Meine Gedanken und Gefühle rund um meine Taufe

Ich ließ mich 2005, in einer großen christlichen Gemeinde, in der Schweiz, taufen. Eine Freundin machte mich mit der charismatischen Glaubensgemeinschaft bekannt und dort ist mir dann auch bewusst geworden, dass die Erwachsenentaufe zu dem Glaubensbekenntnis, zu der Entscheidung Jesus nachzufolgen, dazu gehört.

Zu der Zeit war ich sehr stark mit mir selber in der Zwickmühle. Ich wusste, der Weg mit Gott ist der einzig Richtige, aber dennoch wollte ich mich äußerlich nicht zu 100% festlegen. Ich hatte dazumal Dreadlocks und war ganz stolz drauf. Während der Zeit meiner Taufe wohnte ich kurzzeitig bei meinem Onkel, der meine Einladung zu meiner Taufe dankend ablehnte- er könne damit nichts anfangen (Jahre später erzählte ich mir warum und ich kann seine Meinung nachvollziehen, auch wenn es mich traurig stimmt) und fragte mich, ob ich eigentlich wüsste, für was die Dreadlocks stehen würden. Als ich verneinte, zog er die Augenbrauen hoch und sagte nichts mehr. (Als Hintergrundinfo: Er ist ein vielgereister Althippie.) Heute weiß ich es und kann verstehen, warum er die Augenbrauen hoch zog. Für mich war es dazumal nur ein modisches Accessoire und passte zu dem Umfeld, mit dem ich mich gerne abgab.

Die Religion der Rastafari, auf der die Dreadlocks gründen, und der christliche Glauben passen nicht zusammen. Sind zwar in gewissen Dingen ähnlich, da bei den Rastafari wohl einiges auf das alte Testament aufgebaut ist, aber das heilsentscheidende- Jesus als Messias und Erlöser anzuerkennen, fehlt. Sie haben ihren eigenen Messias. Demzufolge ist es für einen Christen eine Irrlehre.

Nach etlichen Taufvorbereitungskursen war es dann soweit und der Tauftag stand an. Ich hatte einen Bammel, ich sag’s euch! Alle Täuflinge standen im weißen Gewand auf der Bühne, unter dem Gewand der Badeanzug, vor der ganzen Gemeinde und wurden nacheinander getauft. Ich war mit Abstand die Jüngste. Wie der Ablauf genau war, weiß ich eigentlich gar nicht mehr, da es so schnell ging. Der Pastor predigte, danach wurden alle nacheinander ins Taufbecken, welches mitten in der Bühne eingelassen war, geschickt, ein Bibelvers vorgelesen und nach einem Gebet, untergetaucht.
Danach standen wir alle in einer Reihe auf der Bühne, ein Mikrofon wurde unter den Täuflingen herumgereicht und wir durften unsere Glaubenszeugnisse vortragen- ganz frei, was einem gerade in den Sinn kam. Keine Ahnung ob die anderen sich vorbereitet hatten, ich mal nicht. Ich hoffte, der Kelch des Mikrofons würde an mir vorüber gehen, ist er aber nicht.

Nach den anderen tollen Glaubenszeugnissen, die mich wirklich geflasht hatten, war ich dran und… ich wusste nicht was sagen!
Im Publikum saß meine Familie und meine Freunde und ich hatte Lampenfieber ohne Ende. Ich stammelte nur etwas von der Art ins Mikrofon: “Ich habe noch nicht so viel mit Gott erlebt, bin ich aber dankbar…” oder so ähnlich. Kann mich gar nicht mehr wirklich daran erinnern. Irgendjemand aus dem Publikum rief zu mir hoch: “Keine Sorge, kommt noch!” Was mich beruhigt hat.

Das ist nun über 13 Jahre her und ich kann sagen: Ja, ich durfte enorm viel mit Gott erleben! Zwar keine so großartigen Dinge, dass ich damit groß Zeugnis geben könnte, es waren eher die kleinen Dinge des Lebens wie Führungen und Bewahrungen. Aber alle kleinen Dinge machen es insgesamt wieder groß. Gott ist gut!

  • Er sandte mir Menschen die mir helfen, die mich gut beraten, die mir halfen mein (Glaubens-)Leben auf die Reihe zu bekommen.
  • Er öffnete Türen, auch wenn es noch so verzwickt war und er schloss Türen, obwohl ich sie gerne offen gelassen hätte, nur zu meinem Schutz, wie mir später auffiel.
  • Er schenkte und schenkt mir Kraft für meinen Alltag mit drei Kindern und großem Haushalt- was mich manchmal fast verzweifeln lässt. Warum kann es nicht einmal ordentlich und sauber sein?
  • Er stellte mir meinen großartigen Ehemann zur Seite und auch seine große Herkunftsfamilie, die mir in vielen Dingen eine Stütze und Hilfe ist.
  • Er heilte meinen innerlichen Zorn auf meinem Vater und ich durfte ihm vergeben.
  • Er gab mir Liebe für Dinge, die ich früher ablehnte, da ich mir in meiner Hochnäsigkeit zu schade dafür vorkam.
  • Er schenkte mir ein Herz für die kleinen Dinge im Leben. Er zeigte mir meine Gaben und Begabungen und kreierte Möglichkeiten, damit ich diese ausleben kann und darf.
  • Er öffnete mir die Augen für die Menschen, die unten stehen, für meine Glaubensgeschwister, die tagtäglich um ihr Leben fürchten müssen, einfach aus dem Grund, weil sie Christen sind.
  • Er gab mir Liebe für die Ärmsten der Welt und schenkt immer wieder Möglichkeiten, wie wir ihnen helfen können- z.B. Briefe von Missionsorganisationen per Post.
  • Er öffnete, und öffnet mir immer weiter, die Augen über die Ungereimtheiten in unserer Gesellschaft im Bezug auf Christentum und Glaube, weltlich aber auch unter den Christen- letzteres stimmt mich am Traurigsten.
  • Und ich durfte lernen, dass der Verstand allein nicht ausschlaggebend ist, für ein zufriedenes Leben- es gibt noch weit mehr Dinge zwischen Himmel und Erde, die mit rein menschlichen Verstand nicht erfassbar sind, aber dennoch existieren. Der menschliche Verstand ist begrenzt. Gott ist allumfassend.

Ich bin nun knapp 34 Jahre alt. Habe ich schon ausgelernt? Nein, bei Weitem nicht! Ich lerne tagtäglich dazu. Viele neue Erkenntnisse und Erlebnisse. Eines bleibt jedoch: mein Glaube an Gott. Ohne Gott ist der Mensch verloren, auf ewig. Und es ist meine Hauptaufgabe, dies den Menschen in der Welt weiterzugeben. Wie, das ist individuell und die Methoden sind nicht immer gleich. Ich habe gelernt, dass das Leben nicht nach Schema F funktioniert. Es gibt keine Anleitung, wie alles funktioniert- obwohl ich die oft gerne hätte. Ich muss immer mehr lernen, mich ganz auf Gott verlassen, dass er mich führt und leitet. Ohne Gott scheitert der Mensch, früher oder später.

Anni Side | andererseits.at

Weiterführende Links:

https://de.wikipedia.org/wiki/Rastafari

https://www.glz.ch/

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