Die Träumerin

Die Träumerin, das bin ich. Schon immer. Ich liebe es zu träumen. Meinen Blick in die Ferne schweifen zu lassen, in der Ruhe zu baden und ich träume entspannt von allem Möglichem. Mal dies, mal jenes. Früher träumte ich von einem Mann und erschuf in meinem Kopf mein ganzes Leben mit einem imaginären Mann. Heute träume ich von unserem gemeinsamen Leben, von meinen Kindern, von meinen Plänen… die Liste könnte endlos weitergehen.

In den letzten Jahren hatte ich nicht viel Zeit zum träumen, was mich fast wahnsinnig gemacht hat (Achtung: Übertreibung!). Drei kleine Kinder, ständig Lärm, ständig Kindergeschrei, ständig etwas, was meine Aufmerksamkeit benötigte. Derweil wollte ich einfach nur sein und träumen. Nicht immer, versteht sich von selbst, aber die Träume sind so meine Ruheoasen im Leben.
Schon in meinem Erst- und Zweitklasszeugnissen stand, dass ich mich nie auf den Unterricht konzentrieren würde, sondern oft nur aus dem Fenster schauen und abwesend wirken würde und wenn man versucht hat, mich da rauszuholen wurde ich wütend. Meine Lehrerin prophezeite meinen Eltern eine düstere Zukunft für mich, als zickige Tussi.

Ja, dazumal träumte ich von einem von einem besseren Leben, da die Situation mit meinen Eltern dazumal schon sehr durchwachsen war. Von einem Leben außerhalb der Schulwände, von Freiheit, von Wiesen und Wäldern über die ich rennen und in denen ich spielen konnte, ohne dass mich jemand davon abhält und ich nicht in diesem doofen Klassenzimmer, mit dieser doofen Lehrerin sitzen muss, die mich sowieso nicht leiden kann. Dieses Gefühl zog sich übrigens durch meine gesamte Schulzeit und ich war gottfroh, als ich mein Abschlusszeugnis in den Händen hielt und mich da entfernen konnte. Leider wusste ich, dass ich noch eine Ausbildung machen musste und auch da schleppte ich mich mit Ach und Krach hindurch.
Ich tat immer gerade genauso viel, dass ich durchkam (meine Zeugnisse waren nie die Besten) und ansonsten verschwendete ich keinen Gedanken an Schule, Bildung und Ausbildung. Es war etwas Lästiges, was man machen muss, um Leben zu können, aber es war nie meins. Nicht umsonst hatte ich keinen Plan, was ich vom Leben wollte und begann eine Ausbildung zur Altenpflegerin, weil mein Vater mir das damals so vorschlug. Ich war ihm dazumal dankbar, dass er mir eine Richtung vorgab, da ich nicht gewusst hätte, wohin. Manchmal benötigt man die Menschen im Leben, die einem eine Richtung vorgeben und man nur noch folgen muss, damit der Kopf frei ist, für andere Dinge.

Wovon träume ich derzeit?

Im Moment träume ich von meinem eigenen Buch. Schon früher hatte ich den Wunsch Autorin zu werden, in meine Traumwelt eintauchen zu können und diese aufzuschreiben und den positiven Nebeneffekt davon zu merken: mit meinen Träumen Geld zu verdienen.

Seit einem halben Jahr ist das erste Kapitel meines Buches fertig. Im April abgespeichert. Seitdem liegt es abgespeichert auf dem Desktop, ungelesen, unbearbeitet. Ich habe die gesamte Geschichte in meinem Kopf. Vom Anfang, bis zum Happy End, alles schon ausgedacht, aber ich bringe es nicht fertig, mich konzentriert hinzusetzen und es aus meinem Gedächtnis abzutippen. Es ist für mich gar nicht so einfach, wie ich erst dachte! Das erste Kapitel schrieb ich schon dreimal um, weil ich mich nicht für eine Erzählform entscheiden kann. Derzeit bin ich glaube bei der “Ich-Form”. Um mir Inspirationen zu suchen, lass ich die letzte Woche glaube fünf oder sechs Romane und mir fiel auf, dass eigentlich alle in demselben Stil gehalten sind und überlege, ob ich den Stil übernehmen soll.

Allerdings ging mir auf, dass meine Geschichte, eine von hunderttausenden Ähnlichen sein wird und ich wahrscheinlich nie damit bekannt werden kann. Ergo, fällt das gut Geld verdienen damit auch flach. Warum bin ich so scharf darauf, damit Geld zu verdienen? Da ich leider immer noch (obwohl ich es mit Gottes Hilfe besser wissen müsste) Existenzängste habe. Das liegt wohl auch daran, dass ich schon von zu Hause gewohnt war, auf jeden Pfennig achten zu müssen. Wir waren nie reich und konnten uns oft etwas nicht leisten. Und eigentlich hatte ich mir geschworen, dass dies nie wieder so werden soll, was mich u.a. auch in die Schuldenfalle geführt hat, aus der ich dank meines Mannes wieder rauskam, aber wir sind nun mal eine Familie mit vielen Kindern und über kurz oder lang wird es finanziell so nicht weitergehen. Ich fühle mich mit in der Rolle der Mit-Verantwortlichkeit für meine Familie. Auch wenn mein Mann diese Aufgabe für sich auserkoren hat und sie wirklich nach bestem Wissen und Gewissen ausführt, denke ich mir immer, ich muss auch meinen Beitrag dazu leisten. In meinen alten Beruf, als Altenpflegerin, will ich unter keinen Umständen zurückkehren, wenn es sich irgendwie vermeiden lässt und von zu Hause weg möchte ich auch nicht. Ich möchte mein eigener Chef bleiben, so wie ich das seit über sechs Jahren als Hausfrau nun gewohnt bin. Ich kann tun und lassen was ich will, mir meine Arbeit selbst einteilen und muss niemand für das was ich tue Rechenschaft ablegen. Ja, das nennt man wohl verwöhnt, ich stehe dazu. Allerdings könnte ich diesen Blog niemals führen, wenn ich neben der Familie noch extern in einer Firma arbeiten würde, dafür würde mich dann schlichtweg die Zeit fehlen.

Schreiben benötigt Zeit.

Viel Zeit! Überlegen, tippen, überlegen, ändern, tippen, liegen lassen, durchlesen, ändern, tippen, ändern und dann irgendwann drückt man auf den Button, auf dem Veröffentlichen steht, obwohl man trotzdem noch nicht ganz zu hundert Prozent zufrieden mit dem Ergebnis ist, aber keine Lust mehr hat, nochmals über den Text zu gehen. So geht es mir mal. Ich verändere im Nachhinein auch noch oft etwas. Und genau das geht bei einem Buch nicht! Was mich überlegen lässt, ob ich das wirklich möchte. Klar liest eine/e LektorIn vor Veröffentlichung drüber und korrigiert, aber trotzdem sind es meine Worte. Zudem hängt noch viel mehr daran, als wenn man einen eigenen Blog führt, aber darum mache ich mir dann Gedanken, wenn es soweit ist.

Hier tippe ich monatlich, ohne mit der Wimper zu zucken, innerhalb kürzester Zeit, tausende von Worte, aber bei einem Buch habe ich Hemmungen. Schön blöd!

Ein Buch wird veröffentlicht, Menschen kaufen es und lesen es. Dann stellt man es in ein Bücherregal, dort verbleibt es ein paar Monate, Jahre oder vielleicht Jahrzehnte. Manchmal wird es nochmals gelesen, manchmal verstaubt es dort einfach und wird nach einiger vielleicht sogar entsorgt, oder in der heutigen Zeit, vom E-Book Reader gelöscht. Aber ich als Autorin habe keinen Einfluss mehr auf den Text. Er ist geschrieben und gedruckt, für immer so verewigt, mit meinem Namen und ich kann nichts mehr daran ändern. Das ist so meine innerliche Hirnblockade. Würde mich gerade interessieren, ob es anderen Autoren ebenso geht….?

Falls ich also für längere Zeit nichts mehr von mir hören lassen, bin ich eventuell gerade dabei, mein Buch fertig zu schreiben… 😉 Ach ja, es soll ein Liebesroman werden. Nicht geistliches oder religiöses oder sonst irgendwas, über das man sinnieren oder nachdenken muss, sondern einfach nur etwas zum träumen, entspannen und wohlfühlen. Bin gespannt ob ich es irgendwann mal noch schaffe!

Bilder mit freundlicher Genehmigung von Foto von Sharon McCutcheon auf Unsplash und Foto von Aaron Burden auf Unsplash
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