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Eine Migrantin erzählt

Gerade kam mir die aberwitzige Idee, über meine Migration zu sprechen. Ja, ich bin Migrantin! Ich bin Deutsche und lebe in Österreich: Mein Mann ist Österreicher und unsere gemeinsamen Kinder sind ebenfalls Österreicher. Ich bin die einzige Deutsche im Haushalt. Sie mögen vielleicht jetzt lachen, denn das klingt nach nichts Besonderem und ehrlich gesagt, war und ist es das auch nicht. Vom ersten Tag an, fühlte ich mich hier nicht ausgegrenzt oder ausgeschlossen. Es war wie ein Umzug innerhalb Deutschlands.

Ich fühle mich hier nicht als Ausländerin, was daran liegen könnte, dass meine Heimat nicht weit entfernt ist, meine Familie wohnt in etwa durchschnittlich 45 Minuten entfernt und ich kann sie jederzeit sehen, wenn ich mich ins Auto setze. Auch die Mentalität ist sehr ähnlich. Die Allgäuer und die Vorarlberger sind beides recht konservative Bergvölker mit einem engen Meinungs- und Weltanschauungsradius, den ich so teile, da ich es kenne und ebenfalls so aufgewachsen bin. Ich verstehe die Welt hier, ich verstehe die Meinungen und Ansichten der “Ureinwohner”. Vorarlberg ist ein Bundesland mit hohem Ausländeranteil, den höchsten Anteil machen die Deutschen aus und so kommt es, dass ich eigentlich mit relativ vielen Deutschen befreundet bin, manche kommen recht weit aus dem Norden und für sie ist das hier eine vollkommen andere Mentalität und Welt. Es ist oft sehr interessant für mich, wenn sie von ihren Erfahrungen erzählen. Allerdings höre ich selten etwas Negatives, die meisten fühlen sich hier sehr wohl und sind von der Gastfreundschaft, der Strebsamkeit und Freundlichkeit der Menschen begeistert. Lediglich mit dem Dialekt haben viele zu Beginn Probleme, aber wer sich anstrengt, bekommt das auch hin.

Zusammenfassend gesagt, ich hatte absolut keine Probleme mich hier zu integrieren. Was auch daran lag, dass ich bevor ich meinen Mann kennen lernte schon Freunde hatte, die hier beheimatet waren und mit diesen oft Umgang hatte. Der Umzug nach Vorarlberg war nur etwas aufwendig Formelles, da ich mich in Deutschland abmelden, mich hier anmelden und meinen Beruf anerkennen lassen musste, aber kulturell war es für mich kein Unterschied. Besser noch, ich bin richtig froh darüber, meine Kinder in Österreich aufziehen zu dürfen, da die staatliche finanzielle Wertschätzung höher ist als in Deutschland. Und es ist schon etwas lässig, wenn ich sagen kann: “Ich muss noch aufs Konsulat, um meinen Pass neu zu beantragen”, das klingt so weltfraulich. (Das Konsulat ist in derselben Stadt, in der ich wohne und es ist ein ganz normaler Ämtergang.)

Anders bei Freunden, die von weiter oben aus Deutschland kommen oder aus anderen Ländern wie z.B. den USA. Im engeren Familienkreis gibt es eine US Amerikanerin, die immer wieder Schwierigkeiten mit der Kultur und den Gepflogenheit hier hat, auch weil sie es nicht versteht und wir sie z.T. nicht verstehen, dabei spielen auch sprachliche Defizite ein große Rolle, sowie unterschiedliche zwischenmenschliche Verhaltensweisen. Sie hat z.B. ein vollkommen anderes Mann-Frau Verständnis oder auch Familienverständnis, womit man auf den ersten Blick gar nicht rechnen würde, da die USA ja irgendwie medial ständig omnipräsent ist und schon mehr oder weniger dazugehört. Daher war es, zumindest für mich, doch sehr überraschend, wie anders die US Amerikaner in manchen Dingen doch sind.
Allerdings wurde mir das erst bewusst, als eine Bekannte, die ebenfalls eine US Amerikanerin in der Familie hat, erklärte, wie die US Amerikaner in dieser oder jener Situation ticken und es z.T. sehr große Unterschiede in den kleinsten Details vorhanden sind. Was sie allerdings auch erst verstand, als sie selbst mal in den USA war. Wenn man das nicht weiß, ist das Gegenüber einfach komisch! Nicht falsch verstehen, ich mag sie gerne. Sie ist eine sehr liebe Person und auch wenn wir uns nicht oft sehen, verstehen wir uns gut.

Was hilft um eine Migration erfolgreich durchzuführen?

Ganz wichtig ist die Bereitschaft des Migranten die ortsüblichen Gepflogenheiten kennen lernen zu wollen und auch anzuerkennen und vor allem auch die Sprache zu erlernen, ob der Mensch diese Dinge dann in sein privates Leben aufnimmt, ist seine Sache, aber im öffentlichen Leben sollte und muss man sich anpassen. Für die Inländer ist es wichtig, dass sie auf die Neuankömmlinge zugehen und mit ihnen sprechen, soweit es möglich ist. Offen und ehrlich und erklären, was anders ist und Verständnis mitbringen. Beide Seiten sollten Verständnis für Fehler und Andersartigkeiten mitbringen- jeder Mensch macht Fehler, jeder Mensch ist anders.
Ob ein Mensch nun im Norden oder Süden der Weltkugel zur Welt gekommen ist, konnte dieser nicht beeinflussen. Und in Zeiten der Globalisierung, in denen das Essen 1000ende von Kilometern im- und exportiert wird, dürfte es doch kein Problem sein, wenn auch Menschen 1000ende Kilometer entfernt von ihrer Heimat leben und sich dort eine zweite Heimat, in der sie sich wohlfühlen, schaffen können. Oder?

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