Meine Trauer über eine Entscheidung und wie ich diese im verflixten siebten Jahr verarbeitete

Wer mich und meine Blogbeiträge kennt, der weiß, dass ich drei Kinder habe. Drei wunderbare, wunderschöne und wunderaktive Kinder. Einfach Kinder.

Nun machten wir uns natürlich schon länger Gedanken darum: Sollen wir noch mehr Kinder bekommen? Oder reicht es?

Ich war ziemlich schnell an dem Punkt: Es reicht!

Ich liebe Babys! Zuckersüße kleine Wesen und so herrlich vollkommen in ihrem noch so jungen Leben. Trotz allem hat es auch Nachteile, wie schlaflose Nächte, Überreiztheit… und und und. Irgendwann freut man sich dann wieder auf durchschlafende Nächte und Unternehmungen die nicht durch Schrei-, Still- und Fütterungszeiten unterbrochen werden. Mein Mann hätte im Grunde gerne noch mehr Kinder gehabt, aber er versteht mich und da ich für die Hauptkinderbetreuung zuständig bin, war dies im Grunde meine Hauptentscheidung. Da er mich liebt, trug er diese Entscheidung mit und war zuletzt dann auch davon überzeugt. Unser Lebensplan hat noch weitere große Ziele, die es nun zu planen gilt und es ist gut, wenn ein Punkt abgehakt ist: Kinderwunsch.

Daher die Entscheidung: Vasektomie.

Für viele mag diese Entscheidung unsinnig erscheinen, denn warum nicht bei mir? Wieso überhaupt?

Erstens bin ich der Meinung, die Frau sollte nicht immer für die Verhütung zuständig sein. Der Mann kann genauso Verantwortung für den geplanten Kindersegen übernehmen! In unserer Ehe hat sich immer schon mein Mann, sehr verantwortungsvoll, um die Verhütung gekümmert. Ich weiß, dies ist nicht Standard. Ich nahm noch nie eine hormonelle Verhütung ein. Wir verhüteten ausschließlich natürlich.

Zweitens, der Eingriff beim Mann erfolgt ambulant und kostet € 500,– bis € 600,– und ist unkompliziert. Mein Mann war in einer Privatordination. Bei der Frau ist dies eine OP mit stationärem Aufenthalt und wenn nicht im Zuge eines geplanten Kaiserschnittes, auch sehr kosten- und zeitintensiv. Obwohl ich vor kurzem hörte, dass es nun auch bei der Frau ambulant erfolgen kann, was ich mir jedoch darauf folgend nicht bestätigen konnte. Habt ihr mehr Infos? Bitte in den Kommentaren.

Drittens, hierzulande, in unserer Region ist es mittlerweile etwas recht Normales. Einige Männer aus unserem Bekannten-, Verwandten- und Freundeskreis fällten schon diese Entscheidung und es werden immer mehr. In den städtischen Gebieten ist es wohl schon länger normal und auch in unseren ländlichen Gegenden, in denen die Familien wohl immer einen sehr reichen Kindersegen zu verzeichnen hatten und die Frauen in Folge oft dauerschwanger waren, ist diese Methode mittlerweile angekommen, laut dem Urologen meines Mannes.

Viertens, wir sind verheiratet. Punkt. Eine lebenslang bindende und verbindliche Entscheidung. Komme da was wolle. Die Ehe ist dann erst aufgelöst, wenn einer von uns beiden verstirbt. Daher ist war für uns die Frage schon immer unsinnig: “Aber wenn man mit einem anderen Partner mal noch Kinder möchte!?” Dies ist keine Option. Für keinen von uns beiden. Auch falls einer von uns beiden verstirbt, für beide war klar, er möchte mit keinem anderen Partner mehr Kinder.

Fünftens, was ich habe ich davon? Wenn durch eine Sterilisation meinerseits z.B. die Menstruation weggefallen wäre, DANN hätte ich es machen lassen… 😉 Aber dies ist nicht der Fall und wenn sich sonst nichts ändert und es sogar aufwändiger, kosten- und zeitintensiver als beim Mann ist… Ist die Entscheidung in einer fixen Partnerschaft recht einfach.

Sechstens, die Verhütung fällt weg. Klar. Wir verhüteten ausschließlich natürlich, was zur Folge hatte, dass wir uns stets rückversichern mussten, ob fruchtbare Tage vorliegen oder nicht und dementsprechend handeln. Trotz Verhütung bestand immer die “Gefahr” einer Schwangerschaft. Was zu Zeiten der Kinderplanung kein Problem darstellte, wenn man jedoch keine Kinder mehr möchte ein Druck, der besonders auf mir lastete und ich daher unser Sexualleben nicht mehr genießen konnte.

Trotz der ganzen Entscheidungen überfiel mich nach erfolgter Vasektomie eine Trauer.

Schon während der Fahrt in die Ordination, ich habe meinen Mann hingefahren, war ich innerlich komplett aufgewühlt.

Ich war unendlich traurig, dass dieses Kapitel unseres gemeinsamen Lebens nun vorbei ist. Ich werde nie wieder schwanger! Ich halte nie wieder mein eigenes Baby im Arm!

Erst wollte ich mir diese Gefühle verbieten, denn ich hatte mich ja dafür entschieden und was soll das dann? Aber dann sagte ich zu mir:

“Ich habe das Recht zu trauern! Wenn ich es nicht verarbeite, werde ich diese Gefühle nie los uns sie kommen immer wieder in mir hoch!”

Also trauerte ich und erzählt meinem Mann von meinen Gefühlen. Er meinte nur: “Ich habe geahnt, dass sowas von dir kommt!” Er kennt mich halt zu gut. Wir redeten einen ganzen Abend darüber und danach war die Geschichte für mich erledigt.

Mein Mann meinte dann noch, es sei echt heftig für ihn, wenn er über folgendes nachdenkt: “Als junger Mann hat er sich eine Frau und Kinder gewünscht und eigentlich im Grunde gar nicht viel weiter gedacht. Nun ist dieses Kapitel seines Lebens erledigt. Er hat eine Frau und Kinder und was danach…? Darüber macht sich kaum ein junger Mensch Gedanken. Das Leben geht weiter! Jeder Mensch benötigt Träume nach den Träumen.”

Und die haben wir!

Nun freuen wir uns auf das, was vor uns liegt.

Unser Leben hört nun nicht auf, es beginnt nun erst richtig! Wir haben noch unendlich viele Pläne mit und ohne unsere Kinder. Wir als Paar müssen uns nun in Folge neu definieren. Unsere Plätze innerhalb Ehe und Familie neu sortieren und ausmachen. Jeder von uns hat Träume und Pläne. Ein paar gemeinsam, ein paar getrennt voneinander, aber trotzdem sollte der jeweils andere mit den Plänen des Partners einverstanden sein.

Große Entscheidungen im siebten Jahr unserer Ehe! Wie uns folgend auffiel. Aber so wie man immer sagt, wie das siebte Jahr sein soll, war es nicht. Insgesamt sind wir ja eigentlich dann schon neun Jahre beieinander. Zählt das ab Hochzeit, oder ab dem Zeitpunkt, wenn man zusammen ist? Kein Plan. Egal, Aberglaube. Hatte bei uns keine Relevanz. Nun gut, lassen wir das. 😂

Ich freue mich auf unsere weitere gemeinsame Zukunft!

Anni Side | andererseits.at

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