Geschlechtsspezifische Verhaltensweisen von klein auf

In einem Tweet erzählte ich es schon einmal, dass ich absolut fasziniert von meinem kleinen Töchterchen bin, von ihrer Fürsorglichkeit und Liebe ihren Puppen und Kuscheltieren gegenüber. Das ist eine Art und Weise, die nicht anerzogen wurde, die kommt einfach aus ihrem Inneren, es ihr Sein und bevor ich selbst eine Tochter hatte, hörte ich das auch schon von Freundinnen, wie fürsorglich und lieb Mädchen seien, aber auch ordnungsliebend und kümmernd, besonders den Geschwistern gegenüber und ja, das alles kann ich nun 1:1 bestätigen.

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Wie ich auch schon einmal schrieb, alles was groß als toll angepriesen und als richtig und gut dargestellt wird, stößt in mir grundsätzlich erst einmal auf breite Ablehnung: Mein sogenanntes Ablehnungs-Gen. Und so auch dieses in Mütterforen ständig propagiertes: “Jungs und Mädchen sind gleich und müssen gleich erzogen und vor allem auch angezogen werden”, hier spielt das Thema blau und rosa die größte Rolle und dass es egal wäre, welche Farbe das Kind trägt, ich schüttelte schon immer den Kopf bei solchen Kommentaren, da es im Grunde keine Relevanz hat zum großen Ganzen, das was dahinter steckt. Ich bin ohnehin sehr kritisch gegenüber dieser Gendertheorie eingestellt, da es meiner Meinung nach den Menschen in ein Denkmuster pressen möchte und es bei vielen leider auch schon geschafft hat. Daher lehnte ich die Denkweise, dass wenn Mädchen und Jungen gleich erzogen werden, keine Unterschiede mehr bestehen, grundsätzlich schon immer ab und siehe da, es stimmt auch nicht!

Klar ist es egal, was Kinder anhaben, das mit den Farben und speziellen Spielsachen für Jungs und Mädels ist eine reine Verkaufsmasche, die seit vielen vielen Jahren durch sehr gezielte Werbung sehr gut ankommt und der Spielzeug- und Bekleidungsindustrie ungebrochen Rekordeinnahmen beschert- die meisten Eltern machen es also sehr wohl noch mit. Das was in den Elternforen besprochen wird, scheint also nicht die Mehrheitsmeinung zu sein.

Jungen und Mädchen sind verschieden! Das ist nicht anerzogen, sondern angeboren. Allerdings ergeben sich daraus nur Nachteile, wenn man es zulässt.

Wir leben in einer genormt-gewollten Welt. Es muss alles irgendwie hineinpassen und was nicht passend ist, wird eben passend gemacht. Frauen sollen wie Männer sein, damit sie in der männerdominierten (Geschäfts-)Welt leben und überleben können. Damit dies auch Realität werden kann, muss damit schon in der Kinderstube begonnen werden. Quasi von klein auf (um-)gepolt. Damit dies erreicht wird, steht mittlerweile in jedem Mütter- Eltern- Erziehungsblog, dass man die Geschlechterstereotypen abschaffen muss. Aber auch, man soll die Kinder nicht verbiegen, sondern so sein lassen wie sie sind, damit sie sich gesund entwickeln können. Ja, was denn nun? Darf ich als Mutter jetzt mein Mädchen Mädchen sein lassen oder soll ich sie lehren, dass Mädchen-sein nicht gut ist, weil sie sich sonst später nicht in der Welt da draußen behaupten kann?

Ich lasse meine Kinder so wie sie sind, jedes Kind wird so behandelt, wie es in den Familienalltag hineinpasst. Die Jungs sind richtige Jungs mit handfesten Streitereien, Konkurrenzgehabe und Autos und Traktoren im Kinderzimmer. Das Mädchen ist ein willensstarkes aber fürsorgliches Wesen, die immer möchte, dass alles mit rechten Dingen zugeht. Sie liebt ihre Puppen und Kuscheltiere (die bei den Jungs nur immer als Staubfänger fungierten) und kümmert sich darum, als wären es rohe Diamanten. Sie würde am Liebsten immer alle zusammen (!!!) herumgetragen und umsorgen.

Da ist nichts anerzogen, oder von mir in besonderer Weise forciert und ich bin wirklich fasziniert davon, wie in den jüngsten Kinderjahren diese geschlechtsspezifischen Verhaltensweisen einfach schon vorhanden sind!

Ein Junge ist ein zukünftiger Vater, Versorger und Beschützer und dafür muss er sich Liebe, Durchsetzungskraft, Arbeitseifer und einen starken Willen aneignen. Ein Mädchen ist eine zukünftige Mutter und dafür benötigt sie Fürsorge, Ordnung, ebenfalls einen starken Willen und Durchhaltevermögen und Liebe. Das muss man einem Jungen oder einem Mädchen nicht beibringen, das ist in dem jeweiligen Geschlecht so veranlagt, wenn man nicht versucht, es ihnen auszutreiben. Und genau das wir meiner Meinung heute versucht und leider auch oft erfolgreich.

Kann nun ein Junge nicht lieb und fürsorglich sein? Oder ein Mädchen nicht kämpfen? Doch natürlich, warum auch nicht? Jede Mutter hat zu ihren Kindern einen Vater, der in der Regel seine Kinder über alles liebt und alles für sie tun würde und eine Mutter würde alles für ihre Kinder tun, damit diese nicht zu Schaden kommen und verteidigt sie wie ein Löwin gegen Angriffe.

Der Mann und die Frau. So unterschiedlich und dennoch passend zueinander und füreinander, da sie sich perfekt ergänzen. Warum kann man also nicht die Kinder sein lassen wie sie sind, ihnen ihre geschlechtsspezifischen Merkmale lassen und stattdessen die Unterschiede hervorheben und nutzen? Jeder Mensch ist einzigartig! Wir benötigen mehr Männer und Frauen, die tatsächlich wissen wer sie sind und die Gesellschaft positiv (mit-)prägen und nicht ihre inneren Zerrissenheiten versuchen, auf die Menschheit zu übertragen.

Noch ein paar Schlussworte, auf das Thema aufbauend, aber eigentlich vom Ausgangsthema abkommend:

Ich behauptete schon öfter, dass die meisten Menschen im Grunde innen drin vollkommen kaputt sind. Es ist eine ungesunde Mischung aus Erleben, Verletzungen, Erziehung, Enttäuschungen und vielem mehr. Und genau diese inneren Zerrissenheiten werden oft nicht als Wunden wahrgenommen, die bearbeitet und verändert werden müssen, sondern es wird versucht, sie als legitim einzustufen, indem man sagt: “So wie ich denke ist es richtig, an mir ist nichts falsch, ich bin ein guter Mensch so wie ich bin.” Trotzdem wissen die Meisten, dass das so nicht stimmt, tief innen drin. Sie möchte nicht, dass ihre Kinder das alles genauso erleben müssen, wie sie und wollen die Kinder (be-)schützen und daher wird versucht die Kinder in eine vollkommen andere Richtung zu stupsen. Das Mittel der Wahl: Alte und auch religiöse Werte aushebeln, da davon scheinbar diese inneren Verletzungen kommen. Was vielleicht aus Traditionen heraus oft auch stimmt, aber es war auch einiges sehr gut, für die Ordnung des menschlichen Zusammenlebens.

Wir leben in einer Zeit des Umbruchs. Alte Werte und Normen wie der Mensch zu sein hat, werden immer weiter ausgehebelt und neue Werte und Normen wie der Mensch zu sein und zu denken hat werden neu erfunden und beworben. Doch ich denke, dass viele Menschen genau in dieser Zeit haltlos sind und nicht wissen, woran sie sich festhalten sollen. Während die einen vollkommen in die Moderne schweifen und alles Neue wie ein Schwamm aufsaugen und in ihr Leben versuchen zu integrieren, gehen die anderen in die Vergangenheit und finden Sicherheit in den alten Werten.
Zwei Lager, die sich durch die gesamte Gesellschaft ziehen, durch jedes Thema, durch jede Familie oder familiäre Gemeinschaft und so auch durch die Kindererziehung. Während die einen mit den alten Werten und Normen rein gar nichts mehr zu tun haben möchten und nach allem Neuen streben, denken die anderen, dass die alten Werte und Normen Sicherheit ausstrahlen und möchten sie ihren Kindern auf ihren Lebensweg mitgeben.

Die Gesellschaft spaltet sich immer weiter in zwei Lager und wird immer mehr Uneins. Die Frage ist: Bekommt man irgendwann, durch gutes diplomatisches Geschick, alle wieder zusammen an einen Tisch? Oder endet irgendwann alles in einem riesig großen Streit und Knall? Ich bin gespannt! Denn beide Lager haben ihre Berechtigung! Überall stehen Menschen dahinter mit ihren gut durchdachten Überlegungen und von der jeweils anderen Seite hat eine Seite immer Unrecht. Es liegt wie immer im Auge des Betrachters.

Bild mit freundlicher Genehmigung von Foto von omid armin auf Unsplash

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