Ein Beitrag über Freikirchen von Eveline Wilms

Ich liebe meine Gemeinde! Das schon mal vorweg.

Ich bin ein Kind Gottes in der dritten Generation. Den Gottesdienst am Sonntag habe ich schon als Säugling besucht, die ersten Gebete gehörten zu meinen ersten Worten und die Kinderbibel war ein ganz selbstverständlicher Teil meines Kinderzimmers.

Auch meine vier Kinder sind von Geburt an regelmäßig im Gottesdienst. Das ist für sie absolut selbstverständlich.

Wir gehen in eine evangelisch freikirchliche Baptistengemeinde. Wir als Baptisten taufen Menschen auf ihr Bekenntnis hin. Also keine Säuglinge, sondern heranwachsende Kinder oder Erwachsene. Je nach dem wann ein Mensch sich eben für diesen Schritt aus freien Stücken entscheidet. Das ist also der feine Unterschied zu anderen Gemeinden und Verbänden innerhalb des Christentums.

Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich irgendwann als Kind erfuhr, dass wir in eine Baptistengemeinde gehen. Vorher dachte ich immer wir seien einfach Christen. Offensichtlich wurde bei uns in der Gemeinde und auch zuhause nicht so häufig thematisiert welcher Konfession wir angehörten. Als sich dann herausstellte das meine Verwandten (Deutschlandweit verteilt) nicht in Baptistengemeinden gehen, obwohl sie genau wie ich an Jesus glauben, war ich etwas verwirrt. Wir waren doch alle Christen, wozu also die unterschiedlichen Namen? Auch die Gottesdienste und was ich sonst so mit bekam, waren total ähnlich.

Und so erlebe ich es auch heute. Ich kenne und liebe viele Menschen aus den unterschiedlichsten Gemeinden und weiß, dass wir Glaubensgeschwister sind. (Mein Mann kommt übrigens auch nicht aus einer Baptistengemeinde.)

Es gibt viele verschiedene Namen und Richtungen unter den Freikirchen zusätzlich zu den großen Kirchen. Es sind feine Unterschiede in der Lehre. Weil Luther jedem Zugang zum Wort Gottes verschafft hat und jeder nach seinem Glauben und in seiner Situation Erkenntnisse haben kann. Immer wieder wird das als etwas Negatives dargestellt. Ich persönlich glaube, dass die Gemeinde Jesu Braut ist. Unsere Vielfalt schmückt sie, gibt ihr Charakter und Persönlichkeit, spiegelt ein Stückweit Gottes Kreativität. Er ist total verliebt in sie und hat ihr viele Liebesbriefe in die Bibel geschrieben.

Wenn Gott wollte, dass wir alle absolut einheitlich glauben und verstehen, hätte er die Bibel und auch das persönliche Glaubensleben des Einzelnen anders gestaltet. Er hätte ja den Glaube oder die Heiligung wie eine einfache Leiter erschaffen können. Auf Stufe eins wissen, verstehen und glauben alle das Gleiche. Wenn man eine Prüfung besteht, bekommt man Zugang zum nächsten Teil der Bibel und den dazu gehörigen Glauben und die entsprechende Erkenntnis. Alle wären sich einig und alles wäre klar. Jeder wüsste wo er steht und was als nächstes dran ist. Wäre das nicht schön einfach? Oder schön menschlich? Gott ist so viel vielseitiger, kreativer und spannender, als wir mit unseren Reglementierungswünschen. Er hat Geheimnisse versteckt und Hinweise gelegt, damit über Jahrtausende Menschen Freude daran haben sie zu entdecken. Ich stelle mir vor, wie er sich bei jeder noch so kleinen Erkenntnis und jedem noch so kleinen Glaubensschritt seiner Kinder freut, wie ich, wenn meine Kinder die ersten Schritte machen, das erste Mama aussprechen, das erste Lächeln zeigen.

Wir wollen schon bei einer Hand voll Kindern alles irgendwie geordnet und geregelt haben, er aber hat für Milliarden Menschen Milliarden Pläne. Mit jedem geht er einen wunderbaren individuellen Weg. Obwohl wir alle an den gleichen Jesus glauben und das gleiche Wort lesen. Ist das nicht einfach fantastisch? Wie könnte da jede Ortsgemeinde gleich sein? Ich glaube nicht, dass Jesus sich so eine langweilige, monotone Braut gewünscht hat.

Was er sich aber gewünscht hat ist, dass Liebe unter uns herrscht, dass man uns an der Liebe untereinander erkennt, denn wir haben alle den gleichen Heiligen Geist bekommen und gehören alle zum gleichen Leib. Wir sollten also gar keine Zeit für Neid und Streit verschwenden, sondern auf unseren Bräutigam schauen. Auf Jesus.

Und das ist das was ich an meiner Gemeinde liebe. An meiner Ortsgemeinde mit ihren 300 Mitgliedern und über 100 Kindern :-). Wo ich zuhause bin. Schon immer hat man mehr Wert darauf gelegt, was in der Bibel steht und versucht sich daran zu halten ohne sich darauf etwas einzubilden. Man hat versucht nicht so viel reinzuinterpretieren oder zu verdrehen, sondern zu glauben und zu leben.

Auch innerhalb unserer Gemeinde kommt es vor, dass Menschen einzelne Stellen unterschiedlich auslegen. Aber wir dürfen trotzdem liebevoll miteinander umgehen, gemeinsam vor Gott treten und ihn um Rat und Weisheit bitten, in Demut den anderen höher achten als uns selbst, in Liebe auf Sünde hinweisen, gemeinsam wachsen und uns entwickeln (aber nicht auf den Zeitgeist anpassend, sondern zu Jesus hin). Das habe ich oft erlebt, als gelebtes Miteinander innerhalb unserer Gemeinde. Das ist auch die Haltung anderen Gemeinden gegenüber. Bei uns wird gepredigt, dass im Himmel neben mir, Charismatiker, Pfingstler, Mennoniten, Brüdergemeindler, Landeskirchler, Katholiken und was es sonst noch alles gibt, stehen werden. Dafür wird vielleicht der eine oder andere, den ich Sonntag für Sonntag sehe, nicht dabei sein. Wir werden nämlich nicht zu Kindern Gottes, weil wir einer liberalen oder konservativen Gemeinde angehören, weil wir in Zungen reden oder nicht, weil wir als Erwachsene auf unseren Glauben hin getauft wurden oder als Säuglinge, weil wir besprengt oder niedergetaucht wurden. Auch nicht, weil wir glauben, dass man vom Glauben abfallen kann oder nicht, weil das 1000 Jährige Reich vor oder nach der Entrückung der Gemeinde sein wird oder was es sonst noch für Meinungs- und Auslegungsunterschiede innerhalb Jesu Gemeinde geben kann. Das ist alles nicht voranging.

Wer an Jesus Christus glaubt und von ihm mit seinem Blut ins Buch des Lebens eingetragen wurde, wird die Pforten des Himmels betreten, ob es mir nun gefällt oder nicht. Und das ist so schön und so befreiend. Ich brauche nicht über andere zu urteilen und kann es auch nicht. Dafür darf ich den anderen lieben, wie Jesus mich liebt und wie Jesus die Gemeinde liebt. Ich wünsche mir, dass wir Christen aufhören zu schauen, was die anderen so machen, sondern mehr die Bibel aufschlagen, lesen, glauben, leben was drin steht.

Weil ich das in meiner Gemeinde darf und lerne, liebe ich meine Gemeinde.

Außerdem halte ich es für unglaublich wichtig, dass man ein geistliches Zuhause hat, denn wir sind zur Gemeinschaft erschaffen. Wir brauchen einander. Was soll die Hand schon machen, wenn sie keinen Fuß hat, der sie trägt? Welche Rolle spielt was man für gute Ideen hat, wenn es keine Körperteile gibt, die sie umsetzen? Um im Bild des Körpers zu bleiben, sollte auch gesagt sein, dass nicht jeder, der sich als Teil sieht, wirklich dahin gehört. Vielleicht sind an Jesu Leib Krankhafte oder gar Bösartige Tumore gewachsen, die den ganzen Leib krank machen. Vielleicht müssen sie entfernt werden. Auch das lesen wir im neuen Testament.

Wir brauchen auch eine örtliche Gemeinde um einander zu ermutigen und zu ermahnen, damit wir uns nicht verirren, sondern den Blick auf Jesus gerichtet haben, Korrektur bekommen, aber auch Unterstützung, Trost und Praktische Hilfe. Vieles was in der Bibel steht, können wir gar nicht umsetzen, wenn wir für uns alleine glauben.

Wir kämpfen nämlich nicht gegen Menschen. Der Feind der Braut ist der Oberbetrüger, Verführer und Lügner. Keiner sollte sich anmaßen, dass er mit ihm alleine fertig wird. Aber das ist es was er will. Er will, dass jeder nach sich selbst schaut, die Gemeinde vernachlässigt, glaubt alleine zu recht zu kommen.

Wir brauchen einander! Davon bin ich überzeugt. Und ich kann es nur erahnen wie wichtig die Gemeinde tatsächlich für Gottes Geschichte mit der Menschheit ist. Er liebt die Gemeinde und ich will sie auch lieben (mit allen Falten und grauen Haaren, die sie manchmal zeigt)!


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