Christen und ihre Sexualität- über einen christlichen Erotikonlineshop

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Wenn du ein Mensch bist, hast du mit hoher Wahrscheinlichkeit mehr oder weniger regelmäßig Sex, hattest es mal, oder hast es in naher Zukunft vor. Sex dient neben dem Zweck der Fortpflanzung auch als Spaß- und Bindungselement in der Partnerschaft. Es gehört einfach zum Leben dazu!

Christlicher Erotikshop

Mitte diesen Jahres dachten sich drei Bielefelder Freikirchler: Sex ist nichts verwerfliches, Gott hat Sex gemacht, damit die Menschen sich daran erfreuen können und gründeten Deutschlands ersten Erotikshop mit christlichen Werten: “schönerlieben.de“. Ihre Philosophie dahinter: Sex unter den Christen aus der Schmuddelecke zu holen. Timon Rahn, ein Mitbegründer meinte: “Gott hat den Sex doch nicht nur fürs Kinderkriegen gemacht. Er hat den Sex auch gemacht, damit wir uns fallen lassen können.”

Der Erotik- Onlineshop kommt komplett ohne pornographische Inhalte und Fetischprodukte aus. Jedes Produkt ist ausführlich beschrieben, sodass man weiß, wie und für was es verwendet werden kann. Die Gründer möchten vor allem die junge Freikirchengeneration ansprechen, die sich immer mehr gegen die verstaubten Weltbilder wenden. Auch weil bei der älteren Generation nie viel über Sex gesprochen wurde: “Diese jungen Leute wollen sich in unserer Welt bewegen und dazu gehört auch eine offene Auseinandersetzung mit den Themen Sex und Partnerschaft”, so ein Gründer. Sexualität sei eine Gabe Gottes und die sehr gläubigen Shopgründer versuchen immer auszutarieren, was möglich ist, ohne die Botschaft der Bibel umzudeuten. Sie beziehen sich auf das Hohelied der Liebe von Salomo, welches eine Sammlung erotischer Liebeslieder im Alten Testament ist.

Hoheslied 1-8

Leider sorgte das Engagement der Gründer dafür, dass sie in ihren freikirchlichen Gemeinden auf Ablehnung stießen, bis dahin, dass es zum Bruch mit den ehrenamtlichen Tätigkeiten dort kam, weil man sich wohl vor zu vielen unangenehmen Fragen fürchtete.

Meinung

Als ich zum ersten Mal von diesem Onlineshop las, dachte ich mir nur: Muss das sein? Es gibt doch schon genügend Erotikshops, warum können Christen nicht einfach da einkaufen, wenn ihnen danach ist? Und, wenn Sexualität gottgemacht ist, muss es doch auch ohne Hilfsmittel möglich sein, sodass es Spaß macht und befriedigend für beide Partner ist, oder?

Als ich mich dann jedoch weiter einlas, bemerkte ich den Unterschied, nämlich dass in der christlichen Version die Pornografie und der Fetisch ausgenommen ist, was mir ehrlich gesagt sehr gefiel. Ich finde die Idee an sich nicht schlecht, da ich schon lange Jahre mitbekomme, dass besonders freikirchliche Christen nicht gerne über Sex sprechen. Über dem Thema hängt eine Art Tabu, was mich schlichtweg schon immer störte.
Über Sex zu sprechen gilt als anstößig und wenn man es trotzdem tut, wird einem fast schon das Christsein abgesprochen. Ok gut, ganz so schlimm ist es nicht, denn es kommt immer darauf an, mit welcher Generation man spricht. Meine Generation ist schon offener, die Elterngeneration hingegen (meine Eltern ausgenommen) sind dagegen sehr verklemmt. Bei uns daheim wurde schon immer offen über Sex gesprochen, wir wurden früh aufgeklärt und es war kein Tabu Fragen zu stellen.

Ich sprach schon immer recht offen über Sex, was mir auch schon die ein oder andere hochgezogene Augenbraue einbrachte. Auch, weil ich eine Frau bin und da ist es scheinbar noch viel “ungebührlicher” wenn man über Sex spricht, ganz besonders, wenn man mit dem anderen Geschlecht darüber redet.

Es gibt jedoch auch andere Meinungen zu: “Sex gehört in die Ehe”, was natürlich erst einmal richtig ist, aber eben auch über Sex zu sprechen gehört laut deren Meinung nur in die Ehe. Sprich, es darf wohl scheinbar nur mit dem Ehepartner über Sex gesprochen werden. Das ist eine Regel, die ich sehr beunruhigend finde! Denn, im Bereich der Sexualität können viele Probleme auftreten, die einer Klärung bedürfen und manchmal ist es wichtig Externe hinzuzuziehen, um eine Lösung finden zu können. Manchmal hilft es alleine schon, wenn man darüber sprechen und erzählen kann. Manche Probleme erscheinen dann nicht mehr so groß. Aber auch im Bereich des Missbrauchs, was durchaus auch in der Ehe geschehen kann, ist es wichtig, dass Menschen wissen: Ich kann meinen Mitchristen davon erzählen, ohne dass ich auf Verachtung stoße!

Natürlich muss man sich keine Sexspielzeuge kaufen um über Sex sprechen zu können, aber es kann ein Aufhänger sein, um darüber ins Gespräch zu kommen.


Quelle: https://www.focus.de/familie/sexualitaet/gott-hat-sex-doch-nicht-nur-fuers-kinderkriegen-gemacht-christlicher-erotikshop-will-tabu-aufbrechen-gemeinde-wendet-sich-von-gruender-ab_id_10832146.html

Direktlink Onlineshop: https://schoenerlieben.de/

Bild mit freundlicher Genehmigung von Bild von StockSnap auf Pixabay
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9 Replies to “Christen und ihre Sexualität- über einen christlichen Erotikonlineshop”

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  2. Pingback: Intime Gespräche und Gedanken im Wochenrückblick – ANDERERSEITS
  3. Erst einmal: Mutig, dass Sie so offen darüber schreiben.

    Zwei Zitate fallen mir auf:
    „Über Sex zu sprechen gilt als anstößig und wenn man es trotzdem tut, wird einem fast schon das Christsein abgesprochen.“
    „Denn, im Bereich der Sexualität können viele Probleme auftreten, die einer Klärung bedürfen und manchmal ist es wichtig Externe hinzuzuziehen, um eine Lösung finden zu können. Manchmal hilft es alleine schon, wenn man darüber sprechen und erzählen kann. Manche Probleme erscheinen dann nicht mehr so groß.“

    Und mich beschäftigen zwei Gedanken:

    Christen beklagen die Zugeknöpftheit, bleiben dabei aber auch am besten schön vage

    Die Zitate oben sind für mich beispielhaft für viele christliche Veröffentlichungen zum Thema Sex. Sie sind so herrlich allgemein gehalten. Ich lese Worte wie „manche, viele, bestimmte, darüber“ usw.
    Wo sonst Texte mit Beispielen angereichert werden, weichen Autoren ins Unbestimmte aus. Vielleicht, weil man nie sicher sein kann, ob Leser sich mit Beispielen identifizieren kann. Vielleicht, weil man Sorge hat, intime Details preiszugeben oder man Rückschlüsse auf seine eigene Sexualität riskieren könnte? Aber selbst wenn? Wäre das so schlimm? Wer zur Offenheit ermutigt, sollte doch mal mit gutem Beispiel vorangehen. Und selbst, wenn man sich – für mich verständlich – hinter dem hohen Wert der Intimität versteckt, was hindert uns daran, konkreter zu werden?
    Über Oral- und Analsex, über das frustrierende Phänomen des unterschiedlich starkem Verlangens, über Praktiken, von denen wir gehört oder die wir – in einem Porno, böse, böse! – gesehen haben und die uns gleichermaßen erregen wie verunsichern (Darf das?).
    Ich glaube, konkrete Beispiele aus dem realen Leben würden immer wieder auch bei einzelnen oder erstaunlich vielen zu Aha-Effekten führen und entlasten.

    Warum ist das Thema Sex bei Christen oftmals so ein Tabu

    Hier habe ich einige Thesen:

    a) Sexualität passt in seiner Tiefe nicht zur christlichen Kultur
    Da ist z. B. die christliche Masterfrage: Was würde Jesus tun?
    Wie klingt es, wenn wir diese Frage an sexuelle Fragen oder Situationen klemmen, die uns ganz persönlich beschäftigen oder mal beschäftigt haben.
    „Ich bin Single. Ich bin kribbelig. Ich verwöhne mich. Es tut gut. Und doch ist da oft die Sehnsucht nach mehr.“
    Es gibt Fragen, Situationen – da fühlt es sich absurd bis abstoßend oder gotteslästerlich an, die Frage dahinter zu pinnen.
    Ich will mich lieber nicht einmal fragen, ob Jesus auch mal geil war? Die Frage ist für mich verstörend.
    Es gibt sexuelle Themen, die finde ich so nicht in der Bibel. Vielleicht ist die Kluft mittlerweile so groß, weil wir eine enorm sexualisierte Gesellschaft bin. Obwohl das in eine „Früher war alles besser“-Richtung geht, die ich eigentlich konsequent ablehne.
    Trotzdem glaube ich: Sex war in seiner Tiefe in der Christenheit kein besonders weitreichendes Thema, sondern wurde eher reguliert und eingedämmt.

    b) Sachfragen sind auch für Christen kein Problem mehr.
    Frau B findet, es sei absolut normal, wenn sie jeden Tag Sex haben will, ihr Mann findet das alles andere als normal.
    Sollte „normal“ wirklich ein hilfreicher Fakt in dieser Krise sein, dann lässt sich das dank Google sicher online statistisch klären.
    Das Gleiche gilt für so ziemlich alle Sachfragen, die uns sexuell beschäftigen. Google ist der beste Dr. Sommer aller Zeiten.
    Das wissen und erleben auch Christen. Und so besteht für Sachfragen kein echter Bedarf mehr zum Austausch.

    c) Der Geschmack zählt
    Viele Themen rund um das Füllhorn der sexuellen Praktiken sind mitlerweile moralisch entschärft. Die Frage, wer oben liegt, gilt weithin nicht mehr als heilsentscheidend. Und damit ist grundsätzlich bei vielen Praktiken oder Spielarten erlaubt, was beiden gefällt.
    Das heißt aber auch, dass der Austausch mit anderen nicht unbedingt viel Erhellendes bringt. Es mag ja sein, dass 2 Paaren im Hauskreis die Löffelchenstellung besonders gefällt. Wenn sie mir oder meiner Frau nicht zusagen, hat einer von uns mit seiner Begeisterung halt gelitten.

    d) Die Angst vor Stigmatisierung
    Da outet sich jemand. Im Hauskreis. In der Zweierschaft unter christlichen Freunden.
    – Ich kann meine Frau nicht befriedigen.
    – Ich mag es, wenn sie mir beim Sex Schmerzen zufügt.
    – Ich sehe gerne auch mal zum anheizen einen Porno, mein Mann nicht.
    – Ich liebe meinen Mann. Ich genieße unser Sexleben. Aber mich erregt die Vorstellung, als Frau einmal eine Frau zu verwöhnen.
    Was könnte der oder die andere, was könnten mehrere andere von mir denken?
    Vielleicht sind die Reaktionen gut und hilfreich. Aber wer garantiert denn, dass nichts hängen bleibt?
    Der kann es seiner Frau nicht besorgen? Der steht auf SM! Die Perverse usw. usf.
    Ich bin fest davon überzeugt: Wenn wir alle mal ganz offen miteinander wären, würden wir uns wundern, wie barmherzig und demütig das viele von uns machen würde. Und wir würden uns wundern, wie sehr wirbei manchn die Folgen unterschätzt hätten.
    Ich bin mir sicher: Dieser Punkt gilt bis hierher auch fast überall im säkularen Umfeld.
    Aber bei Christen kommen dann noch biblische und konservative Aspekte hinzu.
    Das gilt vor allem bei ethisch-sexuellen Fragen. Ein Würdenträger aus der christlichen Szene, der bei Themen wie vorehelichem Sex oder Homosexualität präzise abgesteckte Grenzen überschreitet, muss mit heftigen Reaktionen und Ansehensverlust rechnen.

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    1. Danke für ihre ausführliche Antwort! Ich werde jetzt nicht auf alles eingehen, aber im Großen und Ganzen stimme ich ihnen beim letzten Teil zu und wie sie zu Beginn richtig erkannt haben, wurde in meinem Text verallgemeinert- absichtlich.

      Es ist ein Thema, welches, wie sie richtig erkannt haben, welches unter den Christen in den Detailfragen oftmals verschwiegen wird. Allerdings ist die Frage, ob Herr XYZ in der Gemeinde wissen muss, wie ich Oralsex finde… Nein, muss er nicht! Und das gilt im übrigen nicht nur im christlichen Umfeld, sondern auch im Berufsleben etc. Der Indikator ist hier: Anstand.

      Ich bin weder Sexualtherapeutin, noch ist dieser Blog dazu gedacht, meine Sexualpraktiken offen zu legen. Dieser Beitrag sollte einfach ein Herantasten an das Thema sein, welches oftmals so schwierig zu sein scheint. Es sollte einen Anreiz setzen, damit offener in seinem direkten Umfeld umzugehen, mit den Menschen, denen man vertraut und die man mag und wenn es erstmal nur der eigene Ehepartner ist.

      Wenn sie möchten können sie mir gerne eine Email schreiben und wir sprechen “unter vier Augen” über das Thema, denn das Internet ist für mich Öffentlichkeit und wer stellt sich schon auf den Marktplatz und erzählt allen, was man zu Hause mit seinem Mann im Bett macht? Erstens wäre wohl der Mann beleidigt und die Hälfte der Leute würde verschämt weggehen, dabei wäre es egal, ob Christ oder Nichtchrist.

      Das erste Zitat, welches sie von mir zitiert haben, ist eine Übertreibung, die sofort im darauffolgenden Satz relativiert wurde.

      Früher hatte ich ein Motto, welches ich bis zu einem gewissen Prozentsatz auch für das Internet wählte, immer abschätzend, ob ich damit meiner Familie schaden könnte: “Ist der Ruf erstmal ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert.” oder auch: Wenn die Menschen wissen, was man über gewisse Dinge denkt, hören sie erst gar nicht mehr zu, wenn man etwas sagt oder sie sind nicht mehr überrascht, was nicht heißen soll, dass sie damit einverstanden sind. Damit muss man leben (lernen). Wem Ansehen und der Stand in diversen Gesellschaftsschichten ( oder auch in der Gemeinde) wichtig ist, wird sich tunlichst von solchen Themen fernhalten.

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      1. Hoppla, da habe ich mich vielleicht missverständlich ausgedrückt. Natürlich ging es mir nicht darum, Sie zum Plaudern aus dem privaten Nähkästchen zu bringen. Der Hinweis auf Verallgemeinerungen bezog sich in erster Linie auf Texte in christlichen Medien, in denen mir das sehr auffällt.

        Aber ich bin trotzdem noch mal den Ausgangsartikel durchgegangen. Ihre Anregung war ja, intime Themen nicht nur innerhalb der Ehe ansprechen zu können. Da bin ich ganz bei Ihnen. Aber was könnte das denn konkret bedeuten? Mit dem Thema Missbrauch haben Sie ja tatsächlich ein Beispiel gebracht. Aber was für andere Themen könnte es noch geben (müssen ja keine Beispiele aus Ihrem Leben sein)? Es geht mir jetzt nicht darum, die Phantasie anzukurbeln, sondern mir selbst ist eigentlich kaum noch etwas eingefallen. Man kommt halt schnell an intime Klippen, wo die Fallhöhe sehr hoch ist. Der Themenkomplex Verhütung ist mir noch eingefallen. Da tauscht man sich im engeren Freundeskreis mal aus.
        Eine andere konkrete Frage wäre dann auch noch, mit wem ich mich austausche. Abgesehen von Fachleuten (#Therapeuten) fällt mir da nur noch der/die beste Freund/in ein. Darüber hinaus wird die Luft sehr schnell dramatisch dünn.

        Das ist halt kein Thema für den Gottesdienstnachcafé oder für zwischen 2 Hauskreis-Salzstangen.

        Aber noch mal: Ich bin bei Ihnen, viele Christen können da vermutlich noch ne gesündere Offenheit hinbekommen und das Thema ist nicht nur etwas, dass nur unter der eigenen Bettdecke stattfinden sollte.

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      2. Ok, da bin ich ganz bei ihnen. Obwohl es vielleicht auch sehr darauf ankommt, in welchem freikirchlichen Umfeld man unterwegs ist. Eine strenge Brüdergemeinde, oder eine offene Charismatische/ Pfingstliche (absichtlich diese beiden Beispiele gewählt, da die Einen oft auf die Anderen schimpfen).
        Auch wenn beide Ausrichtungen dann doch sehr konservative im Bezug auf die Ausführung der Sexualität haben (in der Ehe), wird wohl in der zweiten Variante offener mit über Sex gesprochen und es auch in Predigten eingebaut, meiner Erfahrung nach.

        Aber es stimmt, jeder der es offen anspricht, lehnt sich weit aus dem Fenster und muss mit zuweilen viel Kritik rechnen. Und wie ich im Ausgangstext schon schrieb, es hängt auch stark vom Alter ab. Die Elterngeneration hüllt sich oft in Schweigen, da unangenehm, während die Jungen durch Aufklärung in der Schule etc. offener damit umgehen lernen.

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    1. Da stimme ich dir zu! Doch, was würde Jesus tun? Wenn man 10 Leute dazu befragen würde, bekäme man 10 verschiedene Antworten. Also muss das jeder für sich selbst entscheiden, genau.

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    2. Ich bin lange Zeit ein großer Fan dieser Frage gewesen. Wenn Christen Jesus nachfolgen, sollte das dann nicht ihr ganzes Handeln durch diese Ausrichtung bestimmt sein?
      Inzwischen denke ich viel differenzierter. Es gibt Situationen, in denen kann die Frage weiterhelfen.
      Aber insgesamt glaube ich, dass sich Christen, mit dem Hype um dieses Gedankenspiel gewaltig ins Knie geschossen haben.
      Wir Menschen – und damit auch Christen – haben eine Persönlichkeit, haben unsere Geschichte. Wie wir handeln, was uns antreibt – das ist von Mensch zu Mensch total unterschiedlich. Und das kann meiner Meinung nach sogar auch in einzelnen, sogar ethischen Fragen zu verschiedenen Entscheidungen und Taten führen – ohne dass man ein Ergebnis als geistlich wertlos brandmarken könnte. Es gibt z. B. auch regional-bedingte Unterschiede: Was Jesus an einem Sonntag einkaufen oder wie er zu einer Waffe stehen würde – da lautet die Antwort in Dallas oder Freiburg unterschiedlich.
      Paulus und Petrus z. B. haben ganz sicher nach Gottes Willen gefragt. Aber sie hatten andere Herangehensweisen an Themen und Herausforderungen. Wir lesen, wie Apostel sich aufteilen, weil sie unterschiedlich ticken.
      Was ich mich seit diesen Gedanken frage ist, ob Jesus selbst auch eine Persönlichkeit hatte.
      Für mich steht aber fest: Gottes Schöpfung lebt von der Vielfalt und das gilt auch für uns Menschen, für unsere Art zu denken, zu fühlen, zu bewerten.
      Als moralischer Kompass in großen Grundsatzfragen ist die Frage nach Jesus enorm hilfreich. Aber für die Mehrzahl von Entscheidungen, die Menschen tagtäglich treffen, stell ich mir vor, wie Christen erwartungsvoll auf ihr “What would Jesus do?”-Bändchen am Armgelenk blicken und Jesus neben ihnen steht und sagt: “Trau dir gerne auch mal einen eigenen Standpunkt zu.”

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