug erhalten und es wird nun eine Wohnanlage nach der anderen gebaut. Viele Menschen, viele Probleme und noch mehr Menschen die sich nicht kennen und bei denen Einsamkeit vorprogrammiert ist. Zudem leben wir an einem sehr teuren Fleckchen Erde, in der die Bezahlung der Wohnung einen enorm hohen Stellenwert einnimmt, wodurch Arbeit und Geldverdienen das Hauptziel der Menschen ist.

Klar es gibt Förderungen von staatlicher Seite. Dafür sind wir sehr dankbar, ohne diese könnten wir nicht so gut leben.

Allerdings wäre ich froh, wir wären darauf nicht angewiesen. Wir könnten so leben, wie wir uns dies wünschen und auch die finanzielle Seite wäre geregelt und hätte kein Sorgenpotenzial.

Wir würde ich mir unser Leben wünschen?

Das ist recht einfach erklärt: Ich würde mir wünschen, mein Mann wäre immer zuhause und könnte von zuhause aus arbeiten. Ich ebenso. Wir könnten uns ein gemeinsames Leben aufbauen, in der wir alle beieinander sind und alles gemeinsam machen könnten.

Wie oft weinen die Kinder, wenn der Papa arbeiten gehen muss: Täglich! Mein Mann ist neun Stunden am Tag beim arbeiten, mittags kommt er kurz zum Essen heim. Nach Feierabend und am Wochenende stürzen sich die Kinder auf ihn. Sie vermissen ihn! Ich ebenso. Sie verstehen es nicht, warum der Papa arbeiten gehen muss. Doch, eigentlich schon, weil wir es ihnen immer eintrichtern: “Wenn der Papa nicht arbeiten geht, können wir uns nichts mehr kaufen!”

Daraus schlussfolgert mein Großer inzwischen, wenn wir sagen, dies oder jenes können wir uns den Monat nicht mehr leisten: “Papa, dann muss du halt einfach mehr arbeiten gehen!” Kindermund.

Und so wird unseren Kinder schon von klein auf die Luxusvariante des Lebens eingetrichtert: Arbeiten, um sich was kaufen zu können. Den Kindern geht es dabei selbstverständlich nur um Luxusgüter wie Spielsachen. Dass es dabei auch um Essen und Wohnen geht, das kapieren sie noch nicht. Müssen sie auch nicht.

Anni Side | andererseits.at

Uns so träumen wir von unserer Zukunft. Von unserer Zukunft auf dem Bauernhof.

Dort möchten wir unsere Leidenschaften und Gaben voll ausleben können. Dort möchten wir Sein können, wie wir sind. Dort stellen wir uns vor, können wir als Familie so existieren, wie wir es uns vorstellen.

Klar, arbeiten muss man immer, aber es kommt darauf an, WIE. Ständig getrennt voneinander, jeder sein eigenes Süppchen kochend, oder gemeinsam, als einheitliche Familie. So war es laut mir ursprünglich mal geplant, wie Familie sein soll. Zu einer Familie zählen übergeordnet natürlich nicht nur Paar plus Kinder. Die Industrialisierung hat in dieses Konstrukt ein riesiges Loch hinein gerissen. Was hat der Mensch davon? Nichts. Außer Einsamkeit und überzogene Ansprüche auf die Freizeit und folglich Luxus.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.