Frau sein heute- mit Kindern

Frühjahr 2017. In einer Diskussion über Frauen, die doch bitte lieber zu Hause bei ihren Kindern bleiben sollen und den Haushalt ordentlich führen, warf mir eine Mutter an den Kopf, sie habe doch nicht die letzten 50 Jahre Emanzipation verpasst und sie sei doch keine Putzfrau (übrigens eine Abwertung, wie ich finde..). Bei ihr ginge der Haushalt sehr gut nebenher. Was ich denn habe. Putzwahn? Ich dachte mir nur: “Liebe Frau… Ich will gar nicht wissen, wie es bei dir zu Hause aussieht…”

Nun gut, trotzdem beschäftigte mich diese Aussage sehr lange. Bin ich denn wirklich so abartig, weil ich mich rund um die Uhr um meine (Klein-) Kinder und meinen Haushalt kümmere und damit immer beschäftigt bin? Mache ich was falsch? Habe ich wirklich eine Putzmacke? Bin ich zu ordentlich, zu gewissenhaft? Bin ich meinem Mann hörig? Habe ich keine eigene Meinung?

Ganz sicher nicht! NEIN!

Ich habe es gerne sauber, stimmt. Wenn ich durchs Haus laufe, habe ich keine Lust, unter meinen Fußsohlen Sand vom Garten, Brotkrümel, oder sonstige Dinge knirschen zu hören. Das finde ich einfach ekelhaft. Und ja, das kommt bei uns ständig vor. Die Kinder laufen vom Garten raus und rein. Oft vergessen sie die Schuhe auszuziehen. Bei drei Mahlzeiten, am Familientisch, am Tag kommt auch einiges zusammen, dann gibt’s zwischendurch noch eine Mahlzeit: Die Kinder stehen vom Esstisch auf und haben halt noch was auf der Kleidung, das an Boden fällt. Ein Glas Saft fällt um, durch eine kurze Unachtsamkeit. Trotzdem laufe ich selbstverständlich nicht den ganzen Tag mit Staubsauger und Wischmopp durchs Haus. Würde ich ehrlich gesagt gerne, aber dafür habe ich einfach keine Zeit.

Kinder die nicht da sind, können auch keinen Dreck machen.

Was vielleicht der gravierendste Unterschied zu einer berufstätigen Mutter ist: Die Kinder sind bei mir die meiste Zeit zu Hause! Bei ihr bleibt der Dreck größtenteils in der Kinderbetreuungseinrichtung.

Wir erziehen unsere Kinder recht frei. Sprich, sie dürfen sich wie Kinder benehmen. Und…. Kinder machen Dreck, viel Dreck und sind laut. Klar, Regeln gibt es, aber nur so viel, wie sie im jeweiligen Alter gut bewältigen können. Kinder dürfen wütend werden, dürfen schreien, dürfen toben, dürfen raufen, dürfen lachen, dürfen weinen… Warum auch nicht? Sind auch nur Menschen! Genauso wie ihre Mutter… 🙂

Ich kann nicht behaupten das ich ein vollständig ausgeglichener, in mir ruhender Mensch bin. Es gibt Tage da ist alles super. Friede, Freude, Eierkuchen und es gibt Tage, da regt mich einfach ALLES auf. Ich bin ein sehr impulsiver Mensch. Deswegen halte ich mich auch an keine bestimmte Erziehungsform. Habe schon über viele gelesen, aber irgendwie mache ich total das Mischmasch. Individuell eben.

Ich sage immer, mit Kindern lernt man sich WIRKLICH selbst kennen. Man kommt ständig an seine persönlichen Grenzen.

Mein Mann vergleicht unsere Kindererziehung immer liebevoll mit “Freilandhaltung”. Die Kinder können sich eigentlich überall frei bewegen, wo sie sich selbst keinen Schaden zufügen können. Auf die Straße rennen ist alleine natürlich nicht, aber dafür gibt es ja einen Zaun rund um den Garten.

Unsere Kinder sind bei schönem Wetter eigentlich den ganzen Tag im Freien. Wir dürfen mit Stolz sagen, wir wohnen auch wunderschön. Wir wohnen zwar in Miete in einem Mehrparteienhaus, aber im Grunde sind wir die einzigen, die den Gemeinschaftsgarten nutzen und auch die Einzigen, die durch eine Terrasse direkten Zugang zum Garten haben. Dadurch können die Kinder raus und rein, wie es ihnen beliebt.

Ich habe mit meinem Haushalt und dem Garten plus Kindern genug zu tun. Zudem meine Hobbies, wie dieser Blog hier. Ich kann mich eigentlich nie über Langeweile beschweren. Mein Tag ist gut ausgefüllt. Wenn ich mich in der Öffentlichkeit als Hauswirtschafterin und Erzieherin ausgeben würde, würde mich jeder loben, das ich zwei Jobs habe. Das Leben als “nur” Hausfrau wird hingegen belächelt.

“Jaja… Die hat die Emanzipation verschlafen… Ist abhängig von ihrem Mann… Ist ein Hausmuttchen, das sich von ihrem Mann diktieren lässt… Die wird sich irgendwann noch wundern, wenn sie keine Rente bekommt… ect pp”

Ich muss ganz ehrlich sagen, ich sehe mich als sehr emanzipierte und eigenständige Frau, die ihre feste, eigene Meinung hat. Ich lasse mir von niemandem diktieren, wie ich mein Leben zu führen habe. Mein Mann diktiert es mir übrigens auch nicht. Ich habe mich aus freiem Willen und aus freien Stücken dafür entschieden (natürlich mit meinem Mann zusammen, der Partner muss bei sowas ja auch einverstanden sein) zu Hause bei meinen Kindern zu bleiben.

Wie lange? Mal sehen! Irgendwann werde ich bestimmt wieder arbeiten gehen (müssen). Wir werden sehen. Derzeit sehen wir es jedoch als wichtiger an, eine innige und langanhaltende Beziehung zu unseren Kindern aufzubauen. Ihnen Sicherheit und Selbstvertrauen beizubringen. Sie wissen zu lassen, das ihre Eltern IMMER für sie da sind. Klar, ein paar Stunden am Tag, ein- oder zweimal in der Woche kann man schon mal zur Oma. Da ist die Mama (also ich) sogar froh drum. So hab ich auch mal Zeit für mich und wenn ich mich nur zwei Stunden ins Bett “haue” und einfach nur schlafe.

Mir kann keine Mutter erzählen, das sie dies allen “nebenher” macht. Klar, wenn der Mann dann auch noch mitmachen “muss”, dann läuft’s vielleicht. Wenn alle alles machen, wann bleibt dann aber noch Zeit? Es ist viel effektiver, wenn die Arbeiten fix aufgeteilt sind. Meine Meinung. Wenn jeder alles macht und alle alles irgendwie machen- klingt für mich nach purem Chaos.

Die traditionelle Familienstruktur ist der Grundstock unserer Gesellschaft. Wer dies zerstören möchte, hat auch kein Interesse an einer intakten Gesellschaft. 

Zu einer intakten Familie gehören Vater und Mutter die Zeit haben, sich um ihre Kinder zu kümmern. Die Mutter ist am Anfang die wichtigste Bezugsperson.

Wenn man dies den Kindern nimmt und die Mutter durch andere Personen ersetzt, woran soll ein Kind dann lernen, wo seine Wurzeln sind? Natürlich ist der Vater nicht weniger wichtig, wenn nicht genauso wichtig. Die Frau ist allein schon von der Natur aus bestimmt, sich die erste Zeit überwiegend um das Kind zu kümmern. Warum will man immer alles natürliche umgehen? Ist der “moderne” Mensch so weit weg von einem natürlichem Lebenswandel?

Leider wurde der Mensch durch die Industrialisierung gezwungen, extern arbeiten zu gehen, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Klar, Industrialisierung bedeutet Wohlstand. Aber Wohlstand um jeden Preis? Aber bevor ich jetzt auf ein vollkommen anderes Thema umschwenke, mache ich hier mal einen Punkt.

Liebe Frauen, lasst euch nicht von euren Mitfrauen diktieren, wie ihr euer Leben zu Leben habt! Viele Frauen würden gerne zu Hause bei ihren Kindern bleiben, trauen sich aber nicht, aus Angst, was die anderen von ihnen denken würden. Es ist wirklich EGAL, was andere von euch denken! Ihr seid nur euch und vor allem euren Kindern verpflichtet.

Mein mittlerer Sohn und ich, im Jahre 2017

Beitragsbild: Gerd Altmann von Pixabay

Bilder mit freundlicher Genehmigung von Gerd Altmann und Anni Side | andererseits.at

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.