Intime Gespräche und Gedanken im Wochenrückblick

Die Woche war anstrengend für mich- wo wir hier bei einem völlig normalen Blogbeitrag wären- und es lag weder an den Kindern, noch an meinem Mann, sondern am Internet. Besser gesagt, an diesem Blog hier, an diversen Konversationen in einer Facebookgruppe und einer Unterhaltung mit einem Herrn via Email.

Wie kam es dazu?

In meinem vorletzten Blogbeitrag äußerte ich mich über die Sexualität unter Christen und meinte in einem Absatz, dass ich kein Problem damit hätte, mit dem anderen Geschlecht über Sex zu sprechen. Was wohl die Herrenwelt zum Anlass nahm, dies wortwörtlich zu nehmen und mit mir intime Gespräche über Sexualität zu starten. Und dabei merkte ich, dass dieser Absatz in dem Blogbeitrag nicht mehr so ganz stimmt. Nein, ich kann nicht mehr mit irgendeinem x beliebigen Herrn locker und frei über intime sexuelle Details aus dem Privatleben sprechen oder auch allgemein in das Thema Sexualität eintauchen! Konnte ich mal, ohne mit der Wimper zu zucken und hatte sogar sichtlich Freude daran (meine Freunde können ein Lied davon singen, da ich schon so einiges an Peinlichem von mir gab), aber ich kann es nicht mehr. Ich habe mich wohl an diesem Punkt verändert. Sehr verändert. Das war eine Erkenntnis die mich schlucken und überlegen ließ: Wer bin ich eigentlich heute? Wie kam es dazu, dass ich mich so veränderte? Die Antworten darauf muss ich jedoch erst noch sacken lassen und genauer darüber nachdenken.

Der besagte Herr, mit dem ich eine Unterhaltung via Email führte (und noch führe), empfahl mir eine Facebookgruppe in der es über Sexualität in Verbindung mit dem Christentum geht. Dort sollte ganz frei über intime Dinge und Wünsche gesprochen werden können, unabhängig der sexuellen Vorlieben und Ausrichtung. Er merkte schon an, dass er mit der ein- oder anderen Aussage Probleme hätte, aber ich solle es mir selbst ansehen und ein Bild davon machen, vielleicht würde es mir ja sogar gefallen. Gesagt getan und ich sendete eine Beitrittsanfrage, welche auch sogleich gewährt wurde. (Wer Interesse an der Gruppe hat, darf mir gerne eine Nachricht schreiben)

Der erste Eindruck war nicht schlecht, die ersten Beiträge in der Timeline fanden überwiegend meine Zustimmung und ich startete in die Vorstellungsrunde, in der ich mich und uns als Ehepaar vorstellte. Alles in Absprache mit meinem Mann, da ich kein Geheimnis draus machen wollte, wenn ich mit Fremden über unsere Sexualität spreche. Alles verlief gut, es trudelten Fragen zu unserer Geschichte und Sexualität ein, die ich beantwortete und natürlich wurde es auch schnell intim, was mir aber eigentlich erst einmal gar nichts ausmachte. Denn, die Leute dort kannten mich nicht und ich kannte sie nicht und trotz des echten Namens war es doch anonym. Nachdem ich jedoch die ersten Beiträge kommentierte, wurde es komisch. Auf einmal bekam ich merkwürdige Theorien mit, dass Jesus wohl verheiratet gewesen sein soll, somit auch Sex hatte, seine Frau jedoch vor seinem Wirken verstarb und er sich somit auch nicht enthalten hat usw. Das überraschte mich wirklich sehr, wo ich doch dachte, alle wirren Theorien aus christlichen Kreisen schon zu kennen.

Nach dem ersten Tag, bei dem ich mich in dieser Gruppe nur mit Männern unterhalten hatte, wurde es mir dann für mich merkwürdig, weil ich meine “Probleme” (möchte ich hier nicht weiter ausführen) nur mit Männern besprechen konnte, es meldete sich keine Frau zu Wort. Dazu muss ich jedoch zu der Verteidigung der Herren dort sagen, ein Wortführer hat es wirklich gut gemacht. Mit ihm hätte ich mich gerne noch weiter unterhalten, wenn auch nicht in dem Rahmen dieser Gruppe.
Ich scrollte mich also weiter durch die Timeline und mir fielen zwei drei Frauen auf, die öfter mal kommentierten und auch Beiträge hinterließen, sah mir deren Profil an und dann dachte ich mir nur: nichts wie raus aus dieser Gruppe! Mit den Damen würde ich ganz sicher nicht über intime Details im Zusammenhang mit dem Christentum sprechen wollen! Zwei von diesen Damen waren nicht heterosexuell und standen in dieser christlichen Gruppe, unter Beifall, stolz dazu. Das ging mir unter keine Kuhhaut! Eine weitere Dame erzählte von ihrer Scheidung und es wurde ebenfalls Beifall geklatscht, da es nicht mehr zeitgemäß wäre zusammen zu bleiben, wenn man sich nicht mehr lieben würde. Es wurde die Steinzeitkarte ausgespielt. Ich dachte mir nur: Was zum Henker hat diese Gruppe mit dem Christentum zu tun? Da ändern die paar guten christlichen Beiträge auch nichts daran.

Folgend wurde mir noch vorgeworfen nicht offen zu sein, da ich mich ganz klar als konservativ vorstellte, aber auch dazu schrieb, dass ich mich bei vielen Themengebieten enthalten werde (erläuterte es nicht näher). Außerdem versetzte mich diese Unterstellung in Erstaunen, nachdem dieser Teilnehmer meine Vorstellung offensichtlich durchgelesen hatte und diese sehr ehrlich und offen war. Ich hatte nicht vor einen Streit oder eine theologische Debatte vom Zaun zu brechen. Ganz zu schweigen, dass ich dabei ohnehin hätte keinen Gewinn abholen können, da sich Theologen in der Gruppe befanden, die sich wohl um einiges besser in der Bibel auskennen würden als ich und somit auch besser würden argumentieren können, da es ganz offensichtlich um meine fehlende Akzeptanz von anderen sexuellen Formen ging, ohne dass ich auch nur ein Wort davon erwähnte.

Ich lese mit dem glaubenden Herz die Bibel und was ich darin herauslese nehme ich für bare Münze. Und ja, bei manchen Dinge habe ich Probleme, das kann und darf ich nicht leugnen, aber das ist mein Problem, welches ich mit Gott persönlich klären muss. Er wird mir den richtigen Umgang damit zeigen und nicht ich muss alles mögliche Versuchen es umzudeuten, damit es in das moderne Weltbild passt, sondern Gott muss etwas in mir verändern, damit sein Wort bei mir vollständig Anwendung und Wirken finden kann.
Sonst funktioniert der Glaube an den Gott der Bibel laut mir nicht. Entweder alles, oder nichts! Voller Einsatz, oder es gleich ganz bleiben lassen. (Wer mehr Gedankengänge dazu von mir wissen möchte, darf diesen Blog gerne durchforsten, da widme ich mich dem ein- oder anderen biblischen Thema. Alles im Hinblick, dass ich auch nur ein Mensch bin, der diese Welt verstehen möchte.)

Dazu kamen dann noch die intensiven Unterhaltungen mit meinem Mann über das Thema und ganz ehrlich…. für diese Woche habe ich genug von Sex! Ich kann es nicht mehr hören! Mir kam es so vor, als ob es nichts wichtigeres gäbe, als Sexualität. Was logisch ist, wenn man sich so intensiv mit einem Thema befasst, irgendwann reicht es.

Ja gut und jetzt?

Nun frage ich mich, ob es wirklich möglich ist, in einer christlichen Runde ganz frei und offen über Sexualität zu sprechen, ohne dass es zu merkwürdigen Theorien oder dem Versuch der Legitimation von anderen sexuellen Ausrichtungen als die der Mann-Frau Verbindung, kommt? Kann ein Christ sich über Sex unterhalten, ohne dass es merkwürdig, schlüpfrig oder schleimig wird? Und vor allem, ohne dass man für seine Probleme (und die gibt es auch und vor allem unter Christen zuhauf, auch weil man wahrscheinlich zu wenig darüber spricht) und Bedürfnisse ausgebuht wird?

Wenn ich mich mal wieder beruhigt habe, wäre es vielleicht ein Experiment, eine Facebookgruppe für christliche Paare in der frei und offen über Sexualität, Probleme und auch Wünsche innerhalb der ehelichen Verbindung, gesprochen werden kann, zu starten. Manchmal benötigt man einfach die Hilfe und den Ratschlag, aber auch die Lebensweisheit, von anderen Paaren. Denn eines ist sicher: Jedes Problem, jeder Wunsch den man im Bezug auf Sexualität hat, ist kein Unikum, es gibt da draußen immer jemand, der dasselbe über seine Ehe denkt, der mit denselben Sachen zu kämpfen hat und bestimmt auch jemand, der schon eine Lösung für sich und seine Ehe gefunden hat und einen Rat geben kann. Allerdings ist Facebook vielleicht nicht unbedingt der geeignete Rahmen und es ist auch nicht jeder auf Facebook, wodurch man eventuell nicht an die passenden Menschen für so ein Unterfangen gelangt. Besser wären vielleicht echte Gesprächsgruppentreffen.

Darüber zu sprechen, hat schon so manches Problem in null-komma-nichts aufgelöst!

In diesem Sinne, euch allen noch eine schöne Woche und ein erholsames Wochenende! Wer mag darf mir seine Gedanken dazu, entweder hier direkt darunter oder in dem sozialen Netzwerk seiner Wahl, hinterlassen. Würde mich freuen! Liebe Grüße, eure Anni

Bild mit freundlicher Genehmigung von Foto von Kate Kalvach auf Unsplash