Die Welt der Liebesromane und die Beziehungswelt heute

Die Tage las ich zwei Bücher. Es ist Urlaubszeit, mein Mann ist zuhause und ich erfreue mich an so einiger Freiheiten, die ich eben nur habe, wenn mein Mann zuhause ist und ich somit ein zweites paar Augen habe, welches mit auf die Kinder aufpasst. Zu Beginn der Woche verbrachten wir ein paar Tage auf einem Erlebnisbauernhof im Ostallgäu. Ein Kurzurlaub, den wir kurzfristig und spontan buchten. Es war wunderschön! Wie einige von euch wissen, stamme ich aus dem Allgäu, wenn auch aus dem Westallgäu. Trotzdem, es ist meine Heimat! Auch wenn es keine Wohnstätte mehr gibt, die ich Heimathaus nennen könnte, die Landschaft erfüllt mich mit einer heimeligen inneren Wärme und Wohlbehagen.

Die beiden Liebesromane, die ich mir vor dem Kurzurlaub bestellte und bei Rückkehr vor der Haustür lagen, las ich innerhalb von zwei Tagen bzw. Nächten, sehr zum Leidwesen meines Mannes, da ich geistig mehr als abwesend war. Aber nun gut, er hat es überlebt. Haha. Ich erinnerte mich an meine Jugend zurück, in der ich außerhalb der Schulzeiten einen Roman nach dem anderen verschlang. Ich war am Liebsten auf meinem Zimmer, oder in der Bücherei. Das war eine Zeitlang mein Leben. So schuf ich mir meine Fantasiewelten, in denen ich mich wohlfühlte und konnte so dem Alltag entfliehen. Klingt schlimmer, als es war. Zwei Freundinnen von mir waren zum Glück ebenfalls solche Leseratten und wir tauschten untereinander immer mal wieder die Bücher aus, sodass immer genügend Lesestoff vorhanden war. Die Favoriten waren Liebesromane. Wir als junge Frauen, bei denen die Paarungsbereitschaft schon voll vorhanden war und durch den jahrelangen christlichen Einfluss sehr schüchtern in Bezug auf Jungs und Liebesdinge agierten- nicht zu meinem Nachteil, wie mir erst später bewusst wurde. Und so holten wir uns die Inputs aus Liebesromanen, meistens in denen aus dem letzten Jahrhundert, in denen der Mann noch ganz romantisch um die Frau warb und die Frauen nur kokett lächeln mussten und errötend den Blick senkten und auf die Zuneigung des Mannes hofften. Nun ja, es fiel mir erst mit Anfang, Mitte 20 auf, dass das heutige Paarungsspiel eben nicht mehr so läuft und die Frau offener auf den Mann zugehen muss. Die Frau hat sich verändert, sie ist forscher geworden. Sagt laut was sie denkt, ist unabhängig, ist finanziell nicht mehr von einem Mann bzw. einer guten Heirat abhängig und somit ist das vorrangige Ziel nicht mehr, sich keusch zu verhalten um einen möglichst guten Mann ab zubekommen, da Jungfräulichkeit kein Gut mehr ist, welches man Stolz voranträgt.

Erst als ich das kapierte, wurde aus meinen freundschaftlichen Verhältnissen zu Männern ansatzweise mehr. Trotz allem hatte ich innere Vorgaben, wie ein Mann zu sein hatte und bei mir fielen Männer durchs Raster, die u.a. schon mehrere Beziehungen hinter sich hatten. Ich wollte mit niemand, mit keiner anderen Frau, verglichen werden, ich wollte die Eine sein. Je älter ich wurde, desto schwieriger gestaltete sich dies jedoch, da es eben heute, oder auch vor 15 Jahren, nicht mehr gang und gäbe war, dass man sich körperlich sowie sexuell bis zur Hochzeit enthält. Als ich meinen Mann kennenlernte war er der Erste, den ich, aus Liebe, küsste. Abzüglich eines schleimigen, schlabbrigen Kusses von einem Australier auf dem Oktoberfest, der unbedingt eine Frau im Dirndl küssen wollte und ich es, warum auch immer, zuließ. Es war ekelhaft und keine schöne Erinnerung an meinen ersten Kuss. Nicht so, wie ich es mir anhand meiner Liebesromane vorgestellt hatte, in denen der ganze Körper bebt und es eine Explosion an Gefühlen ist. Ja, ich bin Liebesroman-geschädigt, ich bedauere es bis heute, also meinen ersten Kuss mit einem Mann.

Ein Roman den ich die Tage las spielte in der Gegenwart: Das kleine Hotel an der Küste. Eine taffe 31-jährige Akademikerin und Geschäftsfrau, die erfolgreich in ihrem Business ist, aber immer wieder mit Vorurteilen kämpft, weil sie eine Frau ist und immer das Gefühl hat, sie muss mehr leisten, um sich in der Männerwelt behaupten zu können, um karrieretechnisch voranzukommen und ein erfolgreicher und gutaussehender Spitzenkoch, mit mehreren Restaurants, dem die Frauen zu Füßen lagen. Zwei Menschen, die sich kennenlernen, sofort Sympathie füreinander empfinden und sich immer näherkommen, ausgelöst durch eine geschäftliche Verbindung. Immer wieder werden Erinnerungsfetzen aus der Vergangenheit erzählt, aus vergangenen Beziehungen und mit Verletzungen, die, so wird es im Laufe des Buches vermittelt, nur Gott heilen kann. Ja, es waren christliche Liebesromane und ich war wirklich gespannt, was der Unterschied zu herkömmlichen Schnulzenromanen ist. Am Ende wusste ich es. Es wurde außer heißen Küssen keinerlei körperliche Liebesaktivitäten beschrieben. Der Glaube der Beiden spielte eine enorm große Rolle und erst als beide mit Gott im Reinen waren, traten sie ihre gemeinsame Lebensreise an. Eine sehr wichtige Botschaft wie ich fand!

Der zweite Roman das komplette Gegenteil. Das Herrenhaus von Pembrooke Park. Ein Roman, der im 19. Jahrhundert spielt. Eine junge Frau, 23 Jahre alt und die Familie Ängste, dass sie als alte Jungfer endet. Eine kluge junge Frau, die sich mit Architektur und Finanzen auskennt und eher der höheren Gesellschaftsschicht angehört, auch wenn sie nicht adelig ist. Durch einen falschen Rat an ihren Vater bzgl. Spekulationsgeschäfte, verliert die gesamte Familie ihr Vermögen und zieht in ein Haus, welches ihnen zur Verfügung gestellt wird, von einem mysteriösen unbekannten Verwandten. Der Roman handelt von ihrer Liebesgeschichte mit dem Sohn des Gutsverwalters und von Standesdünkeln, sowie um das Mann Frau Verhältnis in dem Jahrhundert. Was mich faszinierte war der starke Kontrast zum ersten Roman, in dem das Paar sich relativ schnell heiß und innig küsste, hingegen in diesem Roman fielen erst unzählig heiße Blicke, dann Küsse auf die Fingerspitzen, dann auf die Wange und erst gegen Ende kam es zu einem ersten richtigen Kuss auf den Mund. Auch hier wurde mit körperlichen Liebesbekundungen in der Erzählung sehr gespart und so etwas wie eine Bettszene nicht beschrieben. Nach vielen Verwirrungen und Geheimnissen kam das Paar zusammen und die Andeutung einer Hochzeit war das Ende. Ebenso wie beim ersten Roman.

Die Art zweiter Roman las ich in meiner Jugend oft. Es ist so das typische Bild: Junger attraktiver Mann auf weißem Pferd erobert schüchterne jungfräuliche Maid und sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage. Ich bedauerte oft, dass es dies wohl heute nicht mehr gibt, da sich das Mann Frau Verhältnis enorm geändert hatte. Gut, ein paar Veränderungen waren sehr gut, aber es erschwerte, besser gesagt erschwert, die Paarungsrituale enorm, wie mir folgend aufging.

Heute sind die Männer gewohnt, dass die Frauen offensiv auf sie zugehen. Sie agieren oft nur noch, wenn die Frau den ersten Schritt macht. Sie trauen sich nicht mehr, von sich aus, einer Frau „den Hof zu machen“, ihr Komplimente zu machen, um sie zu werben. Wahrscheinlich auch, weil es gar nicht mehr nötig ist, lange auf eine Frau zu warten, da die nächste willige Dame schon an der nächsten Ecke steht und sexuelles recht einfach zu bekommen ist. Einige beklagen sich über die Qual der Wahl. Die Frauen heute sind frei und unabhängig, sie benötigen im Grunde keinen Mann mehr. Weder um versorgt zu sein, noch als Mithilfe, um Kinder aufzuziehen. Von staatlicher Seite gibt es viele finanzielle sowie praktische Hilfe, sodass eine Frau, die ein Kind bekommt es auch alleine aufziehen kann, was natürlich gut ist, aber eben auch den Mann als Versorger entbehrlich macht, was allerdings gewollt ist. Eine Frau heute muss unabhängig sein, ihre eigenen Ansichten vertreten, einen eigenen Willen haben und diesen auch zeigen. Kampfgeist mitbringen und sich gegen Männer behaupten können. Der Kampf der Geschlechter, der sich auch auf die Beziehungen auswirkt und sie, so meine Meinung, mehr ins Unglück stürzt, als die Mann- Frau- Beziehungen stärkt.

Eine Familie zu gründen war für 59,4 Prozent der Befragten sehr wichtig. Dabei sind Männer offenbar stärker an dem klassischen Lebensmodell Mama-Papa-Kinder interessiert: 47 Prozent der männlichen und 38 Prozent der weiblichen Singles könnten sich das sehr schön vorstellen.

https://www.welt.de/vermischtes/article136937786/Maenner-wuenschen-sich-eher-Partnerschaft-als-Frauen.html

Wann ist die Geschichte zwischen Mann und Frau eigentlich so kompliziert geworden und warum gibt es so viele Singles? Seitdem die Frauen so hohe Ansprüche an einen möglichen zukünftigen Partner stellen und die Männer Angst vor emanzipierten Frauen haben, wie in einem Interview mit zwei Love-Coachs in einem örtlichen Nachrichtenportal zu lesen war. Zudem las ich in einem anderen Artikel, in dem der Frage nachgegangen wurde, warum viele Beziehungen nach kurzer Zeit wieder in die Brüche gehen, nämlich weil bei dem ersten Date eher Wert auf Spaß gelegt wird, als auf ernsthafte Konversation über Lebenspläne, Werte und Ziele. Zusammen lachen und Spaß zu haben scheint höhere Priorität zu haben, als sich ernsthaft miteinander auseinanderzusetzen, ob die jeweiligen Leben zueinander passen.

Bilder mit freundlicher Genehmigung von Foto von Heather Mount auf Unsplash und Anni Side | andererseits.at
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