In dem Buch “Tochter Gottes, erhebe dich”, welches ich schon einmal vorstellte, zählt die Autorin Inka Hammond die Eigenschaften und Verhaltensweisen des inneren Waisenkindes auf. Erst wenn das innere Waisenkind geheilt ist, kann es sich mit voller Kraft für Gott einsetzen. Als ich die Auflistung durchlas, stockte mir das Herz. Vieles kam mir so bekannt vor. Auch im Bezug auf manche Wesenszüge der Hochsensibilität. Sind Hochsensible also im Grunde nur verwundete innere Waisenkinder?

Aber macht euch selbst ein Bild, ich tippte euch den besagten Buchauszug dann folgend ab. Ich empfehle jedoch jedem, sich das ganze Buch durchzulesen. Es war für mich so bereichernd, sodass ich jetzt noch, etliche Wochen später, noch davon zehren und darüber nachdenken kann und darf. Und das freudig. Ich bin noch lange nicht am Ende meiner inneren Reise angekommen, aber ich sehe ein Licht am Ende des Tunnels. Das wünsche ich jedem anderen auch! Durch das Befassen mit meiner Hochsensibilität, im vergangenen Jahr, konnte ich schon vieles aufarbeiten und darüber bin ich froh und dankbar. Heute bin ich weiter als damals. Trotzdem ist immer noch alles im Fluss. Ich denke, ein Mensch ist so lange auf der Reise, bis es zur letzten Reise geht.

Buchauszug:

Ein Waisenkind kann es nicht ertragen, alleine zu sein.

Ein Waisenkind setzt alles daran, Menschen an sich zu binden und Beziehungen zu seinen Gunsten zu beeinflussen.

Ein Waisenkind braucht oft Äußerlichkeiten, um Stabilität zu finden: Kleidung, Make-Up, Deko, gesichertes Einkommen, Eigenheim… Alles, was nach außen kommuniziert: Schaut her, ich bin liebenswert. Ich kann etwas, ich bin etwas.

Ein Waisenkind kann Weltmeister im Manipulieren werden und weist oft einen Kontrollzwang auf. Es muss alles überschauen können. Ein Kontrollverlust kommt einer Katastrophe gleich.

Ein Waisenkind braucht Aufmerksamkeit, um Selbstsicherheit zu finden. Es definiert sich über Rückmeldungen, die es bekommt. Es saugt Informationen über sich selbst aus seinem Umfeld heraus und ruht nicht in sich selbst.

Ein Waisenkind kann sich schlecht annehmen und wünscht sich oft, anders zu sein. Anders auszusehen, anders zu reden, anders zu gehen, anders zu gestikulieren. Ein Waisenkind leidet unter einer tiefen inneren Unsicherheit, die es oft dahin treibt, es allen recht machen zu wollen. Es lebt von der Zuneigung anderer, egal, ob echt oder unecht.

Ein Waisenkind kann sehr schlecht mit Kritik umgehen, weil es jede negative Rückmeldung sofort auf sich als Person bezieht. Ein Waisenkind kann schlecht differenzieren zwischen konstruktiver Kritik und schlichter Gemeinheit, weil alles als Ablehnung aufgefasst wird.

Ein Waisenkind wird oft als arrogant und abgehoben wahrgenommen, weil dieses Verhalten als Schutzmauer benutzt wird, um das zerbrochene Herz vor weiteren Verletzungen zu bewahren. Wenn ein Waisenkind Härte demonstiert, wird es so schnell nicht angegriffen.

Ein Waisenkind zieht sich auch oft zurück, wird unscheinbar und ist davon überzeugt, dass seine Stimme, seine Anwesenheit unwichtig ist. Es leidet unter massiven Minderwertigkeitskomplexen.

Ein Waisenkind ist angetrieben von Angst. Die Zukunft ist wie ein schwarzes Loch, wo alles Mögliche an schlimmen Dingen passieren kann. Dem Waisenkind fehlen Zuversicht und Optimismus, weil ganz oft das Urvertrauen in der frühesten Kindheit nicht stabil aufgebaut wurde.

Ein Waisenkind hortet und kann sich schlecht von Dingen und Personen trennen. Es hält sich krampfhaft an Umständen und Beziehungen fest, weil es Veränderungen nur sehr schwer verkraften kann. Es braucht Stabilität und Ordnung, um sich sicher zu fühlen.

Ein Waisenkind definiert sich durch Leistung und lebt nach dem Motto: Du bist, was du tust. Müßiggang, ausruhen, dinge entspannt angehen sind unmöglich und werden innerlich sofort mit Faulheit gleichgesetzt.

Ein Waisenkind vergleicht sich ständig mit anderen. Immer gleitet der Blick zu der Person neben ihm und immer schneidet das Waisenkind dabei schlecht ab. Sei es Aussehen, Karriere, Kinder. Ein Waisenkind ist mit sich selbst zutiefst unzufrieden und leidet unter sich selbst.

Ein Waisenkind gibt sich immer selbst die Schuld. Egal, was vorgefallen ist- das Waisenkind ist überzeugt, dass es selbst der Grund ist. Konflikte können so kaum objektiv ausgetragen werden. Das Waisenkind flüchtet sich schnell in die Opferrolle, wo es sich sicher fühlt und wiederum Mitleid und Aufmerksamkeit erhaschen kann.

Ein Waisenkind rutscht sehr leicht in Abhängigkeitsbeziehungen hinein. Wie ein Magnet zieht es andere verletzte Waisenkinder an. So entstehen ungute Beziehungen und instabile Ehen.

Waisenkinder sind häufig unzufrieden und empfinden das Gras auf der anderes Seite als grüner. Sie empfinden ihren Besitz, ihre Umgebung, ihre Freundschaften als minderwertig und in ihnen herrscht eine Rastlosigkeit und ein Suchen nach etwas, das sie nicht haben. Undankbarkeit vergiftet ihr Herz.

Waisenkinder können sich oft perfekt in Szene setzen und ihr Umfeld über ihre Zerbrochenheit hinwegtäuschen. Ihr Auftreten ist das Ticket zur Annahme und Liebe. Sie setzen alles daran, gut anzukommen und Eindruck zu hinterlassen. Um nichts in der Welt, darf diese Fassade angekratzt werden. So werden Waisenkinder oft sehr unnahbar.

Waisenkinder träumen große Träume. In ihnen steckt diese unglaubliche Sehnsucht nach Leben und in ihren Träumen erdenken sie sich all das, was möglich wäre, wenn sie nur mutiger, selbstsicherer, geliebter wären. Oft verlieren sie sich in diesen Tagträumen und fliehen sich an Orte, die nur sie kennen.

Wenn du dich in diesem Text wiederfindest und erkennst, dass du tief in deinem Herzen ein Waisenkind bist, dann verzage nicht. Es gibt Hoffnung! Denn unser Gott ist der Vater aller Vaterschaft. Dank seiner übergroßen Liebe müssen wir nicht in unserer Identität als Waisenkind stehen bleiben. Es gibt Hoffnung. Das habe ich selbst erlebt.

Quellennachweis: Seite 59 – 61 aus dem Buch: Tochter Gottes, erhebe dich. Vom Schmerz zum Sieg. Vom Sieg zum Segen.

Der Weg zur Heilung

Wenn du dich in einem oder mehreren Abschnitten wiederfindest, lasse den Kopf nicht hängen! Wenn Christ bist und an den Gott der Bibel glaubst und diesem vertraust, weißt du, was zu tun ist. Nehme ich jetzt einfach mal an.

Falls du nicht an Gott glaubst, ist das schade, aber was nicht ist, kann ja noch werden! Und falls du es trotz allem entschieden ablehnst und nicht mehr weiterweißt, wende dich an einen guten Psychologen, mit dem du deine Vergangenheit aufarbeiten kannst.

Man muss sich selbst erst vollständig aufarbeiten und vollkommen ehrlich zu sich selbst sein, um innerlich geheilt zu werden, damit man ein befreites Leben führen kann. Die meisten Ursachen liegen in der Kindheit begraben, in der Beziehung zu den Eltern. Aber auch in den Generationen vor dir. Vieles was dich heute belastet, kann auch den Ursprung in Erblasten haben. Aber das kann dir dann dein Seelsorger oder Psychologe erklären.

Wie gesagt, ich bin auch noch in dem Prozess der Heilung. Ich war bisher noch bei keinem Seelsorger oder Psychologen. Ob ich mich dazu aufraffen kann, weiß ich noch nicht. Mein innerlicher Stolz hält mich noch davon ab. Hoffe, diesen kann ich bald ablegen.

Der erste Blogbeitrag nach dem Erkennen meiner Hochsensibilität, ebenfalls mit einer guten Buchempfehlung:

Ich wollte dich mit diesem Blogbeitrag nicht niederdrücken, sondern dir die Chance geben, Heilung für dein Innerstes zu finden. Vielleicht bist du hochsensibel und auf dich trifft das alles nicht zu. Schön! Wirklich! Denke, das trifft auch nicht auf alle zu. Aber ich denke, viele Menschen sind mit sich selbst nicht im Reinen und verletzt und wenn es zusätzlich dann auch noch sehr sensible Menschen sind, die alles sehr verstärkt wahrnehmen, wird es doppelt hart. Für mich war die Erkenntnis der Hochsensibilität sehr heilsam und hat geholfen, mich selbst besser zu verstehen und vor allem positiv wahrzunehmen, wie ich schon in anderen Beiträgen schrieb.

Auf dich treffen ein paar Punkte von der Auflistung zu und vielleicht warst du dir bisher gar nicht darüber bewusst, dass deine Verhaltensweisen im Grunde nicht gesund sind? Mach dir nichts daraus! Es gibt für jedes Problem eine Lösung. Ich habe meinen Lösungsansatz gefunden und bin froh und dankbar immer weiter geheilt zu werden. Es ist ein Prozess und geschieht nicht von heute auf morgen. Es kann oft sehr wehtun, wenn man erkennt, was Sache ist. Aber keine Sorge, es wird besser und sorgt für die innere Heilung. Vom Schmerz zum Sieg. Und vom Sieg zu Segen.

Wer zu Gott finden durfte und Gott sein Innerstes aufräumen und heilen durfte, ist kein Waisenkind mehr. Gott ist der Vater, wir sind die Kinder und auch erst dann, wenn der Mensch Gott als Vater angenommen hat, ist der Mensch vollständig. Gott ist unser liebender Vater.

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