Du MUSST, wenn du ein guter Christ sein willst

In den letzten Wochen baute ich zwei neue Instagram Kanäle auf, einmal für diesen Blog hier und einmal für einen anderen Blog. Auf dem Instagram Kanal für diesen Blog hier folge ich selbstverständlich bekannten, aber auch unbekannteren christlichen Blogs, Privatpersonen, YouTubern, usw. Alles, was mir in die Vorschlagsliste gespült wurde und ich interessant fand, denen folgte ich. Mittlerweile sind das wirklich einige! Christen, besonders junge Christen sind im Netz sehr aktiv und gehen ziemlich offen mit ihrem Glauben um. Finde ich klasse! Denn das ist in meiner Generation ziemlich übersichtlich.
Vor kurzem stellte ich mal wieder erschreckt fest, dass ich auch nicht mehr die Jüngste bin, die meisten YouTuber, die so aktiv sind, stecken in ihren Zwanzigern, dies ist bei mir nun schon eine Weile vorüber. Eine junge Frau, die sehr aktiv mit der Ausübung ihres Glaubens auf den verschiedensten sozialen Netzwerken ist, postete heute in ihrer Story, die Follower sollen doch bitte für sie beten, sie würde in einem Loch stecken, das Bibellesen und Beten würde zu kurz kommen und das gehe auf gut Deutsch gar nicht. O-Ton: ein guter Christ MUSS täglich seine Stille Zeit machen und beten, denn nur dann ist das Glaubensleben erfüllt und wer das nicht schafft, ist ein schlechter Christ. Vielleicht ist das auch nur meine subjektive Interpretation dessen, weil mir das in den verschiedensten Gemeinden in der Vergangenheit oft genug einbläut wurde.

Seit ein paar Jahren sehe ich es entspannter. Beten und Bibellesen ist keine Pflichtübung, die man täglich runterreißen muss, damit man ein guter Christ ist/ bleibt und falls man es mal nicht schafft, man an seinem Glaubensleben zweifelt.

Für alles auf der Welt hat Gott schon vorher die rechte Zeit bestimmt. In das Herz des Menschen hat er den Wunsch gelegt, nach dem zu fragen, was ewig ist. Aber der Mensch kann Gottes Werke nie voll und ganz begreifen.

Prediger 3,11

Wie ihr wisst, bin ich Mutter von drei Kindern. Seitdem ich Kinder habe, ist es mit der Ruhe vorüber. Seit mittlerweile knapp sieben Jahren habe ich einen konstanten Lärmpegel im Haus, der mit jedem Kind mehr wurde, was auch an der Selbstbetreuung liegt. Ruhe für Stille Zeit? Ein Traum aus lang vergangenen Zeiten und eine ganze Weile setzte ich mit dieser Tradition, mich jeden Morgen hinzusetzen und in meinem Stille-Zeit-Andachtsbuch zu lesen, aus. Erst als ich die YouVersion Bibel App fand, wurde es wieder mehr, was absolut nicht zum Nachteil meines Glaubenslebens war und ist! Trotzdem fehlte mir die Regelmäßigkeit und es stellte sich auch ein schlechtes Gewissen ein, weil ich es nicht täglich schaffte. Bis ich mir vor einiger Zeit dachte, warum habe ich eigentlich ein schlechtes Gewissen? Die Zeit mit Gott sollte mir Freude bereiten, die Gemeinschaft mit meinem Vater im Himmel sollte ein freudiges Ereignis für mich sein, wenn ich dies nur aus reinem Pflichtgefühl absolviere, ist es eine Tradition, etwas was man halt so machen muss, wenn man ein guter Christ sein will, aber es kommt nicht von Herzen. Gott möchte Gemeinschaft mit seinen Kindern, weil er uns liebt, aber er möchte auch, dass wir das mit Liebe und Freude im Herzen ausführen. Ich stelle es mir so vor, wie wenn man Gott jeden Morgen zu einer Tasse Kaffee an den Esstisch einlädt (ich mache meine Stille Zeit bei einer Tasse Kaffee am Esstisch) und mit seinem Vater ein kurzes Pläuschchen über das Leben hält. Ermutigung, Ermahnung und Liebe von ihm bekommt und gestärkt in den Tag starten kann. Falls das nicht mehr funktioniert, man keine Liebe mehr für diese Zeit aufbringen kann, müsste man sich fragen, was für Prioritäten man im Leben hat. Hat Gott noch Priorität? Oder sind einem anderen Dinge wichtiger?

Gottes Augen bleibt nichts verborgen; vor ihm ist alles sichtbar und offenkundig. Jeder Mensch muss Gott Rechenschaft geben.

Hebräer 4,13

Dies darf man auch nicht unbedingt als Vorwurf sehen. Eine ganze Weile hatte ich keinen Kopf für Gott. Die Babyphase war für mich bei allen drei Kindern sehr intensiv und nervenaufreibend (sind sie heute noch), sodass ich kaum Luft für anderes hatte. Ich war voll ausgefüllt mit der Betreuung der Babys und Kleinkinder und Gott kam während der Zeit, in Bezug auf die Stille Zeit, ganz eindeutig zu kurz. War mir Gott böse deswegen? Ich glaube nicht. Gott sieht das Gesamtbild meines Lebens, er weiß, was mit mir geschieht, er hat den Überblick über mein Leben. Er kennt meine Gedanken, noch bevor ich sie gedacht habe. Er kennt meine Wünsche, meine Sehnsüchte, meine Begierden, meinen Zorn, meine Abneigungen, mein Versagen, meine Geheimnisse. Vor ihm ist nichts verborgen und auch wenn ich mich als Mensch von ihm fortbewege, oder das Leben einen während einer kurzen Zeit überfordert oder vollständig ausfüllt, sodass ich mich nicht mehr um Gott kümmere, bleibt er an meiner Seite. Er macht mir keine Vorwürfe, er bleibt mein Vater, auch wenn ich mich eine Weile von ihm entferne. Selbstzerfleischung, Selbstvorwürfe, ein schlechtes Gewissen, weil man seiner „Pflichtübung“, der Stillen Zeit, oder den Gang in den Gottesdienst, nicht wahrnimmt, oder wahrnehmen kann, sind nicht Gottes Gedanken. Hier muss man sich bewusstwerden, dass dies der Satan ist, der einen niederdrücken möchte, der einen in Krisen, Nöten, Zeiten der Überforderung, noch einen zusätzlichen Tritt in den Allerwertesten gibt, damit wir am Boden bleiben.

Die Unterdrückten finden Zuflucht bei Gott, in schwerer Zeit ist er für sie wie eine sichere Burg.

Psalm 9,10

Wie läuft nun meine Stille Zeit zurzeit ab? Am Morgen, nachdem die Kinder ihr Frühstück hatten, oder noch aktiv dabei sind, nehme ich mein Smartphone zur Hand, öffne die YouVersion Bibel App, öffne meinen aktuellen Leseplan und beginne zu lesen. An manchen Tagen muss ich mehrmals unterbrechen, weil die Kinder zu laut sind, an manchen Tagen komme ich ohne Probleme durch. Manchmal muss ich die Kinder zur Ruhe mahnen, oder ich warte, bis sie mit Frühstück fertig und schon wieder vom Tisch aufgestanden sind. Fünf Minuten! Mehr benötige ich nicht, um die tägliche Bibellese plus Bibelvers zu lesen. Das ist absolut nicht viel Zeit und doch kostet es einen ab und an Überwindung. Das Gebet nimmt den Platz zwischendurch unter Tags ein. Keine feste Zeit. An manchen Tagen kommt es nicht dazu, an manchen Tagen ist es ganz intensiv. Wovon ich mich jedoch ganz vehement lösen möchte, ist das schlechte Gewissen, welches aufkommt, wenn ich mal nicht so viel Zeit für Gott habe, denn dieses schlechte Gewissen kommt nicht von Gott, das muss man sich merken! Glaube ist keine Pflichtübung, Glaube basiert auf Freiwilligkeit, aus der Liebe zu unserem Schöpfer, unserem Vater, unserem besten Freund, unserem Beschützer, unserem Lehrer. Sobald du das Gefühl hast: Du MUSST, geschieht es nicht mehr aus Liebe. Gott vergibt, Gott verzeiht einem ALLES. Auch Zeiten, in denen man seinen Vater links liegen lässt, keine Zeit für ihn hat, oder das Gefühl hat, es geht gerade nicht, ich kann nicht, bleibt er an meiner/deiner/unserer Seite. Wichtig ist, dass man irgendwann die Kurve kriegt und sich seinem Schöpfer wieder zuwendet.

Bild mit freundlicher Genehmigung von Bild von congerdesign auf Pixabay

2 Replies to “Du MUSST, wenn du ein guter Christ sein willst”

  1. Wichtiger ist nach dem Wort Gottes zu leben als die Bibel auswendig zu kennen. Und Jesus selbst ist das Wort, das zu uns spricht und die Wahrheit, die der Geist Gottes uns offenbart.

    1. Es geht weniger um die Bibel und das Wort, sondern eher um die persönliche Beziehung zu Jesus, richtig. Aber diese sollte eben gepflegt werden und da hilft uns die Bibel und das persönliche Gespräch mit Gott (Gebet). Wenn wird dem keinen Platz in unserem Leben einräumen, ist die Beziehung zu Gott nicht gut und wir werden anfällig für den Widersacher.

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