Die Tagesmutter #Pädagogenerzählen

Berufsbild Tagesmutter

Ich heiße Ulrike, bin 44 Jahre alt und arbeite seit 2008 als ausgebildete Tagesmutter. 2006 habe ich mit der 18.-monatigen Ausbildung  begonnen. Meine ersten beiden eigenen Kinder waren damals 1 und 4 Jahre alt. Vorher arbeitete ich im elterlichen Betrieb als  Sekretärin. Da ich meine Kinder selbst zu Hause betreuen wollte, habe ich mich entschlossen Tagesmutter zu werden und bei mir zu Hause zusätzlich noch fremde Kinder zu betreuen. Ich habe Kinder sehr gerne und hatte schon immer Freude an Kindern. Die Ausbildung war sehr interessant und umfasste folgende Themenbereiche:

·  Gesundheitslehre/Erste Hilfe

·  Ernährungslehre

·  Haushaltsführung und Hygiene

·  Berufsbild und rechtliche Aspekte

·  Kindersicherheit auf dem Bauernhof

·  Entwicklungspsychologie und Erziehung

·  Spielen und Fördern

·  Wahrnehmung und Kommunikation

Zudem waren 100 Stunden Praktikum zu absolvieren, davon 70 Stunden bei einer Tagesmutter und 30 Stunden in einer öffentlichen Betreuungseinrichtung wie Kita oder Kindergarten.

Als Tagesmutter habe ich die Pflicht jedes Jahr 28 Stunden Weiterbildungskurse zu absolvieren. Ich darf bis zu 5 Tageskinder  bei mir zu Hause betreuen. Die Eltern schätzen das familiäre Umfeld und die Flexibilität bei den Arbeitszeiten.

Zur Zeit betreue ich 4 Kinder im Alter von 1,5 bis 4 Jahren, außerdem noch 2 mal pro Woche am Nachmittag zwei Pflegekinder in Teilzeit im Alter von 10 und 11 Jahren.

Was mir wichtig ist und was ich versuche in meiner Arbeit umzusetzen:

Mein Ziel ist es jedes Kind in seiner Einzigartigkeit wertzuschätzen und zu fördern. Jedes Kind ist anders und mir ist wichtig auf die Bedürfnisse eines jeden Kindes einzugehen. In der Eingewöhnungsphase möchte ich die Kinder gut kennenlernen, beobachten was sie brauchen und sie langsam an die neue Umgebung, die Kinder  und die Betreuungssituation gewöhnen.

„ Wenn wir einem Kind helfen  sich sicher und wertgeschätzt zu fühlen, und ihm das Gefühl geben, jemand ist tief und wahrhaft an mir interessiert, duch die Art und Weise, wie wir einfach zuschauen und zuhören, dann beeinflussen wir die ganze Persönlichkeit des Kindes und die Weise, wie es das Leben sieht“

Zitat von Magda Gerber

Ich möchte vermeiden die Kinder untereinander zu vergleichen, denn jedes Kind hat seine Begabungen und Stärken.

“ Ein Kind ist wie ein Schmetterling im Wind. Manche fliegen höher als andere, aber alle fliegen so gut sie können. Sie sollten nicht um die Wette fliegen, denn jeder ist anders, jeder ist speziell und jeder ist wunderschön.“

Ich verbringe mit den Kindern viel Zeit in der Natur, im eigenen Garten oder auf dem Spielplatz und beim Spazierengehen. Die Kinder dürfen je nach Jahreszeit bei den Arbeiten im Garten dabei sein, die Kleintiere füttern und versorgen. Dadurch lernen sie verantwortungsvoll mit der Schöpfung umzugehen. Mir sind christliche Werte sehr wichtig und deshalb möchte ich den Kindern Hilfsbereitschaft, Rücksichtnahme, Versöhnung, Teilen und die Einzigartigkeit eines jeden Menschen vermitteln. Ich lese ihnen gerne Geschichten aus der Kinderbibel vor, aus denen wir viel lernen können.
Zu unseren gemeinsamen Regeln gehört ein höflicher Umgang untereinander, das “Bitte und Danke” und ein gewaltfreies Miteinander. Ein Tischgebet vor dem Mittagessen gehört in unserer Familie dazu. Ich lege Wert auf eine gesunde Ernährung und versuche abwechslungsreich und gesund zu kochen.

Ich finde die beste Förderung für Kinder ist das freie Spielen. Sie brauchen nicht viel Programm. Vor allem in der Natur gibt es viel zu entdecken und ich kann die Phantasie der Kinder mit wenig Aufwand wecken. Sich austoben, spielen mit Naturmaterialien und die Jahreskreisläufe miterleben.

„Wir müssen den Kindern lehren die Erde zu riechen, den Regen zu kosten, den Wind zu berühren, die Dinge wachsen zu sehen und sich zu kümmern.“

Meine Arbeit als Tagesmutter macht mir sehr viel Freude, ist aber nicht immer einfach. Kleinkinder können auch sehr anstrengend sein. Ich bin Gott dankbar, dass er mir vor allem zwei Gaben mitgegeben hat, welche ich in diesem Beruf brauche: Ruhe und Geduld

Mit Kindern läuft nicht immer alles nach Plan, schon öfter habe ich mir dieses oder jenes vorgenommen und doch ist der Tag jedoch anders verlaufen, je nach Stimmung der Kinder. Manche Tage verlaufen chaotisch und ich bin  am Streit schlichten, trösten, immer wieder dieselben Fragen beantworten oder am Spielsachen aufräumen und verschütteten Saft aufwischen.

Mir gefällt meine Arbeit sehr gut, da ich den Kindern viel mitgeben kann und auch selber von ihnen lernen kann. Kinder geben viel zurück. Kinderlachen ist etwas Wunderschönes.

Was ich noch von Kindern lernen kann ist das Leben im Hier und Jetzt. Kleine Kinder sind immer in der Gegenwart, sie denken nicht an die Vergangenheit oder an die Zukunft. Sie verzeihen und vergeben schnell, sie streiten, versöhnen sich wieder und sind dann wieder Freunde wie früher. Sie sind nicht nachtragend. Sie sind neugierig, abenteuerlustig.

Es ist eine große Verantwortung, Kinder zu betreuen. Ich bete auch immer und bin dankbar, dass nie größere Unfälle passiert sind.

Ich bin zufrieden und dankbar für meinen Beruf.

„Wenn du ein Kind siehst, begegnest du Gott auf frischer Tat“

Zitat von Martin Luther
Bild mit freundlicher Genehmigung von Photo by Markus Spiske on Unsplash
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