Warum ich eine sogenannte Selbstbetreuerin bin

Wem der Ausdruck SelbstbetreuerIn oder gegenteilig FremdbetreuerIn nicht geläufig ist, hier erst einmal eine Erklärung von mir:

  • Selbstbetreute Kinder werden die ersten Lebensjahre, bis zum regulären Kindergarteneintrittsalter, ausschließlich von den Eltern oder engen Verwandten betreut. Manche Selbstbetreuer praktizieren zudem auch noch Kindergartenfrei. In weiterer Folge dann manchmal sogar häuslicher Unterricht- “homescooling”.
  • Dazu gegensätzlich fremdbetreute Kinder, welche in relativ frühen Kleinstkinderjahren (manchmal auch schon unter einem Jahr) in fremde Hände, in eine Spielgruppe oder Kita, zur Betreuung gegeben werden.

Wer auf diese Begrifflichkeiten gekommen ist, keine Ahnung. Interessiert mich auch nicht wirklich. Es ist lediglich auffallend, dass die sogenannten Fremdbetreuer den Ausdruck Selbstbetreuer verächtlich wahrnehmen und anders herum genauso.

Sprich, irgendwer ist immer beleidigt. Wie kommt das? Nun ja, alle Eltern meinen es bei ihrem Kind richtig zu machen und tragen ihre Thesen in die Welt hinaus. Eltern, speziell Mütter, die mit der These einer anderen Mutter nicht einverstanden sind, fühlen sich angegriffen, wenn diese sehr überzeugt von ihrem Lebenskonzept spricht.

Im Laufe der letzten Jahre habe ich viele beleidigte und beleidigende Kommentare von den sogenannten FremdbetreuerInnen vernommen, da ich mich zu der Fraktion Selbstbetreuer zähle und dies auch als richtig empfinde. Für mich.

Im Grunde muss sich niemand für sein Lebenskonzept rechtfertigen. Jeder Mensch auf dieser Erde hat das Recht so zu sein und zu existieren, wie er ist. Müsste man meinen. Wenn man, so wie ich, viel im Internet unterwegs ist und viel liest zu den verschiedensten Themengebieten und auch viel kommentiert, der bekommt viel und vor allem ein breites Spektrum an Meinungen mit. Und ebenso viel Gegenwind zu gewissen Meinungen.

  • Ich bin der Meinung, ein Kind unter drei Jahren hat nichts in fremden Händen verloren und die Gesellschaft, der Staat müsste es einer Mutter auch finanziell ermöglichen, dies umzusetzen.
  • Die Gegenseite spricht von Heimchen am Herd, welches sich von ihrem Mann unterdrücken lässt und fremdbestimmt sei. Arbeiten zu gehen sei ein Privileg, welches die Selbstbestimmung der Frau ermöglicht. Auch und vor allem finanziell. Jede Frau die sich dem entzieht sei rückschrittlich.

Es gibt sicherlich diese Frauen, die sich von ihrem Mann unterdrücken lassen, aus welchen Gründen auch immer, aber das hat nichts mit “arbeiten gehen” oder “zu Hause bleiben” zu tun. Eine Frau, die sich von ihrem Mann unterdrücken lässt, hat wahrscheinlich sehr viel schlechtes von klein auf erlebt, nie gelernt sich zu behaupten, nie ein liebevolles Zuhause mitbekommen, nie erleben dürfen, was Liebe wirklich bedeutet. So einer Frau muss geholfen werden, ja. Aber das ist viel komplexer.
Im übrigen gibt es auch mehr als genug Männer, die unter dem Pantoffel der Frau stehen. Manche finden es gut, manche leiden darunter. Scheint ein menschliches Phänomen zu sein: Macht ausüben wollen durch Unterdrückung. Solche Menschen bräuchten gute Psychologen, die ihnen aus dem Teufelskreis heraushelfen und keinen Feminismus.

So weit so gut.

Warum bin ich nun eine Selbstbetreuerin?

Die Antwort ist denkbar einfach: Weil  mir die Betreuung unter drei Jahren zu teuer ist.

Ab drei Jahren werden die Betreuungskosten vom Land bezuschusst. Ein Spielgruppen (Kita) Betreuungsplatz kostet gut und gerne € 300,– im Monat. Das ist mir schlichtweg zu viel und eine Frechheit. Wenn man den Frauen schon propagiert, sie sollen so schnell wie möglich wieder in die Erwerbstätigkeit wechseln, dann sollten wenigstens die Kinderbetreuungsplätze gratis sein.

Denn unter den jetzigen Voraussetzungen bleibt vom Einkommen nicht viel.

Eine Mutter kann nicht Vollzeit arbeiten gehen. Das ist Fakt. Und sie ist auch nicht flexibel. Und wird sehr wahrscheinlich aufgrund Krankheiten des Kindes/ der Kinder öfter mal nicht bei der Arbeit erscheinen können. Und da muss ich vehement werden, da ich weiß, dass leider viel zu viele Kinder tagtäglich komplett krank in die Kita geschickt werden, damit die Mutter keine Fehlzeiten bei der Arbeit hat. Das arme Kind!

Wenn ich halbtags arbeiten gehen würde, sprich 20 Wochenstunden, könnte ich wahrscheinlich, in meinem Ausbildungsberuf, auf rund netto € 900,– kommen. Von den € 900,– gehen € 300,– für die Spielgruppe weg. Übrig bleiben € 600,–.

Dazu kommt noch der Stress die Kinder in die Betreuung zu bringen und diese wieder abzuholen. Die Schichten (mein Beruf ist im Schichtdienst) so zu legen, dass es mit den Öffnungszeiten der Betreuungseinrichtungen kompatibel ist, was ohnehin unmöglich ist und dann… (!!!) sollte ich nach allem noch Zeit und Elan für die Kinder haben! Das klingt nach sehr viel Stress und so gar nicht selbstbestimmt. Weil es bei dem Ganzen immer um die Selbstbestimmung der Frau geht.

Ja, es gibt noch den Vater, richtig. Aber auch dessen Arbeitszeiten sind nicht kompatibel mit den Öffnungszeiten der Betreuungseinrichtungen. Und irgendwer sollte sich voll und ganz auf seinen Job konzentrieren. Wie schnell ist ein Job weg, wenn man ein paar Mal gefehlt hat? Je nach Branche heutzutage sehr schnell. Kinder brauchen neben viel Liebe auch ein geregeltes Umfeld, um gesund aufwachsen zu können. Beide Eltern ständig gestresst von dem Spagat zwischen Arbeit und Familie? Das stelle ich mir für ein Kind nicht besonders reizvoll vor.

Wenn ich mir das alles so durch den Kopf gehen lasse, bleibt mir eigentlich nur ein sehr ernüchterndes Urteil:

Wer einen hohen Wert auf seine Selbstbestimmung legt, der sollte sich keine Kinder anschaffen. Das gilt gleichermaßen für Mann und Frau.


In diesem Sinne. Danke für’s lesen und bis bald wieder, liebe LeserInnen! Freue mich immer über Kommentare und ein Like! 🙂

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