Die letzten Jahre haben mich verändert

Vieles hat sich für mich geändert und verändert, seitdem ich Mutter geworden bin. Ich habe das Gefühl, seit nun über sechs Jahren ein anderer Mensch zu sein. Ich will jetzt nichts Negatives darüber erzählen, denn ich liebe mein Leben! Und ich vermisse rein gar nichts von “früher”. Die Zeit vor den Kindern kommt mir vor, wie ein anderes Leben, deren Erinnerungen immer mehr verschwimmen. Es war wie ein Cut in meinem Leben gewesen, quasi ein Neubeginn, der mir gezeigt hat, was wirklich wichtig ist im Leben: die Familie.

Der Mensch ist ein “Rudeltier”. Der Mensch benötigt Gemeinschaft mit anderen Menschen. Menschen benötigen andere Menschen, welche das Menschsein lebenswert machen. Davor dachte ich jahrelang, ich komme besser alleine zurecht, brauche keine anderen Menschen und alleine wäre ich sowieso besser dran. Keine Verpflichtungen, keine Verantwortung und ja, es gibt durchaus Zeiten, in denen ich mir dies zurückwünsche, gerade dann, wenn es enorm stressig ist, allerdings erinnere ich mich dann auch an die Einsamkeit zurück.

Gut, es mir blieb mir dazumal auch gar nichts anderes übrig, weil es nicht viele Menschen in meinem Leben gab, auf die ich mich wirklich verlassen konnte und die immer für mich da waren. Ich suchte mir immer passend für meine Lebensphasen Menschen, die mich begleiten konnten, aber es war nie von Dauer. Und wenn ich Hilfe beanspruchte hatte ich ein schlechtes Gewissen, fühlte mich schuldig und schwach. Denn, wer bin ich, dass ich es wert bin, dass sich jemand um mich sorgt? Andere Menschen haben auch Probleme, viele sogar mehr als ich! Ich muss selber schauen, wie ich zurechtkomme! Aber das hatte ich nicht. Solange in Gesellschaft, oder bei der Arbeit und somit von mir selbst abgelenkt, war alles ok, sobald jedoch alleine in meiner Wohnung, fühlte ich die Einsamkeit und mich absolut ungeliebt und wertlos. Wer bin ich? Eine Frage, die mich schon mein ganzes Leben begleitet und die Antwort darauf kommt und kam immer nur in kleinen Teilen. Erfahrungen prägen und lassen einen immer mehr wachsen und zu einem gefestigten Menschen werden.

Klar, ich hatte damals zwar auch schon meinen Glauben an Gott, aber der war trotz regelmäßigen Besuches einer Freikirche irgendwie nicht so präsent. Ich war zwar zeitweise sehr involviert und arbeitete mit, aber ich fühlte mich innerlich nicht am richtigen Ort, weswegen ich dann auch relativ schnell wieder alle Ämter niederlegte. Zwar hatte ich ein schlechtes Gewissen, zeitgleich platzte ich jedoch vor Stolz, da mich der Pastor damals doch extra für den Aufbau der neuen Kirche ausgesucht hatte, aber ich fühlte mich dazu nicht in der Lage. Was sah er dazumal in mir? Fragte ich mich häufiger. Scheinbar hatte er nicht den Hauch einer Ahnung, wer ich wirklich bin. Oder sah er in mir mehr als ich? Fragen über Fragen, die in mir rumorten.

Seitdem ich nun eine Familie habe, fühle ich mich in angekommen und angenommen. Es ist das, was mich ausfüllt! Mutter zu sein ist der Wert meines Lebens geworden. Klingt vielleicht für so manchen merkwürdig, hätte es ehemals für mich auch, da ich im Grunde nie Kinder wollte, aus Angst zu versagen, auch weil ich selbst aus einem zerrütteten Elternhaus komme. Aber es war wirklich das, was mir im Leben gefehlt hatte! Wer mich von früher kennt und mich seitdem nicht mehr gesehen hat, für den wird das vermutlich schwer vorstellbar sein: Die Anni als Mama? Und vielleicht in lautes Lachen ausbrechen. Unzuverlässigkeit prägte mich doch lange Jahre. Doch, es ist tatsächlich das, was mir in meinem Leben gefehlt hat. Es hat dafür gesorgt, dass ich erkennen darf, was wirklich in mir steckt und dass Fürsorge, Liebe und Annahme selbstlos sein können. Liebe muss man sich nicht verdienen! Weder bei den Menschen (und die es verlangen, die sind es nicht wert, dass man bei ihnen bleibt) und auch nicht bei Gott. Eine Erkenntnis, die über Jahre gewachsen ist.

Ich habe die Mutter in mir entdeckt und geweckt. Das Wesen der Mütterlichkeit, welches, so bin ich der Meinung, in jeder Frau steckt, aber durch Verletzungen, falsche Ideologien und vielem mehr, aus vielen Frauen ausgetrieben wurde und als nicht wichtig erachtet wird.

Mutter zu sein ist das Erfüllenste und zeitgleich Stressigste, was ich bisher in meinem Leben erleben durfte!

Bild mit freundlicher Genehmigung von Bild von maribu auf Pixabay

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