Regel 6: Räum erst einmal dein Zimmer auf, ehe du die Welt kritisierst

Eine meiner Lieblingsregeln. Erinnert mich an den bei uns gängigen Spruch: “Kehre erst einmal vor deiner eigenen Haustüre.”

Wie schon erwähnt hat Peterson sich intensivst mit den dunkelsten Kapiteln unserer Geschichte auseinandergesetzt.
Nicht nur das, auch mit dem “Phänomen” der Massenmörder. Er hat unter anderem auch die Tagebücher der beiden Attentäter der Columbine High School und die Autobiografie von Carl Panzram, einem der gefährlichsten Serienmörder des 20. Jahrhunderts, gelesen.

Eines haben quasi alle Attentäter, und auch viele Serienmörder, gemeinsam: sie haben ein Problem mit der Realität, das religiös grundiert ist. In ihrer Kindheit haben sie schlechte Erfahrungen gemacht, wurde gemobbt, missbraucht, waren in Kinderheimen oder Erziehungsanstalten. Sie halten das Dasein für zutiefst ungerecht und korrupt – und speziell das menschliche Wesen für eine verachtenswerte Erscheinung. Sie erklären sich zu den obersten Richtern über die Realität und verurteilen diese. Die reale Welt ist für solche Menschen ungenügend und böse, deshalb zur Hölle damit!
Sie wollen sich mit ihrer Zerstörungswut quasi an Gott selber – oder ihrem “Dasein” – rächen. Ähnlich wie Kain seinen Bruder Abel nicht nur aus Neid und Eifersucht erschlug: er wollte sich mit diesem Brudermord auch gegen Gott selbst auflehnen.

Andererseits gibt es immer und überall Menschen, die eine albtraumhafte Vergangenheit hinter sich lassen können und noch des Guten fähig sind. Diese Leistung kann einem manchmal schon übermenschlich vorkommen.

Peterson verweist hier unter anderem auf Alexander Solschenizyn.
Er litt gleich unter zwei Tyrannen, Stalin und Hitler, durchlebte die Hölle eins sowjetischen Straflagers, und bekam am Ende auch noch Krebs. Wie sollte er da nicht mit Zorn auf sein eigenes Leben zurückblicken?

Solschenizyn gestattete sich jedoch keine Rachegefühle. Stattdessen stellte er sich die schwerste aller Fragen: Hatte er etwa selbst zur Katastrophe seines Lebens beigetragen? Und wenn ja, wie?
In seinen frühen Jahren war er mit ungetrübter Begeisterung für die kommunistische Sache dabei. Wo geriet er auf die schiefe Bahn? Wie oft hatte er gegen sein Gewissen gehandelt? An Aktionen teilgenommen, von denen er wusste, dass sie falsch waren? Wo hatte er sich selbst belogen?
Solschenizyn durchforstete sein ganzes Leben und stellte sich dann noch eine Frage: Ließen sich solche Fehler heute vermeiden? Wie könnte er die angerichteten Schäden wenn möglich wieder gut machen?
Seine Erkenntnisse schrieb er in einem Buch nieder: Der Archipel GULAG. Dieses Buch schlug ein wie eine Bombe und zerstörte die Glaubwürdigkeit des Kommunismus als Ideologie und Gesellschaft.
Anstatt sein Schicksal zu verwünschen, traf Solschenizyn die Entscheidung, sein Leben zu ändern, und erschütterte damit das kranke kommunistische System bis ins Mark.

Was können wir aus seinem Beispiel lernen?

Betrachte einmal dein eigenes Leben. Fang mit den kleinen Dingen an:

  • Hast du die Chancen genutzt, die dir geboten wurden?
  • Hast du dich mit deinem Bruder/deiner Schwester…. vertragen?
  • Behandelst du deinen Partner und/oder deine Kinder mit dem nötigen Respekt?
  • Hast du Angewohnheiten, die deine Gesundheit und dein Wohlbefinden ruinieren?
  • Hast du gegenüber Freunden und Familienmitgliedern gesagt, was gesagt werden muss?

Hast du dein Leben aufgeräumt?

Wenn nein, versuch es doch einmal damit: tu nichts mehr, was du für falsch hälst. Und fang noch heute damit an. Nicht lange hin und her überlegen, einfach machen. Und manchmal weiß man auch ohne Begründung, was richtig und falsch ist, höre also auch auf dein Bauchgefühl (Gewissen?).

Beende, was aufhören muss. Sage nichts mehr, was dich schwächt oder beschämt. Sage nur noch Dinge, die dich stärken. Und tu nur noch Dinge, die dir zur Ehre gereichen.
Versuche nicht, bestehende staatliche Verhältnisse zu ändern, ehe du Ordnung in deine eigenen Erfahrungen gebracht hast. Ein bisschen Demut kann nicht schaden 😉 Wenn du nicht mal in deinen eigenen vier Wänden Frieden und Ordnung schaffen kannst, wie kommst du darauf, du könntest eine Stadt regieren? Oder gar ein Land?

Als Christen haben wir dabei nicht nur unser Gewissen als Wegweiser, sondern wir dürfen uns auch auf Gottes Führung verlassen:

“Mein Sohn, vergiss meine Weisung nicht, und dein Herz behalte meine Gebote, denn sie werden dir langes Leben bringen und gute Jahre und Frieden;…” Sprüche 3, 1+2, Lutherübersetzung

Also los, versuche das mal! Und beobachte, was dabei raus kommt.

Wer weiß, wie das Leben sein könnte, wenn wir alle nur nach dem Besten streben? (J. Peterson, S.251)

Darum: Räume erst einmal dein Zimmer auf, ehe du die Welt kritisierst.

Hier geht’s zur Einleitung der Serie, wo ich die einzelnen Regeln nach Erscheinen der Beiträge verlinke.

Bild mit freundlicher Genehmigung von Bild von "Pexels" auf pixabay.com