“Nicht mit dem Haufen da!”

Gedanken über die Bedeutung von Gemeinde

In der Grundschule im Fach Religion sprachen die Kinder über den Himmel. Die Lehrerin fragte ihre Kinder: „Wer von euch möchte später einmal in den Himmel kommen?“ Alle Kinder streckten den Arm, nur Karl nicht. Da wandte sich die Lehrerin erstaunt an ihn: „Nun Karl, möchtest du nicht in den Himmel kommen?“ Der Junge antwortete: „Natürlich will ich in den Himmel kommen, aber nicht mit dem Haufen da!“

Alexander Märtin | andererseits.at

Der Weg zu Gott führt über Jesus und seinen Leib, die Gemeinde. Nur mit diesem Haufen da gibt es einen Weg in das Leben und in die Ewigkeit. Wer sich zur Gemeinde Jesu Christi bekennt, muss sich fragen, was er zum Gelingen dieser Gemeinschaft unter den Christen beitragen kann.

In dem Brief an die Christen in Philippi zeichnet Paulus ein interessantes Bild von dieser Gemeinde:

Bei euch gibt es doch das ermutigende Wort im Auftrag von Christus; es gibt den tröstenden Zuspruch, der aus der Liebe kommt; es gibt Gemeinschaft durch den Heiligen Geist; es gibt herzliches Erbarmen. Dann macht mich vollends glücklich und habt alle dieselbe Gesinnung, dieselbe Liebe und Eintracht! Verfolgt alle dasselbe Ziel! Handelt nicht aus Selbstsucht oder Eitelkeit! Seid bescheiden und achtet den Bruder oder die Schwester1 mehr als euch selbst. Denkt nicht an euren eigenen Vorteil, sondern2 an den der anderen, jeder und jede von euch! Habt im Umgang miteinander stets vor Augen, was für einen Maßstab Jesus Christus gesetzt hat. (2,1-5)

Wenn man diese Verse betrachtet, taucht natürlich die Frage auf, ob wir in unseren Gemeinden all diese Dinge vorfinden, die Paulus gleich am Anfang nennt? Gibt es bei uns Trost und ermutigende Worte? Sind wir durch den Heiligen Geist verbunden, bestehen unsere Gemeinden in ihm oder sind das ganz andere Dinge? Wie sieht das bei uns mit herzlicher Liebe und Barmherzigkeit aus?

Wenn aber die Voraussetzungen fehlen, gilt dann der Rest trotzdem? Die Aufgaben, die Paulus hier nennt, liegen auf einer Linie mit den Voraussetzungen. Sie sind zwei Seiten einer Münze, und diese Münze (um im Bild zu bleiben), ist allen Christen gegeben, ganz gleich, ob nun, wie bei den Philippern, die eine Seite schon glänzt oder es auf beiden Seiten noch viel zu tun gibt.

Einheit gehört zum Leben mit Jesus dazu. Einzelkämpfer gibt es bei ihm nicht. In der Bibel entdecken wir, dass Gott durch die Heilsgeschichte hindurch immer wieder die Gruppe, das Volk, die Gemeinschaft als sein Gegenüber anspricht. Am anschaulichsten beschreibt Paulus das dann im Bild von der Gemeinde als Leib mit vielen verschiedenen Gliedern.

Die Tendenz seit der Aufklärung, Glauben als Privatsache einzuordnen und ihn dann auch so zu leben, entspricht nicht der biblischen Offenbarung! Dass Christsein mehr als eine Gesinnungsgemeinschaft ist, sondern sich im konkreten Umgang miteinander auswirken soll, gehört zu den zentralen Aussagen der christlichen Lehre. In der ganzen Bibel gehören die Liebe zu Gott und die Liebe zum Nächsten untrennbar zusammen. Jesus nennt das Doppelgebot der Liebe das höchste Gut und die Summe der Gebote (Matth 22,37-40).

Alleine kann niemand den Auftrag Jesu erfüllen. Einheit macht Christsein anziehend! Wenn Menschen sich einem Verein anschließen wollen, dann werden sie zunächst einmal fragen: „Werde ich hier freundlich begrüßt? Werde ich überhaupt wahrgenommen? Wie gehen die Menschen hier miteinander um?“ Kaum einer wird als Erstes nach der Vereinssatzung fragen.

Das gilt auch für uns als Christen. Unser sichtbarer Umgang miteinander ist unser erstes Aushängeschild. Daran werden wir gemessen. Eine nur Insidern bekannte ideelle Verbundenheit, die sich aber nicht in konkretem Verhalten äußert, ist wenig anziehend. Die Frage nach der Grundlage, also nach unserem Bekenntnis und nach der Bibel, und auch die Frage nach der Wahrheit steht für Menschen heute aber oft nicht an erster, sondern an zweiter Stelle.

Aber die Einheit fällt uns nicht leicht. Was bringt mir das? So fragen wir heute, auch in unseren Gemeinden. Was bringt mir der Gottesdienst, die Bibelstunde, der Hauskreis, die Mitarbeit bei den Kindern oder im Besuchsdienst?

„Warum siehst du jeden kleinen Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinem eigenen Auge bemerkst du nicht?“ (Matth 7,3) Bei der Schuld sehen wir immer zuerst auf den anderen – beim Nutzen immer zuerst auf uns. Wenn wir beides umkehren, liegen wir in der Spur von Philipper 2,4. Fragen wir uns doch mal: Was bringt dir das? Doch wir leben in einer individualistisch geprägten Kultur – aber wie kommen wir da raus? Wollen wir da überhaupt raus?

Paulus begründet die Einheit der Christen nicht mit einer natürlichen Ordnung, die es aufrechtzuerhalten gilt. Der Maßstab für Christen ist allein das Leben und Sterben von Jesus Christus. Paulus gibt hier auch nicht einfach seine eigene kulturelle Prägung als vermeintlich göttliche Ordnung weiter, er nimmt vielmehr die kulturellen Unterschiede seiner Zeit wahr und er hebt sie auch nicht einfach auf. Im Blick auf die Gnade, die uns Gott in Christus schenkt, macht er deutlich, dass es hier keinen Unterschied gibt: „Hier ist nicht Jude noch Grieche, … Sklave noch Freier …“ (Gal 3,28)

Wir können uns nicht hinter unserer kulturellen Prägung verstecken und uns einfach damit herausreden, dass wir nun mal so sind. Der Heilige Geist, der uns zum Glauben beruft und uns darin erhält, kann und will uns verändern, im Denken und im Handeln, bis in unser tiefstes, meist unbewusst Wertesystem hinein. Es geht um eine neue Gesinnung, die Jesus Christus entspricht.

Das Wissen um unsere kulturelle Prägung hilft uns, die Schwierigkeiten, die wir bei der Umsetzung der Aufgabe haben, besser zu verstehen. Wir können nicht so leicht aus unserer Haut. Es wird sich etwas verändern, wenn wir ganz und gar darauf vertrauen, dass “der in euch angefangen hat das gute Werk, der wird es auch vollenden”. Aus eigener Kraft werden wir es nicht schaffen. Es braucht immer wieder die Erneuerung durch Jesus und unsere Hingabe an ihn.

Im Epheserbrief schreibt Paulus, dass Gott den Zaun eingerissen hat, der zwischen Juden und Heiden bestand. Weil sie alle durch Jesus Christus mit Gott versöhnt sind, können sie auch untereinander in Frieden leben. Gott will auch heute alles Trennende von uns wegnehmen und uns Wachstum schenken. Nicht allein, dass jeder im Glauben wächst, sondern dass wir gemeinsam zueinander und zu Christus hin wachsen.

Mancher wird vielleicht heimlich denken: Sollen doch die anderen damit anfangen. Wenn die anderen so leben, wie es Paulus schreibt, dann werde ich gerne mitziehen. Das ist natürlich der Tod im Topf. So geschieht nie etwas! Veränderung beginnt immer bei mir selbst! Oft werden wir dadurch daran gehindert, selbst anzufangen, weil wir meinen, es müssten immer gleich ganz viele sein, die mitmachen, damit sich etwas ändert. Das ist ein Trugschluss.

Was ist das bei uns konkret dran? Manchmal erkennt man den Weg erst, wenn man losgeht. Ich will keine vorschnellen Antworten geben, aber ich möchte Euch ermutigen, sich ganz neu diesem großartigen Herrn auszuliefern. Er hat alles für uns getan, sein Leben für uns gegeben, damit wir selbst leben können.

Alexander Märtin

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