Nachdem meine Co-Autorin nun seit einiger Zeit wieder aktiv, in Teilzeit, in der Altenpflege arbeitet und immer mal wieder via Instagram sehr positiv darüber berichtet, mache ich mir auch Gedanken darum, vielleicht doch irgendwann wieder in der Altenpflege einzusteigen.

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Auch so ⬆️ kann #Altenpflege aussehen. . Meine ersten Erfahrungen in der Altenpflege hab ich gemacht, als ich einen Ferialjob in der Reinigung gemacht hab. In dem Heim lief es aber komplett anders ab als bei uns. . Die Hierarchie war ganz klar: die Pflege sagt uns, was wir zu tun haben, wir müssen uns daran halten und haben nichts zu melden. Gemeinsam Kaffeetrinken?! Wo denkst du hin! Ich wurde nur beachtet, weil ich mein Interesse am Pflegeberuf offen kundgetan habe. Ansonsten war das Reinigungspersonal unsichtbar. . Die Pflege kümmerte sich nur um die Menschen, im Zimmer wurde kein Finger gekrümmt. Bett machen? Handtücher in die Wäsche bringen? Niemals, das war unsere Aufgabe und „des Pflegepersonals nicht würdig“. . Ich war grade 18, jung und naiv. Vieles, was ich damals gesehen, erlebt und mit mir machen hab lassen, finde ich heute schlimm. . Es geht auch komplett anders. Bei uns ist es ein Hand-in-Hand, egal ob Reinigung, Küche, Pflegepersonal oder Chefitäten. Wir Pfleger machen die Betten, putzen auch mal den Tisch oder den Boden, wenn der Klostuhl nachts verfehlt wurde. . Die Reinigung unterhält sich mit den Bewohnern oder setzt sich zum Kaffeetrinken zu ihnen. Gespräche sind genauso wichtig wie alles andere und sie leisten somit einen wichtigen Beitrag zum Wohlbefinden der Bewohner. . Unser Chef ist letzte Woche eingesprungen, als es Krankenstände gab und niemand anders konnte. Er hat genauso in der Pflege angepackt wie wir. Das kann er aber auch nur, weil er immer nah an den Bewohnern dran ist, täglich mit ihnen spricht, bei jeder Übergabe dabei und immer auf dem Laufenden ist. . Ich freue mich übrigens immer über eure Erfahrungen mit der Altenpflege, egal ob positiv oder negativ! Ich hatte schon viel Austausch mit euch darüber und es ist immer interessant. Scheut euch also nicht, mir zu schreiben, wenn ihr Fragen habt oder einfach mal was loswerden wollt ❤️ . Schönen Donnerstag wünsch ich euch 💋 . #krankenschwester #pflege #altenwohnheim #aufgabenteilung #arbeitsklima

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Sie hat anscheinend ein wirklich schönes und kollegiales Altenheim erwischt. Freut mich sehr! Denn, es geht auch anders und laut meiner Erfahrung ist das der Großteil.

Wie ihr wisst (oder auch nicht), bin ich gelernte Altenpflegerin. Dreijährige Ausbildung mit Staatsexamen. Mit Ausbildung arbeitete ich 10 Jahre in der Pflege und ich kann gar nicht erzählen, wie viel negative und schlimme Dinge ich in den 10 Jahren erlebte. Ich war gottfroh, als ich mit meinem ersten Sohn schwanger und ein Ende abzusehen war. Nun bin ich schon seit über fünf Jahren karenziert und kündigte vor kurzem meine Anstellung endgültig.

Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, jemals wieder in der Pflege zu arbeiten, obwohl es schon gutes Geld gab! Allerdings zu wenig für den Stress. Gut, dasselbe sagt jeder Handwerker. Ich wäre da ja mit einem verheiratet! 😉

Fachkräftemangel

Die Pflege, sowie das Handwerk, ist schon länger an dem Punkt, an dem massiver und akuter Fachkräftemangel herrscht!. Es wird händeringend nach Personal gesucht! Ich schrieb schon mal einen Beitrag über den akuten Handwerkermangel. Sprich, mittlerweile ist der Punkt erreicht, an dem nicht mehr der Arbeitgeber die Forderungen stellt, sondern die Arbeitnehmer Forderungen stellen können an Arbeitszeit, Gehalt und Arbeitsklima. Wenn sie es denn tun würden, was meines Erachtens viel zu wenig der Fall ist. An alle aktiven Pflegekräfte, die das lesen: Traut euch! Ihr habt es nun in der Hand, wie die Zukunft in der Pflege aussieht!

Einige Arbeitgeber haben es schon kapiert und locken mit höheren Gehältern und besseren Arbeitsbedingungen, andere noch nicht und wundern sich, warum sie kein Personal bekommen und wenn sie welches finden, es nicht halten können. In den meisten Betrieben, in denen ich arbeitete, herrschte eine hohe Mitarbeiterfluktuation, was ja nun kein positives Bild von einem Betrieb nach außen hin abgibt. Zusätzlich spricht jeder unzufriedene Arbeitnehmer in der Öffentlichkeit auch dann folglich negativ über den Betrieb. Von solchen Betrieben sollte man nach Möglichkeit die Finger lassen oder es nur als Sprungbrett nutzen, um bald einen besseren Job zu bekommen. Aber ehrlich? In der Pflege kann man sich seinen Arbeitgeber aussuchen, wenn man einigermaßen flexibel ist. Derzeit stellt einen jeder mit Kusshand ein! Und vermutlich wird das auch erstmal so bleiben, da der Nachwuchs fehlt. Ich musste nie mehr als eine Bewerbung schreiben und wurde ohne wenn und aber eingestellt!

Rasante Entwicklung

Das alles hat sich nun in den letzten 15 Jahren rasant geändert. Als ich mit der Ausbildung fertig war, übernahm mich mein Ausbildungsbetrieb nicht, weil ich denen zu aufmüpfig war. Ich stellte Forderungen und war keine brave Angestellte, die immer alles tat, was von ihr verlangt. Dies war zwar nicht die offizielle Begründung, aber man weiß wie der Hase läuft! Obwohl, eigentlich war es schon mitunter die offizielle Begründung, da so was in der Art sogar im Arbeitszeugnis stand. Natürlich nicht wortwörtlich, aber es gibt ja so spezielle Formulierungen… 😉 Mein erster Arbeitgeber, nach der Ausbildung, meinte beim Bewerbungsgespräch, sie lässt mich erst einmal Probearbeiten und fragt gar nicht nach, was da los war, wenn ich möchte kann ich es erzählen. Hab ich nie. Das war der einzige Arbeitgeber, der jemals aufgrund dieser Formulierung nachgefragt hat. Mein letzter Arbeitgeber war regelrecht verzückt, als ich beim Einstellungsgespräch Forderungen gestellt habe! Sie empfanden dies als Stärke und sind auf alle meine Forderungen eingegangen. Es lohnt sich zu sagen was man will und vor allem auch, was man nicht will! Gute Arbeitgeber gehen auf Forderungen ein!

In Folge wurde ich dann von ein paar Arbeitskollegen gefragt, ob ich mit in den Betriebsrat möchte, der dazumal gerade neu gegründet wurde. Was für eine Ehre! Zwar sah es der Arbeitgeber nicht gerne, aber es war trotzdem ein schönes Gefühl, dass ein großes Mundwerk was bringt! 🤣 Ich war in Folge “nur” Schriftführerin, mehr wollte ich gar nicht sein, da ich zu dem Zeitpunkt erst ein halbes Jahr in den Betrieb arbeitete und mich in den Internas noch gar nicht auskannte. Außerdem wurden die Aktivitäten durch die Obrigkeiten immer wieder durch Infiltrationen behindert, was mich ziemlich ärgerte. Und ich machte meinem Ärger auch Luft.
Ich wurde von meinem Kollegen dafür gelobt, dass ich so zu meiner Meinung stand und keine Angst zeigte. Ich sage euch: Das ging runter wie Butter!

Für euch da draußen, die ihr euch nicht traut etwas zu sagen, weil ihr Angst um euren Job habt: Habt keine Angst! Was soll euch der Arbeitgeber tun? Euch kündigen? Dann wäre er schön blöd und selbst wenn, mit einer einzigen Bewerbung hast du einen neuen Job! Ich wechselte häufiger meine Arbeitgeber, ich weiß wovon ich spreche.

Ausbildung

Als ich meine Ausbildung begann war es noch normal, dass der Arbeitgeber bestimmte wie und wann man zu arbeiten hatte und auch was als Arbeit anerkannt wurde und was nicht, sprich was Stunden brachte und was als Freizeit deklariert, demzufolge nicht in die Stundenabrechnung mit eingetragen, wurde. Der Dienstplan wurde immer ein bis zwei Monate im voraus geschrieben und an dem gab es nichts zu rütteln. Kurzfristige Termine? Pech gehabt! Dann musst du halt den Leben besser durchplanen! In ein Wunschbuch konnte man sich seien Wünsche bezüglich Dienstzeiten und freien Tagen eintragen, welche aber auch nicht immer berücksichtigt wurden. Zudem bestand das ungeschriebene Gesetz: Wenn du angerufen wirst, weil man einen Dienst abdecken muss (und das kam häufig vor, aufgrund hoher Krankheitsraten), hast du ja zu sagen und zu erscheinen! Eine Absage wurde mit bösen Diffamierungen durch die Kollegen geahndet. Vorne herum waren alle lieb und nett zueinander, aber hinten herum gingen schlimme Gerüchte und Diffamierungen. Unterste Schiene! Ich sage euch: Nur Weiber auf einem Haufen, ist das Schlimmste! Sobald ein Kerl mit im Team war, wurde alles schlagartig besser, nur leider sind Männer in der Pflege äußerst rar gesäht. Traurigerweise ist der Beruf für Männer äußerst unattraktiv, da entgegengesetzt der politisch gewollten Meinung, der Mann bei Familiengründung überwiegend weiterhin den Anspruch hat, finanziell für seine Familie sorgen zu wollen. Mit dem Gehalt aus der Pflege, oder auch dem Handwerk ist das nur sehr erschwert, bis gar nicht möglich.

Helfersyndrom

Viele Arbeitnehmerinnen in der Pflege, besonders in der Altenpflege, haben ein Helfersyndrom. Sie haben oft mit sich selbst und in ihrem Privatleben Probleme, die sie auch im Team zeigen und kommunizieren und geben alles für ihre langjährigen Schützlinge. Hat den Nachteil, dass sie häufig zu viel tun. Der alte Mensch wird unmündig, sobald er ein Heim betritt. Alles wird vom Heim bestimmt und der Mensch an sich wird behandelt, wie ein kleines Kind. Sie freuen sich, wenn der alte Mensch ihnen positive Rückmeldung gibt und fühlen sich so in ihrem Handeln bestätigt und davon leben sie. Im Gegenzug gibt es auch häufig Gewalt in der Pflege, da so ein enges Verhältnis ein hohes Konfliktpotenzial in sich trägt.

Und natürlich ist der Tod allgegenwärtig, was starke Nerven benötigt und dass man mit sich selbst, bezüglich Tod und Sterben, im Reinen ist. Darüber möchte ich jedoch mal einen extra Blogartikel schreiben. Weiß nur noch nicht, wie. Zu gegebener Zeit wird mir da schon noch eine Idee durch den Kopf schießen.

Für mich war die Altenpflege eine Arbeit, wie jede andere auch und nach Feierabend habe ich keinen Gedanken mehr daran verschwendend, was mir folglich negativ ausgelegt wurde, da ich mich auch sonst nicht gerne mit einbrachte, wenn es darum ging seine Freizeit für Aktivitäten des Heimes “zu opfern”. Selbst Mitarbeiterveranstaltungen mochte ich nie.

Könnte ich mir nun vorstellen eines Tages wieder in der Pflege zu arbeiten?

Vielleicht. Allerdings ganz sicher nicht mehr Vollzeit. Wer Vollzeit in der Pflege arbeitet, hat kein Privatleben mehr. Ein paar Wochenstunden könnte ich mir vorstellen und am Liebsten nachts, auch wenn das organisatorisch wahrscheinlich, für mich, nicht möglich sein wird. Unter tags schlafen mit drei Kindern im Haus? Derzeit unmöglich.

Warum nachts? Ganz einfach, weil man da in den meisten Fällen alleine ist. Kein Team um einen herum, keine Angehörigen, keine Chefitäten, keine Ärzte, keine ständig läutenden Telefone und Glocken. Man ist alleine für alles verantwortlich und man kann sich seine Arbeit im Großen und Ganzen recht selbstständig einteilen. Ich bin kein Teamplayer. Es ist einfacher alles selber zu regeln, anstatt sich ständig mit anderen absprechen zu müssen und sich vor allem von anderen in die Arbeit reinpfuschen zu lassen. Ich war und bin Einzelkämpfer. Nicht immer einfach, aber trotzdem erfüllender für mich.

Positives Bild und Veränderung

Und so mache ich mir immer wieder Gedanken und freue mich über jeden, der ein positives Bild von der Altenpflege nach außen hin abgibt! Es gibt die schönen Altenheime mit zufriedenen Bewohnern und Pflegern! In einem davon arbeitet anscheidend Tamara. Freut mich für sie! ❤

Es wird langsam Zeit, dass an dem Image und dem Erscheinungsbild der Altenpflege was verändert wird, aber dafür müssen sich erst einmal die Gegebenheiten verändern. Die Menschen werden immer älter und in den nächsten Jahren wird es zu einem massiven Pflegenotstand kommen. Eigentlich haben wir diesen schon. Es gibt mehr alte, als junge Menschen. Die Alterspyramide wankt gewaltig. Was tun, wenn unsere alten Menschen irgendwann nicht mehr zu versorgen sind? Pflegekräfte importieren? Das ist eine derzeitige Lösung. Chinesische Pflegekräfte werden ins Land geholt (Deutschland) um den Mangel zu beseitigen. Klappt nur sehr mäßig.

Nach einer Studie der Bertelsmann-Stiftung könnten in Deutschland im Jahr 2030 rund eine halbe Million Vollzeit-Pflegekräfte fehlen. Die Politik habe das Problem und seine Dimension lange verschlafen, kritisiert der Präsident des Bundesverbands privater sozialer Dienste, Bernd Meurer.
Auch auf China und das dortige riesige Reservoir an Fachkräften ist Deutschland sehr spät gestoßen. Fast eine Million Chinesinnen sollen längst im Ausland im Einsatz sein, etwa in Kanada oder Australien. Mit einer großen Welle an zuströmenden Pflegern aus anderen EU-Staaten oder auch fernen Drittstaaten sei ohnehin nicht zu rechnen, sagt ZAV-Sprecherin Marion Rang. „Allein mit ausländischen Kräften wird die Lücke nicht zu schließen sein.“

https://www.faz.net/-gym-7835k

Es wird an Lösungen gefeilt, doch bisher war nichts ordentliches dabei. Es bleibt spannend!

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