Wer nicht hören will, muss fühlen

Der Beitrag über Nichtchristen und Christen in einer Ehe kam überraschenderweise sehr gut an. Dieser wurde viel geteilt und kommentiert und im Grunde gab es zwei Lager: „Wenn man sich liebt, ist alles möglich“ versus „Ich habe es selbst erlebt, es klappt nicht.“ Oder auch: Jugendlicher Leichtsinn gegen (Lebens-)Erfahrung. Und ich machte mir ein paar Gedanken darüber:

In meiner Kindheit wurden wir noch mit Schlägen gezüchtigt, dazumal war das sogar gesetzlich noch erlaubt, und wir bekamen als Kinder folgend immer mal wieder den Satz zu hören: „Wer nicht hören will, muss fühlen!“ Was so viel bedeutet wie: Wir haben es euch nun schon unzählige Male im Guten gesagt, du willst es einfach nicht glauben, nun gibt es eine härtere Strafe, damit du endlich kapierst, dass du dies oder jenes nicht mehr tun sollst. Kinder sind unbedarft, sie glauben alles und meinen alles zu können, erkennen die Gefahren hinter ihrem Tun noch nicht, weil es ihnen einfach an Erfahrung fehlt. Die Eltern haben die Aufgabe, sie vor Schäden beschützen und ihnen den richtigen Weg weisen, auch wenn es dem Kind weh tut (selbstverständlich heute ohne Prügelstrafe). Erwachsene haben viel mehr Weitsicht, können Risiken und Nebenwirkungen von Handlungen exakter einschätzen, da die (Lebens-)Erfahrung sie dies gelehrt hat.

In der Beziehung Gott – Mensch ist es nicht viel anders. Er ist der allwissende Vater und wir sind seine Kinder, die sehr oft nicht auf ihn hören. Wir lehnen uns gegen ihn auf. Wollen nicht auf ihn hören. Meinen viel klüger zu sein. „Das hat für früher gegolten, heute ist eine andere Zeit und daher gelten diese oder jene Gebote und Regelungen nicht mehr.“ Oder die Meinung, Gott sei ein strafender Vater, der seine Kinder nur unterdrücken und ihnen die Freiheiten nehmen will.
In meiner Jugend gab es einen Hauskreisleiter, der es auf den Punkt gebracht hat: „Wer keine gute Beziehung zu seinem weltlichen Vater hat, tut sich verflixt schwer, Gott als liebenden Vater anzuerkennen.“ Und ja, Gott ist ein liebender Vater! Und ein liebender Vater tut ALLES, um seine Kinder zu beschützen und er erzieht sie, damit sie auf dem rechten Weg bleiben und damit die Beziehung zum Ihm wachsen kann. Gott verbietet uns nichts! Aber nicht alles, was wir wollen, tut uns gut, im Gegenteil, vieles schadet uns über kurze oder lange Zeit. Daher können wir viele Gebote, Verbote, Mahnungen und Ratschläge aus der Bibel herauslesen. Die Apostel führten Jesu Weg weiter, nachdem Jesus nicht mehr leibhaftig auf dieser Erde war. Sie bekamen ALLE Macht von Jesus und konnten folgend auch alles, was Jesus tat und so halfen sie den ersten Christen mit ihrem noch jungen und frischen Glauben und doch sehr menschlichen Problemen. Es sind klare und häufig ernste Worte und Mahnungen, die wir in den Evangelien lesen können. Alles, damit die ersten Christen nicht von ihrem neu eingeschlagenen Weg mit dem Messias, mit dem Retter, abkamen.

Ihr lebt nach dem Grundsatz: »Alles ist erlaubt!« Ich antworte darauf: Aber nicht alles, was erlaubt ist, ist auch gut. Alles ist erlaubt, aber nicht alles baut die Gemeinde auf.

1.Korinther 10,23

Aber es heißt nicht, dass Gott uns keine Erfahrungen machen lässt. Wie Paulus ebenfalls in (1.Korinther 6,12) sagt, dürfen wir alles tun, aber nicht alles, was wir tun, ist auch gut für uns. Sprich, Gott hält uns nicht davon ab, in die Irre zu laufen. Er geht uns immer wieder hinterher und weist uns den richtigen Weg, aber die Entscheidung auch auf seinem Weg zu gehen, überlässt er dem Menschen selbst. Und manche müssen die Fehler ihrer selbstverschuldeten Irrwege erst am eigenen Leib erfahren, bis sie glauben und vertrauen.

Trotzdem lässt Gottes Liebe für seine Kinder nie nach! Wenn wir dann wieder voller Demut zu ihm kommen, nimmt er uns in die Arme ist und gnädig und vergibt uns, denn er liebt seine Kinder über alles! Ein guter Vater ist gnädig und vergibt seinen Kindern, immer und immer wieder, solange, bis sie es kapieren und das trifft natürlich auch auf das zu, dass man sich nicht auf eine Ehe mit einem Ungläubigen einlassen sollte, wenn man selbst den Glauben ernst nimmt. Klar, der Ehepartner KANN sich bekehren, aber dies von Beginn an anzunehmen, trotz der Warnungen in der Bibel, ist fahrlässig und man widersetzt sich dem Vater.

Die Kommentare und deren Analyse

Ich bekam ganz viele Kommentare von überwiegend Frauen (zwei Männer waren dabei), die sich nach über zwanzig Jahren von ihrem ungläubigen Ehepartner scheiden lassen mussten, weil es nicht mehr ging. Die Differenzen wurden zu groß. Daneben vorwiegend junge Leute, die behaupten, die Liebe würde alles überwinden, auch unterschiedliche Glaubensvorstellungen.

Es mag Paare geben, bei denen dies ein Leben lang funktioniert, dazu kamen auch zwei Beispiele, bei denen es großartig funktioniert (hat), aber die negativen Beispiele überwogen. Zwei Frauen erzählten, wie schwer es derzeit aus diesem Grund mit ihrem Partner sei, vor allem im Zusammenhang mit den Kindern und deren Erziehung. Sie würden die unterschiedlichen Einstellungen bemerken, denn es führe immer wieder zu Zwistigkeiten und sie beide würden intensiv beten, damit sich ihre jeweiligen Partner bekehren.
Ein positives Beispiel kenne ich aus dem privaten Umfeld, in dem sich der Partner nach über zehn Jahren Ehe, nach viel Gebet und Tränen der Ehefrau, bekehrt hat und ich bewundere diese Freundin, dass sie die Kraft hatte und bei ihrem Mann geblieben ist, denn es war ganz und gar keine einfache Zeit.
Eine Frau kommentierte dann noch, dass einen Gläubigen zu heiraten jedoch auch nicht das nonplusultra sei, denn ihr Exmann hätte schlimmer gehandelt als so manch Ungläubiger und sie mit X Frauen betrogen. Es gilt natürlich: Gut prüfe, wer sich ewig bindet! Nur weil sich jemand Christ nennt, heißt es noch lange nicht, dass dieser auch eine persönliche Beziehung zu Jesus hat und sich an dessen Gebote hält, was natürlich auch für die betrogene Frau gilt, die ihr Leid geklagt hat.

Das gemeinsame Fundament des Glaubens halte ich für eines der wichtigsten Dinge in einer lebenslangen und glücklichen Ehe, allerdings ist der gemeinsame Glaube allein kein Garant für eine lebenslange und glückliche Ehe. Ehe ist Arbeit. Arbeit miteinander und Arbeit an sich. An dieser Stelle möchte ich noch in aller Kürze auf die Wichtigkeit der Paarsexualität hinweisen, denn ein Fehlen von gemeinsamer Sexualität ist das erste Anzeichen von Auseinanderleben. “Im Schlafzimmer zeigt sich der Zustand der Ehe.” (Frei nach Dr. Kevin Leman)

Hierzu empfehle ich das Buch, welches ich gerade lese: “Licht an, Socken aus! Ein erfülltes Sexleben als Basis einer guten Ehe”, von Dr. Kevin Leman. Ich werde dieses Buch in Folge dann noch auf diesem Blog vorstellen. Wer es schon lesen möchte, hier der Link*:

Licht an, Socken aus!: Ein erfülltes Sexleben als Basis einer guten Ehe (edition Trobisch)

Auch wenn wir Menschen noch so meinen, wir seien klüger als Gott, wir sind es nicht! Und seine Worte sind auch heute noch allumfassend gültig, wir müssen häufig nur „von unserem hohen Ross“ herabsteigen und uns demütig unter Gott, unseren Vater und Schöpfer, stellen.


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Bild mit freundlicher Genehmigung von Bild von Jim Semonik auf Pixabay

8 Replies to “Wer nicht hören will, muss fühlen”

  1. Was sind die wichtigen Fundamente einer guten Ehe? Du schreibst dazu:

    Das gemeinsame Fundament des Glaubens halte ich für eines der wichtigsten Dinge in einer lebenslangen und glücklichen Ehe, allerdings ist der gemeinsame Glaube allein kein Garant für eine lebenslange und glückliche Ehe. Ehe ist Arbeit. Arbeit miteinander und Arbeit an sich.

    Dem stimme ich an sich zu, finde aber, dass hier ein wichtiger Punkt unberücksichtigt bleibt. Relevant für das Gelingen einer Ehe ist nämlich auch die „Passgenauigkeit“ der Ehepartner. Ich meine hier die Kompatibilität der Temperamente. Wann passen Ehepartner gut zueinander? Meines Erachtens, wenn sie sich eher ähnlich sind.

    Diese Meinung scheint vielleicht in offenem Widerspruch zu dem bekannten Phänomen zu stehen, dass sich Gegensätze anziehen und man demzufolge oft Ehepartner findet, die sehr unterschiedlich sind. Es gibt hier aber keinen Widerspruch. Meine Meinung, dass Ähnlichkeit vorteilhaft ist, bezieht sich darauf, was gut ist. Die Wahrheit von den sich anziehenden Gegensätzen bezieht sich darauf, wie es leider oft läuft.

    Als ich nach meiner Scheidung von meiner ersten Frau wieder auf Partnersuche war, las ich nach über 15 Jahren wieder Bücher der Art „Wie finde ich den Partner fürs Leben?“. Eines, welches mich sehr geprägt hat, war das Buch „Mit offenen Augen lieben“ von Jörg Berger (https://www.amazon.de/dp/3868271171), von welchem es auch eine erweiterte Neuauflage unter dem Titel „Den Partner fürs Leben finden“ gibt (https://www.amazon.de/dp/3868274987). Die Kernaussage des Buches ist genau das oben Geäußerte: Ähnlichkeiten sind gut für eine Ehe, aber die erotischen Kräfte (so Berger) ziehen uns zu Menschen hin, die sehr anders sind als wir.

    Der Autor untermauert das mit einer psychologischen Studie und gibt Begründungen, warum das so ist. Ich fand seine Aussagen sehr überzeugend und habe sie mir deshalb zu Herzen genommen. Nun bin ich mit einer Frau verheiratet, die ein genau so schönes melancholisches Temperament hat wie ich und ich genieße diese Ehe. Ich genieße insbesondere was? Die Harmonie! Keine dauerhaften, latenten Reibereien, die durch grundlegendes Unverständnis für die Befindlichkeiten des anderen kommen. Keine ständigen, vielleicht faulen, Kompromisse wegen widerstreitender Ziele und Vorlieben. Dafür Verständnis für Gefühle und Denkweisen, die ein Mensch mit anderem Temperament vielleicht gar nicht nachvollziehen kann, weil er sie nicht selbst erlebt.

    Vor diesem Hintergrund möchte ich auch deine Bemerkung, Ehe sei Arbeit, relativieren. Ja, man sollte seine Ehe nicht einfach nur laufen lassen, sondern bewusst gestalten (z. B. gemeinsame Unternehmungen und Sex planen, zumindest teilweise). Die Formulierung „Ehe ist Arbeit“ klingt allerdings schnell so, als ob Ehe eine Schufterei wäre.

    Und leider scheint sie das mitunter auch zu sein, nämlich dort, wo Ehepartner nicht gut zusammenpassen, aber trotzdem eine halbwegs gute Ehe haben wollen. Diese Ehepartner kämpfen dann zu weiten Teilen gegen Windmühlen. Sie versuchen, etwas mit Anstrengung zu erzwingen, was sie doch nie haben können.

    Mit einem passenden Partner muss man dagegen nicht die eigene Persönlichkeit bekämpfen in dem Versuch, das Unmögliche möglich zu machen. Vielmehr kann man durch den Einsatz der eigenen Fähigkeiten deutliche Verbesserungen für die eigene Ehe erzielen. Es ist so, wie wenn man einen Beruf gewählt hat, der einem liegt. Dessen Ausübung ist zwar auch manchmal anstrengend, aber man arbeitet mit den eigenen Begabungen, während man im falschen Beruf gegen die eigenen Begabungen arbeitet, sich dadurch erschöpft und trotzdem nicht sehr produktiv ist.

    1. Gut, dann warst, beziehungsweise bist, du genauso schlau wie ich. Mein Mann ist mir auch sehr ähnlich, manchmal schon unheimlich. Allerdings bin ich zuweilen temperamentvoller, aber zeitgleich auch melancholischer. Er ist vollkommen ausgeglichen. Ich als Frau habe mehr Stimmungsschwankungen als er und er nimmt das einfach mit einer Ruhe und Gelassenheit hin, ohne den Finger in die Wunde zu drücken. Passt perfekt! Von dem her ja, die Passgenauigkeit gehört wohl auch mit dazu. Aber wenn er nicht dieselben Glaubensvorstellungen wie ich gehabt hätte, hätte ich ihn trotzdem nicht geheiratet. Das war mir von Anfang an das Wichtigste: Ich möchte einen Mann, der so glaubt wie ich. Ich wollte, dass er sich mit demselben Gott wie ich identifiziert.

      1. Ja, die „Passgenauigkeit“ in Glaubensfragen ist wohl enorm wichtig. Schön, dass es bei euch auch vom Temperament her passt. Bislang habe ich meistens Ehepartner im Blick gehabt, die völlig unterschiedliche Temperamente hatten. Ein Freund von mir fand z. B. einst das sanguinische Temperament seiner Frau ganz toll und genießt es im Urlaub wohl immer noch, aber im Alltag schafft es jede Menge Probleme, weil er ganz anders ist. Wie gut, dass es auch Ehen gibt, die anders laufen!

  2. In der Vergangenheit hatten wir ja schon eine Diskussion darüber, ob ein Christ vom Glauben abfallen kann, was die allgemeine Frage berührt, was das Evangelium ausmacht. Ein anderes spezielles Thema, was mit dieser allgemeinen Frage verknüpft ist, ist die Rolle von Geboten im Neuen Testament.

    Wenn man konsequent davon ausgeht, dass an Jesus Gläubige unter keinem Gesetz stehen, kann es eigentlich auch keine Vorschriften Gottes an die Gläubigen geben, zumindest keine, die strafbewehrt sind (was Gebote nach unserem Empfinden ja eigentlich immer sind). Mich würde mal interessieren, was deine Meinung dazu ist.

    In dem obigen Artikel sprichst du ja dieses Thema an, machst aber dazu anscheinend widersprüchliche Aussagen. Auf der einen Seite schreibst du: „Gott verbietet uns nichts!“, aber kurz danach sagst du: „Daher können wir viele Gebote, Verbote, Mahnungen und Ratschläge aus der Bibel herauslesen“. Nun kann es ja eigentlich schlecht sein, dass man aus Gottes Wort viele Verbote herauslesen kann, wenn Gott uns gar nichts verbietet (es sei denn, wir würden diese Verbote nur herauslesen, ohne dass die entsprechenden Aussagen als Verbote gemeint waren).

    Was ist deine Meinung in dieser Frage? Sind die neutestamentlichen Gebote nur Empfehlungen Gottes, deren Nichtbeachtung durchaus unangenehme Folgen haben kann, wie die Konflikte in einer Ehe mit einem Ungläubigen? Oder sind die Gebote Forderungen und damit irgendwie auch Gesetze?

    1. Wir Menschen können tun und lassen was wir möchten, so steht es in der Bibel, und weiter heißt es, aber nicht alles, was ihr tut, ist gut für euch. Aber was soll das bedeutet “was nicht gut ist”, das wird dann in der Bibel definiert. Daran kann man sich festhalten, wenn man nicht weiß, was Recht und Unrecht ist. So sehe ich das. Wer Jesus liebt, der möchte auf seinem Weg wandeln und will sich an seine Spielregeln halten und diese Spielregeln lesen wir an vielen Stellen im neuen Testament und später dann von den Aposteln für die Christen erklärt.

  3. Mich irritiert etwas, dass du es als verwunderlich darstellst, dass früher das Schlagen von Kindern (mit Einschränkungen) legal war, und es als „selbstverständlich“ ansiehst, dass man seine Kinder nicht schlägt. Warum?

    Immerhin findet man Bibelstellen, die auf eine Normalität der körperlichen Züchtigung hinweisen (ich kenne Sprüche 13,24 und Hebräer 12,4–11). Weiterhin ist die Ablehnung der körperlichen Züchtigung eine im Allgemeinen ziemlich neue Einstellung und auch heute keinesfalls Konsens in der Welt, sondern ein im Wesentlichen europäisches und südamerikanisches Phänomen (siehe https://en.wikipedia.org/wiki/Corporal_punishment#/media/File:Corporal_punishment_in_the_world.svg).

    Du kritisierst ja gerade die Haltung „Das hat für früher gegolten, heute ist eine andere Zeit und daher gelten diese oder jene Gebote und Regelungen nicht mehr“. Ist deine Ablehnung körperlicher Disziplinierung nicht vielleicht auch ein Produkt des Zeitgeistes?

    Ich will damit gar nicht sagen, dass ich körperliche Züchtigung toll finde oder eine genaue Meinung dazu hätte. Ich will vielmehr die Argumente offenlegen, die gegen deine Haltung sprechen, und deutlich machen, dass die Diskussion über dieses Thema nicht als beendet gelten darf.

  4. Hallo! Noch gar kein Kommentar? Das muss sich ändern. 😁 Ein paar Gedanken drängen sich mir nämlich auf, die ich gerne beisteuern möchte. Am besten, ich kommentiere wieder nach Themen gruppiert in mehreren Einzelbeiträgen. Das kam ja in der Vergangenheit gut bei dir an. 😉

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