Regel 7: Strebe nach dem, was sinnvoll ist (nicht nach dem, was vorteilhaft ist)

Eigentlich sollte diese Regel selbstverständlich sein, ist sie aber nicht. Viele Menschen streben nur nach ihrem eigenen Vorteil. Wir sind eine Gesellschaft voller Egoisten. Jeder ist sich selbst der Nächste. Warum soll man nicht einfach alles mitnehmen, dessen man habhaft werden kann, wann immer sich die Gelegenheit bietet? Alle Güter des Lebens auszukosten mag ein flüchtiges Vergnügen sein, doch es ist ein Vergnügen. Und es wirkt als Barriere gegen den Schrecken und die Schmerzen der Existenz. Allerdings hält diese Barriere nicht sehr lange.

Ordnung und Chaos

Wir leben ständig zwischen den beiden Extremen Chaos und Ordnung. Unsere rechte Hirnhälfte ist darauf ausgerichtet, sich mit allem Unbekanntem und Neuem – also Chaos – auseinanderzusetzen. Die linke Hirnhälfte ist für Routinen und Altbekanntes – also Ordnung – zuständig.

Wir brauchen beides in unserem Leben. Ordnung ist gut, aber zu viel davon ist schlecht und kann ausarten, oder uns wird einfach langweilig. Chaos hält uns aktiv, fordert uns, lässt unser Leben nicht langweilig werden. Aber zu viel Chaos ist ebenfalls nicht gut, denn dann sind wir verloren.

Für uns heißt es jetzt, einen Mittelweg zu finden. Genug Ordnung und Routine, aber auch Chaos und Neues. Und dieser Mittelweg – dieser Ort, an dem man das Gefühl (sogar körperlich) hat, dass einfach alles passt – lässt sich mit dem Sinn, der Bedeutung unseres Lebens definieren.

Für Jordan Peterson ist die Erkenntnis, einen Sinn im Leben zu brauchen, die wichtigste überhaupt. Wenn mein Leben einen Sinn hat, bin ich gegen die Tragik dieses Lebens, die Bosheit und Ärger hervorbringt, gewappnet.

Leben ist Leiden. Das ist eine fundamentale Wahrheit.
Es gibt das Böse. Auch das ist wahr.
Lebenssinn ist das Gegenmittel dazu.

Was genau ist denn nun sinnvoll?

Schnelle Befriedigung der eigenen Bedürfnisse – zweckmäßiges Handeln – mag auf kurze Sicht vorteilhaft sein. Auf lange Sicht jedoch bringt es uns nichts. Diese egoistische Einstellung ist zutiefst nihilistisch und sinnlos.

Etwas sinnvolles tun bedeutet, seine Zeit dafür zu verwenden, dass Dinge besser werden statt schlechter. Die Welt zu einem bessern Ort machen. Peterson nennt hier Jesus als das beste Vorbild dafür (auch wenn er persönlich die Bibel nur als eine Ansammlung von Geschichten sieht).
Sinn bedeutet Glaube, Mut und Opferwillen. Das Bewusstsein, dass Handlungen und deren Voraussetzungen von Bedeutung sind. Das Gleichgewicht zwischen Chaos und Ordnung.

Was ist mein Lebenssinn?

Das muss jeder für sich selber herausfinden. Beobachte dich selber mal. Denke abends über deinen Tag nach und frage dich: “Wann hatte ich heute das Gefühl, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein und das Richtige zu tun?” Vielleicht war es ein tiefgründiges Gespräch mit einer Freundin. Oder eine Begegnung mit jemand Fremden am Bahnhof. Oder es war ein Musikstück oder Lied, das dich in einem Moment besonders berührt hat. Oder ein gemütlicher Abend mit deinem Partner.

Beobachte das eine Zeit lang. Es wird sich immer mehr herauskristallisieren, wann, wo und mit wem du dieses – körperlich spürbare – Gefühl hast, dass gerade einfach alles passt, und dass du etwas sinnvolles tust. Und dann strebe danach, immer mehr Zeit an diesem “Ort” zu verbringen.

Ich selber habe diese Erfahrung, meinen perfekten “Ort” zwischen Chaos und Ordnung in beruflicher Hinsicht zu finden, während meiner Ausbildung zur Krankenschwester gemacht.

Ich hatte Praktikas, die waren einfach nur der Horror: Ich passte irgendwie nicht ins Team, oder der Stationsablauf war mir zu chaotisch, oder ich hatte das Gefühl, zu wenig Zeit für Patienten zu haben etc. Die Arbeit dort machte mir keinen Spaß und morgens aufstehen zu müssen war eine Qual.

Und dann gab es aber auch das Gegenteil: Praktikas, in denen einfach alles passte. Ich fand sofort meinen Platz im Team, hatte Spaß an der Arbeit, lernte gern und viel.
Natürlich gab es auch Praktikas, die nicht schlecht waren, aber dieses “Etwas” – dieses Gefühl – fehlte dort trotzdem.

Irgendwann machte es dann “klick” in meinem Kopf und ich erkannte: meine schönsten Praktikas waren alle in der Altenpflege, Kinderkrankenpflege und im OP. Und die schlimmsten waren durchwegs im Krankenhaus. Also war für mich klar, wo ich in Zukunft arbeiten werde.

Heute bin ich froh, meine Traumstelle in der Altenpflege gefunden zu haben und kenne dieses Gefühl, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, sehr gut, denn das habe ich wirklich jedesmal, wenn ich arbeiten gehe ❤️

Also: Hör auf dein Bauchgefühl. Du selbst weißt am besten, was du gerne machst und was dir dieses “Gefühl” gibt, dass einfach alles passt und dein Leben einen Sinn hat.

Tue das, was sinnvoll ist, nicht das, was zweckmäßig ist.

Besser wenig mit Gerechtigkeit als viel Einkommen mit Unrecht.” Sprüche 16,8 Lutherübersetzung

Hier geht’s zur Einleitung der Serie, wo ich die einzelnen Regeln nach Erscheinen der Beiträge verlinke.

Bild mit freundlicher Genehmigung von silviarita, pixabay

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