Wie ich mit dem Thema Abtreibung in Berührung kam

Die Coronakrise sehen viele Abtreibungsaktivistinnen als einen Grund an, um wieder vermehrt für ihre Sache zu kämpfen. “Abtreibungen müssen trotz Corona möglich sein!” Denn, so wird die Angst geschürt, könnten Frauen sterben. Eine Reaktion auf die Aussetzung von (über-)lebensnotwendigen Operationen und Behandlungen zugunsten der Behandlung von Coronapatienten. Zudem ist die Abschaffung des Paragrafen 219 nach wie vor das Ziel und somit der uneingeschränkte Zugang zu Abtreibungen. Dies nahm ich zum Anlass, um einen schon im Jahre 2018 geschriebenen Blogbeitrag, in gekürzter Form, zu reaktivieren. Im Anhang sind dann noch Blogbeiträge mit Fakten und Zahlen rund um das Thema Abtreibung verlinkt.

Eine kurze Geschichte aus meiner Vergangenheit

Während meiner Altenpflegeausbildung lernte ich eine Mitauszubildende kennen, die in demselben Heim wie ich ihre praktische Ausbildung absolvierte. Wir pflegten eine sehr nette Freundschaft während unserer Ausbildung und verbrachten außerhalb Schule und Arbeit sehr viel Zeit miteinander. Nennen wir sie hier Nora. 

Im Nachhinein gesehen war Nora dazumal, für eine kurze Zeit, mein Halt, mein menschlicher Halt. Sie machte einen starken Eindruck auf mich, sie redete sehr überzeugt von sich und so war ich von ihr fasziniert. Die Ehe meiner Eltern war in die Brüche gegangen, ich hatte kein Zuhause mehr und ich wusste nicht, wohin mit mir. Dazu die Ausbildung zur Altenpflegerin, welche nie meinem Wunschberuf entsprach und ich diese nur durchzog, weil ich nicht aufgeben wollte. Besser gesagt, nicht versagen wollte. Aufgeben setzte ich mit Versagen gleich. 

Nora knüpfte Kontakte zur örtlichen Metal-Szene und fühlte sich dort relativ schnell zu Hause. Später führte sich mich auch dort ein. Ich war immer schon ein Fan von härterer Rockmusik und sie eröffnete mir eine Welt, in der ich mich musikalisch sehr wohlfühlte. An den ganz harten Sachen hatte ich zu Beginn keine Freude, aber man gewöhnte sich mit der Zeit daran und mochte es sogar dann irgendwie. 
Natürlich machte ich mir Gedanken darum, ob dies mit meinem Glauben an Gott kompatibel war und ich besänftigte mein schlechtes Gewissen, indem ich einfach von meinem Glauben erzählte. Überraschend für mich war, dass mich niemand verurteilte. Im Gegenteil, alle fanden es gut und toll, dass ich Überzeugungen hatte, zu denen ich auch stehe. Zwar kam immer die Standardaussage: “Ich kann damit zwar nichts anfangen, aber wenn du das so siehst, deine Sache!“. Ich konnte also nie behaupten, aufgrund meines Glaubens in dieser Szene abwertend wahrgenommen zu werden. Ich fand das toll! Allgemein waren die Menschen dort sehr freundlich und zuvorkommend. Alles hatte seinen Platz und auch die menschlichen Abgründe wurden toleriert: Sex, Drugs and Rock ‘n’ Roll. Dies war dazumal Balsam für meine geschundene Seele. Keiner verurteilte mich, ich durfte sein wie ich bin. Nichts war falsch. Nichts wurde angekreidet. Etwas, was ich von den Christen in meiner Familie und im Freundeskreis nicht kannte.

Im Nachhinein gesehen war ich diesen Menschen jedoch wohl ziemlich egal. Sie mir eigentlich auch. Es war nichts Handfestes was mich dort mit jemanden verband. 
Aber nein, ich bereue diese Zeit nicht, auch wenn ich weiß, dass in dieser Szene ganz sicher nicht Gott das Sagen hat… Man muss sich nur mal diverse Texte näher zu Gemüte führen, dann weiß man ganz genau, von wo der Wind weht… Aber nun gut. Anderes Thema. 

Abtreibung

Irgendwann erzählte Nora mir, dass sie kurz bevor sie die Ausbildung zur Altenpflegerin antrat, eine Abtreibung hat durchführen lassen. Sie erzählte, dass sie wurde unerwünscht schwanger wurde und wenn sie das Kind bekommen hätte, hätte sie die Ausbildung nicht antreten können.

Dieses Geständnis war ein harter Brocken für mich! Ich als doch schon irgendwie Christin, der beigebracht wurde, dass Abtreibung Mord ist, war das ein Graus. Ich weiß gar nicht mehr, was ich zu ihr sagte, aber wohl nicht viel. Was hätte ich auch sagen sollen? Geschehen ist geschehen und nie wieder rückgängig zu machen. Schuldzuweisungen wären fehl am Platz gewesen. 

Während unserer Ausbildung hatte sie immer mal wieder männliche Bekanntschaften, die mal länger blieben, mal nur für eine Nacht, auch ab und an gegen Cash, weil sie immer knapp bei Kasse war. Man könnte also sagen, sie prostituierte sich. Ab und an ging es auch mal länger mit einem Mann und eben in so einer Beziehung wurde sie wieder schwanger. Sie kam zu mir und erzählte, dass sie schwanger sei und sich für eine weitere Abtreibung entschieden hätte. Ich war fassungslos! Vor allem, da sie ganz genau wusste, wie ich zu Abtreibungen stehe. Ihr damaliger ‘Freund’ meinte, sie solle selbst entscheiden, er würde ihr aber das Geld für eine Abtreibung geben. Ein edler Zug von ihm, der auch absolut gesetzeskonform ist, ja, aber ich als Mann hätte für mein Kind gekämpft. Ich konnte den Kerl schon nicht ausstehen, als sie ihn mir vorstellte, danach hatte er mein Ansehen ganz verloren. Ein Allgäuer Drogen-, Weichei-, Lulatsch, der nur eine Frau zum pimpern wollte und keine Lust auf Verantwortung hatte. Aber gut, wie gesagt, sie konnte sehr überzeugend sein und dieses Jüngelchen hätte gegen sie ziemlich wahrscheinlich auch gar keine Chance gehabt…

Ach, wie habe ich mit ihr gerungen…! Ich versuchte, mit allen mir möglichen Mitteln, sie von ihrem Vorhaben abzubringen, auch indem ich ihr vorschlug und anbot, das Kind nach der Geburt zu mir zu nehmen. Hauptsache sie würde nicht wieder abtreiben! Keine Chance. Sie entschied sich dafür und ich war noch sehr lange fertig deswegen und konnte (kann es heute auch noch nicht) verstehen, warum sie dies tat. 

Wenig später ging alles wieder seinen gewohnten Gang. Wir beendeten die Ausbildung und gingen getrennte Wege. Trafen uns danach noch sporadisch ein paar Mal, aber eng wurde es nie wieder. Einige Zeit später zog sie weg und der Kontakt brach vollständig ab. 

Vor einiger Zeit ‘trafen’ wir uns auf Facebook wieder. Es war ein freudiges ‘Wiedersehen’. Sie wohnt inzwischen irgendwo mitten in Deutschland und hat einen kleinen Sohn. Wohnt allerdings nicht mehr mit dem Kindsvater zusammen, von diesem hat sie sich getrennt, weil er sie missbraucht hat (in welchem Umfang weiß ich nicht), wie sie erzählte. Sie lebt nun einen anderen Mann zusammen, der auch als Vater für ihr Kind fungiert und alles sei wunderbar: Er sei ein toller Mann, der auch ein guter Vater für ihren Sohn ist. Ich dachte mir nur: hoffentlich! Es wäre ihr zu wünschen, dass sie endlich mal das Glück eines geordneten Lebens hat! Besonders nun im Hinblick auf das Kind.
Alles in allem ist das Leben dieser Frau ein einziger Misthaufen und mir kann keiner erzählen, dass die beiden Abtreibungen sie nicht in ihrem Innersten belasten und fertig machen… Aufmerksame Menschen sehen es ihren Mitmenschen an, wenn sie innen drin keinen Frieden haben und allein ihre Augen sprechen für mich Bände….

Ich möchte nun auch gar nicht viel mehr auf ihr herumreiten, ich mag sie immer noch sehr gerne, da wir eine wirklich nette Zeit miteinander verbringen durften. Dank ihr und noch einer anderen damaligen Freundin, brachte ich die Ausbildung einigermaßen gut über die Bühne. Im Grunde wünsche ich mir nur für sie, dass sie ihre Fehler anerkennen darf und innerlich geheilt werden kann. Im Idealfall mit Jesu Hilfe, denn ich bin der festen Überzeugung, dass nur Jesus allein, einen Menschen wirklich innen drin heil machen und befreien kann. Denn an ihrem Leben erkenne ich, dass sie belastet ist, eine psychisch vollkommen gesunde Frau lässt sich nicht auf ständig wechselnde Sexualpartner, und folgend auf toxische Beziehungen ein. Sie ist auf der Suche nach Bestätigung, Liebe und Annahme, wie so viele.

Wie es ihr heute geht, keine Ahnung. Der Kontakt brach dann nach kurzer Zeit wieder ab. Aber diese Erzählung hat mir verdeutlicht, dass eine Abtreibung eben nicht einfach so abzuhaken ist und viele Frauen noch Jahrzehnte später damit zu kämpfen haben, auch unterbewusst. Später recherchierte ich ein bisschen dazu und fand heraus, dass es dieses sogenannte „Post-Abortion-Syndrom“ gibt, welches jedoch von Abtreibungsaktivistinnen tunlichst nicht erwähnt, beziehungsweise sogar abgestritten wird. Tamara schrieb in ihrem Bericht über Abtreibung darüber.

Ich durfte in den letzten Jahren genügend Berichte von Frauen lesen, die nach einer Abtreibung enorm mit sich zu kämpfen hatten und, was auch häufig nicht bekannt ist, oftmals entscheiden sich die Frauen gar nicht völlig frei für eine Abtreibung, sondern werden, wenn noch minderjährig, von den Eltern oder Verwandten dazu gedrängt, oder auch vom Kindsvater. Doch die höchste Abtreibungsquote ist unter Frauen, die in einer festen Beziehung sind und sagen, sie sind noch nicht bereit für ein Kind, oder schon Kinder haben und meinen, sie schaffen es nicht, noch ein Kind zu versorgen. Bei allen Fällen ist häufig der Grund, dass Informationen über Hilfen fehlen, wenn das Kind dann mal da ist. Klar, es gibt durchaus auch Frauen, die keinerlei Skrupel haben und sich auch noch für die Durchführung ihrer Abtreibungen rühmen und sich fortschrittliche Feministinnen nennen, die vollkommen selbstbestimmt über ihren Körper bestimmen können. Wie wäre es, wenn man die Sichtweise etabliert, dass ein noch ungeborenes Kind ein Teil der Frau ist? Und sie somit einen Teil von sich abtötet?


Sehr interessante Beiträge zu dem Thema:
Bilder mit freundlicher Genehmigung von Photo by Maria Oswalt on Unsplash und Pixabay

4 Replies to “Wie ich mit dem Thema Abtreibung in Berührung kam”

  1. Vielen Dank für diesen bewegenden Artikel. Ich möchte diesen an sich gar nicht kommentieren; er steht für sich. Nur noch eine Bemerkung zu deinem Schlussgedanken:

    Wie wäre es, wenn man die Sichtweise etabliert, dass ein noch ungeborenes Kind ein Teil der Frau ist? Und sie somit einen Teil von sich abtötet?

    Ich glaube nicht, dass das eine gute Sache wäre.

    Zum einen stimmt es ja nicht, dass das Kind ein Teil der Frau ist, und ich halte im Allgemeinen nichts davon, für einen guten Zweck Lügen einzusetzen (um es mal drastisch zu sagen).

    Zum anderen glaube ich auch nicht, dass dieser Trick so gut funktionieren würde. Dass das ungeborene Kind ein Teil der Frau, oder zumindest, dass es kein eigenständiger Mensch ist, wird ja gerade von Abtreibungsbefürwortern propagiert, damit sie sich auf das Selbstbestimmungsrecht der Frau berufen können. Einen Teil von sich muss jede Frau ungestraft töten können, einen anderen Menschen darf sie nicht töten.

    Nein, das Kind ist bereits das: ein Kind. Das sollte man deutlich machen. Die oft fatalen Folgen einer Abtreibung für die Frau kann man meines Erachtens gerade damit plausibel machen. Wie viele Frauen würden denn einen Arzt bitten, ihr unerwünschtes geborenes Kind zu töten? Wäre es nicht jeder Frau klar, was das für ihre eigene Seele bedeuten würde? Wenn sich das Bewusstsein etablieren würde, dass das ungeborene Kind genauso Kind ist wie das geborene, wären wir wahrscheinlich einen großen Schritt weiter.

    Als ich meine heute 17-jährige Tochter das erste Mal mittels Ultraschall sah, wurde mir klar, was vielleicht eine gute Therapie gegen Abtreibung sein könnte: den Frauen ihre Kinder mittels Ultraschall zu zeigen. Bei uns war es damals nur ein 2D-Ultraschall. Mit einem 3D-Ultraschall würde es wahrscheinlich noch besser funktionieren.

    Aber vielleicht haben viele Frauen ihr Kind durchaus dank Ultraschalluntersuchung gesehen und sich trotzdem für eine Abtreibung entschieden. Schwangerschaftskonflikte können massiven Druck machen und konsequente Propaganda der Art „Das ist nur ein Zellklumpen“ in Verbindung mit einer gegenüber Ungeborenen indifferenten Gesellschaft hinterlässt ihre Spuren.

    1. Danke für deinen Kommentar. Ich las mal, dass das noch ungeborene seine DNA im Gehirn der Mutter platziert und man bei der Mutter dann im Gehirn nachweisen könnte, ob sie ein Kind bekommen hat. Leider weiß ich nicht mehr, wo ich den Beitrag las. Von dem her ja, es ist ein eigenständiger Organismus, der da im Körper einer Frau heranwächst. Trotzdem ist es ein Teil von ihr, mit ihrem Organismus verbunden, es wächst in ihr heran, mit ihrem Blut. Wenn man es nun herausreißt, nimmt man ein Stück von ihr mit, was auch auf die geistliche Ebene zurückführen kann. Nicht umsonst denken Frauen noch viel an ihr Kind, welches z.B. zur früh abgeht und noch nicht von alleine überlebensfähig ist. Es gibt mittlerweile sogar Friedhöfe für diese sogenannten Sternenkinder. Und andere Frauen treiben ihre Babys in dem Alter ab, in dem sie andere Frauen diese mit Tränen zu Grabe tragen. Da kann doch was nicht stimmen…

      1. Im Rahmen der gegenwärtigen Schwangerschaft meiner Frau habe ich erfahren, dass die DNA des ungeborenen Kindes im Blut der Mutter (und damit dann natürlich auch in ihrem Gehirn) vorhanden ist. Darauf basieren nämlich gewisse Gentests, die ohne Fruchtwasserentnahme auskommen und deshalb im Gegensatz zu den Tests mit Fruchtblasenpunktierung risikolos sind. Vorher war ich immer davon ausgegangen, dass die kindliche DNA nicht über die Plazenta hinauskommt.

        Der Kontrast zwischen den Frauen, die ihre fehlgeborenen Kinder begraben und denjenigen, die sich öffentlich mit ihren Abtreibungen brüsten, ist wirklich unfassbar. Was geht in den letztgenannten Frauen vor?

      2. Das frage ich mich auch… Da zählt nur das Ich, die eigenen Interessen. Egoismus pur. Leider wird das auch propagiert unter den Feministinnen und so sind viele Frauen der Meinung, sie sollten nur in erster Linie auf sich schauen und dass es ihnen gut geht.

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