Regel 11: Störe nicht deine Kinder beim Skateboard fahren

In diesem Kapitel übt Jordan Peterson harsche Kritik an der heutigen Gesellschaft und ihrem Umgang mit Kindern, besonders Jungs. Ich musste beim lesen die ganze Zeit an den Beitrag von Anni denken: Lasst die Kinder Kinder sein!
Wer eine Zusammenfassung dieser Regel von Peterson selber hören will kann sich
dieses Video anschauen (Englisch!).

Mut

Kinder brauchen Herausforderungen. Sie müssen die Grenzen ihrer eigenen körperlichen Fähigkeiten prüfen können. Sie müssen auf Bäume klettern und mit einem Skateboard den Handlauf eines Geländers hinuntergleiten. Sie müssen ihre Angst überwinden und Neues ausprobieren. Sie müssen lernen, was sie sich selbst zutrauen können.

Jungs können sich so (und auch durch physische “Revierkämpfe”, die wir nicht unterbinden sollten) unter anderem einen (möglichst hohen) Status innerhalb ihrer Gruppe erkämpfen und halten. Zeigen, was sie können, dass sie besser sind als andere. Und Eindruck schinden bei den Mädels 😉

Mädchen lernen durch solche Herausforderungen unter anderem, auf eigenen Beinen zu stehen. Sie entdecken quasi ihre “innere Männlichkeit”, die ihnen später im Leben weiterhelfen kann, da Mädchen/Frauen nunmal dazu neigen, viel zu umgänglich zu sein.

Kinder müssen lernen, was es bedeutet, mutig zu sein, das Unbekannte auszuprobieren und zu meistern, Fähigkeiten zu perfektionieren und über sich selbst hinauszuwachsen.

Nur wird ihnen das heute kaum noch irgendwo erlaubt.
Alles ist zu gefährlich. An Geländern werden “Skatestopper” angebracht, um Kinder und Jugendliche mit ihren Skateboards fernzuhalten (Beispiel aus Petersons Buch, so geschehen auf dem Gelände der University of Toronto), Spielgeräte auf Spielplätzen müssen einer gewissen Sicherheitsnorm entsprechen, Eltern neigen oft dazu, übervorsichtig zu sein und ihren Kindern nichts zuzutrauen…

Sicherheit ist gut und richtig. Aber zu viel Sicherheit verdirbt den Kinder den Spaß am Spielen. Wir Menschen brauchen immer eine gewisse Gefahr, sonst ist eine Tätigkeit nicht mehr verlockend. Das zieht sich durch alle Lebensbereiche und Altersgruppen.
Wir minimieren das Risiko nicht, wir optimieren es.
So erreichen wir, was wir wollen, und pushen uns gleichzeitig auch ein bisschen, um uns weiterzuentwickeln.

Männlichkeit

In unserer heutigen Gesellschaft werden starke Männer meist als etwas Schlechtes, Gefährliches angesehen.
In den Augen vieler (vor allem links-liberal geprägter) Menschen basiert unsere westliche Kultur auf dem tyrannischen Patriarchat.
Alle Männer in Spitzenpositionen missbrauchen nach dieser Logik also ihre Macht, um Erfolg zu haben. Dafür gebraucht man heute oft den Ausdruck toxische Maskulinität.

Peterson spricht sich absolut gegen diese Ansicht aus. Maskulinität ist nicht toxisch, sie ist wichtig und unverzichtbar für Jungs und Männer!
Ja, in unserer Kultur gibt es viele erfolgreiche, mächtige Männer. Die Ausweitung ihrer Macht war allerdings nicht DAS Ziel auf ihrem Weg zum Erfolg – es war nur eines von vielen! In unserer Gesellschaft basiert der persönliche Erfolg immer noch hauptsächlich auf unseren Fähigkeiten.

Wie viele Errungenschaften eben jener erfolgreicher Männer sind uns Frauen zugute gekommen?
Damenhygieneartikel, die Anästhesie und der Kaiserschnitt zur Unterstützung bei schweren Geburten, Haushaltsgeräte… Sie alle wurden von Männern entwickelt, die das Leben ihrer und aller Frauen verbessern wollten.

Die Frauenwelt scheint im allgemeinen übrigens nicht der Meinung zu sein, dass Männlichkeit etwas schlechtes ist. Frauen wollen “echte” Männer. Nette Jungs werden höchstens als Freunde gesehen.
Frauen wollen einen Partner, der sich um sie und die Kinder kümmern kann. Sie wollen ganz bestimmt keinen Partner, um den sie sich (womöglich auch noch neben den Kindern) kümmern müssen. Darum heiraten Frauen (grundsätzlich in allen Gesellschaftsschichten und auf der ganzen Welt) Männer, die eine gleichgestellte oder bessere Position auf dem in der Gesellschaft und auf dem Arbeitsmarkt haben. Männer hingegen haben kein Problem damit, “nach unten” zu heiraten.

In unseren Schulen werden Jungen heute leider oft als “fehlerhaft” angesehen. Sie sind zu laut, zu wild, zu aggressiv, zu rebellisch – und man müsse ihnen das alles austreiben. Man will sie verweichlichen – oder “verweiblichen”.
Dies widerspricht jedoch komplett ihrer männlichen Natur. Die rebellische, aggressive Phase auf dem Weg zur Selbstständigkeit ist ein natürlicher Prozess in der Entwicklung eines Jungen. Dort einzugreifen und diesen wichtigen Schritt zu unterdrücken kann fatale Auswirkungen haben.

Verweichlichte Jungs können sich innerhalb ihrer Gruppe nicht behaupten, haben wenig Aussicht auf beruflichen Erfolg, geschweige denn Erfolg bei den Frauen. Oft landen sie – sozial isoliert und verbittert – bei einem Psychologen, der ihnen erste einmal helfen muss, die rebellische Phase nachzuholen und endlich selbstständig zu werden.

Fazit

Diese Regel, dieses Kapitel aus Jordan Petersons Buch (es dürfte übrigens das längste von allen sein und umfasst noch soviel mehr, als ich hier angekratzt habe) hat mir sehr geholfen, meine beiden eigenen Jungs in einem anderen Licht zu sehen. Ich kann gewisse Verhaltensweisen nun besser verstehen und in Zukunft hoffentlich auch anders darauf reagieren.

Kinder brauchen Gefahr für eine gesunde Entwicklung.
Jungs müssen Jungs sein dürfen.
Mädchen sollten wir zur Unabhängigkeit Ermutigen.
Wir sollten Kinder nicht vor Gefahr bewahren, sondern ihnen bestmöglich bei den Vorbereitungen dazu helfen, die Gefahr möglichst unbeschadet zu überstehen.

Also: Lassen wir die Kinder in Ruhe, wenn sie Skateboard fahren.

Hier geht’s zur Einleitung der Serie, wo ich die einzelnen Regeln nach Erscheinen der Beiträge verlinke.

Bild mit freundlicher Genehmigung von sweetlouise auf pixabay
0

3 Replies to “Regel 11: Störe nicht deine Kinder beim Skateboard fahren”

  1. Danke liebe Tamara für diesen wunderbaren Beitrag. Ja, unsere Jungs sind in Gefahr, aber nicht erst seit unserer Generation, das hat schon in der Generation vor uns begonnen. In der Zeit, als die Frauen meinten, sie bräuchten keinen Mann für die Erziehung eines Kindes. Das waren die 80er und 90er und das prägt uns bis heute. Viele Jungs sind nur bei ihrer Mutter aufgewachsen und die Jungs haben oft nur die weibliche Sicht der Dinge mitbekommen.
    Ein Vater ist mutiger und testet auch mal die Grenzen seiner Jungs. Fordert sie heraus, unterstützt sie in ihrem Sein. Das haben viele aus unserer Generation gar nicht mehr mitbekommen, daher können sie es auch nicht an ihre Kinder weitergeben.

    Heute, so kommt es mir vor, ist das Kind ein heiliges Gut, an das ja nichts kommen darf. Alles ist verboten, überall wird gesichert und abgesichert. Kinder dürfen nicht mehr frei herumrennen. Sie haben starre Grenzen, in denen sie sich nicht entfalten können und darauf werden unsichere Erwachsene, unsichere Männer, die nicht wissen, was ein richtiger Mann ist. Nicht umsonst schießen die Mannsein-Kurse, auch im christlichen Bereich, aus dem Boden.

    Die Frau hat sich in den letzten Jahren emanzipiert und der Mann hat sich von der Frau überrollen lassen. Hinzu kommt resultierend aus dem Ganzen die Gendertheorie die besagt, dass Mann und Frau gleich sind. Was absoluter Quark ist. Aber es glauben leider viel zu viele, auch im christlichen Bereich. Mann und Frau sind gleichwertig, ja, aber nicht gleich und folglich haben Jungs und Mädels auch vollkommen andere Ansprüche. Aber ich habe da glaub eh schon mal einen Blogbeitrag darüber geschrieben, wenn ich mich recht erinnere…

    0

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.