Betrübtheit und Ruhenot

Lange überlegt (obwohl “lange” hier auf diesem Blog Definitionssache ist), ob ich mal wieder einen Blogbeitrag schreiben soll. Tamara macht hier am Montag einen wunderbaren Job und Viktor am Freitag und rein theoretisch bräuchte es derzeit gar keinen Blogbeitrag für zwischendurch von mir mehr. Für die regelmäßigen Leser ist es einfacher, wenn nicht so viele Blogbeiträge hintereinander kommen, wie ich mal in einer internen Umfrage herausfand.

Trotzdem ist es mein Blog und irgendwie ist es merkwürdig, wenn die Bloginhaberin so “gar nichts mehr” von sich gibt (gut Übertreibung, denn vergangene Woche war mein letzter Beitrag, aber ich schreibe in aller Regel mehr, viel mehr). Viele private Gedanken und Gefühle fanden in meinem Zweitblog Platz, von denen ich das Gefühl hatte, die passen hier nicht mehr rein, besser gesagt, ich wollte dafür kein so großes Publikum.

Meine letzte Woche

Die letzte Woche war anstrengend für mich. Eine depressive Phase (die ich irgendwie jeden Herbst habe, laut meinem Mann), gesundheitlich angeschlagen (immer noch), Kinder die mich sehr stark herausfordern (als würden sie es riechen, dass es Mama nicht gut geht, dass Mama keine Kraft hat mit ihnen zu Schimpfen) und viele neue Eindrücke und Erkenntnisse bezüglich unserer Ehe (mein Mann und ich beschäftigen uns immer noch intensiv mit unserer gemeinsamen Zeit zu Zweit, die in den letzten Jahren viel zu kurz kam und nun neu sortiert werden muss- sehr anstrengend für mich). Alles in allem war und ist das einfach alles zu viel für mich. Ich fühle mich leer und ausgesaugt. Die Zeit mit Gott wurde auch immer weniger und als ich heute Morgen mal wieder die Andacht las, wurde mir gesagt, ich bräuchte Ruhe um Gottes Stimme zu hören, dass jedoch Ruhe, im Sinne von Umgebungsruhe, in unserer heutigen Zeit fast ein Ding der Unmöglichkeit geworden sei. Na toll! Aber auch wahr.

Hier sind den ganzen Tag die Kids mit mir zu Hause. Immer mindestens eines anwesend, zur Zeit sogar oft zwei, weil eines gerade den Kindergarten verweigert und… meine Kinder sind oft alles andere als ruhig. Was jedoch auch gut ist. Sie haben viel Phantasie und spielen stundenlang lautstark: Polizei, Krankenwagen, Baustelle, … (die Sirenentöne werden verbal mitgeliefert). Und draußen, vor der Tür, die Stadt.

Symbolbild

Obwohl wir am Stadtrand wohnen, ist doch immer Umgebungslärm. Die einzige Zeit ohne Lärm ist von ungefähr 2 bis 5 Uhr in der Nacht, wie ich schon mal festgestellt habe. Während dieser Zeit scheinen alle zu schlafen. Sonst hört man immer im Hintergrund das Brummen der Autos, oder von sonstigen Maschinen aus unserer Bauboom-Stadt. Ja, hier herrscht viel Leben. Viele Menschen. Und immer kommen noch mehr Häuser, noch mehr Menschen hinzu. Die Straßen werden immer voller und auch die Kriminalität steigt immer weiter an.

“Oh Jesus, wie gerne würde ich endlich von hier wegziehen! Irgendwo aufs Land, ohne direkte Nachbarn, wo die Kinder in Freiheit aufwachsen können und ich meine ersehnte Ruhe habe.” Wir beten schon seit Jahren, aber es tut sich nichts. Und ohne, dass Gott einwilligt, dass wir das hier verlassen, möchten wir nichts tun. Eigenmächtigkeiten gehen seltenst gut aus, wie wir aus Erfahrung schon gelernt haben. Wie ich aus Erfahrung schon gelernt habe. Es ist einfach noch nicht die Zeit dafür und wir hoffen sehnlichst, sie kommt bald. Lieber heute als morgen.

Das Leid der Kinder auf dieser Welt

Zudem noch die Eindrücke von den letzten Tagen, bei dem mir mal wieder das Leid der Kinder auf dieser Welt vor Augen geführt wurde (ich empfehle dazu den Blog von Bettina, die ganz intensiv gegen Kinderprostitution kämpft- sie freut sich über die Unterstützung im Gebet) und wie froh wir sein können und dürfen, hier leben zu können.

Kinder, die in Kleinkindjahren irgendwo halbnackt, in Regen, auf der Straße hausen. Ungeschützt. In Kinderbanden zusammengerottet, keine Eltern, die sie in den Arm nehmen, die für sie sorgen, ihnen ein Zuhause, Essen und Kleidung geben. Niemand, der sich für sie interessiert. Wahrscheinlich auch noch das Gegenteil, sie werden immer wieder vertrieben und misshandelt. Kinderprostitution ist in dem Zusammenhang (und nicht nur in dem) weltweit ebenfalls ziemlich sicher ein Thema. Kinder werden ausgebeutet. Sie können sich nicht wehren. Schutzlos dem Bösen ausgeliefert. Da fragt man sich, warum Gott diese Kinder nicht beschützt? Die Antwort wird quasi gleich mitgeliefert: Die Kinder müssen ausbaden, was die Erwachsenen verbrochen haben. Müssen die Gottlosigkeit tagtäglich an Leib und Leben erfahren. Gott ist nicht verantwortlich für das Böse, da sind die Menschen selbst schuld daran und es müssen immer die ausbaden, die gar nicht direkt davon betroffen sind.

Ich weine. Und hoffe, dass Jesus bald kommt und uns in eine bessere Welt führt. In eine Welt ohne Leid, ohne Schmerz, ohne Neid, ohne Bosheit. Aber ich meine zu wissen, dass das wohl noch eine Weile dauern wird. Es muss noch versucht werden, mehr Menschen zu retten und das in einer Zeit, in der der Teufel fast schon seinen Machthöhepunkt erreicht hat. Gott wird ihn in Ketten legen, ihn unschädlich machen! Und auf den Tag freue ich mich. Denn, Gott ist stärker als der Teufel! Immer. Der Mensch muss dafür jedoch Gott vertrauen, an ihn glauben. Ohne den Mensch, der ihn aufnimmt und mit ihm arbeitet, regelmäßig Zeit mit ihm verbringt, im Gebet, kann Gott nichts tun. Das ist sozusagen die Eigenverantwortung des Menschen.

Bilder mit freundlicher Genehmigung von Anni Side | andererseits.at und Pixabay
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