Wir haben recht und alle anderen liegen falsch. Oder?

Meine subjektiven Erfahrungen mit den Freikirchen

Ich bin einem christlichen Elternhaus aufgewachsen und wir besuchten als Familie regelmäßig freikirchliche Gemeinden. Meine Kindheit und Jugend verbrachte ich in wechselnden Gemeinden, mit verschiedenen freikirchlichen Glaubensansätzen.

Die einen legten mehr Wert auf dieses, die anderen mehr Wert auf jenes, was mir dann auch in Folge zu doof wurde, weil die Einen immer gegen die Anderen gehetzt haben und den Anspruch von einer Exklusivität des Bibelverständnisses für sich beanspruchten. Aber als Kind war mir das erst einmal gleichgültig. Theologische Auseinandersetzungen waren mir ziemlich lange schnurz piep egal. Je älter ich jedoch wurde, desto merkwürdigere Dinge bekam ich jedoch von anderen mit.

Die einen sagen, Mädels müssen Röcke und Kleider tragen und dürfen keine kurzen Haare haben, die anderen behaupten, dass es die Geistesgaben nicht mehr gäbe, wieder andere legen ein zu hohen Wert auf die Geistesgaben. Die einen verurteilen moderne Musik, die anderen praktizieren moderne Musik im Gottesdienst. Und alle meinen, sie haben mit ihrer Bibelauslegung recht.

Das wurde mir irgendwann zu doof und ich ging in gar keine Gemeinde/ Kirche mehr. Ich hatte keine Lust auf dieser oder jener Seite zu stehen, vor allem da ich mit Menschen aus verschiedenen christlichen Gruppen befreundet war und mich nicht in eine Ecke stellen lassen wollte. Wie das so ist, sobald man sich zu einer Gruppe zugehörig fühlt, wird man mit bestimmten Attributen belegt, wie man scheinbar ist und das mochte ich noch nie. Ich bin ich und ich bin individuell und möchte mich nicht in eine Schublade stecken lassen! Die Schublade Christentum, reicht mir schon mehr als aus.

Die Frage hasse ich heute noch: In welche Gemeinde gehst du? Ich sage immer und immer wieder, in gar keine und ich höre fast schon wie die Augenbrauen hochgezogen werden. Denn… Wer in keine Gemeinde geht, ist laut der Auffassung vieler Gläubiger nicht richtig gläubig… Stimmt nicht liebe Gemeindegänger!

Der persönliche Glaube, die Beziehung zu Jesus pflegen, findet zu Hause im stillen Kämmerlein statt und nicht in aller Öffentlichkeit. Dort sieht man dann nur die Früchte des Glaubens!

Auch heute noch besuche ich nicht regelmäßig eine christliche Gemeinschaft, unter anderem wegen den angeführten Gründen und die Vereinnahmung der Gemeinschaften. Ehe man sich versieht, bestimmen diese das ganze Leben, die Freizeit, die Familie. Das ist weder der Sinn des Lebens von mir, noch von meinem Mann. Wir denken in diesen Dingen Gott sei Dank gleich.

Sobald Menschen Regeln diktieren, wie der einzelne Gläubige sich zu verhalten hat, spricht man laut mir von Religion.

Mit ihrer Auffassung, dass man als Gläubiger eine Gemeinschaft besuchen sollte, haben die meisten Pastoren und Leiter schon recht, denn in einer Gruppe hat man es viel leichter. Mit Menschen, die dasselbe Glauben, dasselbe Denken und die dieselbe Auffassung vom Leben haben, läuft das (Glaubens-)Leben leichter. Steht auch irgendwie so sinngemäß in der Bibel. Allerdings steht auch drin, dass zwei oder drei auch schon eine Gruppe ist und mein Mann und ich sind zwei! Nein, ich will mich jetzt hier nicht rechtfertigen, aber aufzeigen, dass man nicht zwangsläufig in eine Kirche/ Gemeinde gehen muss um “richtig” zu glauben. Es kann auch schon reichen, wenn man ein bis zwei Freunde hat, die Glaubens-technisch auf derselben Wellenlänge sind und man sich mit diesen regelmäßig zum Bibellesen, zum Austausch, zum Gebet, trifft.
Aber natürlich ist es kein Fehler eine größere christliche Gemeinschaft zu besuchen! Das kann in vielen Fällen sogar sehr gut für die geistliche Entwicklung sein! Besonders für Neubekehrte, denen noch das Basiswissen fehlt. Als Ermutigung und Stütze.

Zudem fand ich die Christen aus meiner Kindheit und Jugend oft ziemlich eingebildet. Sie sahen sich als was Besseres an. Die sogenannten Ungläubigen standen unter ihnen, da sie nicht errettet waren. Das störte mich maßlos, denn zumeist waren es die sogenannten Ungläubigen, mit denen ich später und in Folge, dann den besten Umgang im Leben hatte. Die hatten den sogenannten “gesunden Menschenverstand”, den ich so schätze. Mit Menschen, die den Glauben ablehnten oder kritisch beäugten hatte ich immer schon die besten Gespräche. Ich mag Diskussionen nicht, die nur von christlichen Phrasen geprägt sind. Gut, eigentlich mag ich gar keine Diskussionen, aber wenn es dazu kommt, dann könnte ich aus der Haut fahren, wenn nur christliche Standardsätze fallen. Das klingt für mich immer wie einstudiert. Unmündig. Und so ist das Christentum nicht! Finde ich jedenfalls. Der Glaube fordert auch intellektuell heraus, hat mir mal jemand gesagt.

Ich glaube, dass nur in Jesus allein das Heil liegt. Nur er allein kann die Welt und die Menschheit retten und nur wer sich bewusst für ihn entschieden hat, wird gerettet! Trotz allem darf ich deswegen nicht hochnäsig sein und werden. Wie in der Bibel, kurz vor dem Tod Jesu, erzählt wird, bückte Jesus sich und wusch all seinen Jüngern die Füße. Das war niederste Arbeit, eine Arbeit der Diener. Er hätte sich auch breit hinsetzen können und verlangen: “Wascht mir die Füße, ich bin euer König!” Nein, er setzte sich selbst immer an unterste Stelle. Das fasziniert mich. Dienen statt beherrschen und doch ist er König.

Anderen helfen und für sie da sein und sich selbst nicht erheben und zu wichtig nehmen.

Wenn es allerdings darum ging, die ach so gescheiten und auch hochnäsigen, eingebildeten Fragen der Schriftgelehrten und Pharisäer zu beantworten, heute würde man wahrscheinlich ungläubige Theologen, Atheisten und anti-christliche Wissenschaftler dazu sagen, war Jesus immer sehr direkt und präzise. Er nahm kein Blatt vor den Mund, antwortete aber auch immer so weise und eindrücklich, dass gar nichts anderes mehr zur Diskussion stand. Dies wurde dann in Folge sein Verhängnis, da er sich den Zorn der Schriftgelehrten und Pharisäer zuzog und diese seinen Tod forderten.

Wie wir aus der Bibel wissen, wurde Jesus dann auch ermordet, aber war der Tod nicht sein Ende und sogar geplant, denn Jesus wusste, dass er sterben muss. Er hatte so sehr Angst davor, dass er laut der biblischen Überlieferung in der Nacht vor seinem Tod Blut schwitzte. Klar, wer stirbt schon gern und dann noch so einen grausamen Tod am Kreuz? Dies war dazumal eine gängige Tötungsmethode für Schwerverbrecher. Leiden lassen. Langsames und qualvolles sterben. Da könnte man sich fragen: warum? Warum um Himmels willen hat er sich das angetan? Er hätte ruhig sein Leben leben können. Heiraten, Kinder bekommen, seinem Handwerk nachgehen und irgendwann alt und zufrieden sterben. Er hätte nur seine Klappe halten müssen! Er ist jedoch der Sohn Gottes und hatte den Auftrag durch seinen Tod die Menschen zu retten, damit diese selbst keine Opfer mehr erbringen müssen und der Weg zu Gott für jeden Menschen frei wird, nicht nur für die Juden.

Klar, der Tod allein wäre es gewesen, aber am dritten Tag nach seinem Tod ist er auferstanden, hat sich seinen Jüngern gezeigt und ist dann in Folge mit seinem Leib in den Himmel aufgestiegen. So erzählt es die Bibel. Und später kam dann der Geist Gottes in Form einer Taube vom Himmel, um bei den Gläubigen zu sein. Wer jetzt verwirrt ist, das nennt man die Dreifaltigkeit: Gott, Sohn, Heiliger Geist. Aber wenn ich, das jetzt erklären müsste, wäre ich überfordert.

Und genau das (!!!) ist die Kernaussage des Christentums. Das Opfer des Sohnes, damit jeder von uns frei und ohne Anstrengung zu Gott kommen kann. Das Einzige, was wir Menschen tun müssen, ist zu ihm zu beten und ihn bitten in unser Herz zu kommen, damit er uns frei macht.

Alles andere ist zwar auch wichtig, jedoch nebensächlich im großen Ganzen. Meine Meinung.

Wenn wir das nun wissen, kann ich es immer noch absolut nicht verstehen, warum es so viele unterschiedliche Bibelauslegungen gibt und vor allem, was das Schlimmste ist, dass die Christen sich untereinander nicht grün sind und sich bekämpfen. Wir sind alle Gottes Kinder! Anstatt uns darüber aufzuregen, dass dieser oder jener nicht richtig glauben würde, lieber füreinander einstehen und miteinander gegen den Rest der Welt! Ein Team. Eine Einheit. Eine Gemeinschaft.

Ich sage nichts gegen die verschiedenen Vorlieben: Die einen mögen eher gediegene Musik, die anderen gerne Popmusik. Die einen legen eher Wert auf Äußeres, die anderen mehr Wert auf innere Werte. Das soll jeder so handhaben, wie er das möchte und kann! Aber seine Sichtweise anhand der Bibel “beweisen” zu wollen und behaupten, die anderen lägen falsch und sich in theologischen Debatten übers Kreuz kriegen, ist der komplett falsche Weg und zelebriert keine Einheit, sondern Gespaltenheit nach außen. Interne theologische Uneinigkeiten sollten nicht öffentlich ausdiskutiert werden.

Kein Wunder, dass sich immer mehr Menschen vom christlichen Glauben abwenden. Sie haben keine Lust mehr auf diese Machenschaften. Dies ist nämlich genau das Zeil des Gegenspielers: Streit und Uneinigkeit. Derzeit erzeugt die Haltung gegen Homosexualität unfassbar “negative Schwingungen”, ebenso die Haltung gegen Abtreibung. Diesen Kampf können wir rein menschlich gesehen nicht gewinnen! Dies sind die unsichtbaren Machtkämpfe zwischen Himmel und Hölle und der Mensch ist nur das Instrument bei diesem Machtkampf. Anstatt sich rückzubesinnen, was in der Bibel steht und im Gebet kämpft, wird dieser ganze Kampf öffentlich ausgetragen. Und genau das ist das Ziel des Gegenspielers: Durch Uneinigkeit Zerstörung hervorrufen. Lassen wir das nicht zu!

Ich finde es schwer, die protestantische Religionsgemeinschaft ernst zu nehmen: Es gibt über 40 000 Sekten, die sich von den Protestanten abgespalten haben und untereinander zerstritten sind.

ale_ks_an_dr_a : Katholikin (Instagram)

Sie meinte dann auf Nachfrage die Evangelikalen. Und… Sie hat recht! Es gibt so viele verschiedene Richtungen, dass es komplett verwirrend ist. Allerdings ist der Begriff Sekte unter den Katholiken sehr schnell gebräuchlich, wenn es um andere Glaubensauslegungen, als die ihre geht. Das ist nicht böse gemeint, sondern Tatsache. Die Katholiken meinen, sie seien die einzig wahre Kirche und alles andere sind Abspaltungen. Gut, die Evangelischen sind mittlerweile auch anerkannt, wenn auch oft noch kritisch beäugt.
Was mich jedoch an der katholischen Kirche fasziniert: Sie bleiben klar. Sie haben ihre Überzeugungen und drehen sich nicht wie ein Fähnchen im Wind, der gesellschaftlichen Veränderungen. Im Gegensatz zu einigen Protestanten. Stichwort: EKD (Evangelische Kirche Deutschland).
Das was die humanistische Gesellschaft für gut und richtig befindet, ist für Gott noch lange nicht richtig und ich denke, dass sich die Differenzen in den nächsten Jahren sogar noch verschärfen werden. Aber auch das kommt für mich nicht überraschend, wenn man die Entwicklungen in den letzten Jahren beobachtet hat.

Bild mit freundlicher Genehmigung von Pixabay

11 Replies to “Wir haben recht und alle anderen liegen falsch. Oder?”

  1. Hallo Anni 🙂
    danke für deine Erfahrungen mit Gemeinden! Das hilft, auch mal kritisch zu hinterfragen.
    Deinen späteren Punkten mit Einigkeit kann ich nicht unbedingt zustimmen. Frieden zw Menschen ist eine GUTE Sache; anzustreben; absolut! Aber es gibt viele Leute, die auch die von dir geäußerten Sachen schon bestreiten würden! – Der Friede mit Gott ist (für den einzelnen Menschen) NOCH WICHTIGER, als der Friede mit anderen Menschen. – Jesus bringt irgendwo manchmal auch das Schwert.
    Und ich persönlich würde die “Einheit mit Gott” NICHT aufgeben, um “Einheit mit Menschen” zu erwirken.
    SHALOM nach Österreich! 🙂

  2. Ich möchte noch etwas zu der Frage schreiben, warum sich die Christen oft nicht einig sind und sich zum Teil gegenseitig bekämpfen.

    Du skizzierst die Kernaussage des Christentums wie folgt:

    Das Opfer des Sohnes, damit jeder von uns frei und ohne Anstrengung zu Gott kommen kann. Das Einzige was wir Menschen tun müssen, ist zu ihm zu beten und ihn bitten in unser Herz zu kommen, damit er uns frei macht.

    Darauf Bezug nehmend schreibst du dann:

    Wenn wir das nun wissen, kann ich es immer noch absolut nicht verstehen, warum […] die Christen sich untereinander nicht grün sind und sich bekämpfen. Wir sind alle Gottes Kinder! Anstatt uns darüber aufzuregen, dass dieser oder jener nicht richtig glauben würde, lieber füreinander einstehen und miteinander gegen den Rest der Welt!

    Ich glaube, hier gehst du von einer falschen Voraussetzung aus. Tatsache ist meines Erachtens, dass wir „Christen“ diese Kernaussage des Christentums eben nicht alle wissen. Es ist kein Konsens in der Christenheit, dass jeder von uns ohne Anstrengungen zu Gott kommen kann. Die Römisch-Katholische Kirche sieht das zum Beispiel völlig anders. Tatsächlich ist das von dir als christliche Kernaussage formulierte eine ganz typisch evangelikale Meinung.

    Der Vorwurf, „dass dieser oder jener nicht richtig glauben würde“, ist daher mitunter berechtigt. Nicht jeder, der zu einer der als christlich bezeichneten Kirchen gehört, ist errettet. Aus diesem Grund sind wir, anders als du schreibst, auch nicht alle Gottes Kinder.

    Du schreibst dann weiter zu der Freiheit in Geschmacksfragen:

    Die einen mögen eher gediegene Musik, die anderen gerne Popmusik. Die einen legen eher Wert auf Äußeres, die anderen mehr Wert auf innere Werte. Das soll jeder so handhaben, wie er das möchte und kann! Aber seine Sichtweise anhand der Bibel „beweisen“ zu wollen und behaupten, die anderen lägen falsch und sich in theologischen Debatten übers Kreuz kriegen, ist der komplett falsche Weg und zelebriert keine Einheit sondern Gespaltenheit nach außen.

    Dem stimme ich im Großen und Ganzen zu. Allerdings wird damit auch der Eindruck erweckt, es ginge bei den ganzen innerchristlichen Streitereien nur um Geschmacksfragen. Dem ist aber nicht so. Selbst, wenn man sich auf die im weiteren Sinne evangelikale Bewegung beschränkt, geht es da oft um tiefer gehendes als die Frage nach dem „richtigen“ Musikstil.

    Zu den Katholiken schreibst du, dass diese mitunter die Zersplitterung der Protestanten kritisieren und im Gegensatz zu beispielsweise der EKD nicht ihr Fähnchen in den Wind hängen. Das möchte ich zumindest etwas relativieren.

    Die Zersplitterung der Protestanten ist eine Tatsache, aber unter Katholiken gibt es ebenso eine Zersplitterung. Diese ist nur für Außenstehende nicht so gut sichtbar, weil sie sich meist nicht in organisatorischer Zersplitterung manifestiert. In der Regel bleiben die verschiedenen Strömungen mit teilweise deutlich unterschiedlichen Ansichten unter dem Dach der Römisch-Katholischen Kirche (RKK). Nach außen hin wird dadurch Einheit vermittelt, aber intern gibt es deutliche Unterschiede. Man bedenke, dass es in der RKK sowohl die Piusbrüder als auch die Anhänger der Befreiungstheologie gibt. Solche Gruppen gestehen sich bestimmt nicht gegenseitig zu, auf dem Weg der Wahrheit zu sein.

    Und auch Katholiken hängen ihr Fähnchen gern einmal in den Wind, wenngleich tendenziell nicht so sehr wie manche Protestanten. Die Katholiken in Deutschland sind beispielsweise nicht gerade für ihre Treue zur katholischen Lehre bekannt und der gegenwärtige Papst ist zwar dem westlichen Mainstream weitaus angenehmer als sein Vorgänger, musste sich aber aus den eigenen Reihen schon Ketzerei vorwerfen lassen. Womit wir dann auch wieder bei der mangelnden Einheit der Katholiken werden. 😉

    Unklar ist mir, was du mit folgendem Abschnitt sagen willst:

    Derzeit erzeugt die Haltung gegen Homosexualität unfassbar „negative Schwingungen“, ebenso die Haltung gegen Abtreibung. Diesen Kampf können wir rein menschlich gesehen nicht gewinnen! Dies sind die unsichtbaren Machtkämpfe zwischen Himmel und Hölle und der Mensch ist nur das Instrument bei diesen Machtkampf. Anstatt sich rückzubesinnen, was in der Bibel steht und im Gebet kämpft, wird dieser ganze Kampf öffentlich ausgetragen. Und genau das ist das Ziel des Gegenspielers: Durch Uneinigkeit Zerstörung hervorrufen. Lassen wir das nicht zu!

    Meinst du damit zum Beispiel, wir Gläubigen sollten überhaupt nicht mehr unsere Meinung zu beispielsweise Abtreibung öffentlich machen? Damit würden wir doch nur den Abtreibungsfreunden das Feld überlassen. Sollten wir in so einer Frage nicht lieber Sand im Getriebe sein?

    1. Hi! Puh… da hast du ganz schön viele Anmerkungen gemacht. Danke für deine Antwort(en) und auch wieder aufgeworfenen Fragen! 😁 Das zeigt mir, dass der Blog inzwischen von viel mehr Menschen gelesen wird, die sich wirklich Gedanken um meine Texte machen. Den Beitrag schrieb ich Anfang 2019 und veröffentlichte den nun wieder neu und die Resonanz ist viel höher, als noch vor einem Jahr.

      “Meinst du damit zum Beispiel, wir Gläubigen sollten überhaupt nicht mehr unsere Meinung zu beispielsweise Abtreibung öffentlich machen? Damit würden wir doch nur den Abtreibungsfreunden das Feld überlassen. Sollten wir in so einer Frage nicht lieber Sand im Getriebe sein?”

      Klar bin ich der Ansicht, dass wir unsere Überzeugen in diesen Punkten öffentlich machen sollte, aber leider gibt es schon intern so viele Diskussionen und unterschiedliche Lehrmeinungen, dass man gar nicht mit einer geschlossenen Meinung an die Öffentlichkeit gehen kann. Besonders bei Homosexualität geht die Schere der Meinungen sehr weit auf und ich nahm schon an vielen öffentlichen Diskussionen teil, die schlussendlich zu einem Zerwürfnis geführt haben und Christen gegen Christen gekämpft haben. Das gibt kein gutes Bild ab.

      In der Regel bleiben die verschiedenen Strömungen mit teilweise deutlich unterschiedlichen Ansichten unter dem Dach der Römisch-Katholischen Kirche (RKK). Nach außen hin wird dadurch Einheit vermittelt, aber intern gibt es deutliche Unterschiede. Man bedenke, dass es in der RKK sowohl die Piusbrüder als auch die Anhänger der Befreiungstheologie gibt.

      Genau das meinte ich, die Katholiken versuchen ihre Zwistigkeiten intern zu regeln, was im großen und ganzen nicht schlecht ist. Wodurch sie nach außen als Einheit auftreten. Etwas, was ich mir für die ganze Christenheit wünschen würde, denn dann hätte man viel mehr Schlagkraft gegen den Teufel. Klar, wir wissen alle, dass in der katholischen Kirche nicht alles Gold ist was glänzt, darüber müssen wir hier nun nicht sprechen.

      1. Hallo!

        Schön, dass meine Kommentare von dir positiv aufgenommen werden. Ja, ich mache mir Gedanken um deine Texte. Ganz allgemein bin ich ein „Tiefenbohrer“. Wenn ich mich mit einem Blogartikel beschäftige, dann in der Regel richtig. 🙂

        Bei beiden der oben angesprochenen Punkte, der Einstellung zu Homosexualität und den Konflikten unter Katholiken, plädierst du für die Einheit nach außen. Ich stimme dir zu, dass Zerwürfnisse unter Christen im Allgemeinen nichts Schönes sind und schon gar nicht vor den Augen der Welt zelebriert werden sollten. Aber müssen wir Christen unbedingt mit einer einheitlichen Meinung an die Öffentlichkeit gehen? Das führt doch nur wieder dazu, dass sich alle „Abweichler“ auf die Zunge beißen müssen. Solche Konformität gibt es schon zur Genüge, zum Beispiel in politischen Parteien.

        Ich finde es viel wichtiger, dass man ehrlich seine Meinung sagen kann, ohne immer darauf Rücksicht nehmen zu müssen, dass die Christenheit wieder ein gutes Bild abgibt. Vielleicht honorieren ja manche Nicht-Christen gerade, wenn Christen zeigen, dass sie zu selbständiger Meinungsbildung fähig sind und sich nicht nur als Sprachrohre einer Gruppe verstehen. Vielleicht käme es auch zu weniger Zerwürfnissen unter Christen, wenn der Druck weg wäre, immer zu einer einheitlichen Meinung kommen zu müssen.

        Den Fokus auf organisatorische Einheit, wie bei den Katholiken, sehe ich kritisch. Ich glaube nicht, dass dieser nur ein Zeichen dafür ist, dass die Betreffenden ihre Konflikte intern beilegen. Ich fürchte vielmehr, dass auch mit diesem Ansatz viele Konflikte überhaupt nicht beigelegt werden, sondern dem ganzen Schlamassel oft nur ein schöner Anstrich verliehen wird.

        Außerdem führt das Ziel der Einheit nach außen oft dazu, dass es „politisch“ wird. Man ringt um irgendwelche gemeinsamen Statements, die dann oft faule Kompromisse darstellen. Die besonderen Meinungen, die Ansichten der Tief- und Querdenker gehen in der Regel dabei verloren.

        Wenn ich unüberbrückbare, tiefgreifende Gegensätze mit einer Gemeinde sehe, verlasse ich diese eher. Damit handle ich zwar genau entgegen der organisatorischen Einheit, aber ich glaube nicht, dass ich damit deutlichen Schaden am Bild der Christenheit anrichte. Von meinem Weggang bekommen ja Nicht-Christen kaum etwas mit. Ich hänge das nicht an die große Glocke. Die Menschen, denen ich von meinem Weggang und den vorangegangenen Problemen erzähle, sind in der Regel Christen. Ein Imageschaden gegenüber der Welt entsteht also kaum.

        Du hast ja auch den Schritt in die „Gemeindeunabhängigkeit“ gewagt. Damit weichst du doch gerade beinahe so stark wie überhaupt möglich von der organisatorischen Einheit ab, über die du dich hier positiv äußerst. 😉

        Die Schlagkraft gegenüber dem Teufel kommt meines Erachtens nicht so sehr durch Einheit. Das sehen heute zwar viele anders, aber ich vermute, die Faszination an der Einheit kommt mehr durch Abfärbung des Zeitgeists auf die Christen als durch die Bibel. Der Gemeinde in Philadelphia versprach Jesus seinen Beistand, obwohl sie nur eine „kleine Kraft“ hatte, da sie ihm treu war. (Offenbarung 3,7–13)

      2. Du hast ja auch den Schritt in die „Gemeindeunabhängigkeit“ gewagt. Damit weichst du doch gerade beinahe so stark wie überhaupt möglich von der organisatorischen Einheit ab, über die du dich hier positiv äußerst. 😉

        Stimmt. Haha. Vielleicht ist diese Einheit auch eher Wunschdenken von mir. Wer weiß… In den letzten Jahren so viele hitzige Diskussionen geführt, dass ich dessen wahrscheinlich im Moment einfach überdrüssig bin. Und ja klar, es ist Utopie, dass alle Christen auf der ganzen Welt friedlich nebeneinander her existieren können, völlig ohne Zerwürfnisse. Ich würde alle Christen gerne als eine Einheit sehen, die geschlossen gegen den Teufel kämpfen, im Gebet. Auf rein menschlicher Ebene haben wir ohnehin keine Chance. Die sich nicht von der Welt beeinflussen lassen, die sich nicht den Meinungen des Zeitgeistes beugen und so hin und wieder die Bibel sehr verdrehen, damit es zum Zeitgeist passt.
        Ich müsste die Stelle in der Offenbarung nachlesen, aber klar, Gott gebraucht häufig gerade die kleinen Einheiten, um Großes bewirken zu können.

        Womöglich müssen wir uns einfach demütig den Anfeindungen ergeben!?

  3. Aus deinem Text lese ich ein bisschen heraus, dass du Auseinandersetzungen zu Lehrfragen kritisch gegenüberstehst und sie lieber um der Harmonie willen vermeiden willst. Aber ist das Ringen um die Wahrheit nicht wichtig? Klar gibt es das Wichtigste, den Kern des Evangeliums: Jesus ist für uns gestorben und durch den Glauben an ihn werden wir errettet. Aber sind deshalb alle anderen Fragen unwichtig?

    Ich bin ein großer Freund von Diskussionen, womit ich aber nicht Streitereien und Rechthaberei meine, sondern in gewisser Hinsicht genau das Gegenteil: Austausch von Meinungen, Begründen von Ansichten, Offenheit für neue Gedanken – alles, um der Wahrheit näher zu kommen. Bei diesen Diskussionen geht es nicht darum, eine skurrile Gemeindemeinung mit bekannten Pseudoargumenten zu „begründen“, sondern vielleicht, diese Meinung zu hinterfragen und dann eventuell zu verwerfen.

    Warum beharren nun aber viele Gemeinden auf einem bestimmten, oft skurrilen Bibelverständnis, wie du das beschreibst? Schnell wird hier vermutet, es läge am Willen der Beteiligten, genau auf die Bibel zu hören, und etwas Laxheit im Umgang mit der Bibel wäre das Heilmittel. Das glaube ich aber nicht.

    Meines Erachtens spielt mitunter ein übertriebener Wunsch nach Sicherheit eine Rolle. Die Beteiligten wollen gern alles wissen und nichts falsch machen. Sie lernen, dass Gott uns in der Bibel alles Relevante mitgeteilt hat und sind begeistert: Alles, was sie brauchen, passt zwischen zwei Buchdeckel. Sie müssen es nur noch studieren und sind fertig.

    Dann merken sie aber, dass vieles zwischen diesen zwei Buchdeckeln nicht so einfach verständlich ist und manche Dinge dort auch gar nicht behandelt werden. Das macht sie nervös und so stopfen sie ihre Wissenslücken mit irgendwelchen spekulativen Ideen zu. Diese interpretieren sie im Nachhinein in die Bibel hinein, wodurch sie sich der Illusion hingeben können, sie stünden in allen Lebensfragen fest auf dem Boden der Bibel.

    Nun spekulieren aber in verschiedenen Gemeinden die Leute unterschiedlich. Der Grund des Spekulierens ist ja wie gesagt, dass man auf die betreffenden Fragen gerade keine eindeutigen Antworten hat, es also einen Spielraum fürs Spekulieren gibt. Begegnen sich dann Menschen aus unterschiedlichen Gemeinden, merken sie, dass sie in bestimmten Fragen sich widersprechende Meinungen vertreten. Da aber beide Seiten davon überzeugt sind, ihre jeweiligen Spekulationen wären biblische Lehre, müssen sie sich zwangsläufig gegenseitig als Irrlehrer ablehnen.

    So kommt es dann zu der von dir beschriebenen „Hetze“ gegen andere Gemeinden. Die Motive dahinter sind vielleicht durchaus aufrichtig. Den Beteiligten geht es möglicherweise nur um die Wahrheit. Aber sie haben, ohne es zu merken, eine eigene Spekulation auf die Ebene göttlicher Offenbarung gehoben. Das war ihr großer Fehler.

    Ein wichtiges Gegenmittel gegen diesen Mechanismus ist meines Erachtens, den anfangs erwähnten übertriebenen Wunsch nach Sicherheit loszuwerden, damit man nicht ins Spekulieren verfällt, sondern auch einmal sagen kann: „Ich weiß es nicht“. Mir hilft da der konsequente Glaube an Gottes Gnade. Durch ihn bin ich mir meiner Errettung sicher und habe deshalb keine Angst, aus Unkenntnis, Unverständnis oder Widerwillen etwas falsch zu machen und mir dann Gottes Zorn zuzuziehen.

  4. Vieles in deinem Artikel kann ich voll und ganz bestätigen, zum Beispiel, dass viele Gemeinden ihre Mitglieder vereinnahmen, dass auch Treffen im Kleinen geistliche Gemeinschaft geben können und dass viele Christen ihren gesunden Menschenverstand abschalten (vermutlich tun sie das, weil sie meinen, ihre verzerrten geistlichen Meinungen wären biblisch und damit dem gesunden Menschenverstand überlegen).

    Ich glaube auch, dass eine Gemeindemitgliedschaft unter den heutigen Bedingungen nicht immer empfehlenswert ist und geistliche Gemeinschaft auch außerhalb der „offiziellen“ Gemeinden gelebt werden kann. Überrascht hat mich, dass du ebenfalls zu denen gehörst, die sich, nicht zuletzt aus Enttäuschung, von den Gemeinden, aber nicht vom Glauben, zurückgezogen haben. Ich habe das auch getan, wenngleich im Detail aus etwas anderen Gründen als du.

    Auf manche Abschnitte deines Textes möchte ich genauer eingehen. Ich tue das am besten in separaten Kommentaren, damit ich nicht hier einen riesigen, kaum strukturierten Textblock in den Kommentarbereich setze. 🙂

    1. Danke für die Aufteilung deines Kommentares und verzeih, wenn ich nun nicht auf alles eingehen werde. Ich lasse die meisten deiner Gedanken einfach mal so stehen und bedanke mich dafür! 😊

  5. Liebe Anni, zumindest ist alles sehr verwirrend. Und bestimmt auch verletzend, denn: ´Verkehrte Worte sind eine Verletzung des Geistes(des Menschen). Also mußt auch Du Dich auf die Kerndinge konzentrieren. Und deshalb, bleibe dabei: zu beten, die Bibel zu lesen und: ´alles ordentlich und ehrbar zugehen zu lassen. Auch den Bibelvers: ´Von aller Art des Bösen halte Dich fern! , auch den nimm zu Herzen. Und wisse auch: Christsein ist die größte Herausforderung, ich wünsche Dir dazu Gelingen und ´die Weisheit von Oben. Denn Du sollst ja auch: SEIN Volk trösten: ´Tröstet, tröstet MEIN Volk!`.

  6. Für mich ist Religion zwar Privat- aber keine Geheimsache. Ich drücke niemanden meine Anschauung auf und auch unseren Kindern keine Zwänge. Denn nur mit Liebe und positiven Erfahrungen kann Gott im Herzen wachsen und fest verwurzeln. Ich richte auch keine Religion ab, denn das steht mir nicht zu. Jeder entscheidet für sich und muss sich dann vor seinem Schöpfer verantworten für seine Taten

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