Warum ich den Kontakt zu meinem Vater abbrach und wie ich ihm vergeben durfte

Wer meine Blogbeiträge kennt, der hat sicher schon gelesen, dass das Verhältnis zu meinem leiblichen Vater sehr problembehaftet ist. Nein, er hat mir nichts Böses getan, jedenfalls nichts Offensichtliches. Seelische Wunden sind oft weitaus tiefer, als körperliche.

In einem anderen Beitrag schrieb ich schon einmal, wie ich mir die perfekte Vater- Tochter- Beziehung vorstelle:

Nun, bei mir war das nicht so.

Acht Jahre lang sah ich meinen Vater nicht, weil ich keinen Kontakt zu ihm wollte und er offensichtlich auch nicht, denn es kam recht wenig, bis gar nichts von ihm. Mein Bruder meinte einmal, er würde sich nicht trauen, warum auch immer. Wahrscheinlich ein schlechtes Gewissen. Durchschnittlich alle zwei Jahre rief er mich kurz an und sagte mir, dass er mich lieben würde. Vermisste ich ihn? Ja. Aber nicht so wie er ist, sondern so, wie ich ihn mir vorstellte: Einen liebenden Vater, der mich unterstützt, mich annimmt so wie ich bin und für mich da ist.

Ist nicht so, war nie so.

Obwohl, nie stimmt auch nicht so ganz. Er hat es eine ganze Weile versucht. In seinen guten Zeiten, in denen er sich auch voll und ganz auf den Gott der Bibel konzentriert hat, als die christliche Gemeinschaft in die wir länger gingen, einen hohen Stellenwert hatte und meine Eltern dort regen Austausch mit anderen Christen hatten. Seitdem er damit nichts mehr am Hut hat, ist er wieder abgestürzt. Drogen und Alkohol bestimmten sein Leben. Seine Gedanken waren wirr und sein Wesen vollkommen unausgeglichen. Niemand, den man um sich haben möchte, da er alles durcheinander bringen würde. Er war ein unruhiger Geist, der für mich, der für uns nicht gut gewesen wäre.

Im Grunde bin ich mit mir im Reinen, wenn ich jedoch einen Menschen, mit unruhigem Geist um mich habe, werde auch ich unruhig. Daher halte ich mich von solchen Menschen fern. Und somit auch von meinem Vater. Er ist mein Vater. Ich liebe meinen Vater, auch wenn ich ihn nicht um mich haben möchte.

Jedes Kind liebt im Grunde seine Eltern, egal was diese tun oder getan haben und wenn es sie nicht mehr liebt, hasst ein Kind seine Eltern. So weit wollte ich es nie kommen lassen, denn Hass zerstört einen Menschen und ich überlegte mir, wie ich das vermeiden kann. Die Antwort kam ziemlich schnell: Ich muss ihm vergeben! Meine Antwort darauf: Ich kann nicht!!! Es dauerte Jahre, viele Jahre, bis ich an dem Punkt war, ihm vergeben zu können. 

Vergeben können ist ein Prozess, der auch beinhaltet, dass man sich mit sich selbst und seiner Vergangenheit ehrlich auseinandersetzt.

Es dauerte ebenso viele Jahre, bis ich wirklich ehrlich zu mir selbst war. Wer ich bin, was mich ausmacht und vor allem auch, was ich nicht bin! Ich wollte immer so sein, wie irgendjemand anders, der mir halt gerade in diesem Lebensabschnitt gefiel und passte mich an. Dadurch verpasste ich lange Jahre die Chance, meine Gaben und Talente wirklich zu erkennen und auszuleben. Gut, dazu gehört auch eine ordentliche Portion Selbstliebe, Selbstannahme und vor allem Selbstbewusstsein. All dies bekam ich durch mein Elternhaus nicht mit. Heute weiß ich: Ich bin gut so, wie ich bin!
Seitdem ich meinem Vater vergeben durfte, ist mir eine riesige Last von den Schultern gefallen. Ein Druck, der mein ganzes Leben bestimmte, mein Denken, mein negatives Fühlen auch und vor allem Männern gegenüber, war weg!

Danke Jesus! ❤ Denn aus mir allein heraus, hätte ich meinem Vater nie vergeben können.

Heute weiß ich, dass Gott mein Vater ist und er mir meinen großartigen Mann hier auf Erden gesendet hat, damit meine Kinder eben einen solchen Vater, wie ich mir immer einen gewünscht hätte, haben dürfen. Er hat mich innerlich geheilt. Mir Frieden gegeben und Freiheit, das zu tun, wofür ich meine Gaben und Talente bekommen habe.

Ich bin gespannt, was die Zukunft noch bringt! Derzeit findet eine leichte Annäherung zu meinem Vater statt, die Kinder mögen ihn und gehen ganz unbedarft auf ihn zu. Allerdings beobachte ich das Geschehen mit Argusaugen, weil ich nicht möchte, dass meine Kinder ebenso verletzt werden, wie ich dazumal. Zudem wünsche ich mir für meine Geschwister, dass sie unserem Vater vergeben können und erkennen, dass sie echte Liebe nur von ihrem Vater im Himmel bekommen können und nicht von unserem leiblichen Vater.

Bild mit freundlicher Genehmigung von Anni Side | andererseits.at

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