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Ich komme aus einem evangelikalen Umfeld. Meine Eltern verließen jeweils die evangelische und die katholische Kirche, aus Glaubensgründen. Sie waren der Ansicht, dass die Großkirchen massive Fehler bei theologischen Glaubensfragen machten und machen. Der Ansicht bin ich auch! ABER, jetzt kommt das große Aber: Ich mag mich nicht mehr darum streiten (müssen).

Eigentlich muss ich ja nicht streiten, eh klar, aber manchmal kommt man einfach nicht drumherum, wenn man gewisse Positionen als richtig betrachtet und jemand anderes dagegen wettert. Man hat das Gefühl, seine Position verteidigen zu müssen. Was das für Positionen sind, könnt ihr zum Teil auf diesem Blog hier nachlesen. Und doch frage ich mich immer wieder, wer mich dazu berufen hat, diese Irrlehren der Anderen aufzudecken? War ich das, oder ist es Gott? Wenn es Gott ist, der mir diese Wahrheiten offenbart hat, sollte es dann nicht so sein, dass ich deswegen nicht mit jemand in Streit komme? Oder ist sich zu streiten eigentlich gar nicht so schlimm? Wie sagt man so schön: der Ton macht die Musik.
Ich weiß, ich widerspreche mir gerade wahrscheinlich selbst, bezugnehmend auf schon andere Blogbeiträge. Es sind lediglich Überlegungen. Muss ich überhaupt Irrlehren aufdecken? Die mir bewusst werden, wahrscheinlich schon, das sagt mir mein Kämpferherz. Aber bei den Ansichten, bei denen ich mir nicht zu 100% sicher bin, davon lasse ich lieber meine Finger. Wenn ich meine Finger nicht davon lasse, verbrenne ich sie mir höchstwahrscheinlich, da ich mich ungenügend auskenne.

Was mir jedoch wichtig geworden ist, ist dass man die Menschen hinter dem Glauben nicht verurteilt!

Es ist halt nun mal so, dass sich besonders gläubige Katholiken mit ihrem Katholizismus identifizieren. Ihr Glaube ist ihre Identität. Mein Glaube ist ebenfalls meine Identität und ich lehne den Katholizismus größtenteils ab, weil viele Aussagen darin für mich nicht biblisch sind und dadurch der Katholizismus insgesamt für mich eine Irrlehre ist. Bei den Protestanten ist das Grundgerüst nicht übel, aber in den letzten Jahren fallen sie mir durch sehr unbiblische Aussagen und Entscheidungen, negativ auf. Bei den Evangelikalen gibt es viele verschiedene Ausrichtungen, wenn ich die alle aufzählen müsste, säßen wir morgen noch dran und ja, auch da ist nicht alles Gold was glänzt.

Eine Kirche ist das Vorbild für die Menschen im Bezug auf die biblische Lehre. Wer das verfälscht, was in der Bibel steht, welche die Grundlage für das Christentum ist, der sollte nicht mehr als geistlicher Leiter zur Verfügung stehen. Leider sind nicht alle Theologen, die in den Kirchen lehren, gläubig und interpretieren vieles nach weltlichen Gesichtspunkten. Laut meinen biblischen Erkenntnissen, müsste man diese Menschen von ihrem Amt entheben, oder noch besser, erst gar nicht in das Amt eines geistlichen Leiters erheben.

Wenn man in grundlegenden Glaubensfragen unterschiedlicher Meinung ist, kann es auch mal zu einem Streit kommen. Ehemals (noch gar nicht so lange her) hängte ich mich voll in solche Streitigkeiten rein: ich wollte mein Gegenüber von meinen Ansichten überzeugen, komme da was wolle! Mittlerweile durfte ich erkennen: das bringt rein gar nichts! Aufgrund eines Streitgespräches entscheidet sich ein Mensch nicht um! Im Gegenteil, er sitzt noch verbissener auf seiner eigenen Meinung. Was man verteidigt, ist einem wichtig! Man würde sein Gesicht verlieren, wenn man auf einmal von seiner Meinung abrückt. Man möchte den anderen nicht triumphieren lassen. Es ist ein Kampf! Jeder normale Mensch möchte einen Kampf gewinnen! Besonders wenn es dabei um seine Identität geht, um das was ihn ausmacht.

Diese Thesen könnte man, ihr habt es euch wahrscheinlich sowieso schon gedacht, auch auf andere Themenbereiche umlegen.

Mit Liebe kämpfen

Man kann feste Überzeugungen haben, muss diese jedoch trotzdem den Mitmenschen nicht ständig aufs Pausenbrot klatschen. So sehr es auch einen britzelt, es muss nicht sein! Ich verstehe wirklich, wenn es einen juckt, wenn man dem Menschen jetzt unbedingt seine Meinung um die Ohren hauen möchte, weil man nicht verstehen kann, wie der Mensch diese Meinung vertreten kann!
Oh ja, ich verstehe es, nur zu gut! Glaubt mir, habe ich auch schon oft genug getan. Meistens endete es in einem Bruch mit der Person, was bei guten Bekannten und Freunden mit viel Schmerz verbunden war. Bei Personen aus dem Netz, war es mir meistens ziemlich egal. Je nachdem, wie viel Interaktion ich mit der Person schon hatte.

Die meisten Menschen die ich kennen lernte waren jedoch beeindruckt davon, dass ich feste Überzeugungen habe und diese auch vertrete! Ebenso beeindruckt es mich, wenn ich auf Menschen treffe, die ihre Meinung und Überzeugungen haben und diese leben. Das ist für mich Authentizität.

Umdenken durch Beobachtung

Wenn ich also möchte, dass mein Mitmensch meine Meinung übernimmt, muss ich es anders anstellen. Ich muss ihm meine Meinung positiv vorleben, nicht nur reden. Sprache allein, Aussagen allein, treffen, zumindest bei mir, oft nur auf taube Ohren. Vor allem dann, wenn es meinen Ansichten komplett entgegensteht.
Ich beobachte meine Mitmenschen gerne. Sind sie glücklich, wirklich glücklich? Führen sie ein gutes Leben? Ist die Beziehung intakt? Gehen die Partner miteinander liebevoll und respektvoll um? Wie geben sie sich nach außen? Was für Werte leben sie? Mit was für Menschen umgeben sie sich? Was treibt den Menschen in seinem Innersten um? Ist der Mensch verlässlich? Leben sie das auch, was sie erzählen, oder reden sie nur gescheit? Wenn ich all diese Fragen und noch mehr über einen Menschen weiß und von dem Leben des Mitmenschen begeistert bin, übernehme ich gerne seine Meinung, denn dann ist diese für mich authentisch und ehrlich.

Und diese Fragen kann ich mir NICHT über’s Netz von einem Menschen beantworten! Das funktioniert nur im realen Leben. Daher nahm ich mir vor, mich Streitgesprächen im Netz zu entziehen, oder versuche Aussagen von Personen die ich mag und die hetzerisch sind zu relativieren. Ebenso versuche ich so zu formulieren, dass es nicht reißerisch und hetzerisch rüber kommt. Funktioniert nicht immer! Es kommt durchaus immer mal wieder vor, dass ich mich wieder hineinziehen lasse, in diese Rechthaberei. Niemand ist perfekt! Ich stelle weder den Anspruch an mich, noch an meine Mitmenschen. Wenn mir jemand ganz „dumm tut“ und versucht, mich über’s Netz persönlich anzugreifen, der wird blockiert und oder aus der Freundesliste gekickt. Ohne Rücksicht auf Verluste. Wer sich wirklich für mich und meine Meinung interessiert, der wird versuchen mich im Privaten kennen zulernen.

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