Photo by Jordan Whitt on Unsplash

Da ich auf den sozialen Netzwerken einigen Elternblogs folge, bekomme ich das Thema Strafe immer wieder unter die Nase gehalten. Nicht dass ich mich sehr damit beschäftigen würde, es ist einfach immer und immer wieder ein großes Thema und ich bin mir bis heute nicht sicher, was ich von der ganzen Sache halten soll. Ganz extreme BloggerInnen fordern, dass man Kinder nicht (be-)strafen darf. Doch, was ist Strafe eigentlich?

Der dafür vorgesehene Gesetzestext (Österreich):

Artikel 1
Jedes Kind hat Anspruch auf den Schutz und die Fürsorge, die für sein Wohlergehen notwendig sind, auf bestmögliche Entwicklung und Entfaltung sowie auf die Wahrung seiner Interessen auch unter dem Gesichtspunkt der Generationengerechtigkeit. Bei allen Kinder betreffenden Maßnahmen öffentlicher und privater Einrichtungen muss das Wohl des Kindes eine vorrangige Erwägung sein.

Artikel 2
(1) Jedes Kind hat Anspruch auf regelmäßige persönliche Beziehungen und direkte Kontakte zu beiden Elternteilen, es sei denn, dies steht seinem Wohl entgegen.
(2) Jedes Kind, das dauernd oder vorübergehend aus seinem familiären Umfeld, welches die natürliche Umgebung für das Wachsen und Gedeihen aller ihrer Mitglieder, insbesondere der Kinder ist, herausgelöst ist, hat Anspruch auf besonderen Schutz und Beistand des Staates.

Artikel 5
(1) Jedes Kind hat das Recht auf gewaltfreie Erziehung. Körperliche Bestrafungen, die Zufügung seelischen Leides, sexueller Missbrauch und andere Misshandlungen sind verboten. Jedes Kind hat das Recht auf Schutz vor wirtschaftlicher und sexueller Ausbeutung.
(2) Jedes Kind als Opfer von Gewalt oder Ausbeutung hat ein Recht auf angemessene Entschädigung und Rehabilitation. Das Nähere bestimmen die Gesetze.

https://www.kinderhabenrechte.at/index.php?id=116

Strafe ist die Konsequenz für eine ungewollte oder sogar strafbare Handlung. Wenn Eltern das Gesetz missachten und es zur Anzeige gebracht wird, werden sie bestraft. Wie, das wird wohl je nach schwere des Falles individuell entschieden.

Strafe in der Erziehung

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Nun ist die Frage: Was dürfen Eltern überhaupt noch? Dürfen Eltern strafen? Wenn die Erwachsenen bei Nichtbeachtung eines Gesetzes bestraft werden, warum dürfen dann Kinder nicht bestraft werden? Wäre nur die logische Konsequenz. Nur so Erziehung a la 90er: antiautoritär? Das Kind darf tun und lassen was es möchte und die Eltern dürfen keine Regeln aufstellen, deren Einhaltung auch eingefordert werden?

Wie sagt man so schön: Angst ist ein schlechter Ratgeber. Allerdings schützt Angst auch vor Schaden.

Und da sind wir bei dem größten Knackpunkt überhaupt angekommen. Wie kann man einem Kind Regeln vermitteln, die meistens zu seinem Schutz aufgestellt wurden, ohne dass mögliche Konsequenzen erfolgen bei Nichtbeachtung? Das Kind z.B. nicht am Arm packen dürfen, wenn es über die Straße rennen möchte und es vehement zurückziehen, da es die Lage noch nicht einschätzen kann? Oder dem Kind streng und mit erhobener Stimme vermitteln, dass man die Geschwister nicht hauen darf? Oder auch andere Kinder? Dass man nicht streiten sollte? Dass man fair teilen muss?

Dabei stehe ich ehrlich gesagt an. Ich habe keine Ahnung, wie Eltern Kinder dazu bringen, nie zu streiten, alles zu teilen, immer lieb und nett zueinander zu sein. Das ist bei uns hier im Haus nicht so. Meine Jungs raufen, schlägern, streiten sich sehr, sehr häufig. Es ist bei ihnen so ein Konkurrenzgehabe: Wer ist größer, wer ist schneller, wer ist besser. Ich denke mittlerweile, das liegt in den Genen und ja, auch am Geschlecht. Jungs müssen sich mehr körperlich verausgaben, obwohl es da natürlich auch Unterschiede gibt. Junge ist nicht gleich Junge. Sowie Mädchen natürlich nicht gleich Mädchen ist.

Es gibt diese Kinder, die immer lieb und nett sind und nieeee Ärger machen und immer gaaaanz brav das tun was Mama und Papa sagen. Und dann gibt es eben auch die, die ständig ihre Grenzen austesten. Die letztere Kategorie habe ich und ja, da muss ich auch oft hart durchgreifen, damit nichts oder niemand zu Schaden kommt. Auch zu ihrem eigenen Schutz und oft auch für meine Nerven. Daneben sind sie natürlich auch soooo süß, kuscheln mit uns, sagen sie haben uns lieb, knuddeln, schenken selbst gepflückte Blumensträuße- das volle Programm eben. Je nach Tagesform.

Ich weiß von uns früher, von Erzählungen, dass wir beim Spazierengehen, im Kleinkindalter, angeleint wurden. Eine sogenannte Laufleine. Das dürfte man heute wahrscheinlich gar nicht mehr. Dazumal wohl recht gängig. So hatte die Mutter das Kind unter Kontrolle und solche Situationen, wie dass das Kind unkontrolliert auf die Straße laufen könnte, somit gleich null. Eine Schutzmaßnahme, die das Kind jedoch in der persönlichen Entfaltung einengt. Zudem war körperliche Bestrafung wie “Popo voll”, eine gängige Erziehungsmethode, bei massiven Vergehen, gegen die Regeln im Familienhaushalt. Damals war wohl noch das Recht auf körperliche Züchtigung im Gesetz, laut Erzählungen. Ich muss dazu sagen, ich kann mich nur an einmal “Popo voll” erinnern. Meine Brüder haben es öfter abbekommen. Sie sagen im Nachhinein auch: Es war verdient, da sie echt viel Scheiße angestellt hätten.

Oder das Gitterbett/ das Laufgitter, in welches die Kinder gesperrt werden und in welchem die Wenigsten ab Krabbelalter bleiben möchten. Es dient der Erleichterung für die Eltern und als Schutzmaßnahme für das Kind. Ist das Gewalt, wenn man das Kind einfach dort drin belässt, wenn es jammert? Wahrscheinlich für die oben beschriebenen “Extremen”, ja. Wie lange darf man ein Kind jammern lassen? Muss man immer gleich springen, wenn das Kind einen negativen Laut von sich gibt? Ich persönlich hatte nie einen “Laufstall”, weil meine Kinder schon das Gitterbett mit lautem Geschrei ins Abseits schrien. Meine Nerven schonend, schliefen alle bis zu einem gewissem Altern bei uns im Bett. Noch heute kommen sie irgendwann alle in der Nacht zu uns. Meistens zum Glück nicht alle auf einmal.

Darf man Kinder bestrafen, im Sinne von, bei Fehlverhalten ins Zimmer schicken, bis sie sich beruhigt haben? Gut, das ist erst sinnvoll ab Kindergartenalter, wenn dem Kind die Konsequenz seiner Handlungen bewusst ist. Unkontrolliertes Schreien, Wüten und aufeinander einschlagen, weil man etwas nicht bekommt, wird bei mir mit dem Zimmerverweis geahndet. Bei den Großen. Wenn sie sich beruhigt haben, können sie wieder aus dem Zimmer kommen, damit man über das Vergehen sprechen kann, was unter Geschrei nicht möglich ist. Ist das Gewalt? Laut mir nicht. Aber laut den “Extremen”, ja. Kinder können sich laut mir ab Kindergartenalter sehr wohl kontrollieren und müssen es auch lernen.

Und genau, das ist auch noch ein Problem: Das Alter der Kinder. Viele mir bekannten Elternblogger haben Kleinkinder und Babys. Logisch, dass man mit diesen anders Verfahren muss, wie mit einem Schulkind oder Teenager! Das sind kognitive Welten!

Ein Baby und Kleinkind benötigen in erster Linie die positive Bindung zur Mutter und das kann nur durch Zuwendung erfolgen, durch positive Zuwendung. Bestrafung ist kontraproduktiv, da das Kind noch gar nicht kapiert, was da jetzt geschieht und warum die Mama jetzt schreit oder weint, oder weggeht. Da steht die Angst des Kindes im Vordergund, allein gelassen zu werden, denn die Mama bedeutet Schutz und Leben. Besonders bei gestillten Kindern ist die Mama von elementarer Wichtigkeit.

Wenn ich Artikel 2 betrachte wird mir schlecht, wenn ich mich an die vielen Geschichten aus dem Netz erinnere, von Müttern, aber auch Vätern, die ihre Kinder sehen möchten, diese aber von dem jeweils anderen Elternteil unter Verschluss gehalten werden, als Druckmittel gegen den Anderen. Das ist strafbar! Macht die Kinder nicht zum Druckmittel! Eltern sind erwachsene Menschen, die ihre Zwistigkeiten unter sich regeln sollten, ohne die Kinder mit hineinzuziehen! Es ist zum Schaden für die Seele der Kinder.

Eine Filmempfehlung, die ich aufgrund folgender Filmkritik empfehlen kann: https://lotoskraft.wordpress.com/2019/07/02/filmkritik-weil-du-mir-gehoerst-oder-die-alltaegliche-kindesmisshandlung-durch-elternentfremdung/

Ich persönlich finde seelische Bestrafung um einiges schlimmer als Körperliche, aber das liegt an meinen Erfahrungen, in meiner Kindheit. Jemand anders hat schlimmere Erfahrungen mit körperlicher Bestrafung gemacht.

Ich für meine Teil kann mir eine Erziehung ohne Strafen nicht vorstellen. Denn, wenn ich nicht vorhabe bei Fehlverhalten zu strafen, dürfte ich auch keine Regeln aufstellen. Und ohne Regeln, könnte man das Konstrukt Familie, welches ja im Grunde der Vorreiter für die Gesellschaft ist, nicht durchführen. Die Frage ist: Wie sehen die “modernen” Strafen aus? Smartphone Entzug? TV Entzug? Internet Entzug? Wahrscheinlich. Und zwischendurch mischen sich dann doch noch “alte” Strafen mit unter, ganz einfach, weil man damit aufgewachsen ist.

Das was man als Kind lernt, gibt man weiter. Auch wenn man sich noch so oft vornimmt, es anders zu handhaben, die eigenen Kindheit prägt. Besonders in stressigen Situationen, wird manchmal aus dem Affekt handelt. Für mich ist die Frage, wie kann ich mich jederzeit selbst kontrollieren? Geht das überhaupt? Muss ich das überhaupt? Eltern sind auch nur Menschen! Und Eltern haben nicht immer total positive und tolle Tage, an denen sie jedes Jammern oder Geschrei der Kinder aushalten können, oder immer kuscheln wollen. Es gibt bestimmt komplett ausgeglichene Eltern, bei denen sich jeder Tag gleich anfühlt. Schön für die Kinder! Das würde ich mir für mich und meine Kinder auch wünschen. Ist jedoch aus der Erfahrung, der Erzählungen von anderen Eltern, eher die absolute Ausnahme.

Wie sagte eine Freundin einmal zu mir: “Der liebe Gott hat sich was dabei gedacht, als er mir meine Kinder zuordnete. Die halten mich aus, so wie ich bin!” Das hat mich grinsen lassen. Sie erinnert mich vom Gemüt immer an den Typ italienische Mama.

Kinder tragen unser Erbgut, unsere DNA und somit auch unsere Stärken und Schwächen in sich. Sie sind ein Teil von uns. Eine Mischung von Vater und Mutter. Sie sind quasi wir in klein.

Viele ältere Menschen, die ich kenne meinten immer mal wieder: “Also, ich könnte mir in der heutigen Zeit nicht mehr vorstellen Kinder zu bekommen. Es ist alles so schwierig geworden!” Und ja, es stimmt. Daher habe ich mir persönlich vor längerer Zeit schon vorgenommen, mein eigenes Ding durchzuziehen. Es sind meine Kinder. Ich bin für sie verantwortlich. Es gibt 1000 Erziehungsratgeber und jeder ist anders. Es gibt nicht DIE eine Erziehungsmethode, einfach weil nicht jeder Mensch gleich ist. Jedes Kind ist anders. Jedes Kind hat den Urinstinkt, seinen Eltern gefallen zu wollen. Es sind ihre Hauptbindungspersonen im Kindesalter, wenn die Bindung nicht gestört wurde. Wenn man das weiß, ist eigentlich alles andere hinfällig.
Kinder wollen ihren Eltern nicht schaden! Kinder wollen in erster Linie ihren Eltern gefallen, weil sie sie lieben. Eltern haben die Pflicht, dies nicht auszunutzen. Nichts zu tun, was der Seele ihrer Kinder schadet und diese wichtige Bindung kappen könnte. Ohne diese Bindung sind die Kinder haltlos, was sich negativ auf das spätere Leben auswirkt, wie z.B. keine dauerhaften Beziehungen führen zu können oder auch keine Ahnung zu haben, was Beziehung überhaupt bedeutet. Manche Kinder halten mehr aus, manche weniger.

Wer sich an das hält: “Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem anderen zu.” Kann laut mir eigentlich nichts falsch machen.

Und so… erziehe ich mal weiter wie bisher, mit allen Höhen und Tiefen. Ich bin zufrieden mit meinen Kindern und ihrem Verhalten auswärts. Das ist mein Hauptziel: Die Kinder für die Welt da draußen rüsten. Denn, die Zeit mit den Eltern, ist im Hinblick auf das ganze Leben, verflixt kurz. In nicht einmal 10 Jahren wird mein Großer vermutlich schon auf einer höheren Schule sein und den Großteil des Tages nicht mehr im Elternhaus verbringen. Wenn ich zurückblicke, wie schnell die letzten 10 Jahre vergangen sind, will ich mir gar nicht ausmalen, wie schnell die nächsten 10 Jahre vergehen…
Ich möchte die Zeit mit meinen Kindern genießen können! Ohne dass ich ständig Angst haben muss, etwas falsch zu machen. Und so handhabe ich es auch.

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