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Qualitativ hochwertige Beziehungen führen

Die Tage hatte ich ein interessantes Gespräch mit einer Twitterbekanntschaft über den Wert von Beziehungen. Das inspirierte mich zu diesem Blogbeitrag. Diese Person war die zweite Person dieses Jahr, mit der ich darüber sprach und die den Anspruch stellte, nur hochwertige Beziehungen mit ihren Mitmenschen führen zu wollen, was lockere Bekanntschaften ausschließt- wie ich verstand. Wer sich so wie ich schon einmal, mit der Hochsensibilität auseinandergesetzt hat, der kennt sich jetzt schon aus.

Ich war ehemals auch so. Ich wollte intensive und hochwertige Beziehungen mit JEDEM meiner Freunde führen. Ich wollte, dass sie mir in die Seele blicken können und ich ihnen auch. Was natürlich Vertrauen voraussetzt und somit ein schon längeres Kennen. In meiner Jugend hatte ich eine Freundin, mit der dieses Bedürfnis befriedigt wurde. Es gab zwar noch andere Freundinnen, aber ich war nie in der Lage, mehrere Freundinnen nebeneinander zu haben und so konzentrierte ich mich immer nur auf eine Person. Mehr schaffte ich nicht. Mein Leben kollidierte dann im Bezug auf dieses Bedürfnis richtig, als ich meinen Mann kennen lernte. Ab dem Zeitpunkt war er meine intensive Beziehung. Für andere hatte ich, außer für oberflächliche Freundschaften, keinen Kopf mehr. Denn eine hochwertige Beziehung zu führen bedeutet auch, viel Zeit in diesen Menschen zu investieren. Und wie wir alle wissen, ist bei den meisten Menschen Zeit Mangelware, so auch bei mir dazumal. Ich konnte in meinem Leben nur Job und eine intensive Freundschaft unter bringen, für mehr gab es keine Kapazitäten.
Ich wollte nie oberflächliche Freundschaften, sondern die Menschen “richtig” kennen lernen, was mir jedoch bei den meisten Menschen vergönnt war, die ich traf. Ich schaffte es einfach nicht. Denn bei jedem Menschen, mit dem man eine intensive Beziehung führt, lässt man ein Stück seiner Seele. Mit der Zeit durfte ich aber auch dann den Wert der oberflächlichen Beziehungen schätzen lernen.
Je mehr Menschen dein Innerstes kennen, desto verletzlicher macht man sich auch. Einerseits möchte man, dass alle Menschen im Freundeskreis die innersten Sorgen und Nöte kennen, auf der anderen Seite möchte man aber auch nicht verletzt werden. Diese beiden Wünsche kollidieren miteinander, denn, Beziehungen gehen in die Brüche und je mehr intensive Beziehungen man führt, desto mehr kann man auch verletzt werden. Daher auch meine These, dass ein Mensch nach zu vielen Liebesbeziehungen kaputt geht, wenn diese hochwertig waren.

Mein Ratschlag wäre an die Menschen, mit diesem Bedürfnis nach intensiver Nähe zu ihren Mitmenschen: Ein bis zwei Menschen reichen, für die du der wichtigste Mensch bist und andersherum ebenso! Wenn man einen Partner hat, ist der im Idealfall einer davon.

Meine Beziehungskapazitäten gehen für meinen Mann und meine Kinder “drauf”. Für mehr habe ich keinen Kopf. Wie ich in meinem letzten Beitrag schrieb: Ich habe gerne Gäste und ich bin auch gerne unter Menschen und führe auch gerne gute Gespräche über Gott und die Welt, aber ich behaupte nicht, mit diesen Menschen eine intensive Beziehung führen zu müssen, nicht mehr, weil das, jedenfalls für mich, überhaupt nicht möglich ist. Ich kann das nicht. Und bevor ich nun gar keine anderen Menschen mehr um mich haben kann, was ich gerne habe, habe ich nun viele oberflächliche Freundschaften und Bekanntschaften. Jeden Menschen in meinem Umfeld schätze ich sehr und mit jedem dieser Menschen kann ich zu dem ein oder anderen Thema gute Gespräche führen, aber in meine Seele lasse ich diese Menschen nicht blicken und ich mache mir bei den meisten auch nicht die Mühe, deren ihr innerstes kennen zu lernen. Wobei der aufmerksame Leser dieses Blogs schon viel über mein Innerstes herausfinden kann.

All diese Erkenntnisse über mich und meinen Drang ehemals solche Beziehungen mit allen Freunden führen zu müssen, kamen, als ich mich mit dem Thema Hochsensibilität befassen durfte. Wenn es dir also auch so geht, empfehle ich dir, dich ebenfalls mit diesem menschlichen Wesenszug zu befassen. Es gibt gute Literatur dazu.

Ich schrieb schon einmal einen Beitrag über Hochsensibilität und Freundschaften, wenn auch nicht zu der Thematik hier, aber vielleicht erklärt es für dich so einiges:

Kinder sind da oft weiter als wir Erwachsenen, wenn sie behaupten die oder der ist mein/e beste/r Freund/in und wir Erwachsenen oft versuchen einzugreifen, damit sich in einer Gruppe niemand ausgeschlossen fühlt. Aber die Kinder haben in dem Moment recht! Ich glaube, der Mensch ist dafür geschaffen nur eine Person gleichzeitig, maximal zwei Personen, intensiv zu lieben und an sich heranzulassen. Im Baby- und Kleinkindalter sind das im Idealfall die Eltern und später die besten Freunde und dann folgend der zukünftige Partner.

Lockere Freundschaften kann man mehrere haben, aber diese sind, zumindest bei mir, im Alltag nicht von Belang. Sie sind für bestimmte Themenbereiche gut und bereichern das Leben in gewissen Lebensabschnitten, aber mehr ist nicht vorhanden und man kann diese Menschen auch leichter loslassen, besser gesagt, man kann diese Freundschaften über einen großen Zeitraum ruhen lassen oder auch ohne Probleme aufgeben. Man ist vielleicht traurig, diesen Menschen mit mehr zu haben, aber man verfällt deswegen nicht in Depressionen. Das Leben geht weiter, wie zuvor auch.

Wer also in seinem Leben nur den Wunsch hat vollkommen hochwertige Freundschaften und Beziehungen zu führen, wird enttäuscht werden. Erstens ist das wie bei der Partnersuche: äußerst mühsam und zweitens, ist man unter Umständen dann recht alleine auf dieser Welt.

Bei all meinen Überlegungen und Thesen gilt: Ich bin keine Fachfrau! Das sind lediglich meine ganz persönlichen Gedanken und Überlegungen zu dem Thema.

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