Regel 10: Sei präzise in deiner Ausdrucksweise

Diese Regel kann man, wie im letzten Blogartikel erwähnt, als Ergänzung zur vorherigen nehmen. Wenn man die Wahrheit sagt, sollte man sie auch präzise formulieren.

Der Elefant und der Drache

Kennt ihr den englischen Ausdruck “the Elephant in the room“? Damit beschreibt man ein Problem, das für jedermann offensichtlich ist, aber einfach totgeschwiegen wird. Man ignoriert es in der Hoffnung, dass es von alleine verschwindet. Aber es ist da. Groß und unübersehbar.

Jordan Peterson verwendet in seinem Buch für dasselbe Bild einen Drachen. Der Drache ist unter anderem ein Symbol für das Chaos. Groß und bedrohlich, unberechenbar, angsteinflößend. Ein Monster, das Tod und Zerstörung bringt.

Wenn Beziehungen in die Brüche gehen fragen sich die Beteiligten meistens erst mal: Wie konnte das passieren?! Wie kam es soweit? Was war der Grund?

Fast immer sind es Probleme, die – bewusst oder unbewusst – einfach ignoriert wurden.
Wir verstecken den Drachen unter einem Teppich und leugnen seine Existenz. Dort in der Dunkelheit wächst und gedeiht er.
Peterson schreibt dazu:

“Ignorierte Realität verwandelt sich in die große Göttin des Chaos zurück, das große Ungeheuer des Unbekannten, das große Raubtier […]
Wenn die Kluft zwischen Anspruch und Realität nicht an- oder ausgesprochen wird, wird sie immer breiter werden, Sie werden hineinstürzen mit schlimmen Folgen. Ignorierte Realität manifestiert sich in einem Abgrund von Verwirrung und Leiden.”
(S. 424)

Das passiert, wenn man die Wahrheit gar nicht oder nur vage anspricht. Vage Aussagen schaffen keine Klarheit, nur Ungewissheit und dadurch Angst. Wo hört das eine auf und wo fängt das andere an? Die Welt wird so viel zu komplex, um sie zu begreifen.

Sei ein Ritter

Wenn wir Problemen begegnen, müssen wir sie daher mutig beim Namen nennen und klar definieren. Wir ziehen uns quasi eine Rüstung an und konfrontieren den Drachen, blicken ihm direkt ins Aug.
Dann kann es sein, dass er plötzlich gar nicht mehr so groß ist, wie wir dachten. Durch eine präzise Ausdrucksweise wird er vereinfacht und begreifbar – das Chaos wird langsam aber sicher in Ordnung umgewandelt.

Oft kommt es vor, dass wir einen mehr oder weniger heftigen Kampf gegen den Drachen fechten müssen. Mit hoher Wahrscheinlichkeit tragen wir auch Wunden davon. Aber wir haben gekämpft und ihn besiegt, wir sind vorbereitet in die Schlacht gezogen anstatt uns unserem Schicksal zu ergeben.

Genau definieren

Wollen wir Probleme bewältigen, müssen wir uns also sehr präzise ausdrücken:
– WAS GENAU ist es, das nicht stimmt? Oder:
– WAS GENAU macht mich unglücklich? Und vor allem:
– WAS GENAU will ich eigentlich?

Das ist alles gar nicht so einfach zu beantworten. Darüber müssen wir erst einmal selber nachgrübeln. Wir müssen uns klar werden, wer wir waren, wer wir gerade sind, und wer wir sein wollen. Nur dann können wir diese Fragen akkurat beantworten und darüber auch präzise kommunizieren.

Stell dich dem Chaos des Seins und nimm die Flut von Problemen ins Visier.
Gestehe dir ehrlich ein, was du wirklich willst.
Sag den Menschen in deiner Umgebung, wer du bist.

Und sei präzise in deiner Ausdrucksweise.

Hier geht’s zur Einleitung der Serie, wo ich die einzelnen Regeln nach Erscheinen der Beiträge verlinke.

Bild mit freundlicher Genehmigung von sasint bei pixabay

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