Regel 8: Sag die Wahrheit (oder lüge zumindest nicht)

“Wer immer die Wahrheit sagt, kann sich ein schlechtes Gedächtnis leisten.” Theodor Heuss

Zum Schreiben dieses Beitrages habe ich diesmal nicht nur das Buch verwendet, sondern mir auch Vorlesungen, Vorträge und Interviews von und mit Jordan Peterson zum Thema “Lügen” auf YouTube angeschaut.

Lügen schadet

Nicht nur dem Belogenen, sondern vor allem dem Lügner selber.
Peterson vergleicht das Lügen mit dem Kampf des griechischen Halbgottes Herkules gegen die Hydra:

Man setzt eine Lüge in die Welt, rechnet auch mit ein, zwei Konsequenzen daraus – aber dann kommen eigentlich immer auch noch Konsequenzen dazu, die man nicht bedacht hat! Für diese muss man sich neue Lügen ausdenken, um die erste aufrecht erhalten zu können. Aber auch die haben wieder Konsequenzen usw. und ehe man sich versieht, hat sich aus einer “kleinen” Lüge ein großes Lügengebilde entwickelt, das instabil ist und irgendwann zusammenbrechen muss.

Jeder Mensch lügt. Jeden Tag. Aus unterschiedlichen Gründen. Und oft merken wir es selber schon gar nicht mehr.
Das schlimmste daran: Lügen macht uns schwach!
Gott wusste ganz genau, warum er dieses Thema explizit in seine 10 Gebote aufnahm. Und warum im Johannesevangelium 8,32 geschrieben steht: “…und die Wahrheit wird euch frei machen.”

Peterson berichtet in seinem Buch, dass es während seiner Ausbildung eine Zeit gab, in der er sich quasi selber bei allen Tätigkeiten beobachtete. Als würde er aus zwei Teilen bestehen: einer, der handelt und spricht, und einer, der beobachtet und beurteilt.
Und durch dieses Beobachten wurde ihm bewusst, wie oft er Sachen sagte, die nur nachgeplappert waren und nicht seine eigene Meinung, die er sich wirklich erarbeitet hatte. Wie er ganz gezielt Worte benutzte, um sein Gegenüber zu beeindrucken, in einer Diskussion zu obsiegen, oder zu bekommen, was er wollte. Er manipulierte gezielt sein Umfeld. Es war vielleicht erst mal zu seinem Vorteil, aber auf Lügen basierend hat es ihn nicht gestärkt, sondern im Gegenteil geschwächt.

Als ihm dies bewusst wurde begann er, nur noch Dinge zu äußern, gegen die seine “innere Stimme” nichts einzuwenden hatte.
In einem Vortrag beschreibt er das Gefühl, das er bekommt, wenn er lügt, als ein Unwohlsein im Bereich des Solar Plexus (Magengegend). Viele seiner Studenten beschreiben dasselbe Phänomen. Ich kann aus eigener Erfahrung sagen: bei mir ist es genauso.

Und laut Peterson sollen wir auf dieses buchstäbliche Bauchgefühl hören. Unser Gewissen weiß genau, ob das, was wir sagen wollen, wahr ist. Wir müssen oft nur wieder neu lernen, darauf zu hören.

Auch Verschweigen ist Lügen

Es gibt auch Situationen, in denen man zwar nicht direkt lügt, aber einen Teil der – oder die komplette – Wahrheit einfach verschweigt. Das kann man dem Lügen gleichsetzen. Vor allem, wenn es dringend nötig wäre, die Wahrheit zu sagen, und man trotzdem schweigt.

Mir ist nach langem überlegen aufgefallen, dass ich sehr zu dieser Art von “lügen” neige.
Ich bin ein harmonieliebender Mensch. Spannungen zwischen mir und meinen Mitmenschen mag ich überhaupt nicht und wenn möglich gehe ich Konflikten aus dem Weg. Deshalb neige ich dazu, Probleme einfach nicht anzusprechen. “Um der Harmonie willen”.

Ich belüge aber damit mein Gegenüber, weil ich ihm etwas Wichtiges verschweige. Und auch mich selbst, weil ich mir einrede, dass ich das ja nicht unbedingt ansprechen muss weil: “Ich werde schon irgendwie damit klarkommen”. Oder ich suche den Grund für die Probleme in mir selber oder anderen Sachen, nur nicht in der betreffenden Person.
Aber seit einigen Wochen merke ich: das frisst mich innerlich auf. Ich muss dringend lernen, die Wahrheit zu sagen und Sachen anzusprechen, auch, wenn daraus Konflikte entstehen können.

Wahrheit schafft Ordnung aus dem Chaos

Unsere Erde war einmal pures Chaos, bevor Gott es durch sein gesprochenes Wort in Ordnung, in sinnvolles, perfektes Sein verwandelte.
Mann und Frau sind nach dem Ebenbild Gottes geschaffen worden. Wir wandeln also durch unsere Worte, durch Sprache, das Chaos ebenfalls um.

Die Wahrheit sagen bedeutet für Peterson, die bewohnbarste Realität zu schaffen, in der man leben kann. Wahrheit schenkt Völkern Wohlstand und Sicherheit. Sie nährt und kleidet die Armen.
“Wahrheit ist die höchste, unerschöpfliche menschliche Ressource. Sie ist das Licht in der Dunkelheit.” (S. 354)

Wenn dein Leben nicht das ist, was es sein könnte, dann versuch doch mal, die Wahrheit zu sagen.
Wenn du dich schwach und verschmäht fühlst, verzweifelt und verwirrt, versuche, die Wahrheit zu sagen.
“Im Paradies sagt jeder die Wahrheit. Das macht es zum Paradies.” (S. 355)

Versuche, die Wahrheit zu sagen. Oder lüge zumindest nicht.

Hier geht’s zur Einleitung der Serie, wo ich die einzelnen Regeln nach Erscheinen der Beiträge verlinke.

Bild mit freundlicher Genehmigung von Bild von Roland Schwerdhöfer auf pixabay

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