Ein Einblick in das Berufsfeld des Altenpflegers

Wie einige von euch wissen, arbeitete ich bis vor ein paar Jahren als Altenpflegerin. Vor meiner Ausbildung dachte ich, dort würde ich “nur” ein bisschen alte Menschen betreuen, mit ihnen spazieren fahren und die Körperpflege übernehmen. Dieser Illusion bin ich dann relativ schnell erlegen, als ich herausfand, dass das klassische Altenheim, dem Pflegeheim gewichen ist.

Während die alten Menschen früher noch aus freien Stücken in ein Altenheim gingen, damit sie sich versorgt wussten, werden die meisten alten Leute heutzutage gegangen und leider erst dann, wenn eine massive Pflegebedürftigkeit vorliegt. Eine Freiwilligkeit liegt bei den Wenigsten zugrunde.

Photo by Bruno Aguirre on Unsplash

Was tut ein/e AltenpflegerIn?

Altenpflege ist mittlerweile mehr medizinische Versorgung, als Betreuung der alten Menschen, wenigstens als Fachkraft. So lernte man es auch in der Ausbildung. Es war viel Medikamentenlehre, Krankheitslehre und Wundversorgung dabei. Betreuungsangebote anbieten war und ist zwar auch ein Hauptbestandteil in der Ausbildung, aber dadurch, dass es im allgemeinen Pflegealltag nicht von Belang, für die meisten nicht relevant und wurde als störend empfunden.

Während meiner Ausbildung hatte ich, in einem Ausbildungsabschnitt, ein Praktikum in einem mobilen Pflegedienst, der sich zusätzlich um Menschen mit Behinderungen kümmerte, somit auch um junge Menschen mit Pflegebedürftigkeit. Dabei wurde mir zum ersten Mal das Ausmaß bewusst. Altenpflege bedeutet nicht nur Pflege von alten Menschen, sondern allgemein die Pflege von Pflegebedürftigen, wobei dort das Alter keine Rolle spielt. Altenpfleger können also auch im Behindertenbereich eingesetzt werden.

  • In meiner Ausbildungsstätte gab es auf einer Station einen jungen Mann, Anfang 20 dazumal. Keine Ahnung, was für ein Krankheitsbild er hatte, aber er war bettlägerig und nicht ansprechbar, dabei trotzdem wach; Könnte Wachkoma gewesen sein. Er musste vollständig gepflegt werden und bekam die Nahrung über eine Magensonde. Da er Muslim war, musste er auch regelmäßig an allen Körperstellen rasiert werden, was für mich dazumal, ehrlich gesagt, mit nicht mal 20 Jahren eine Überwindung war.
  • Nach der Ausbildung, in erster richtiger Anstellung, betreute ich ebenfalls einen jungen Mann, Anfang 20, der seit seinem sechsten Lebensjahr im Wachkoma lag. Bei ihm ist eine Narkose bei einer Zahn-OP fehlgeschlagen. Ebenfalls Sondenernährung und die Atmung musste unterstützt werden. Alle Körperteile komplett deformiert, von der jahrelangen Bettlägerigkeit. Wenn ich daran zurückdenke, tut er mir heute noch leid. Die Eltern kamen alle naselang mal vorbei, die Geschwister nie.

Das sind so die Härtefälle, die einen nicht mehr loslassen, die einen nachdenklich machen, wie schnell das Leben welches ich jetzt in dem Moment führe, vorbei sein kann. Bei alten Menschen hatte ich dieses Gefühl nie. Auch wenn sie sehr krank und pflegebedürftig waren, wusste man, sie hatten ihr Leben hinter sich. Viele ein erfolgreiches Leben: Eine Familie gegründet, Erfolg im Beruf gehabt, Freunde gehabt, das Leben genossen.

Mit der Zeit gewöhnt man sich an immer mehr. In den folgenden Berufsjahren lernte ich zahlreiche Krankheitsbilder kennen, aber irgendwie blieben manche Menschen doch im Gedächtnis. Jeder Pflegebedürftige hatte seine Eigenheiten, seine Vorlieben und Abneigungen und auch seine Macken. Oft war es nicht einfach für mich, all das unter einen Hut zu bekommen und sehr sehr oft wurde der einzelne Mensch einfach übergangen, da im Pflegeheimalltag kein Platz für die Bedürfnisse des Einzelnen da war. Neben der Pflege und Betreuung ist für eine Fachkraft noch viel mehr zu tun: Dokumentation, Arztgespräche, Telefonate, Wundversorgungen, Dienstübergaben, Bestellungen von Medikamenten und Verbandsmaterial, Überprüfung von diversen Listen, Organisation von dem jeweiligen Dienst- wenn Schichtleitung, Reinigungsarbeiten,… und und und. Das nimmt im Verhältnis die meiste Zeit in Anspruch und alles unter Zeitdruck. Die Bürokratie stiehlt die Zeit am Patienten/ Klienten/ Bewohner.

Mittlerweile bin ich der Meinung, dass ein junger Mensch, frisch von der Schule, nicht geeignet ist, diesen Beruf genügend auszuführen. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel. Nicht umsonst darf man erst ab 17 Jahren die Ausbildung beginnen. Ich für meinen Teil, war nicht dafür geeignet, da ich den Weitblick noch nicht hatte. Erst jetzt, seitdem ich Mutter geworden bin, verstehe ich mehr und mehr, was es bedeutet, Verantwortung zu tragen und selbstlos zu sein. Als junger Mensch war der Beruf eher eine Belastung für mich. Es war ein tägliches Absitzen meiner Dienstzeit. Die anfallenden Arbeiten wurden erledigt, aber eher aus Pflichtgefühl, als aus Liebe zum Patienten. Am Liebsten hatte ich die Tage, wenn ich fürs Medikamentenstellen eingeteilt war und somit nicht am Patienten sein musste oder z. B. viele Wunden zu versorgen hatte. Ja, ich liebte Wundversorgung, denn meistens wurde dabei etwas besser. Man hatte ein Erfolgserlebnis, wenn natürlich auch nicht immer.

Der Beruf des Altenpflegers ist enorm wichtig und wird in den nächsten Jahren sogar noch viel wichtiger, da es immer mehr alte Menschen geben wird, die natürlich versorgt werden müssen. Das wird jedoch ein massives Problem geben, was es jetzt schon ist, denn es gibt nicht genügend Pflegekräfte. Meiner Meinung nach sollte man die Professionalisierung für die Hilfskräfte etwas herunterschrauben und den Einstieg für lebenserfahrene Personen erleichtern. Die Hausfrau, die ein paar Stunden in der Woche etwas hinzuverdienen möchte? Die Frau, die jahrelang ihre eigene Mutter gepflegt hat und nun zum Arbeiten gehen muss? Diese Personengruppen haben alle das nötige Know-how, um sofort in der Pflege beginnen zu können und können auch den Anspruch geltend machen, ein ordentliches Gehalt zu bekommen, da Erfahrung. Zudem könnte man die Hürden für den Zugang zu der Ausbildung für lebenserfahrene Personen absenken. Ein Mensch, der jahrelang seine Eltern gepflegt hat, aber “nur” einen Hauptschulabschluss besitzt, ist laut mir geeigneter, als ein Abiturient/ Maturant frisch von der Schule. Ich würde so jemand mit Kusshand einstellen.

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