Allgemein und Blog Featured

Regel 1: Steh aufrecht und mach die Schultern breit

Mein erster Gedanke, als ich diese Regel las, war: „Okay, Mama hatte also doch recht, jedesmal was zu sagen, wenn ich mit krummem Rücken am Tisch saß!“ ;-)

Peterson startet dieses Kapitel mit einer langen Abhandlung über Hummer. Ja, richtig gelesen: Hummer! Ihr Revierkampf, ihr Verhalten, ihre Hirnchemie… und zieht dann Parallelen zu uns Menschen (er ist ein starker Vertreter der Evolutionstheorie).
Das alles hier zu beschreiben würde den Rahmen aber deutlich sprengen!

Zusammenfassend lässt sich sagen: Dominanz ist keine Erfindung des Menschen. Vielmehr zählt sie zu den wichtigsten Funktionsprinzipien unserer Umwelt. Ob Insekten, Vögel, Fische, Tiere, Menschen – überall streitet man sich um die beste Position: gute Wohnmöglichkeit, Nahrungsversorgung, Paarungsmöglichkeit etc.

Dominanz und -Hierarchie sind natürlich und notwendig, damit eine Gesellschaft funktionieren kann.

In unserem Gehirn gibt es nun einen Teil, der unsere Position innerhalb dieser gesellschaftlichen Hierarchie verarbeitet. Er ist wie ein Master-Kontrollsystem, das alles reguliert: unsere Eindrücke, Bewertungen, Emotionen, Gedanken und Aktionen.

Eine sehr wichtige Rolle spielt hierbei das Serotonin, im Volksmund auch „Glückshormon“ genannt.
Dieses Hormon hat – wie der Name vermuten lässt – einen großen Einfluss auf unsere Stimmungslage: es gibt uns das Gefühl der Gelassenheit, inneren Ruhe und Zufriedenheit, und dämpft gleichzeitig Angst, Aggressivität, Kummer und sogar Hunger.

Tami | andererseits.at

Erleben wir eine Niederlage, sinkt unser Serotoninspiegel. Wir fühlen uns bedroht, verletzt, ängstlich und schwach. Und unsere Körperhaltung zeigt das dann auch noch deutlich an: Gebeugter Rücken, hängender Kopf. Wir sehen zu Boden und unsere Haltung ist kraftlos.

Diese Veränderungen führen dazu, dass wir mit noch höherer Wahrscheinlichkeit gedemütigt werden und/oder Niederlagen erfahren. Ein Teufelskreis. So können depressive Verstimmungen und Depressionen ihren Anfang haben.

Dieser Mechanismus mit Serotonin und Körperhaltung lässt sich aber auch umgekehrt nutzen!
Durch unsere Körperhaltung können wir quasi unserem Gehirn den Eindruck geben, dass es uns gut geht und wir selbstbewusst sind. Eine aufrechte Körperhaltung, ein freundlicher Gesichtsausdruck regt die Serotonin-Ausschüttung an und unsere Stimmung hebt sich.

Beim Lesen dieses Abschnittes musste ich an die Fernsehserie Grey’s Anatom denken. Die Figur der Neurochirurgin Dr. Amelia Shepherd stellt sich vor Operationen eine gewisse Zeit in Superhelden-Pose hin, um eben dieses Phänomen zu nutzen. Die Drehbuchautoren haben ihre Hausaufgaben gemacht!

Das ganze zieht einen positiven Rattenschwanz nach sich: unsere Mitmenschen reagieren schon allein wegen unserer aufrechten Haltung positiver auf uns. Das macht Mut und verringert unsere Angst. Wir kommunizieren freier, lernen leichter Leute kennen und hinterlassen einen positiven Eindruck. Das ermutigt uns wieder…
Seht ihr die positive Rückkopplung in diesem Kreislauf? Wie bei einem Mikrofon , das sich zu nah am Lautsprecher befindet, wird das „Signal“ jedesmal verstärkt.

Es wäre aber nicht Peterson, wenn er es bei dieser Erklärung belassen würde.
Er sieht das ganze auch noch auf einer Metaphysischen Ebene:

Eine aufrechte Haltung sieht er als sichtbares Zeichen, dass man die „Last des Daseins“ akzeptiert und auf sich nimmt. Er vergleicht es unter anderem mit Jesu Aussage, sein Kreuz auf sich zu nehmen. (siehe Markus 8,34)
Das finde ich einen sehr interessanten Blickwinkel! Und ich denke auch: es stimmt! Wir sind nicht mehr im Paradies. Leiden gehört zum Leben dazu. Wenn man das versteht und akzeptieren kann, lebt es sich leichter.

Wir Christen haben eigentlich noch mehr Grund, jederzeit aufrecht zu stehen. Wir brauchen keine Angst zu haben und dürfen voller Gewissheit und Stolz unseren Blick nach vorne richten und sagen: Mein Gott steht mir immer bei.

Also: Steh aufrecht und mach die Schultern breit!

Diese „Zusammenfassung“ will ich kaum als solche bezeichnen. Jordan Peterson schneidet noch so viele Themen nur in diesem einen Kapitel an, dass sich einfach nicht alles hier unterbringen lässt. Er hat so ein großes Wissen, so interessante und logische Ansichtsweisen, neue Blickwinkel für „alte“ Geschichten und Probleme…
Wer etwas neues lernen und sein Leben positiv bereichern will, sollte sich wirklich das Buch holen und in Ruhe alles durchlesen.

1 thought on “Regel 1: Steh aufrecht und mach die Schultern breit

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

%d Bloggern gefällt das: