Von Kirchensteuern und Spenden, ist das alles gerechtfertigt?

Kirchengemeinden und deren Finanzierung, immer wieder ein großes Thema in unseren Familien, wenn wir über Kirche und Glaube diskutieren. Auch deswegen, da wir, sowie unsere jeweiligen Eltern und weitere Familienmitglieder, in keine Kirchengemeinde mehr gehen, (derzeit) aus Überzeugung, weil viel zu viel Mist abläuft und abgelaufen ist.

Während bei katholischen und protestantischen Gläubigen die Finanzierung ihrer Kirchen direkt vom Gehalt abgezogen wird, basieren Freikirchen auf einer Spendenbasis. In Freikirchen wird regelmäßig die Zahlung des sogenannten „Zehnten“ gepredigt, der biblisch mit 3.Mose 27,30.32 und 2.Korinther 9,6-7 begründet wird. Im Alten Testament gehörte immer der zehnte Teil der Ernte, von jedem Ertrag, dem Herrn und wurde IHM durch ein Brandopfer geopfert. Im Neuen Testament wurde das mit dem zehnten Teil übernommen und ein Segen dadurch versprochen, wenn man gerne gibt. Wer viel gibt, wird auch viel „ernten“, wer wenig gibt – „säht“ – wird auch wenig ernten und dass Gott den lieb hat, der von Herzen gibt, nicht aus Zwang. Es beruht also auf einer Freiwilligkeit und die Spende gehört Gott. Dazu die Stelle aus Hebräer 10,18 die besagt, wem die Sünden vergeben wurden (von Jesus), der muss kein Opfer mehr darbringen, denn Jesus selbst war das Opfer für alle Sünden. Somit ist auch kein Brandopfer mehr notwendig. Im Neuen Testament sind die Spenden dann nicht mehr für Gott direkt gedacht, sondern für gemeindeinterne Zwecke. Indirekt also auch für Gott. Es ist in der Bibel immer wieder davon die Rede, dass man den Armen, den Geringsten, helfen soll, ohne Lob und Anerkennung von den Menschen, denn dann erntet man dafür einen Lohn im Himmel.

Viele (Frei-)Kirchen interpretieren es so, dass jeder gute Christ, den zehnten Teil seines Gehaltes der Kirche spenden soll, damit die laufenden Kosten des Gemeindebetriebes finanziert werden können (Gehälter für Prediger und Pastoren, Kosten für die Kirchengebäude und sonstige laufenden Kosten) und der Überschuss wird häufig gespendet, an spezielle Projekte, die der jeweiligen Kirchengemeinde wichtig ist. In manchen Kirchengemeinden werden auch intern diejenigen finanziell unterstützt, die Hilfe benötigen.

Gott ist unser Versorger

Zuerst einmal muss erklärt werden, dass Gott seine Kinder versorgt und es wird auch explizit in Matthäus 6,25-34 hingewiesen, dass wir uns keine Sorgen machen sollen. Der Herr sorgt für seine Kinder! Die Frage ist, vertrauen wir Gott genug, dass er uns immer alles gibt, was wir gerade benötigen? Es ist ein Vertrauensschritt des Gläubigen. Wir wurden in diesem Punkt noch nie von Gott enttäuscht, muss dazu gesagt sein. Und es wird an mehreren Stellen geregelt, wen man in den Gemeinden versorgen soll und wie.
In 1.Timotheus 5,3-16 wird zum Beispiel geregelt, wie eine Gemeinde mit Witwen umgehen soll. Junge Witwen sollen wieder heiraten um versorgt zu sein und alte Witwen sollen von der Gemeinde versorgt werden.
Des Weiteren stehen in Timotheus noch weitere Anweisungen, wie man mit Geld umgehen soll und auch eine Mahnung an die Reichen, dass man sich nicht auf den Reichtum, sondern auf Gott verlassen soll. Geld und Besitz können Menschen zu Fall bringen, wenn es einem zu Kopf steigt und es entstehen negative Charaktereigenschaften, die wiederum anderen Menschen schaden. Auch wird vor Menschen gewarnt, die die Worte Gottes falsch weitergeben und sich das auch noch bezahlen lassen.  Gewinn dadurch erzielen, dass sie sich als Gottes Diener ausgeben.

Was steht über das Gehalt eines Predigers oder Pastors in der Bibel?

In 1.Timotheus 5,17 folgend steht, dass man denjenigen, die der Gemeinde vorstehen und dienen, eine hohe Achtung entgegenbringen und diese auch gebührend entlohnen soll.

Definitionen zu DIENEN:

  • in abhängiger Stellung [gegen Lohn, Gehalt] bestimmte Pflichten erfüllen, bestimmte Arbeiten verrichten, bei jemandem Dienst tun, in jemandes Dienst stehen
  • sich einer Sache oder Person freiwillig unterordnen und für sie wirken; für jemanden, etwas eintreten
  • nützlich, vorteilhaft sein; für etwas bestimmt sein

    https://www.duden.de/rechtschreibung/dienen

An einen Gemeindeleiter und dessen Helfer sind etliche Bedingungen geknüpft, wie wir in 1.Timotheus 3,1-7 und folgend nachlesen können und wenn jemand diese Aufgaben gut erfüllt, ist es kein Problem, dass dieser auch gut dafür entlohnt wird.

Kritikpunkte und Sinnieren über das System

Kritikpunkte, die hier in Diskussionen immer wieder hochkommen sind, dass die Kirchengemeinden auf zu großem Fuße leben und zu viel Geld verbrauchen, u.a. auch für Gehälter von mehreren Personen, nicht nur für den Gemeindeleiter, für Gebäude (Miete, Kreditraten, Instandhaltung,…) und zu wenig Geld für die Bedürftigen übrig bleibt und dem einfachen Kirchgänger oft weniger im Monat bleibt, als dem Pastor und den übrigen Angestellten. Eifersucht und Neid auf Pastoren und Prediger, die mehrere Male im Jahr in den Urlaub fahren, sich teure Hobbies leisten können, die Frau auch in der Kirchengemeinde zusätzlich noch geringfügig mit angestellt ist, teure Seelsorge-Kurse die innere Heilung versprechen, viel Technik während der Gottesdienste, die ebenfalls Geld kosten, … und so weiter. Sind diese Kritikpunkte gerechtfertigt?

Ich muss ehrlich sagen, so einiges von den Kritikpunkten stößt bei mir auf nahrhaften Boden, weil wir in unseren Breitengraden einen enorm hohen Lebensstandard haben, der natürlich auch von den Pastoren und Predigern gelebt werden will und viele Gottesdienste einfach nur Veranstaltungen sind, auf der gute Musik, eine gute Predigt die möglichst ansprechend gestaltet sein soll (und nach der Predigt weiß keiner mehr, worum es ging) und eine gute Multimedia-Show gewollt und abgeliefert wird. Sich zurücknehmen, dienen, für andere einstehen, für die Armen und Bedürftigen (psychisch Kranke, Drogenabhängige, Obdachlose, arme Familien, Menschen die unter Altersarmut leiden) in unserer Mitte da sein (wie viele solcher Menschen findet man in diesen „High-Tech-Gemeinden“?), auch mal ermahnende Worte die einen im Glaubensleben weiterbringen können und eventuell ein paar Gemeindemitglieder verschrecken könnte (zahlende Gäste vergrault man nicht), findet man selten.

Sind die biblischen Regelungen bezüglich Geld und Versorgung überhaupt noch zeitgemäß?

Zu biblischen Zeiten waren die Gemeinden, so wie man es in der Bibel liest, ein eigenes Versorgungssystem. Man könnte sagen, ein Vorläufer unseres Sozialsystems. Die Apostel stellten viele Regeln auf, wie sich die Frühchristen untereinander verhalten, wie sie ihren Glauben leben und wie sie sich gegenseitig helfen sollten. Heute übernimmt bei uns der Staat die finanzielle Hilfe, sprich die kollektive Gemeinschaft. Renten, Kindergeld, Arbeitslosengeld, Sozialhilfe, … benötigt es dann überhaupt noch die biblischen Regelungen für die Gemeinden? Ich denke in vielen Fällen nicht mehr. Meistens. Es gibt auf dieser Welt jedoch genügend Christen, die Hunger leiden müssen, die kein Dach über dem Kopf haben, die Verfolgung und Tod tagtäglich vor Augen haben, die arm und krank sind und keine medizinische Versorgung haben, die alleine sind und ohne Unterstützung im Glauben. Dort sollten wir mit unseren Geldern und unseren Taten ansetzen. Und zwar noch bevor wir Geld für uns selbst und unsere Bequemlichkeit ausgeben. Technik ist nichts weiter als Bequemlichkeit und Geldverschwendung. Klar, verboten ist es nicht und einiges ist bestimmt auch nützlich, aber wieviel Geld gibt man für die neueste Technik aus und wie viel für die Armen und Bedürftigen? Und darauffolgend, wie viel Zeit verschwendet man an die Technik und wie viel Zeit nimmt man sich, um Menschen zu helfen? Meiner Einschätzung nach gibt man lieber Geld, als seine persönlichen Zeitressourcen. Wir sind so gehetzt von Alltag, Arbeit und Freizeitaktivitäten, dass wir viel zu wenig unserer Zeit in Gottes Reich investieren können und wollen.

In unseren Breitengraden fehlt es nicht an Geldern, sondern an geistigem Input, an der reinen liebenden und mahnenden Lehre der Bibel, die die Menschen frei machen kann von ihren Sünden und Gebrechen. Dieser Bereich wird auch am meisten angefeindet: Was ist Sünde? Darf man eine Sünde auch als Sünde benennen oder muss man sich vor Diffamierung des weltlichen Mobs fürchten? Gibt es überhaupt Sünde? Darf Sünde ausgemerzt werden? Existiert der Teufel? Das sind eher die Fragen, die unsere Gesellschaft beschäftigen. Das Böse, der Teufel wird der Lächerlichkeit preisgegeben und damit als Hirngespinst und nicht gefährlich eingestuft. Man beachte nur mal die vielen Medienangebote (Film und Fernsehen), in denen es um Hexen, Teufel und Dämonen geht. Es ist Unterhaltung und niemand kommt auf die Idee, dass dies durchaus auch der Realität entspricht.
Der Mensch soll ein Sünder sein? Der Mensch ist gut! Die bösen Kirchen haben die Sünde erfunden, um die Menschen knechten und regulieren zu können. Jeder Mensch kann tun und lassen was er möchte, nichts ist verboten, alles muss erlaubt sein, damit man die freie Entfaltung nicht einschränkt, damit die Menschen nicht psychisch krank werden, wenn ihnen etwas verboten oder als schlecht, nicht gut, verkauft wird. Darauffolgend sollte man ziemlich wahrscheinlich über Depressionen sprechen, aber dies lasse ich hier in diesem Beitrag nun außen vor, damit es nicht zu lange wird. Außerdem habe ich mich schon einmal an das Thema herangewagt, nicht vollständig, aber ein Auszug:

Irgendwann werde ich nochmals auf das Thema eingehen, da es gerade auch unter Christen immer relevanter wird. Sind Christen, die Sünde klar benennen und damit jemand anderem einen Vorwurf machen, nicht bibeltreu zu leben, Auslöser für Depressionen bei ihren Mitmenschen? Eine spannende Frage, die viele Vorwürfe in sich trägt. Aber heute sage ich nicht mehr dazu.

Ist die Kirchensteuer biblisch?

Wenn man das nun alles weiß, kann man sich selbst ausmalen, dass eine Kirchensteuer nicht biblisch ist. Es wird von allen, die als Kind getauft wurden und folgend ein Mitglied in der Kirche sind sobald dienstfähig, eine Kirchensteuer erhoben. Egal ob dieser Mensch das auch glaubt, was die Kirche „verzapft“, oder nicht. Logisch, dass bei diesem System mittlerweile viele verärgert sind und folgend aus der Kirche austreten, um dieser Zwangsabgabe entkommen. Die Freiwilligkeit fehlt. Und der folgende Vorwurf, dass besonders die katholische Kirche so reich ist, dass sie eigentlich die Kirchensteuer gar nicht bräuchten, gerechtfertigt. Die katholische Kirche besitzt viele Ländereien und Gebäude. Häufig aus Spenden von alten Menschen, die ihr Hab und Gut der Kirche vermacht haben, weil sie dachten, sich so einen Platz im Himmel sichern zu können- Ablasshandel. Wer meint, dies dem Mittelalter zuordnen zu können, den muss ich enttäuschen, dieses System existiert noch in den Köpfen vieler älterer Katholiken.
Die Protestanten haben dieses System übernommen, wenigstens zum Teil. Wie man oft von außen betrachtet wahrnimmt, sehen sich die Protestanten als etwas Besseres an, sie fühlen sich als die reformierte katholische Kirche an.  Als eine Kirche, die alles besser macht, als die Katholischen. Kann ich so nicht bestätigen. Sie handhaben vieles anders, ja, aber besser? Das sei dahingestellt.

Geld und Zeit in das Reich Gottes zu investieren muss der Freiwilligkeit entspringen, sonst hat es keinen Bestand vor Gott. Und wer hier auf Erden für seinen Einsatz im Reich Gottes hochgelobt wird und ihm viel menschliche Ehre dadurch zuteilwird, hat seinen Lohn für seine Taten auf Erden schon abgeholt. Wer im Stillen und unbeachtet von allen, ohne auf Gegenleistung zu hoffen oder diese sogar zu erwarten, oder unter Angriffen und Verleumdungen, seine Arbeit für Gott ausführt, bekommt einen hohen Lohn dafür im Himmel. Lukas 6,35

Die Apostel verlangten übrigens kein Lohn von den Gemeinden, sie machten von dem Gesetz keinen Gebrauch, dass man denjenigen etwas geben soll, die einem dienen.

Was ist nun mein Lohn? Dass ich bei meiner Verkündigung das Evangelium kostenfrei mache, so dass ich von meinem Recht am Evangelium keinen Gebrauch mache.

1.Korinther 9,18

Bild mit freundlicher Genehmigung von Bild von Jeff Jacobs auf Pixabay

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