Die unterschiedlichen Vorstellungen unter Christen und zwischenmenschliche Kämpfe

Aufgrund einer Diskussion, die mich sehr mitgenommen hat, heute einen Blogbetrag darüber.

Ich hatte auf Facebook, in einer christlichen Familiengruppe, den letzten und sehr guten Blogbeitrag von Tamara geteilt, über Erziehung von Kindern und darunter erstreckte sich, direkt in der Gruppe, eine sehr nervenaufreibende Diskussion.
Zum Glück ist Tamara auch in der Gruppe und konnte gleich auf die Beleidigungen gegen ihre Person reagieren. Sie wurde persönlich angegriffen, sowie der ganze Blog, obwohl die Kommentatorin keinen Plan von der Blogserie sowie den restlichen Inhalten des Blogs hatte. In ihrem Kopf war eine vorgefertigte Meinung und so war das dann wohl. Es hat sich während des Gespräches dann noch eine zweite Frau in die Diskussion mit eingemischt, die auf einmal völlig haltlose Behauptungen aufstellte, die man so aus dem Blogbeitrag gar nicht ziehen konnte. Und so eskalierte das Gespräch irgendwie.

Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber mich machen solche Diskussionen immer total fertig, weil man einfach das Gefühl hat, man kann sagen was man will, das Gegenüber versteht es ja doch falsch.

Tamara ist da cooler als ich, sie meinte zu mir im Nachhinein, sie lasse sich von solchen Diskussionen nicht mehr runterziehen. Sie sage sich immer, die Personen sind einfach nicht auf demselben Erkenntnisstand wie sie und daher könne sie sowas gut loslassen. Und vor allem muss man einfach die Kraft haben, so eine Diskussion abzubrechen, auch wenn von dem Gegenüber weiterhin Spitzen kommen. Einfach links liegen lassen. Ich weiß, sie hat recht. Diese Diskussionen über die sozialen Netzwerke sind im Grunde völlig sinnlos. Sie bringen nichts. Diese Erkenntnis hatte ich im Grunde schon, ließ mich aber wieder mit hineinziehen.

Überheblichkeit

In meinem Kopf ist da vielleicht auch etwas falsch, denn ich verurteile diese Überheblichkeit der freikirchlichen Christen inzwischen aufs Schärfste. So bin ich aufgewachsen: Nur die Freikirchler hätten die einzig wahre Lehre, vertreten den wahren Glauben an den Gott der Bibel, hätten alle Weisheit mit dem Babylöffel gefressen und alle anderen wären dumm. Auch Protestanten und Katholiken werden universal verurteilt. Gut, ich gebe zu, in den Kirchen geht einiges an Mist ab. Dinge, die okkult sind, mit dem Christentum, laut Bibel, nichts zu tun haben wie z.B. Heiligenverehrung oder Zölibat und auch werden biblische Grundsätze über das Zusammenleben des Menschen in Frage gestellt. Das geht natürlich nicht.

Trotzdem gibt es bei den Protestanten sowie Katholiken Gläubige, die es wirklich ernst meinen. In der letzten Zeit sind mir die Katholiken sogar ab und an die Liebsten, da diese standfest bei ihren Überzeugungen bleiben und sich nicht wie ein Fähnchen im Wind drehen, immer dem Zeitgeist entgegen, sich der Welt anbiedern, um Mitglieder „rekrutieren“ zu können.

Und als wäre das noch nicht genug, sind sich viele freikirchliche Ausrichtungen zudem untereinander auch nicht grün. Da gibt es die sehr Konservativen, stark auf die reine Wortlehre fixierten, dann welche die auf eine spezielle Aussage auf der Bibel absoluten Wert legen und alle die da nicht so sehen sind in deren Augen Irrlehrer und dann gibt es diejenigen, die alles sehr modern und jung und hip präsentieren wollen und alles dafür tun um nach außen ein positives Bild von Kirche zu transportieren. Ich halte von keiner der genannten Ausrichtungen was. Denn es ist alles zu einseitig. Gott ist so viel mehr, als unsere starren menschlichen Denkmuster! Denn viele Kirchen und Gemeinden sind laut mir nicht mehr auf Gott aufgebaut, sondern auf menschliche Lehren, wie der Glaube zu sein hat. Daher diese Intoleranz untereinander, vor allem gegenüber Andersdenkenden, egal ob gläubig oder ungläubig.

Solange man sich so uneins untereinander ist, nicht an einem Strang zieht, und diese Überheblichkeit gegenüber Menschen an den Tag legt, die Gott nicht kennen, oder (noch) nichts von Gott wissen wollen, ist die Sache mit der Erweckung nur eine nette Idee, aber praktisch nicht umsetzbar. Wir Christen deckeln den Geist Gottes und seine Kraft und Macht absichtlich, weil wir Gott gar nicht das Zepter überlassen wollen. Wir wollen selbst bestimmen. Der Teufel reibt sich die Hände und freut sich, dass er Unfrieden stiften konnte.

Zermürbend

Das im Hinterkopf war diese Diskussion für mich sehr zermürbend. Vielleicht schätzte ich meine Gegenüber auch falsch ein- was sehr wahrscheinlich ist, aber wenn man mir schon kommt, dass Psychologie und Wissenschaft nicht gut sei, da bekomme ich einen Koller. Ich liebe Wissenschaft! Faszinierte mich schon immer. In einer Gemeinde, in die ich als Jugendliche ging, veranstaltete immer wieder Vorträge die die biblischen Geschichten anhat Wissenschaft und Archäologie bewiesen. Das ist absolut interessant!
Es gibt, besser gesagt gab, einige sehr bekannte und berühmte Wissenschaftler, die Christen sind/ waren. Einer davon war zum Beispiel Sir Isaac Newton. Gut, ein paar auch nicht, der bekannteste ist derzeit wohl der kürzlich verstorbene Physiker Hawkins der bis zu seinem Lebensende Atheist war. Nun ja, jetzt weiß er, dass er falsch lag. (Ja, das ist auch eine Art Überheblichkeit, aber ich glaube an ein Leben nach dem Tod- wenn man an Gott geglaubt hat.)

Weiter hat mir ein YouTube Video einer Wissenschaftlerin die Augen geöffnet, die wissenschaftliche Abhandlungen unter die Lupe nahm. Sie sagte, dass kein seriöser Wissenschaftler behaupten würde, dass seine Ergebnisse unfehlbar seien. Was auch am Ende jeder Arbeit zu finden sei. Und oft würden diejenigen, die Studien auswerten, die Ergebnisse so hindrehen, dass es für ihre Zwecke dienlich sei.

Manipulation der Massen.

Das Problem mit wissenschaftlichen Studien.

Und so bin ich immer und immer wieder froh, dass wir keine Gemeinde besuchen. Sorry, aber ich bin geheilt von den absolut-Lehren. Ich mag diese Engstirnigkeit von vielen meiner Mitchristen nicht mehr und es tut mir von Herzen leid, dass ich auch mal so war und bestimmt einige damit vor den Kopf gestoßen habe. Es sind sehr brillante und kluge Köpfe dabei, die einen immer wieder zum Nachdenken bringen. Selbst Atheisten finde ich interessant, mit denen diskutiere ich ehrlich gesagt am liebsten, wenn sie nicht beleidigend werden. Oft bekomme ich gerade von denjenigen die besten Inputs, die den Glauben aufs Schärfste verurteilen. Diese Menschen leben nicht in der „heiligen Filterblase“.

Zu Gott und seinem Wort stehen, ja, aber die Menschen nicht verurteilen und sie als dumm hinstellen. Eher andersherum, wir sollten uns unter sie stellen. Sie alle als potenzielle Kinder Gottes sehen. Mit Überheblichkeit ist nichts erreicht.

Bild mit freundlicher Genehmigung von Pixabay
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4 Replies to “Die unterschiedlichen Vorstellungen unter Christen und zwischenmenschliche Kämpfe”

  1. Du sprichst mir so aus, der Seele. Habe gestern auch zwei Einträge bei mir darüber gemacht. Es raubt uns auch den Blick auf wesentliches, wenn man „mit macht“! Danke Sis für den Beitrag!

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