Photo by Hassan OUAJBIR on Unsplash

Wege aus der Einsamkeit


Mein Herz ist geschlagen und verdorrt wie Gras, dass ich sogar vergesse, mein Brot zu essen. Mein Gebein klebt an meiner Haut vor Heulen und Seufzen. (Psalm 102-5+6)

Wer leiden muss, der hat es schwer. Das Leid schwächt den Willen zum Leben. Der ganze Körper wird davon betroffen. Wir haben keinen Appetit, nichts schmeckt uns mehr. Aber gerade in der Zeit des Leidens ist es wichtig, dass wir unseren Körper und unsere Seele pflegen. Sonst wird das Leid zu schwer für uns. Körperpflege heißt nicht nur, dass wir uns waschen, sondern dass wir auch essen und trinken.

Als der Prophet Elia vor der Königin Isebel auf der Flucht war, weil sie ihn töten lassen wollte, verlor er den Lebensmut und verzweifelte. Er wollte nur noch sterben, aber Gott ließ sich nicht auf diesen Wunsch ein. Er schickte seinen Engel zu Elia, der ihm zu essen und zu trinken gab. So alltäglich beginnt Gottes Handeln mit uns, dass er uns erst einmal das gibt, was naheliegend ist und was nötig ist. Nachdem Elia sich zweimal gestärkt hatte, konnte er sich ganz neu auf Gott ausrichten und seinen Weg mit ihm fortsetzen.

Leiden macht aber auch einsam. Das liegt zum Teil an uns selbst, weil wir uns nicht mehr unter die Menschen trauen. Wir wollen der Frage ausweichen: Wie geht es Dir? Aber auch Mitmenschen sind mitunter verantwortlich für die Einsamkeit des Leidenden, weil sie ihm aus dem Weg gehen.

In dieser Einsamkeit ist es wichtig, dass wir entdecken, dass wir nie ganz allein sind. Wir haben unsere Sprachfähigkeit und können mit uns reden. Genau das macht der Beter des 42. Psalms in seinem Leiden. Er spricht mit seiner leidenden Seele. Immer wieder sagt er zu sich:

Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken, dass er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist. (Psalm 42,6)

In der Einsamkeit des Leidens können wir nicht nur mit unserer Seele, sondern auch mit Gott reden. Wir können klagen und fragen, betteln und bitten, rufen und hören. Und viele Menschen haben schon erfahren, dass diese Gebete nicht ohne Antwort bleiben.

Im Gebet zu Gott und im Gespräch mit seiner Seele findet der Leidende seine Sprache wieder. Er wird so befähigt, das Gespräch mit seinen Mitmenschen und ihre Gemeinschaft wieder zu suchen. Er überwindet die Einsamkeit.

Gott, tröste uns wieder und lass leuchten dein Antlitz, so genesen wir. (Psalm 80,4)

Alexander Märtin

www.schriftenmission.org

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.