Regel 3: Freunde dich mit Menschen an, die es gut mit dir meinen.

Kennt ihr den Spruch “Zeige mir deine Freunde und ich sage dir, wer du bist.”? Der kam mir als erstes in den Sinn, als ich diese Regel las.

Jordan Peterson erzählt am Anfang dieses Kapitels ehrlich und unverblümt aus seiner Jugend in einem kleinen Ort mitten in den endlosen Weiten von Alberta/Canada. Von deprimierenden Teenie-Parties, auf denen übermäßig getrunken und gekifft wurde. Von leichtsinnigen Autofahrten auf den vielen langen Landstraßen.

Wie kommt es, dass manche es schaffen, aus so einem perspektivlosen, nihilistischen Verhalten auszubrechen, und andere nicht?

Vielen von Petersons Jugendfreunden gelang das eben nicht. Sie blieben auf der Strecke, hatten mit 30 noch Hilfsarbeiterjobs, tranken und kifften immer noch exzessiv. Sie wiederholten Tag für Tag all die Fehler, die sie in ihrer Jugend schon gemacht hatten, umgaben sich immer mit denselben zwielichtigen Typen, egal wohin sie kamen.

Warum kommt es so oft vor, dass Menschen immer genau die Typen raussuchen, die ihnen in der Vergangenheit schon Unglück gebracht haben?
Freud nannte dieses Phänomen “Wiederholungszwang“. Der unbewusste Impuls, die Schrecken der Vergangenheit zu wiederholen. Entweder um sie genauer zu erfassen, gar zu beherrschen, oder weil es keine annehmbare Alternative gibt.

Wer aus Misserfolgen nichts lernt, begeht dieselben Fehler immer wieder. Zum Teil ist es wohl Unfähigkeit. Könnte es auch Lernunwilligkeit sein?

Einen zweiten Grund, sich Freunde zu suchen, die einem nicht guttun, zeigt Peterson noch auf: wenn man anderen helfen bzw. sie retten will.
Das Problem ist nur: nicht jeder, der am Boden ist, WILL überhaupt wieder hochkommen. Und nicht jeder, der untergeht, ist gleich ein Opfer der Gesellschaft. Manche akzeptieren oder vergrößern ihr Elend, um der Welt anschließend ihre Ungerechtigkeit vorhalten zu können. Das Dasein als demonstratives Opfer ist immer der leichteste Weg.
Die Unterscheidung zu treffen zwischen denen, die wirklich Hilfe brauchen, und denen, die den Helfer ausnutzen wollen, ist gar nicht so leicht.

Und noch etwas muss man bedenken: der Weg nach unten ist immer leichter als nach oben. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein schlechter Freund uns runterzieht, ist viel höher, als dass wir ihn raufziehen.

Man sollte sich als Freunde also Leute aussuchen, die ganz allgemein gute Absichten verfolgen, keine schlechten. Und auch dem Entschluss, sich Freunde zu suchen, die einem guttun, sollte nicht nur Eigennutz zugrunde liegen, sondern ebenfalls eine gute Absicht.

Gute Freunde ermutigen uns, wenn wir etwas Gutes bewirken. Sie tadeln uns aber auch offen und ehrlich, sollte dies nicht der Fall sein.

Leider ist es aber nicht einfacher, sich mit positiven, anständigen Menschen zu umgeben, als mit negativen, unanständigen.
Positive Menschen sind Ideale, die einem die eigenen Schwächen und Fehler noch bewusster machen. Es verlangt Mut und Kraft, neben so jemandem zu bestehen.

Also übt euch in Demut und seid mutig. Traut eurem eigenen Urteil und bewahrt euch vor allzu unkritischem Mitleid.

Und freundet euch mit Leuten an, die es gut mit euch meinen.

Hier geht’s zur Einleitung der Serie, wo ich die einzelnen Regeln nach Erscheinen der Beiträge verlinke.

Bild mit freundlicher Genehmigung von pixabay.com

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